Gewalt in Theater und Realität

Im Schauspielhaus Bochum stürmten beim Theaterstück „Catarina oder Von der Schönheit, Faschisten zu töten“ des Autors Tiago Rodrigues am 14.2.2026 zwei Besucher auf die Bühne, um den Schauspieler Ole Lagerpusch zu verdreschen, als er den Faschisten Romeo spielte und gerade einen Monolog zum Thema Faschismus hielt. Die Tätlichkeiten endeten erst, als der Regisseur auf die Bühne kommt und das Publikum aufklärt, dass hier Theater gespielt wird und dies nicht mit der Realität da draußen zu verwechseln ist. Zum Inhalt des Theaterstücks mehr auf der Homepage des Schauspielhauses in Anlage (1).
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Eine Gesellschaft, die aufgrund ihrer Dauererregung nicht mehr zwischen Fiktion (Theater, Satire, Kunst) und Wirklichkeit unterscheiden kann, befindet sich in einer kulturellen und emotionalen Krise. Dazu Gerd Buurmann (siehe Anlage (2)): „Politische Debatten werden nicht mehr als rationale Auseinandersetzungen unter Demokraten geführt, sondern als moralische Endkämpfe, in denen alles auf dem Spiel steht: Demokratie, Freiheit, Identität, Zukunft. Angstnarrative von „Untergang“, „Übernahme“ oder „Existenzbedrohung“ prägen öffentliche Diskurse, Zorn wird erzeugt, Wut verstärkt, Empörung kultiviert. In diesem Klima reagiert ein emotional überreizter Teil der Bevölkerung nicht mehr mit Argumenten, sondern mit Affekten, die bis zur Bereitschaft zu körperlicher Gewalt reichen“.

Gemäß der heute von breiten Kreisen der Gesellschaft als wahr begriffenen Gleichung „Faschismus = Rechtsfaschismus = AfD“  ist der Schritt von der verbalen zur körperlichen Gewalt längst getan. Symptomatisch die Gewalt gegen Parteien: Im Jahr 2024 hauptsächlich gegen die AfD (93 Fälle) – dahinter in großem Abstand Grüne (20) und SPD (8 Fälle) – sowie Zerstörung von AfD-Einrichtungen (159 Fälle).

Gewalt gegen die AfD (Realität) und Gewalt der AfD (Fiktion):
„Die real stattgefundenen Angriffe auf die AfD können nicht bestritten werden, sie sind Realität. Was über die AfD behauptet wird, kann jedoch bestritten werden, und die AfD tut dies auch“ – meint Buurmann.
Die Gewalt gegen die AfD (gegen Personen wie Sachen) ist real, d.h. von der Statistik nachgewiesen. Dass von der AfD zerstörerische politische Gewalt (rechtsextrem) ausgeht, wäre vom Bundesverfassungsgericht nachzuweisen – was bis dato nicht gelungen ist und wohl auch niemals gelingen wird.
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Demokratischer Streit und Diskurs ist grundlegend und wichtig. Wenn jedoch der politische Gegner (der auch radikal sein kann) zum Feind (den man, da extremistisch, zerstören muß) erklärt wird, dann kippt die Gesellschaft im Inneren in Richtung Bürgerkrieg. Insofern ist der Theatertumult in Bochum nicht nur ein kleiner Zwischenfall, sondern ein deutliches Warnsignal in mehrerlei Hinsicht:
1. Das Theaterspiel „Faschisten töten“ wird mit der Wirklichkeit gleichgesetzt.
2. Der Faschist Romeo wird als Rechtsfaschist der AfD identifiziert. Dabei gibt es – wie von Ulrike Guerot gut beschrieben – neben dem Rechts- auch den Linksfaschismus.
3. Besucher fühlen sich legitimiert, gegen Theaterspieler gewalttätig vorzugehen.
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In den Mainstreammedien wird die Gewaltreaktion des Bochumer Theaterpublikums bei der Aufführung des Stücks „… Faschisten töten“ laut (3) großenteils begrüßt – ein besorgniserregendes Zeichen. Wird demnach Gewalt zum Kennzeichen des linksgrünen Diskurses?
In Deutschland muß (wieder) eine Diskussionskultur etabliert werden, in der gewaltfrei und offen Argumente ausgetauscht werden.
19.2.2026
Dieser Beitrag ist ohne KI geschrieben worden.
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Ende von „Gewalt in Theater und Realität“
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Beginn von Anlagen (1) – (3)
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(1) Inhalt des Theaterstücks „Catarina oder Von der Schönheit, Faschisten zu töten“ laut Schauspielhaus Bochum
„In dieser portugiesischen Familie gibt es eine ungewöhnliche Tradition: Immer zum Jahrestag der Ermordung der Landarbeiterin Catarina Eufémia am 19. Mai 1954 durch Schergen der Diktatur wird ein Faschist getötet. Stets beginnt der Tag als wohlgelaunte Familienfeier und endet mit der Erschießung eines Delinquenten. Hier wird anscheinend Unrecht gerächt. Doch diesen Sommer rumort es in der Familie. Die jüngste Generation stellt infrage, was seit drei Generationen zelebriert wird. Eine Tochter lehnt als Veganerin neuerdings das Festmahl (Schweinsfüße nach Familienrezept) ab, während die andere das Ritual der Erschießung verweigert und bezweifelt, ob Gewalt überhaupt ein legitimes Mittel zur Verteidigung von Freiheit und Demokratie sein kann.“

