Israel-Deutschland

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Friedensdemo in Freiburg am 5.4.2025 – Gegen Nachrüstung und Kriegshysterie

 

Arye Sharuz Shalicar: Der Überlebenskampf dauert an
Arye Sharuz Shalicar über sein neues Buch, Israels Krieg gegen den palästinensischen Terror und die verzerrte Nahost-Berichterstattung in den deutschen Medien

Sie gehen mit internationalen und deutschen Medien hart ins Gericht, sprechen von schlampigem Journalismus, sogar von Antisemitismus. Das klingt nicht sehr diplomatisch für einen Armeesprecher.
Shalicar: Ich spreche aus Erfahrung. Viele Journalisten haben mich nicht besucht, um meine Perspektive zu hören, sondern um mich als Zugang nach Gaza zu nutzen. Sie wollten mich nur als Werkzeug, nicht als Gesprächspartner. Sie wollten mit der IDF, der israelischen Armee, nach Gaza, um von dort zu berichten. Solche Praktiken führen zu verzerrten Darstellungen. Beispiele gibt es zuhauf: So berichteten BBC und andere Medien, dass es bei einem israelischen Angriff auf das Al-Ahli-Krankenhaus Hunderte Tote gegeben habe. Doch die IDF konnte innerhalb weniger Stunden beweisen, dass es eine fehlgeleitete Rakete des Islamischen Dschihad war, die auf dem Parkplatz eingeschlagen war und Dutzende Opfer gefordert hatte. Aber da war die BBC-Meldung bereits um die Welt gegangen. Solche Fehlinformationen wiederholen sich Hunderte Male und führen zu Desinformation und zunehmendem Antisemitismus im Westen.
Ein Tagebucheintrag trägt die Überschrift: »Doppelidentität in Gaza und westliche Medienberichterstattung«. Jetzt haben wir ganz aktuell diesen ZDF-Skandal. Ist das eine Bestätigung dessen, was man schon von Anfang an wusste?
Shalicar: Absolut. Wer glaubt, es gäbe im Gazastreifen freie Medien, der irrt. Die Vorstellung, dass es dort unabhängige Journalisten gäbe, ist naiv. Medien, die behaupten, vor Ort objektiv berichten zu können, ignorieren die Realität einer radikal islamofaschistischen Diktatur. Wer die israelische Perspektive ausblendet, handelt nicht aus Unwissenheit, sondern in vielen Fällen böswillig. Das ist genau das Problem, das ich in meinem Buch dokumentiere.

Unmittelbar nach dem Angriff auf den Hamas-Terroristen äußerte der ZDF-Korrespondent den Verdacht, die IDF nehme Journalisten direkt und gezielt ins Visier. Ist das nicht ein ungeheuerlicher Vorwurf?
Shalicar: Ja, das ist ein schwerwiegender Vorwurf. Doch in den vergangenen zwei Jahren haben viele Medien die IDF oft schlechter dargestellt als die Hamas, die eine mörderische Terrortruppe ist. Wer unkritisch Informationen der Hamas übernimmt, macht sich indirekt mitschuldig an Desinformation. Diese verzerrte Darstellung schadet nicht nur der Israel-Politik, sondern befeuert Antisemitismus in Europa und weltweit.

In Ihrem Buch schreiben Sie den Satz: »Es geht nicht um Fakten, es geht um Emotionen gegen Israel und die Juden.« Ist das ein Fazit nach diesen knapp 400 Tagen?
Shalicar: Leider ja. Emotionen dominieren oft die Wahrnehmung, nicht Fakten. Länder wie Irland oder Südafrika projizieren ihre eigene Geschichte auf den Nahostkonflikt. In Deutschland spielt der Holocaust eine große Rolle in der Wahrnehmung. Viele betrachten die Situation durch diese Brille.

