Grooming

Home >SexuellerMissbrauch >Vergewaltigung >England >Migration-Kriminalitaet >Grooming

Gelbe Arnika auf der noch ungemähten Wiese bei Freiburg am 20.5.2026

Gelbe Arnika auf der noch ungemähten Wiese bei Freiburg am 20.5.2026

 

„Grooming“ – Kontaktanbahnung zum Missbrauch
Als Grooming versteht man das schrittweise Aufbauen von Vertrauen durch einen Täter, um Kinder oder Jugendliche für illegale Dienste oder sexuell auszunutzen. Das Wort selbst ist dem Englischen entlehnt und bedeutet übersetzt Körperpflege – oft gegenseitiges Kämmen, Putzen, Striegeln. Zunehmend wird der Begriff ausschließlich für die beschriebene Praxis Pädokrimineller gebraucht. Aktuelle Fälle umfassen auch solche, bei denen die Anbahnung im Internet geschieht. Sie werden als Cyber-Grooming beschrieben. Erwachsene nähern sich dabei in sozialen Medien oder in Computerspiel-Chats Jugendlichen und Kindern mit Freundlichkeiten und Aufmerksamkeiten an.
Die Grooming-Banden Nord­englands, die seit 1997 wohl Zehntausende Mädchen missbrauchten und vergewaltigten, zeichneten sich auch durch eine rassistische Motivation aus. Dort suchten Gruppen von oft pakistanischstämmigen Migranten vor allem weiße Mädchen als Opfer aus. Der Grund dafür war auch, dass der Rechtfertigungsdruck gegenüber dem eigenen Gewissen und dem näheren Umfeld für die Taten so geringer war – nach dem Motto „weiße Mädchen sind alle Schlampen“, und die eigene Ethnie so „reingehalten“ werden soll. (Marius Plutz, JF)
============================================================

.

Grooming-Fälle Nürnberg – Vergewaltiger-Banden England
Neue Verbrechensstruktur: Die Grooming-Fälle von Nürnberg lassen schlimmste Erinnerungen an die Vergewaltiger-Banden von Nordengland hochkommen.
Geschenke, Drogen, Gewalt
Die JF war vor Ort in Nürnberg

Gegen elf Tatverdächtige ermittelt die eigens gegründete Einsatzkommission „EKO Kajal“ in Nürnberg. Zu den Verdächtigen gehörten laut der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth bisher Syrer, Bosnier, Iraker, Pakistaner und Nord­afrikaner. Drei davon sitzen in Untersuchungshaft. Darunter ein 22jähriger Syrer. Er soll einem Mädchen ein verschreibungspflichtiges Schmerzmittel verabreicht und sie in seiner Wohnung vergewaltigt haben. Gegen vier der Verdächtigen wird unter anderem wegen Abgabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige und Sexualdelikten ermittelt. Bei den anderen hat es noch nicht für einen Haftbefehl gereicht, sagt Oberstaatsanwältin und Pressesprecherin Heike Klotzbücher der JUNGEN FREIHEIT.
Das jüngste Opfer der Banden war nach aktuellem Erkenntnisstand 13 Jahre alt. 16 Geschädigte gibt die Polizei Mittelfranken gegenüber der JF an. Die Zahl sei aber Teil der laufenden Ermittlungen und daher nicht belastbar. Klotzbücher, deren Staatsanwaltschaft die „EKO Kajal“ leitet, ergänzt: „Viele der Opfer scheinen aus schwierigen Wohn- und Familienverhältnissen zu stammen. Ein stabiles familiäres Umfeld ist in den meisten Fällen wohl nicht gegeben.“
Das Nachrichtenportal Nius konnte zwei betroffene Mädchen auf dem Platz sprechen. Eine heute 14jährige schildert ihren Einstieg in die Szene vor zwei Jahren: „Es hat so angefangen, dass ich mit einer Freundin im Sommer dort war. Dann wurden wir angesprochen von einem Algerier, ob wir einen Joint rauchen wollen. Wir haben ja gesagt, weil wir es ausprobieren wollten. Schon da hat es angefangen, dass sie uns anfassen wollten und so was.“ Die Männer hätten hinter ihrer Schule gewartet, die direkt an den Nelson-Mandela-Platz auf der Rückseite des Bahnhofs grenzt.

