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  • Fred Mayer: Innsbruck 1945 – Freiburg 2026 (23.4.2026)
  • Fred-Mayer-Straße in Freiburg-Kleinescholz: Eine überfällige Ehrung (23.4.2026)
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Innsbruck – Partnerstadt von Freiburg im Breisgau

 

 

Fred Mayer: Innsbruck 1945 – Freiburg 2026
Enkel freut sich über Straße für Fred Mayer in Kleineschholz
Der gebürtige Freiburger Fred Mayer hat die kühnste Spionageaktion des Zweiten Weltkriegs geleitet – und Innsbruck gerettet. Sein Enkel Shane freut sich über die Ehrung seines Großvaters in Kleineschholz.

Shane Mayer ist gerührt, als er im NS-Dokuzentrum am Rotteckring in einem Zeitzeugenvideo seinen Großvater Fred Mayer reden und lachen hört. In einem anderen Raum ist das Haus in der Herrenstraße abgebildet, in dem Fred Mayer, Jahrgang 1921, Rotteckschüler, mit seiner jüdischen Familie bis zur Flucht lebte. Ungewöhnlich fände er das, sagt Shane Mayer, als er die Bilder und die Infotafeln sieht: „Nicht jeder kann seinen Großvater in einem Museum entdecken“, meint er. Tapfer, mutig, tollkühn sei sein Großvater gewesen – auch als Reaktion auf das Unrecht, dass ihm durch die Vertreibung seiner Familie aus Freiburg widerfahren sei.
Der 43-jährige Tourismusmanager ist mit Ehemann John „JQ“ Quintano und Sohn Eliyah nach Freiburg gekommen. Die kleine Familie ist vor einiger Zeit von San Francisco nach Berlin gezogen – weil sich das offen homosexuell lebende Paar in dem Amerika von Donald Trump unwohl fühlte. Und da ist er auch wieder bei seinem Großvater Fred Mayer und seiner Geschichte: „Es ist wichtig, dass man sich für Demokratie, für eine freie, offene Gesellschaft einsetzt“, sagt er im Dokuzentrum beim Rundgang mit dessen Leiterin Julia Wolrab.
Im Dokuzentrum ist ein Kamerateam mit dabei. Shane Mayer und seine kleine Familie sind auf Einladung des Südwestrundfunks nach Freiburg gekommen. Die SWR-Redakteurinnen Chris Libuda und Charlotte Schönberger drehen eine Dokumentation über Fred Mayer, den Widerstandskämpfer und Top-Spion. Dessen Heldentat hat schon Stoff für mehrere Bücher geliefert und ist in Teilen auch schon von Hollywood aufgenommen worden. Mayer hatte am Ende des Zweiten Weltkrieges die Naziführung in Innsbruck zur Aufgabe überredet und damit Freiburgs heutige Partnerstadt vor der Zerstörung bewahrt und unzählige Menschenleben gerettet.
Was war passiert? Im tiefsten Winter des Februars 1945 sind Fred Mayer, der aus Amsterdam stammende Jude Hans Wijnberg und der Wehrmachtsdeserteur Franz Weber über einem Tiroler Gletscher per Fallschirm abgesprungen und versteckten sich zunächst in Webers Heimatdorf Oberperfuss – gedeckt von vielen Dorfbewohnern, vor allem von vielen Frauen, die lebensgefährliche Botengänge unternahmen. Sie agierten im Auftrag des US-Geheimdienstes (OSS), einem Vorläufer der CIA. Ihre Mission war hochgefährlich, eigentlich ein Himmelfahrtskommando.
Fred Mayer ging undercover nach Innsbruck, kundschaftete dort unter anderem die Rüstungsproduktion und die Eisenbahnbewegungen aus. Hans Wijnberg funkte Mayers Erkenntnisse von einer Dachkammer in Oberperfuss aus zur US-Army. In einer alten Wehrmachtsuniform, die ihm Webers Schwester Luisa in einem Sanatorium besorgte, mit Fake-Kopfverband und einem Urlaubsschein besuchte Mayer sogar ein Offizierskasino der Wehrmacht. Diese Episode wurde Teil des Spielfilms „Inglourious Basterds“ von Quentin Tarantino aus dem Jahr 2009.

