Evakuierungszone AKW Fessenheim von 10 auf 25 km ausweiten

Markus Ragg, im Regierungspräsidium für Katastrophenschutz zuständig, sagte in der Sitzung des Ausschusses für grenzüberschreitende Zusammenarbeit: „Es geht nicht immer alles schnell und unproblematisch“ – und es werde noch geprüft, ob die Evakuierungszone um das AKW Fessenheim auf 25 Kilometer ausgeweitet werden kann. Fürwahr es geht (und ging) nicht schnell – denn schon seit Jahren fordern Umweltverbände und Initiativen diese Erweiterung. Obwohl man weiß, dass eine radioaktive Wolke nicht am Zehn-Kilometer-Radius Halt macht, hat man auf das Prinzip Hoffnung gesetzt, dass schon nichts passieren werde. Aber ist das ernsthafte und effektive Vorsorge?Außer der Ausweitung der Räumungszone wären realitätsnahe Evakuierungsproben nötig. Im Falle eines schweren Unfalles im AKW weiß der Großteil der Bevölkerung nicht, was zu tun ist. Aber außer verwaltungsbezogenen Übungen ist bisher kaum etwas gegangen. Die Notfallbroschüre ist nur wenigen bekannt und nicht sehr hilfreich. Wir sind immer noch auf dem gleichen Stand wie vor 30 Jahren. Die Frage kann nicht heißen: Soll oder kann die Evakuierungszone ausgeweitet werden, sondern: Sie muss ausgeweitet werden, denn wir haben nicht das Glück wie die Japaner bei Fukushima, dass der Wind den radioaktiven Fallout fast vollständig über den menschenleeren Ozean treibt. Bei uns ist ringsum dichtbesiedeltes Land und man muss davon ausgehen, dass in der Entfernung von 20 bis 30 Kilometern um das AKW die Verstrahlung so stark sein wird, dass diese Zone für lange Zeit unbewohnbar sein wird.
Seit Tschernobyl und vielen Studien weiß man, dass die radioaktive Wolke über Baden-Württemberg bis nach Bayern und darüber hinaus getragen würde. Schon vor 25 Jahren haben Atomgegner mit Heliumgas gefüllte Ballons am AKW steigen lassen – einige sind bis in den Raum Ulm geflogen. Bei einem Versuch vor vier Wochen flogen einzelne Ballons über Stuttgart hinaus über die Schwäbische Alb bis an die bayerische Grenze. Insofern ist eine Zone von zehn Kilometern lächerlich. Aber es ist klar, dass man sich scheut, sie zu erweitern, denn dann müssten die Großstadt Freiburg und kleinere Städte wie Breisach, Müllheim, Neuenburg und Bad Krozingen geräumt werden. Die Zahl der zu evakuierenden Menschen würde sich verzehnfachen. Das erscheint nicht nur sehr „schwierig und komplex“, wie die Regierungspräsidentin sagte, sondern es ist unmöglich, hier eine auch nur halbwegs effektive Evakuierung durchzuführen. Daher kann die Forderung nur lauten: Das Atomkraftwerk Fessenheim sofort abschalten. Für die Stilllegung müssten sich viel mehr Menschen aktiv einsetzen. Nur auf Präsident Hollande zu hoffen, ist zu wenig.
Franz Schneider, Heitersheim, für das Aktionsbündnis „Fessenheim stilllegen. Jetzt!“

Artikel „Keine neuen Evakuierungspläne“ in der BZ vom 10. Juli 2012:
https://www.badische-zeitung.de/kreis-breisgau-hochschwarzwald/fuer-fessenheim-gibt-es-keine-neuen-evakuierungsplaene–61439470.html

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