Die Sorge um eine Ausweitung der Konflikte in Ukraine und Israel–Gaza–Iran wächst. Die einen meinen „Wir stehen kurz vor einem Weltkrieg“ (Jeffrey Sachs in Anlage (1) unten). Andere sprechen von „Drecksarbeit“ (Friedrich Merz in (2)). Viele meinen -gerade in Deutschland -, alles besser zu wissen und die Lösung parat zu haben, vor allem verbal. Friedensbewegte und Pazifisten werden oft als Andersdenkende und realitätsferne Spinner abgetan.
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Der Nahostkonflikt und das zugrundeliegende Problem von Judentum und Christentum vs Islam ist so vielschichtig, daß es nur logisch ist, wenn darüber in Deutschland auch innerhalb der politischen Parteien – vor allem innerhalb der CDU, SPD und der AfD – ein Dissens und Meinungsstreit entbrannt ist. Nun kann „Die Sicherheit von Israel ist für Deutschland Staatsräson“ (Merkel 2008, Scholz 2023) nicht nur Verbalattitüde bleiben.
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Bei alle dem benötigen wir eine offene, freie und angstfreie Diskussion, die alle Bürger einbezieht, alle Meinungen ernst nimmt und deren Argumente abwägt. Es gilt, alle zu respektieren – ob links oder rechts, ob oben oder unten oder sonstwas. Und über alle dem: Wir brauchen Friedensrhetorik statt Kriegsrhetorik.
Hinweis: Friedenswoche StoppRamstein 22. bis 29.6.2025 (1.5.2025)
20.6.2025
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Ende von Beitrag „Israel-Iran: Sorge Besserwisserei“
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Beginn von Anlagen (1) – (3)
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(1) US-Professor Jeffrey Sachs: „Wir stehen kurz vor einem Weltkrieg“
Der Columbia-Professor sieht die Gefahr der Eskalation in Nahost. Seymour Hersh sagt, ein massiver US-Schlag soll schon an diesem Wochenende erfolgen.
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Friedrich Merz sagte, Israel erledige die „Drecksarbeit“ für uns. Was halten Sie von dieser Bemerkung?
Das war eine erschreckend ungeschickte und plumpe Aussage. Der Weg zu einem atomwaffenfreien Iran führt über Diplomatie. Die deutschen Politiker sollten es besser wissen und dem deutschen Volk und der Welt die Wahrheit ehrlich und rational sagen. Wer ist aus dem JCPOA ausgestiegen? Hinweis: Es war nicht der Iran. Es waren die Vereinigten Staaten.
Wie viele deutsche Politiker sagen dumme Dinge, um die USA in Amerikas wiederholter Rücksichtslosigkeit zu decken? Die deutschen Politiker sollten die Wahrheit sagen, keinen Unsinn, um Deutschland, Europa und die Welt aus dem Krieg herauszuhalten. Das bedeutet, die Wahrheit über das Fehlverhalten der USA zu sagen. Hier sind neun Wahrheiten, die Bundeskanzler Merz dem deutschen Volk erklären sollte.
Erstens: Die USA, nicht der Iran, haben den JCPOA gekündigt.
Zweitens versprachen die USA (und Deutschland) der sowjetischen und russischen Führung im Gegenzug für die deutsche Wiedervereinigung keine NATO-Erweiterung. Dann brachen die USA und Deutschland vorsätzlich ihr Versprechen.
Drittens wusste Deutschland (insbesondere Bundeskanzlerin Merkel) auf dem NATO-Gipfel 2008 in Bukarest, dass die Einladung der Ukraine und Georgiens in die NATO rücksichtslos und destabilisierend wäre, fügte sich aber stillschweigend der US-Forderung.
Viertens verschworen sich die USA im Februar 2014 zum Sturz von Präsident Wiktor Janukowitsch und lösten damit den Ukraine-Krieg aus.
Fünftens gab Deutschland seine Verantwortung zur Verteidigung des Minsk-II-Abkommens im Normandie-Rahmen auf, als die USA Deutschland aufforderten, Minsk II zu ignorieren.
Sechstens sprengten die USA die Nord Stream-Pipeline, obwohl sie wiederholt versprochen hatten, die Pipeline zu beenden, unter anderem durch Biden in einer Pressekonferenz am 7. Februar 2022 in Anwesenheit von Bundeskanzler Scholtz.
Siebtens platzten die USA im April 2022 mit dem Abbruch eines fast abgeschlossenen Friedensabkommens zwischen Russland und der Ukraine.
Achtens begehen Israel und die USA in Gaza einen regelrechten Völkermord.