Über dem letzten Kapitel Ihres Buches steht die Frage, ob Frieden im Nahen Osten möglich ist. Doch Sie meinen, dass der Überlebenskampf weitergeht?
Shalicar: Der Überlebenskampf geht definitiv weiter. Die jüdische Geschichte zeigt, dass wir seit 2000 Jahren immer wieder Pogromen, Holocaust und Massakern ausgesetzt sind. Der 7. Oktober reiht sich in diese Geschichte ein. Frieden ist möglich, insbesondere durch Kooperation mit arabischen und muslimischen Staaten. Alle reden von den Beziehungen zu Saudi-Arabien, Malaysia und Indonesien. Es gibt nicht wenige, die von einer Normalisierung mit Libanon, Syrien und Tunesien träumen. Da ist sehr viel, was kommen könnte und hoffentlich kommen wird. Das wird das iranische Regime und seine Verbündeten nicht von ihrem Ziel abhalten, die Juden und Israel zu vernichten. Deshalb muss Israel jederzeit bereit sein, sich zu verteidigen. Der Überlebenskampf ist noch lange nicht vorbei.
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Das Interview mit dem Autor, Sprecher der israelischen Verteidigungsstreitkräfte (in Reserve) und Abteilungsleiter im Büro des israelischen Premierministers sprach David Kauschke.
… Alles vom 20.11.2025 bitte lesen auf
https://www.juedische-allgemeine.de/israel/der-uberlebenskampf-dauert-an/
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Arye Sharuz Shalicar: Überlebenskampf – Kriegstagebuch aus Nahost
1.10.2025, 372 Seiten Hentrich Verlag Berlin, 25,90 Euro

 

Israel aus erster Hand – Chaim Noll auf Schloss Ettersburg
Wer die zunehmende geistige Verödung Deutschlands beklagt, dem sei gesagt, dass es noch ein gallisches Dorf gibt, das Widerstand gegen die anscheinend unaufhaltsame Verblödung leistet: Schloß Ettersburg bei Weimar. In dieser Woche war Chaim Noll zu Gast.
Direktor Peter Krause hat Schloss Ettersburg, den zauberhaften Ort, Sommersitz der Herzogin Anna Amalia, in dem Goethe ein häufiger Gast war, seit 2011 zu einem Ort für freie Debatte gemacht. Das Programm ist erstaunlich vielfältig und reicht von Jens Bisky (7.9.) über Matthias Brodkorb (28.10.) bis Götz Aly (11.11.) und noch viel mehr interessante Diskutanten, wie man hier https://schlossettersburg.de/kultur/ettersburger-gespraech/ nachlesen kann.

Am 2. September war Chaim Noll da, der auf seiner jährlichen Deutschlandtour auch Schloss Ettersburg besuchte. Hans Noll, der nach eigener Beschreibung in der DDR mit dem goldenen Löffel im Mund geboren wurde und inmitten der Kulturfunktionärsschickeria aufwuchs, wurde spätestens 1980 zum Systemfeind, als er sich der Aufforderung, seinen Wehrdienst in der Nationalen Volksarmee abzuleisten, entzog und dafür den Aufenthalt in der Psychiatrie in Kauf nahm. Er verließ mit seiner Frau, der Malerin Sabine Kahane, 1984 die DDR und lebt nach einigen Stationen im Westen seit 1995 in Israel. Während des Zweiten Golfkrieges, als die deutsche Linke 1991 gegen Israel demonstrierte, änderte er seinen Vornamen zu Chaim. Er ist einer der besten Kenner und klügsten Analytiker der Lage im Nahen Osten.
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Wie wird der Krieg ausgehen? Noll ist sehr klar: Mit der Hamas kann nicht verhandelt werden, das hat sie selbst klar kommuniziert. Die Hamas muss ausgeschaltet werden. Das wollen auch mehrere arabische Staaten, sie überlassen aber Israel die Drecksarbeit. Was mit Gaza geschehen soll, wenn die Hamas besiegt ist, steht noch in den Sternen. Israel will jedenfalls nicht Okkupationsmacht werden.
Von Trump gibt es den Spruch, dass aus Gaza eine Riviera des Nahen Ostens werden könnte. Dahinter steht der Gedanke, dass aus den Trümmern ein wichtiger Hafen aufgeschüttet werden könnte. Ob aus einer politisierten Bevölkerung eine Aufbaugeneration werden kann, die endlich ihre eigenen Interessen, statt die Ziele einer terroristischen Vereinigung vor Augen hat, wird sich in Zukunft erweisen.