Die Mitglieder dieser Familie haben also alle politischen Orientierungen, von links bis rechts. Die Familie entzweit also laut Theater die folgende Frage:
„Hat Gewalt im Kampf für eine bessere Welt einen Platz? Dürfen wir die Regeln der Demokratie verletzen, wenn wir nach besseren Wegen suchen, sie zu verteidigen?“

Ein Kommentar:
„Wie viel faschistisches Gedankengut darf öffentlich Raum erhalten? Wie viel Gewalt dürfen wir einsetzen, um dagegen zu kämpfen, dass Faschismus vielleicht die Zukunft ist. Das geht unter die Haut, ist grandios gemacht und wird noch lange in Erinnerung bleiben. So aufwühlend muss Theater sein in aufwühlenden Zeiten.“ Deutschlandfunk, Dorothea Marcus
Ende Kommentar
Quelle: https://www.schauspielhausbochum.de/de/stuecke/26901/catarina-oder-von-der-schoenheit-faschisten-zu-toeten

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(2) Theater-Tumult: Zuschauer stürzen sich auf fiktiven Faschisten
Im Schauspielhaus Bochum wurde ein Darsteller, der einen Faschisten spielt, von Zuschauern tätlich angegriffen. Dass Menschen in einem Theater nicht mehr klar zwischen Darstellung und Wirklichkeit unterscheiden können, zeigt die tiefe kulturelle und emotionale Krise, in der sich dieses Land befindet.