Das jüngste Opfer ist laut Polizei 13 Jahre alt
Die Stadt ist jetzt spürbar bemüht, Präsenz und Stärke zu demonstrieren, zeigt der Besuch vor Ort. Der Haupteingang des Nürnberger Hauptbahnhofs begrüßt den Besucher mit zwei Polizeiautos, die demonstrativ vor dem Gebäude stehen. Die bundesweite Presseaufmerksamkeit für die Grooming-Fälle (siehe Info-Kasten) zeigt wohl Wirkung. Beim Gang durch den Bahnhof vergehen kaum fünf Minuten, ohne dass sich Polizisten oder private Sicherheitskräfte blicken lassen. Regelmäßige Lautsprecherdurchsagen untermalen den Eindruck. Vor dem Bahnhof in Richtung der Königstorpassage gilt eine Waffenverbotszone. Rund um das Gebäude ist auch Alkohol verboten – Cannabis soll folgen.
Das Problem ist seit langem bekannt. In einer ZDF-Doku über den Bahnhof geben die Beamten selbst zu, dass sie die schwierige Lage kaum kontrollieren können. Am Südeingang gebe es „Großgruppen von Betäubungsmittelhändlern, die sich dort auch gegenseitig bekriegen. Das heißt, es kommt auch immer wieder zu Massenschlägereien auch unter Einsatz von Dachlatten, abgebrochenen Flaschen und Taschenmessern.“

Auf dem Vorplatz neben dem Haupteingang steht Erkan K. mit seinem Taxi und wartet rauchend auf Kundschaft. Der gebürtige Türke ist Anfang 50 und lebt seit 25 Jahren in Deutschland, doch so schlimm wie heute sei es rund um den Bahnhof noch nie gewesen, erzählt er der JF. „Die Jungs bedrängen Mädchen, sie gehen ihnen nach. So etwas gab es vor zehn Jahren nicht.“ Auf die Frage, ob er seine Tochter hier am Abend alleine laufen lassen würde, lacht er: „Ich habe zum Glück drei Söhne.“

Die Polizei zeigt Präsenz, wird der Lage aber nicht Herr
Ein Grund dafür, warum Orte wie der Nürnberger Hauptbahnhof mit seinen täglich durchschnittlich 130.000 Reisenden oder der dahinter liegende Nelson-Mandela-Platz Tür und Tor für Kriminalität öffnen, ist die Bauweise. Das Gebäude von 1906 im Stil des Neubarock besitzt zahlreiche Ein- und Ausgänge, darunter den Bahnhofsplatz auf der Innenstadtseite, die Königstorpassage, die Zugänge zum Handwerkerhof, mehrere U-Bahn-Abgänge, den Südausgang Richtung Mandela-Platz sowie Verbindungen zu Straßenbahn- und Busstationen. Dadurch entstehen viele Laufwege, Unterführungen und schlecht einsehbare Bereiche, in denen sich Menschen schnell bewegen oder unauffällig verschwinden können. Gerade die Mischung aus Bahnhof, Einkaufsdurchgang, U-Bahn-Knotenpunkt, Diskothek und öffentlichem Aufenthaltsort macht den Komplex auch für Polizei und Sicherheitskräfte schwer kontrollierbar. Mit 2.300 Straftaten ist er einer der gefährlichsten Bahnhöfe Deutschlands und hat schon viele Schlagzeilen gemacht.

Die Polizei versucht auch das Umfeld stärker zu überwachen. In einigen der angrenzenden Parkanlagen stehen mobile Kamerawagen. Die sollen die Drogenszene verdrängen. Schilderungen eines Opfers, mit dem die Bild sprach, stellen die Aktion in Frage: „Der Polizei bringen die Kameras gar nichts“, sagt die 18jährige. „Beim Dealen gehen die in die Unterführungen oder dorthin, wo die Kameras nicht hinzeigen.“ Vergewaltigt wird zu Hause.

„Man spricht sich an, sagt hallo, dann wird gefragt, ob man was braucht oder nicht,“ sagen die Mädchen gegenüber Nius. Wer mit den Dealern rede, bekomme erst Aufmerksamkeit, dann Drogen – angefangen von Cannabis bis zu harten synthetischen Mitteln wie Crystal Meth. Dann nähmen sie sie mit an ihre Rückzugsorte, wo sie sich geschützt fühlen. Die beiden Mädchen schätzen die Tätergruppe auf 60 bis 80 Personen. Deutsche spielten anders als in den allgemeinen Statistiken des BKA dabei keine Rolle. Bundesweit verzeichnete das Bundeskriminalamt 2024 in seinem „Lagebild Menschenhandel und Ausbeutung“ 364 abgeschlossene Ermittlungsverfahren wegen sexueller Ausbeutung. 14 Prozent mehr als im Vorjahr und ein alarmierender Höchststand seit dem Jahr 2000. 460 polizeilich erfasste Opfer, die zu 95 Prozent weiblich waren, sind aufgeführt. Inwieweit das aktuelle Phänomen da schon Einfluss findet, ist unklar. Die Schilderungen der Mädchen und die Berichte der Drogenhilfe lassen zudem ein massives Dunkelfeld vermuten. Stichhaltige Schätzungen gibt es nicht.