Israel ist im Gegensatz zu Deutschland ein junges Land
Vergessen Sie alles, was Ihnen die deutschen Medien über Israel erzählen. Selbst die Demonstranten gegen Netanjahu sind nicht gegen das Ziel, die Hamas auszuschalten. Sie sind, wie Noll, der Meinung, dass Netanjahu, der, um seine Macht zu sichern, ein Kabinett mit den Ultraorthodoxen gebildet hat, spätestens nach Beendigung des Krieges abtreten muss.
Israel ist im Gegensatz zu Deutschland ein junges Land, mit einer Bevölkerungsmehrheit unter 40 Jahren. Die Jungend orientiert sich nach Asien und Südamerika, Europa wird für sie immer unwichtiger. Ob in Deutschland hunderte „Kulturschaffende“ in einem „Offenen Brief“ glauben, Israel ermahnen zu müssen, macht vielleicht in Deutschland Eindruck, in Israel jedoch nicht.
Wie wirken sich die von Kanzler Merz verhängten Sanktionen aus? Die sind mehr ein Einknicken vor den israelfeindlichen Kräften, die sich auf den deutschen Straßen austoben, als dass sie tatsächlich wirksam sind. Was die nicht gelieferte Munition betrifft, so kann sie problemlos in anderen Ländern beschafft werden. Und die Firma, die wichtige Teile für Panzer liefert, die nun unter den Boykott fallen, hat ihre Produktionslinie ins Ausland verlagert und liefert weiter.
… Alles vom 4.9.2025 von Vera Lengsfeld bitte lesen auf
https://www.achgut.com/artikel/israel_us_erster_hand

 

Kappt Mossad/Israel die Kooperation mit SIS/GBR und BND?
„Lieber Herr Klonovsky, ich hatte mal von so etwas wie dem Verteilerkappenphänomen für Gesellschaft und Politik gesprochen”, schreibt Leser ***. „Damit meinte ich relativ ‚kleine’, unscheinbare Dinge, die große Wirkungen haben können. Wie die Möglichkeit von Wahlausschüssen, missliebige Kandidaten auszuschließen, das Fehlen einer effektiven Gerichtsvollzieherfunktion in China, die anstehende starke Verteuerung von Medikamenten in Deutschland usw.
Eine solche weitgehend unter dem Radar laufende Sache ist auch die nachrichtendienstliche Zusammenarbeit Israels mit westlichen Ländern. Israel hat gerade Großbritannien gewarnt, einen Palästinenserstaat anzuerkennen; in einem solchen Fall müsste die britische Seite auf die bisher üblichen Terrorwarnungen des Mossad verzichten. Der SIS (meist noch als MI6 bezeichnet) ist zwar nicht die schlechteste Organisation ihrer Art – dennoch wäre das ein harter Schlag.
Obwohl ich dazu keine harten Fakten habe, muss man davon ausgehen, dass im Falle Frankreichs schon entsprechend gehandelt wurde. Und die französische DGSE hat unter Fachleuten bei weitem nicht den guten Ruf der Briten.
Aber selbst im Vergleich zu den Franzosen gilt der BND als relativ blind und taub. Wenn also aufgrund dieser Aufkündigung der Zusammenarbeit massive Sicherheitsprobleme entstehen, könnte das unsere ohnehin labil werdenden Gesellschaften weiter destabilisieren.
Man kann sich auch fragen, was die Trump-Regierung machen wird, sollte es zu weiteren erheblichen Einschränkungen der Demokratie in Deutschland kommen. Ein noch weiteres Beschneiden der Zusammenarbeit zwischen US-Nachrichtendiensten und deutschen Stellen könnte desaströse Auswirkungen haben.”
… Alles vom 22.8.2025 bitte lesen auf
https://www.klonovsky.de/2025/08/22-august-2025/

 