Kurz vor Ende des Krieges wurde Fred Mayer dann doch enttarnt, ins Innsbrucker Gestapo-Gefängnis geworfen. Obwohl er über mehrere Tage brutal gefoltert wurde, gab er keine Namen preis. „Mein Großvater konnte als Folge dieser Folter nur noch sehr schlecht hören“, erzählt Fred Mayer. Doch in den Tagen von Fred Mayers Gefangenschaft wendete sich im Krieg endgültig das Blatt. Die Nazis hatten verloren. Dennoch, so der Befehl aus Berlin, sollten auch Tirol und Innsbruck bis zur letzten Patrone vor den heranrückenden Amerikanern verteidigt werden. Doch Gauleiter Franz Hofer ließ den Gefangenen Mayer zu sich kommen, der überredete den Obernazi zur Kapitulation per Radioansprache. Als Gegenleistung wurde der Gauleiter als normaler Kriegsgefangener behandelt. Der Spion aus Freiburg fuhr dann am 3. Mai 1945 im Auto des Gauleiters mit einem Bettlaken als weißer Fahne den US-Truppen entgegen, die nicht schlecht staunten. Mayer trug da wieder seine amerikanische Uniform, die davor in den Bergen versteckt worden war.
Wenig später saß Mayers Peiniger von der Gestapo im Gefängnis und flehte den Amerikaner um Gnade für seine Familie an. „Er hat gesagt: Was glauben Sie, wer wir sind? Nazis?“, habe ihm Mayer geantwortet. So erzählt es Enkel Shane Mayer beim kleinen Empfang mit Kaffee und Kuchen im Dienstzimmer von Oberbürgermeister Martin Horn. „Mein Großvater hat für uns immer Linzertorte gebacken“, erinnert sich Shane. OB Horn berichtet, dass man in Innsbruck gerade darüber diskutiere, einen Platz nach den Helden der Operation Greenup, so hieß die Geheimdienstaktion, zu benennen. Horn überreicht den Gästen einen Plan von Kleineschholz. Die größere der beiden Straßen dort wird bald Fred-Mayer-Straße heißen, so hat es der Gemeinderat entschieden.
„Mein Großvater wäre sehr stolz“, bedankte sich Shane Mayer für die Ehrung. Fred Mayer ist vor zehn Jahren in West Virginia im Alter von 94 Jahren gestorben. Einige Jahre davor hatte er im hohen Alter auch Freiburg und das Rotteck-Gymnasium, seine alte Schule, besucht. Ein Veranstaltungssaal trägt dort seinen Namen. „Ihm war es immer wichtig, mit jungen Menschen zu reden und ihnen von seinem Schicksal zu berichten, das viele jüdische Familien in Freiburg erleben mussten.“
Und, natürlich: Shane Mayer und Familie werden bald wieder nach Freiburg zurückkommen und sich die besondere Straße in Kleineschholz anschauen.
… Alles vom 23.4.2026 von Joachim Röderer bitte lesen auf
https://www.badische-zeitung.de/inglourious-basterds-aus-freiburg-enkel-freut-sich-ueber-strasse-fuer-fred-mayer-in-kleineschholz
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Fred-Mayer-Straße in Freiburg-Kleinescholz: Eine überfällige Ehrung
Der aus Freiburg stammende Widerstandskämpfer und Top-Spion Fred Mayer bekommt endlich eine Straße in Freiburg. Wichtig ist auch, dass im NS-Dokuzentrum an seine glorreiche Heldentat erinnert wird.
Diese Woche wurden im Baugebiet Kleineschholz endlich die Spaten geschwungen. Jetzt geht’s los. Und in etwa zwei Jahren bekommt Freiburg dann auch die Fred-Mayer-Straße – und der ehemalige jüdische Mitbürger aus der oberen Altstadt endlich, endlich die längst überfällige Ehrung. Noch viel zu wenige Menschen wissen von der Operation Greenup, mit der Mayer, zwei Mitstreiter plus viele Unterstützerinnen und Unterstützer die Partnerstadt Innsbruck vor der Zerstörung retteten. Alle Beteiligten riskierten damals ihr Leben. Fred Mayers Familie führte einst eine Eisenwarenhandlung in der Herrenstraße. Der Vater hatte im Ersten Weltkrieg als Offizier fürs Deutsche Reich gekämpft und sogar das Eiserne Kreuz verliehen bekommen. Deswegen glaubte er, dass ihm und seiner Familie nichts passieren könne. Erst in letzter Sekunde flüchteten die Mayers dann doch noch über die Schweiz in ein neues Leben nach Brooklyn. Fred Mayer wollte danach nichts sehnlicher, als gegen die Nazis zu kämpfen und das erlittene Unrecht zu rächen, so erzählte es sein Enkel jetzt beim Freiburg-Besuch. Dieser hat sich in die entgegengesetzte Richtung in Bewegung gesetzt: Mit seiner kleinen Familie hat er die USA wegen Donald Trump verlassen und erwägt nun sogar, die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen. Er war jetzt in Freiburg auf den Spuren eines berühmten Großvaters unterwegs und zeigte sich auch sehr angetan vom NS-Dokuzentrum. Gut, dass es in Freiburg einen Ort gibt, an dem an solche Schicksale und Heldentaten wie die von Fred Mayer erinnert wird.
.. Alles vom 23.4.2026 von Joachim Röderer bitte lesen auf
https://www.badische-zeitung.de/fred-mayer-strasse-eine-ueberfaellige-ehrung