Neuntens: Israel und die USA erledigen nicht die „Drecksarbeit“ Deutschlands, sondern bringen die Welt in Wahrheit einem Atomkrieg näher – ein eklatanter und vulgärer Verstoß gegen die UN-Charta.
… Alles vom 19.6.2025 von Jeffrey Sachs bitte lesen auf
https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/us-professor-jeffrey-sachs-wir-stehen-kurz-vor-einem-weltkrieg-li.2335038
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(2) Der Sturz der Mullahs im Iran befreit auch Deutschland
Die israelische Luftwaffe erledigt tatsächlich die „Drecksarbeit“ (Friedrich Merz) für Deutschland – in einem viel weiteren Sinne: Sie kann das Ende des woken Wahns mit sich bringen. Das ist eine realistische Hoffnung. Quasi nebenbei macht sich auch die Klima-Politik lächerlich.
… Alles vom 18.6.2025 von Roland Tichy bitte lesen auf
https://www.tichyseinblick.de/meinungen/sturz-der-mullahs-im-iran-befreite-auch-deutschland
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(3) Der Sturz der Mullahs im Iran
Eine Chance auch auf Beendigung des 68er-Früh-Wokeismus
Der Sturz der Mullahs in Teheran markiert nicht nur einen geopolitischen Einschnitt, er entlarvt auch die ideologischen Altlasten in Deutschland. Denn die geistige Nähe der westdeutschen 68er-Bewegung zur Islamischen Revolution von 1979 war nie ein Zufall, sondern Ausdruck eines weltanschaulichen Schulterschlusses gegen „den Westen“. Der Kampf gegen den Schah diente als Projektionsfläche für antiamerikanische und antikapitalistische Ressentiments, nicht als Einsatz für Freiheit.
Die geistigen Nachfahren von Dutschke, Cohn-Bendit und Roth wollten nicht emanzipieren, sondern ersetzen: den westlichen Liberalismus durch eine diffuse Melange aus Marxismus, Romantik und – wo nötig – islamischem Antimodernismus. Dass sie mit ihrer Verklärung des Ayatollah-Regimes einen blutigen Gottesstaat legitimierten, wurde bewusst verdrängt. Menschenrechte galten nur, wenn sie gegen westliche Demokratien eingesetzt werden konnten.
Mit dem Aufstieg des Mullah-Regimes wurde der Nahe Osten zum Spielfeld linker Projektionssehnsüchte und zum Pulverfass der Region. Der Iran sabotierte Frieden, befeuerte islamistischen Terror und machte Antisemitismus zur Staatsdoktrin. Deutschland jedoch zahlte weiter: mit Milliardenhilfen, diplomatischer Anbiederung und einer rotgrünen Appeasement-Kultur, die bis heute ungebrochen scheint.
Dieser ideologische Schulterschluss wirkt bis in die Gegenwart: Der politische Islam wird selbst in Deutschland geschützt, verhätschelt, verharmlost von jenen, die sich als moralische Avantgarde inszenieren. Der Schleier wird verteidigt, während man Frauenrechte predigt. Man solidarisiert sich mit Hamas-Parolen, während man Regenbogenflaggen schwenkt. Das Ergebnis ist eine groteske Mischung aus Heuchelei und Selbstverrat.
Dass junge Aktivisten wie Lisa Neubauer oder Greta Thunberg heute in die Fußstapfen der 68er treten, zeigt nicht nur eine historische Naivität, sondern eine gefährliche Unfähigkeit zur Unterscheidung. Die „Freiheit“ wird wieder gegen die westliche Welt verstanden, nicht als universelles Recht. Kritik an Israel? Erlaubt. Kritik am Mullah-Regime? Schweigen. Die doppelte Moral lebt weiter, diesmal grün gestrichen.
Umso mehr ist der Niedergang Teherans auch eine Chance für Deutschland: zur Abkehr von falscher Toleranz, zu einem klaren Bekenntnis zu Freiheit, Aufklärung und Rechtsstaat. Der politische Islam, der unsere Schulen, Moscheen und Sozialräume durchdringt, gehört nicht zu Deutschland – und darf nicht länger mit Staatsknete hofiert werden. Integration heißt nicht Unterwerfung unter religiöse Parallelwelten.
Der Fall Iran zeigt exemplarisch, wie gefährlich ideologische Irrwege werden können, wenn sie zur staatlichen Praxis werden. Was als antikolonialer Aufbruch begann, endete in Terror, Frauenunterdrückung und Antisemitismus. Die antideutsche Linke aber will davon nichts wissen; sie klammert sich an ein Weltbild, das gescheitert ist. Der Fall der Mullahs wäre der perfekte Anlass, auch in Deutschland endlich aufzuräumen.
.. Alles vom 18.6.2025 bitte lesen im Newsletter von https://www.tichyseinblick.de