Israel verteidigt die westliche Zivilisation
Der Existenzkampf Israels geht dem Existenzkampf des Westens voraus
Nach der verheerenden Entscheidung von Noch-Bundeskanzler Merz, ohne Einverständnis seiner Partei und vor allem der Bundestagsfraktion, die deutschen Waffenlieferungen nach Israel zu stoppen, habe ich das Bedürfnis, noch einmal klarzumachen, worum es im Gaza-Krieg jenseits der Hamas-Propaganda geht. In diesem Krieg wird von Israel die westliche Zivilisation gegen die zur Barbarei verkommene Kultur des Islamismus verteidigt. Der Existenzkampf Israels geht dem Existenzkampf des Westens voraus. Nur: Der Westen, vor allem seine Politiker und die meinungsmachenden Medien, haben dies immer noch nicht begriffen. Diese These wird seit 2024 im Buch von Chaim Noll und Heinz Theißen „Verteidigung der Zivilisation – Israel und Europa in der islamistischen Bedrohung“ vertreten und belegt.

Als Samuel Huntington in den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts den Zusammenprall der Kulturen „als Übergang zum Kulturkrieg“ beschwor, setzte er noch voraus, dass sich der Westen diesem Kampf auch stellen würde. Israel tat es, der Westen nicht. „Heute droht Europa weniger ein Clash mit seinen von innen operierenden Zerstörern als eine freiwillige Selbstauflösung.“

Die westliche Politik scheint aber immer noch im Irrtum von Zbigniew Brzezinski, dem Sicherheitsberater von US-Präsident Jimmy Carter, befangen zu sein, der behauptete, es gebe keinen globalen Islamismus und damit keine Notwendigkeit, eine Politik gegen ihn zu entwickeln. Allerdings hatte Brzezinski am Entstehen dieses globalen Islamismus mitgewirkt, indem er im Afghanistan-Krieg die Taliban gegen die Sowjetunion unterstützte und aus einer Regionalmacht zum Global Player machte.
Bis heute hat die westliche Politik nicht realisiert, dass sich der gesamte Nahe Osten inmitten heftiger Kulturkämpfe befindet, „nicht nur zwischen Muslimen und Juden, sondern auch im konfessionellen Rahmen zwischen Sunniten und Schiiten, zudem in ethnischen Kategorien, etwa zwischen Türken und Kurden.“
Am 7. Oktober 2023 hat die Hamas der Welt unmissverständlich demonstriert, was Juden zu erwarten haben, die den jüdischen Staat verteidigen: Verstümmelung, Vergewaltigung, Verbrennung.
Wobei die Staatsgründung Israels gemäß des UN-Teilungsplans von 1947 aus georeligiösen Gründen immer umkämpft war. „Es beginnt damit, dass man die Existenz der modernen arabischen Nationalstaaten im Nahen Osten – Ägypten, Saudi-Arabien, Jordanien, Irak, Syrien und Libanon – für selbstverständlich und natürlich hält, während man Israel bestenfalls ein ominöses ‚Existenzrecht‘ zugesteht, mit dem Zusatz, dass es nach wie vor umstritten sei. Dabei sind alle diese Staaten etwa im gleichen Zeitraum entstanden, und wie es vor 1920 keinen neuzeitlichen jüdischen Staat gab, so gab es auch keinen einzigen arabischen.“

Falls Israel als Frontstaat des Westens fallen sollte, bliebe ihm nur der Rückzug in eine immer kleiner werdende Wagenburg. Die Flammenschrift an der Wand ist überdeutlich. Der Westen sollte sie endlich zur Kenntnis nehmen.
Chaim Noll – Heinz Theißen: „Verteidigung der Zivilisation – Israel und Europa in der islamistischen Bedrohung“
… Alles vom 15.8.2025 bitte lesen auf
https://vera-lengsfeld.de/2025/08/14/israel-verteidigt-die-westliche-zivilisation/

 

Chaim Noll: Israel nimmt Europa nicht mehr ernst
Europäische Politiker sind von einem Überlegenheitsgefühl gegenüber Israel erfüllt, dessen ignorante Anmaßung ihnen oft nicht einmal bewusst ist. Die junge israelische Generation hält Europa für schwach, auch europäische Medien werden nicht mehr ernst genommen.
Seit dem 7. Oktober 2023, also seit fast zwei Jahren, befindet sich Israel im Krieg. Er musste an mehreren Fronten geführt werden, weil das Land umringt war von Milizen des iranischen Mullah-Regimes, das sich in islamistischem Größenwahn zur Hegemonialmacht des Nahen Ostens aufschwingen wollte. Was nun fürs Erste verhindert ist: die Raketen verschossen, das Nuklearprogramm um Jahre zurückgeworfen, die Milizen weitgehend zerschlagen oder in ihren Möglichkeiten reduziert, die meisten der israelischen Geiseln befreit. Seit 1948 gab es für Israel keinen so lang andauernden Krieg. Und entgegen den Darstellungen europäischer Medien ist dieser anhaltende Krieg in der israelischen Bevölkerung populär. Dabei belastet er die allgemeine Atmosphäre, verändert die soziale Struktur des Landes und das Selbstgefühl der meisten Israelis.

