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- Samuel Huntingtons „Kampf der Kulturen“ : Ukrainekrieg, Gaza, islamisierung (20.10.2025)
- Die intellektuelle Selbstzerstörung des Westens: Woke-islamistische Allianz (17.10.2025)
Samuel Huntingtons „Kampf der Kulturen“ : Ukrainekrieg, Gaza, islamisierung
Samuel Huntingtons „Kampf der Kulturen“ hätte als Anleitung für eine realistische geopolische Strategie des Westens dienen können. Huntingtons Hellsicht nahm vieles in den Blick, was dann tatsächlich so kam. Am Ende wurde uns kulturrelativistische Ignoranz zum Verhängnis. Von Heinz Theisen
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Die fast schon prophetische Hellsichtigkeit des 1996 erschienenen Buches über den „Kampf der Kulturen“ wird auch im Kapitel zur Ukraine deutlich, in dem Samuel Huntington die wichtigste Ursache des späteren Krieges benannte. Die Ukraine sei ein gespaltenes Land mit zwei unterschiedlichen Kulturen. Ihre kulturellen Bruchlinien verlaufen seit Jahrhunderten zwischen europäisierten Slawen in der Westukraine und dem russisch-slawisch geprägten Ostteil.
Selbst Jahre nach dem Ausbruch des Krieges fehlt es der politischen Klasse im Westen immer noch an den Kategorien, deren Verständnis den Krieg hätte verhindern können – durch die unbedingte Bewahrung von Neutralität oder durch die Teilung des Landes. Doch die Ignoranz gegenüber den kulturellen Ursachen trieb den Konflikt immer weiter voran, bis sich diese im Krieg entluden.
Eine noch größere Unkenntnis der kulturellen Hintergründe kennzeichnet die Politik des Westens gegenüber der islamischen Welt. Huntington spricht unverhohlen von den „blutigen Rändern des Islams“. Die Ignoranz demgegenüber hatte den Westen zunächst in Kriege an für ihn völlig ungeeigneten Schauplätzen vom Hindukusch bis zur Sahelzone verstrickt, die dann alle schmählich verloren gingen.
Weitgehend unbemerkt war das Zeitalter der Ideologien und Systemunterschiede von ethnisch oder religiös dominierten kulturellen Identitäten in den Hintergrund gedrängt worden. Gerade angesichts der Entgrenzungen in der Globalisierung schien die neue Orientierung am Eigenen und Partikularen für die Völker und Stämme unentbehrlich geworden zu sein. Auf die neue Welt der Identitäten und Kulturen hätte der Westen laut Huntington statt mit dem Streben nach globaler Hegemonie mit Selbstbegrenzung nach außen reagieren und sich umgekehrt auf die Pflege und Selbstbehauptung des Eigenen nach innen konzentrieren müssen. Geschehen ist das genaue Gegenteil, nämlich seine heillose Entgrenzung in fremde Kulturen und Machtsphären hinein und eine an Selbstauflösung grenzende „Weltoffenheit“ gegenüber den von außen anstürmenden Kräften.
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Israel und der Westen: Warum unser Schicksal untrennbar verwoben ist
Was am 7. Oktober 2023 in Israel geschah, fällt indes nicht mehr unter „Kampf der Kulturen“. Der mörderische Islamismus hatte zuvor schon in Gestalt des „Islamischen Staates“ die Schwelle zur Barbarei überschritten. Wie auch die Reaktion der gemäßigten muslimischen Staaten zeigt, ist darüber der gemeinsame Kampf der zivilisierten Mächte gegen die Barbarei gefordert.
Im Nahen Osten ebnen die wieder aktuell werdenden Abraham Accords den Weg zu dieser Zivilisation. Das Abkommen zwischen Israel mit islamischen, aber eben nicht islamistischen arabischen Staaten bietet Wandel durch Handel, Meerwasserentsalzung gegen Frieden, Know-how statt Blut und Boden. Kulturelle Koexistenz und wissenschaftlich-wirtschaftliche Konnektivität ergänzen einander.
