Sport und Studium auf höchstem Niveau erscheinen auf den ersten Blick utopisch. Doch bei gutem Willen aller Beteiligten ist das möglich. Ein erfolgreiches Beispiel liefert bereits seit fünf Jahren die Hochschule Furtwangen mit ihrer Kooperation mit dem Olympiastützpunkt Freiburg. Jetzt konnten die gemachten Erfahrungen durch ein Studienprojekt standardisiert werden. Die beiden Wirtschaftsingenieurstudenten Felix Euteneuer vom Rothaus-Poisen-Team und Markus Bauer, der für das Kirchzartener Lexware-Racing-Team fährt, erarbeiteten mit der Unterstützung von Professor Robert Schäflein-Armbruster eine Konzeption zur inneren Optimierung und externen Kommnuikation der Studienbedingungen für Spitzensportler an der Hochschule Furtwangen. Gemeinsam mit Jürgen Willrett, dem Laufbahnberater am Olympiastützpunkt Freiburg, präsentierten sie die Vereinbarungen jetzt vor den betroffenen Studenten und der Presse in Furtwangen.
Für Professor Schäflein-Armbruster, der Hochschulbeauftragter für den Spitzensport und auch Dekan der Fakultät Wirtschaftsingenieurstudium ist, braucht es kein Sonderstudium für Spitzensportler, sondern „nur die richtigen Regelungen“. An der Hochschule Furtwangen sind derzeit fünfzehn Kadersportler von den für Studium und Prüfungen geltenden Vereinbarungen betroffen. Darunter sind neben den Mountainbikern Markus Bauer und Felix Euteneuer der Paralympics-Schwimm-Medaillengewinner Christoph Burkard aus Rottweil, Skispringer Pascal Bodmer, Biathlet Benedikt Doll aus Hinterzarten sowie Fabian Strecker und Martin Gluth vom Kirchzartener Lexware-Racing Team. Die jetzt getroffenen Vereinbarungen seien, so Prof. Schäflein-Armbruster, in der deutschen Hochschullandschaft einmalig. Sie sorgten für ein standardisiertes Miteinander von Sport und Studium und machten unabhängig von Einzelfallentscheidungen. Die Studenten können die Wahl der Fächer und Prüfungen selbständig entscheiden und ihren individuellen Trainings- und Wettkampfbedingungen anpassen. Die für Spitzensportler vereinbarte Prüfungsordnung garantiert ihnen einen Studienplatz an der Hochschule. Die Verlängerung des Regelstudiums ist bis zu sechs Semestern möglich, Prüfungen können beliebig oft mit sportlicher Begründung verschoben werden und Urlaubssemester sind so viele erlaubt wie nötig sind. Und es werden spezielle Tutoriate eingeräumt. Jürgen Willrett glaubt, dass die Vereinbarungen „eine Entlastung vom Druck im Sport“ nehmen und so eine „duale Karriere“ als Spitzensportler und Student möglich sei. Markus Bauer und Felix Euteneuer empfehlen ihren Kommilitonen, ihr Studium auf dem Hintergrund der Vereinbarungen gut zu planen. Eine elektronische Lernplattform der Hochschule Furtwangen im Internet ermögliche auch bei Trainingslagern und auf Wettkampfreisen individuelles Lernen und den Kontakt zu Mitstudenten. Mit einem vierfarbigen Flyer informieren die beiden, wie „Sport und Studium auf höchstem Niveau“ funktionieren kann. Mehr ist auch unter www.hs-furtwangen.de/leistungssport im Internet zu finden.
Sie freuen sich über die Vereinbarungen zwischen Spitzensportlern und Hochschule: Jürgen Willrett (Olympiastützpunkt), Markus Bauer (Lexware-Racing-Team), Prof. Robert Schäflein-Armbruster (Hochschule Furtwangen) und Felix Euteneuer (Team Rothaus-Poisen) (v.l.). Foto: Gerhard Lück
Gerhard Lück, 10.10.2012, www.dreisamtaeler.de