Für viele Europäer ist es eine Selbstverständlichkeit, Israel zu belehren. Vor allem europäische Politiker und Medienleute glauben zu wissen, wie man hier im Nahen Osten einen „dauerhaften Frieden“ etablieren und dadurch die Probleme der Region lösen könnte. Die Regierungen der führenden westeuropäischen Staaten haben eine regelrechte Doktrin dafür entwickelt, die sogenannte „Zwei-Staaten-Lösung“, an der sie hartnäckig festhalten – je mehr Milliarden Steuergelder sie in die Fata Morgana „Palästinenserstaat“ versenkt haben, umso hartnäckiger. So ist dieses Konzept – erstmals 1947 von den Vereinten Nationen vorgeschlagen und seither immer wieder von den „Palästinensern“ abgelehnt – zur einer Obsession der Europäer geworden, die sich wenig darum kümmern, ob die beteiligten Völker selbst eine solche Lösung wollen.

Europäische Regierungen treten auf mit der Attitüde historischer Erfahrung, alter Kultur und eines tiefverwurzelten christlichen Humanismus. Auch wenn heutige europäische Politiker kaum noch die Bibel kennen, wenig von der Geschichte Europas wissen und ihren Mangel an Kultur schon durch ihre immer ärmer und primitiver werdende Sprache verraten. Sie sind dennoch von einem Überlegenheitsgefühl gegenüber Israel und den Israelis erfüllt, dessen ignorante Anmaßung ihnen oft nicht einmal bewusst ist. In Ländern, die – zu ihrem Glück – seit Jahrzehnten an keinem Krieg mehr beteiligt waren, wimmelt es von Experten für Kriegführung und Friedensschlüsse, und in Zeiten des Internets und der weltweit agierenden Medien ergießen sich gute Ratschläge, „freundschaftliche Kritik“, warnende Hinweise, gelegentlich auch Drohungen hundertfach über die Bürger Israels.

Eine Art Immunität
Die Mehrheit der Israelis, vor allem der jüngeren, hat dagegen inzwischen eine Art Immunität entwickelt. Traditionell war es vor allem die israelische Linke, die ängstlich jede Unmutsbekundung aus dem alten Kontinent zur Kenntnis nahm und in den hiesigen Medien diskutierte. Die israelische Linke war lange Zeit ashkenasisch dominiert, ist es eigentlich bis heute, und vielen aus Europa vertriebenen Juden fiel es trotz traumatisierender Erlebnisse und familiärer Verluste in den Ländern der oft Jahrhunderte währenden Diaspora – Deutschland, Polen, Holland, Österreich-Ungarn, Rumänien, Russland, Ukraine etc. – sichtlich schwer, sich vom alten Ashkenas abzunabeln. Für sie hatte, was aus Europa kam, immer noch große Geltung.

Mit dem Schwinden der israelischen Linken ist daher auch die Bedeutung europäischer Vorbilder, überhaupt die Europa-Orientierung Israels spürbar zurückgegangen. Der unierten Linkspartei HaDemokratim, einem Not-Bündnis der in der Wählergunst abgestürzten früheren Regierungsparteien Avodah und Meretz, geben optimistische Schätzungen zehn Sitze im israelischen Parlament, der Knesset, das entspräche etwa acht Prozent der Stimmen. Für die nächste Zeit wird Israel von Mitte-Rechts-Regierungen gelenkt werden.