…. Alles vom 20.10.2025 von Heinz Theisen bitte lesen auf
https://www.tichyseinblick.de/feuilleton/buecher/es-war-die-kultur-dummkopf
Die intellektuelle Selbstzerstörung des Westens: Woke-islamistische Allianz
Franziska Sittig und Noam Petri analysieren die unheilige Allianz des zunehmend anti-aufklärerischen und anti-wissenschaftlichen Wokeismus mit organisierten Islamvertretern. Der offen ausgelebte Antisemitismus an westlichen Universitäten ist das Resultat
Fabian Schmidt-Ahmad
Es ist ein unheimliches Schauspiel, das an allen größeren Universitäten der westlichen Welt nach dem 7. Oktober 2023 aufgeführt wurde. Statt auf das Massaker in Israel mit Abscheu und Empörung zu reagieren, solidarisierten sich zahlreiche Studenten mit der „palästinensischen Sache“ – wohinter sich oft kaum kaschierter Judenhaß verbarg, dem die politischen Ereignisse nur als Anlaß dienten. Ausgerechnet an den Lehrstätten des freien Westens „wurde offen Sympathie für Terrororganisationen bekundet, Hochschulangehörige bedroht und Hörsäle zerstört“, fassen Franziska Sittig und Noam Petri ihre Erlebnisse auf dem Campus zusammen.
Die Politikwissenschaftlerin Sittig aus Kulmbach erfüllte sich mit dem Studium an der renommierten Columbia University in New York einen Traum. Was aber mitten in die Vorbereitung zum Master platzte, war eher ein Alptraum. Auch der Medizinstudent Petri, der sich an der Charité eigentlich auf die Zwischenprüfung vorbereiten wollte, fand sich in einem Hexenkessel wieder. „Wir erlebten, wie Professoren, Dozenten und Kommilitonen entweder schwiegen, relativierten oder verteidigten. Und wir sahen, wie die politische und mediale Blase das Problem gelegentlich registrierte, aber seine Tragweite nie wirklich begriff.“
Wie konnte es dazu kommen? Wie konnte es sein, daß ausgerechnet dieses akademische Milieu so anfällig für die gewaltbereite Ideologie des radikalen Islam ist? Schockiert von ihren Erlebnissen tauschte sich Sittig mit gleichgesinnten Studenten aus. Und stellte fest – es ist ein Massenphänomen in der westlichen Welt. Mit Petri, dem ehemaligen Vizepräsidenten der Jüdischen Studierendenunion Deutschland, fand sie einen versierten Gesprächspartner, der zahlreiche persönliche Erfahrungen über den wachsenden Judenhaß auf dem Campus beisteuerte. Das Ergebnis ist das Buch „Die intellektuelle Selbstzerstörung. Wie der Westen seine eigene Zukunft verspielt“.
Die Autoren gliedern das Buch in sechs Abschnitte. Im ersten, knapp gehaltenen Kapitel wird die Macht der Intellektuellen in der Gesellschaft umrissen. Jene janusköpfige Gestalt, die zwar einerseits für geistige Freiheit und Fortschritt steht, andererseits aber auch allzu leicht das Gegenteil für eine Gesellschaft heraufbeschwört. Die schlimmsten Auswüchse des Totalitarismus entstammten schließlich den Hirnen von Akademikern, wurden von ihnen in Gedankenspielen geplant, öffentlich verteidigt und historisch verklärt. „Der sogenannte Marsch durch die Institutionen ist somit nicht bloß eine politische Strategie, sondern ein kalkulierbarer Prozeß: Wer es schafft, die zukünftige Elite in ihrer prägenden Phase zu erreichen, beeinflußt mit großer Wahrscheinlichkeit die politisch-kulturelle Zukunft.“
Nicht anders verhält es sich mit dem „Wokeismus“, der sich zuerst unter US-Akademikern ausbreitete und von dort sämtliche westliche Universitäten infizierte. „Seit Jahrzehnten findet dort ein tiefgreifender Kulturbruch statt. Was lange als intellektuelle Subkultur galt, hat sich durch akademische Strukturen, Lehrpläne und Diskurse in den Mittelpunkt geschoben. Dieser Wandel ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines ideologisch geführten Kulturkampfes, der von einer antiwestlichen Allianz über Jahre hinweg betrieben und weitgehend gewonnen wurde.“ Wokeismus betrachten die Autoren dabei zwar als Zögling der Aufklärung, der sie aber bekämpft. „Wir haben es also mit einer anti-aufklärerischen und anti-wissenschaftlichen Bewegung zu tun, die ausgerechnet im akademischen Milieu entstanden ist und von dort aus den gesellschaftlichen Diskurs dominiert.“