Fragt man Daniela Dahm, erfährt man, dass sie bei ihrer Arbeit als Geschäftsführerin der Drogenhilfe Lilith e.V. seit langem von ähnlichen Vorgängen weiß. „Wir beobachten seit über 30 Jahren, dass – oft ältere – Männer am Bahnhof Kontakt zu sehr jungen Mädchen suchen, und warnen nahezu gebetsmühlenartig vor solchen Entwicklungen“, erklärte sie der Welt. Sie redet von der sogenannten Loverboy-Masche, die seit Mitte der 2000er auch aus Deutschland bekannt ist. Die Polizei warnt bundesweit offensiv davor. Geschenke, Vertrauen aufbauen, an Drogen heranführen und mit Gewalt zur Prostitution zwingen.

Den gegenwärtigen Trend, bei dem oft Dealer junge Mädchen in die Abhängigkeit treiben und dann missbrauchen, „beobachten wir seit ungefähr zwei Jahren“, ergänzt die Sozialpädagogin. Neu bei den Fällen in Nürnberg ist das Ausmaß der Gewalt und die bandenmäßige Organisation der Dealer. Berichten zufolge wurden die Opfer wie bei den zehntausenden Fällen in Nordengland teils wie Spielzeuge herumgereicht (JF 7/26).

Dealer beuten junge Mädchen sexuell aus
Im Gegensatz zu den britischen Grooming-Gangs, die gezielt weiße Mädchen ausgesucht haben, scheint es in Nürnberg auf den ersten Blick kein generelles rassistisches Motiv zu geben. Die Geschädigten hätten sowohl deutsche, rumänische, italienische, kroatische wie türkische Nationalität, erklärt die Pressestelle des Polizeipräsidiums Mittelfranken. „Der Hintergrund der Taten und die Motive der Beschuldigten sind Gegenstand der laufenden Ermittlungen,“ erklärte Staatsanwältin Klotzbücher.
Das Problem bei der Überführung der Täter ist die schwierige Rechtslage. Denn selbst wenn Tatverdächtigte gefasst sind, gestaltet sich die Beweisführung schwierig. Während einer Vergewaltigung sind Täter und Opfer meist allein. In so einem Fall steht also zunächst Aussage gegen Aussage, erklärt Klotzbücher. Daher sei es sehr wichtig, dass Opfer möglichst schnell Anzeige erstatten. Dann könnten genetische oder andere Spuren nachgewiesen werden. Der Gang zur Polizei sei für die Minderjährigen aber oft eine große Hürde. Viele trauten sich nicht. Auch die Angst der Opfer, die Bezugsquellen für die Substanzen zu verlieren oder weitere Gewalt zu erfahren, lassen sie allzu oft stumm bleiben.
Die 14jährige auf dem Nürnberger Bahnhofsvorplatz beschreibt ihre Situation als ausweglos. Die Sucht halte sie gefangen. „Du kannst dir das so vorstellen, dass du Meth kriegst, aber es bleibt nicht nur dabei. Schläge kriegt man viel – oder wirst zu Sachen gezwungen, die du nicht möchtest.“
Dahm von der Suchthilfe spricht eine klare Warnung an alle Eltern aus: Diese sollten sich bewusst machen, dass kein Kind vor Manipulation und Missbrauch sicher sei. Unter den Opfern der aktuellen Fälle seien zwar hauptsächlich Jugendliche aus prekären Verhältnissen – aber ihrer Erfahrung nach eben auch bürgerliche Mädchen, „die zum Beispiel aufs Gymnasium gehen, aus behüteten Familien kommen, deren Eltern sich gut kümmern“. In der Pubertät sei jeder sehr verletzlich. „Es kann wirklich alle treffen.“
… Alles vom 12.6.2026 von Julian Marius Plutz bitte lesen in der JF 25/26, Seite 7