Dazu kommt eine demographische Revolution, in der die israelische Jugend eine immer größere Bedeutung gewinnt. Und damit hier Geborene und Aufgewachsene, für die Europa nicht mehr Hort der humanistischen Kultur, sondern irgendein Ausland ist. 55 Prozent aller Israelis sind unter 35 Jahre alt – ein Trend der Verjüngung, der bei Geburtenraten um 3,1 (dagegen Europa: 1,7) anhalten wird. Die israelische Jugend war es, die den Gaza-Krieg entschied, sich als überraschend patriotisch, kämpferisch und opferbereit erwies. Sie hat authentischen Einblick genommen in die Wahnwelt des Islamismus. Die meisten jungen Israelis halten Europas Politiker bestenfalls für naiv. Netanyahu ist für sie ein alter Mann, der „zu viel aufs Ausland hört“.
Grundsätzlich erfreut sich Europa als eine Art großes Museum, als Freizeitpark für Touristen bei den reiselustigen Israelis noch immer großer Beliebtheit. Unter Israelis gehört es zum guten Ton, dass man in Paris, London, Berlin oder Barcelona gewesen ist, Urlaub auf griechischen Inseln gemacht hat, gelegentlich nach Zypern oder Antalya fliegt. Wobei die Akzente in Bewegung sind. Indem Städte wie Berlin, Paris und Amsterdam – wegen ihres von militanter muslimischer Jugend bestimmten Klimas – zunehmend als unbehaglich gelten, verschiebt sich der Fokus auf als „judenfreundlich“ bekannte Orte wie Budapest, Prag oder Länder wie Bulgarien und Georgien. Die israelische Jugend ist ohnehin eher auf Thailand, Indien, Vietnam oder Südamerika orientiert. Durch Indien, wo sich zehntausende Israelis aufhalten, führt der berühmte „Hummus-Trail“, auf einschlägigen Websites beschrieben als „Kette entspannter Zufluchtsorte, von denen viele israelischen Kolonien ähneln, wo Unternehmer ihre Herbergen und Restaurants auf Hebräisch bewerben und wo israelisches Essen angeblich 80 Prozent der Speisekarten ausmacht.“ Ja, man reist inzwischen sogar lieber nach Abu Dhabi als, sagen wir, nach Irland, wo der Antisemitismus offen zutage tritt. So ist Europa inzwischen auch als Reiseort relativiert, wenngleich immer noch – zumindest in Teilen – sehr beliebt.

Das Europa der Ermahnungen und verfehlten politischen Gesten
Das alles hat ohnehin wenig mit dem politischen Europa zu tun, dem Europa der „Europäischen Union“, der Regierungen und der Medien. Dem Europa der Ermahnungen und verfehlten politischen Gesten, der Boykottversuche und Haftbefehle. Wie denken Israelis über das politische Europa? Als ich versuchte, eine einigermaßen klare Antwort auf diese Frage zu finden, las ich in einer führenden israelischen Tageszeitung, Yediot Acheronot, am 15. Juni einen Artikel, der sich mit dem Stimmungsumschwung führender europäischer Politiker in den Tagen der israelischen Militäroperation gegen das iranische Regime beschäftigte. Auslöser dieser Gedanken war die viel zitierte Äußerung des deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz, Israel würde „the dirty work“ (Drecksarbeit) auch für Europa erledigen, wenn es das iranische Regime an der Herstellung nuklearer Waffen hindert. Und dafür den Beschuss durch iranische Raketen in Kauf nimmt. Merz hatte zuvor mit konfusen Aussagen (wie der, er könne Israels Krieg gegen die Hamas „nicht verstehen“) eher ins hier verbreitete Bild europäischer Ignoranz gepasst.

“Während europäische Staats- und Regierungschefs“, schrieb Yediot Acheronot, „Israel wegen seines anhaltenden Krieges im Gazastreifen scharf kritisierten, äußerten mehrere Länder überraschend breite öffentliche Unterstützung für den israelischen Angriff auf die iranischen Atomanlagen.“ Dann folgte die verblüffende Begründung für diese veränderte Haltung: „Viele europäische Regierungen unterscheiden klar zwischen der iranischen Bedrohung und der Palästinafrage. Diese Unterscheidung wird oft von der öffentlichen Meinung geprägt. In vielen europäischen Ländern stehen arabisch-muslimischen Gemeinschaften Israel stark kritisch gegenüber. Dagegen ist unter den Exil-Iranern in Europa die Unterstützung für Israel besonders hoch.“