Hier trifft er nun auf gut organisierte Islamvertreter, die den Haß auf den Westen als Grundlage eines Zweckbündnisses sehen. Im zweiten Kapitel wird diese scheinbar paradoxe „woke-islamistische Allianz“ vertieft. Ein „legalistischer Islam“, der sich zwar äußerlich vom Terror distanziert, nicht aber von den Zielen einer islamisierten Gesellschaft. „Die im Kern theokratischen und erzkonservativen Islamisten nutzten geschickt die Rhetorik von Identitätspolitik und marginalisierten Gruppen, um sich als neue authentische Stimme der Unterdrückten und des Islamismus als legitimem Widerstand gegen westliche Unterdrückung und Imperialismus darzustellen.“
Ein fein gesponnenes Netzwerk: „In diesem Kontext ist es wichtig zu verstehen, daß die derzeit an Universitäten gefeierten Terrorgruppen wie Hamas oder Palestine Islamic Jihad alle Ableger der ägyptischen Muslimbruderschaft sind. Die Ideologie und das Personal der Muslimbruderschaft (…) hat an enormem Einfluß auf gewaltfreie, europäische Gruppen gewonnen, womit Islamismus weitaus gesellschaftstauglicher geworden ist“, wie sich beispielsweise an dem um sich greifenden Judenhaß auf dem Campus zeigt. Zahlreiche Beispiele tragen hier Petri und Sittig chronologisch zusammen.
Im dritten Abschnitt folgen die Autoren der Spur des Geldes. Vor allem US-Universitäten als Motor der „Wokeness“ können sich freuen. So flossen zwischen 2021 und 2024 fast 30 Milliarden Dollar aus dem Ausland ins Budget. Nicht immer ist klar, woher das Geld stammt. „Allein zwischen 2014 und 2019 blieben laut einer Untersuchung des Bildungsministeriums etwa sieben Milliarden Dollar an Finanzierungshilfen für Unis ungemeldet, mindestens 4,4 Milliarden davon aus den drei muslimischen Ländern Saudi-Arabien, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten.“ Selbstverständlich bleibt dieser Einfluß nicht folgenlos. „In der Tat gingen die Finanzierungen durch ausländische autokratische Staaten mit steigenden antidemokratischen Vorkommnissen und antisemitischen Haltungen in der amerikanischen Hochschulbildung einher“, schätzen die Autoren.
Ab hier ist die Argumentation von Petri und Sittig eigentlich abgeschlossen. Die abschließenden Kapitel tragen eher empirisches Material für die Thesen der Autoren zusammen. Das vierte Kapitel „Antizionismus – das trojanische Pferd“ veranschaulicht, wie dieser ein Vehikel darstellt, den in der westlichen Welt noch immer tabuisierten Antisemitismus wieder gesellschaftsfähig zu machen. „Antizionismus ist Antisemitismus, nicht nur weil er dem jüdischen Volk das Recht auf Selbstbestimmung verwehrt, sondern ihm auch den einzigen realen Schutzraum nicht zugesteht.“ Das fünfte Kapitel zeigt noch einmal die Widersprüchlichkeit im Umgang mit dem Islam auf.
Im Schlußkapitel geht es um eine Standortbestimmung. „Wie soll der Westen wehrhaft sein, wenn seine intellektuelle Leitkultur in nichts anderem besteht als in permanenter Selbstanklage?“, fragen sich die Autoren. „Der erste Schritt einer ernstzunehmenden westlichen Gegenbewegung muß die Selbstklärung sein: Was ist der Westen? Was sind seine Fundamente? Was hat ihn stark gemacht? Und warum ist es überhaupt erstrebenswert, diesen Westen zu erhalten?“ Ein umfangreicher Anhang mit einer Materialsammlung von Vorfällen an US-amerikanischen und deutschen Universitäten beschließt das Buch.
… Alles vom 17.10.2025 von Fabian Schmidt-Ahmad bitte lesen in der JF 43/25, Seite 25
Noam Petri, Franziska Sittig: Die intellektuelle Selbstzerstörung.
Wie der Westen seine eigene Zukunft verspielt.
Ibidem Verlag, Hannover 2025, broschiert, 328 Seiten, 29,90 Euro