Der Artikel geht davon aus, dass, erstens, die öffentliche Meinung in den größten europäischen Ländern, nach der sich die Politiker im Sinne ihrer Wiederwahl richten müssen, von „muslimischen Gemeinschaften“ („muslim communities“) bestimmt wird. Zweitens, dass europäische Regierungen zunehmend unter Einfluss dieser muslimischen Minderheiten agieren. Dass die europäischen Nationen wegen ihrer schwachen inneren Sicherheit mehr und mehr durch die muslimischen Gemeinschaften erpressbar sind. Folglich ihre Außenpolitik, vor allem ihre Nahost-Politik, nach dem Willen ihrer Muslime profilieren. Deutlicher kann man – im Ton einer höflichen Feststellung – seine Missachtung des politischen Europa nicht formulieren. Yediot Acheronot ist eine Zeitung der Mitte, der Mehrheit; die hiervertretenen Meinungen geben in etwa die Stimmung der meisten Israelis wieder. Ihre Auflage ist rund fünfmal so hoch wie die der in Deutschland viel zitierten HaAretz, dem Blatt der immer noch Europa-hörigen israelischen Linken.
Viele Israelis halten Deutschland für schwach
Nur am Rand erwähnt der Artikel einen weiteren wesentlichen Grund für die neue Tonlage des Friedrich Merz: die gefühlte Bedrohung durch Russland, die neue Aufrüstung Deutschlands, mit dem Anspruch, das militärisch stärkste Land der Europäischen Gemeinschaft zu werden, und die daraus resultierende Notwendigkeit, israelische Raketensysteme zu kaufen. Auch hier haben sich die Akzente verschoben. Drohungen ausbleibender Waffenlieferungen durch deutsche Politiker lösen hierzulande nur noch ein Schulterzucken aus. Viele Israelis halten Deutschland für schwach, im Inneren wie im Äußeren kaum noch verteidigungsfähig, den Herausforderungen einer bedrohlichen Zukunft nicht gewachsen.

Daher rufen europäisch inspirierte Aktionen in Israel oft paradoxe Reaktionen hervor wie im Fall des Haftbefehls gegen Netanyahu durch den britisch-muslimischen Chefankläger Kemal Khan am International Criminal Court (einer von den USA, Russland, China, Israel und anderen wesentlichen Staaten ohnehin nicht anerkannten Institution). Der theatralische Akt bewirkte das Gegenteil des Beabsichtigten: Netanyahus wankende Position in Israel wurde dadurch eher gestärkt.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Versuchte Einflussnahmen des politischen Europa können die Mehrheit der Israelis nicht mehr verunsichern. Wären die Macher der linksliberalen europäischen Medien intelligenter, als sie sind, würden sie ihre Propaganda gegen Israel einstellen und ihre Berichterstattung den neuen Gegebenheiten anpassen. Die junge israelische Generation hat ein stabiles Selbstbewusstsein, das auf Israels militärischen Erfolgen, auf dem beispiellosem Hightech-Boom, der selbst in Kriegszeiten starken Wirtschaft und anderen Leistungen beruht, nicht zuletzt auf ihrer eigenen Tapferkeit und Kampfbereitschaft in der Abwehr des militanten Islam.
Dieser Text erschien zuerst im aktuellen Heft 5/2025 der Zeitschrift CATO https://cato-magazin.de/, Berlin.
… Alles vom 15.8.2025 von ChaimNoll bitte lesen auf
https://www.achgut.com/artikel/israel_nimmt_europa_nicht_mehr_ernst

Chaim Noll wurde 1954 unter dem Namen Hans Noll in Ostberlin geboren. Sein Vater war der Schrift­steller Dieter Noll. Er studierte Kunst und Kunstgeschichte in Ostberlin, bevor er Anfang der 1980er Jahre den Wehrdienst in der DDR verweigerte und 1983 nach Westberlin ausreiste, wo er vor allem als Journalist arbeitete. 1991 verließ er mit seiner Familie Deutschland und lebte in Rom. Seit 1995 lebt er in Israel, in der Wüste Negev. 1998 erhielt er die israeli­sche Staatsbür­gerschaft. Chaim Noll unterrichtet neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit an der Universität Be’er Sheva und reist regelmäßig zu Lesungen und Vorträgen nach Deutschland.

In der Achgut-Edition ist von ihm erschienen: Der Rufer aus der Wüste – Wie 16 Merkel-Jahre Deutschland ramponiert haben. Eine Ansage aus dem Exil in Israel.
https://shop.achgut.com/products/der-rufer-aus-der-wueste-wie-16-merkel-jahre-deutschland-ramponiert-haben
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Einige Kommentare:
Ob dieser Beitrag nicht nach hinten losgehen wird? Könnte man nicht sagen, schön, dass wir das Kapitel Israel endlich abschließen können? Dann macht was ihr wollt, und wir tun das auch? Soll das heraus kommen? Roland Völlmer
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Europäische Politiker sind nicht nur von einem Überlegenheitsgefühl gegenüber Israel erfüllt, sondern gegenüber der ganzen Welt. Kennt man zur Genüge aus der Vergangenheit. Der Größenwahn hat ein Zuhause. Im Zentrum wiedermal Deutschland. S.Buch
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”Viele Israelis halten Täuschland für schwach…”…Das ist wirklich sehr schmeichelhaft ,liebe Israeliten ! Ich lebe in Täuschland und halte es nicht nur für schwach , nein ,ich halte es für schwachsinnig in vielerlei Hinsicht….Es gleicht dem Ritter der Kokosnuss , der trotz verlorener Arme und Beine weiter vom Siegen fabuliert ….Und der sich als Verstärkung gedungene … in sein Haus geholt hatte und die eigenen Leute in den Knast stecken lies , als sie darauf hinwiesen. David Mattas
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Danke, Chaim Noll, für diesen Blick von außen. Hier, im Inneren, die Diskussionen mit meinem bald 30jährigen Sohn, der wohl die Mehrheitsmeinung seiner Generation vertritt und Sprüche abläßt wie: “Das ist kompliziert; das ist wirklich nicht so einfach, wie du dir das vorstellst,” wenn es z.B. um den Konflikt nach dem 07.Okt geht. Dann habe ich Mühe, meine Gesichtszüge im Griff zu halten. Zeitweise komme ich mir vor wie in einem dieser Psycho-Versuche an den amerik. Universitäten der 60er Jahre, in denen der CommonSense der Probanden durch Gruppendruck zerstört werden soll. Es ist nur noch zum Verzweifeln, wenn nicht zum Verrücktwerden in diesem sterbenden alten Europa, in dem ich festhänge. Für Leute wie mich gibt es leider kein Israel, in das wir uns flüchten könnten. Maximilian Kellner
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In meine Bewunderung über dieses kleine Land mischt sich ein fürchterlicher Verdacht. Wenn es so ist, dass das jüdische Volk und seine Nation vor Allem deshalb so selbstbewusst, so tapfer, innovativ und vermehrungsfreudig dasteht, WEIL es vor einem Menschenleben buchstäblich durch die Hölle gegangen ist, und ein jeder Mensch genau dieses auch unterschwellig ahnt, dann bekommt die momentane deutsche Lust am Untergang einen Sinn. Wenn ein Volk sehenden Auges seine Bildung erodiert, die Industrie vertreibt, sich alltäglich in einem Klima – Nazi- Schuldkomplex wälzt und den erklärten Feinden seiner gewachsenen Traditionen die Türen öffnet , sie sogar nach Kräften alimentiert, dann will dieses Volk nicht mehr leben und sich nicht behaupten. Der deutsche Idealismus ist zur Todessehnsucht verkommen. Er sehnt den Holocaust an sich selbst herbei. Schon Ernst Jünger fabulierte seinerzeit vom “Stahlbad”. Ob er damit auch den heutigen molekularen Bürgerkrieg und den “Gruß aus Solingen” gemeint hat ? Das erkärt auch, warum es für die deutschen Probleme keine politisch – rationale Lösung geben kann. Einer psychisch- seelisch schwerkranken Seele ist mit Benimmregeln nicht zu helfen. janblank
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