Dass diese Emotionalisierung reale Folgen hat, zeigen die Zahlen: Die politisch motivierte Kriminalität in Deutschland hat zuletzt Höchststände erreicht. Parteibüros werden beschädigt, Wahlplakate zerstört, Veranstaltungen blockiert. Mandatsträger und Wahlkämpfer werden beleidigt, bedroht und angegriffen, es bleibt nicht bei Worten.
Bei der Gewalt und den Angriffen auf Parteimitglieder und Parteieinrichtungen lassen sich deutliche Unterschiede erkennen, je nachdem, um welche Partei es sich handelt. Laut offizieller Regierungsantwort auf eine parlamentarische Anfrage gab es 2024 insgesamt 157 gemeldete Gewaltdelikte gegen Parteirepräsentanten und -mitglieder, davon 93 gegen Vertreter der Alternative für Deutschland (AfD), aber jeweils deutlich weniger gegen andere Parteien wie Bündnis 90/Die Grünen (20 Fälle) oder die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) (8 Fälle). Zudem wurden im Jahr 2024 insgesamt 159 Gebäude und Einrichtungen der AfD in irgendeiner Form angegriffen, mehr als bei anderen Parteien.
Die AfD ist damit nicht nur häufiger Ziel politisch motivierter Gewaltdelikte als andere Bundestagsparteien, sondern auch bei Angriffen auf Parteistrukturen überdurchschnittlich stark betroffen. Das ist die Realität. Der AfD wird seit ihrer Existenz von Teilen der Öffentlichkeit und auch von Sicherheitsbehörden unterstellt, verfassungsfeindliche Bestrebungen zu verfolgen. Über Jahre wurde die Partei auf Bundesebene vom Verfassungsschutz als rechtsextremistischer „Verdachtsfall“ geführt, eine Einstufung, die nachrichtendienstliche Beobachtung ermöglicht. In mehreren Bundesländern, etwa in Niedersachsen, wurde die AfD darüber hinaus im Jahr 2026 als „gesichert rechtsextremistische Bestrebung“ eingestuft. Diese Bewertungen sind Gegenstand rechtlicher Auseinandersetzungen. Die AfD-Partei bestreitet sie vehement.
Die real stattgefundenen Angriffe auf die AfD können nicht bestritten werden, sie sind Realität. Was über die AfD behauptet wird, kann jedoch bestritten werden, und die AfD tut dies auch. Es kann sich bei den Vorwürfen also um Fiktion handeln und genau hier liegt ein Teil des Problems. Wenn eine Fiktion über die Realität siegt, wird es gefährlich.

Wenn staatliche Behörden, die der Regierung unterstehen und durch Steuermittel finanziert werden, politische Akteure öffentlich als extremistisch einstufen, führt das zu einer zusätzlichen Polarisierung. Für viele Beobachter wirkt das nicht nur wie eine sachliche rechtliche Einschätzung, sondern wie eine Diffamierung des politischen Gegners, mit der Folge, dass Teile der Bevölkerung anfangen, diese Bewertung als moralische Verurteilung zu lesen, statt als nüchterne juristische Kategorie.
Wenn politische Gegner als faschistisch, extremistisch oder untragbar bezeichnet werden, gibt das manchen Menschen eine moralische Rechtfertigung, Gewalt gegen diese Gegner nicht nur zu akzeptieren, sondern aktiv zu befürworten. Diejenigen, die im Theater von Bochum Buhrufe losließen und körperlich eingreifen wollten, handelten nicht aus rationalem Diskurs heraus, sondern aus der Überzeugung, sie würden etwas Gutes tun und etwas Böses verhindern. Sie glaubten, dass ihre Tat im Namen des Richtigen, des Guten sei. Das ist die gefährliche Psychologie, die Gewalt erst ermöglicht.

Der Tumult von Bochum war kein bloßer Theaterzwischenfall. Er ist ein Warnsignal. Nicht nur für die Kunstfreiheit, sondern für das politische Klima insgesamt. Wenn Empörung zur Grundhaltung wird und Angst zur Dauererzählung, dann ist der Weg von der verbalen zur physischen Eskalation nicht mehr weit.
… Alles vom 18.2.2026 von Gerd Buurmann bitte lesen auf
https://www.achgut.com/artikel/theater_tumult_zuschauer_stuerzen_sich_auf_fiktiven_faschisten
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(3) Gutmenschen greifen Schauspieler auf Bühne des Bochumer Theaters an
Bochum, Schauspielhaus: Bei der Premiere von „Catarina oder Von der Schönheit, Faschisten zu töten“ eskaliert das Publikum. Nach Buhrufen und „Halt die Fresse“-Rufen stürmen zwei Zuschauer auf die Bühne und gehen auf den Darsteller los – weil er den „Faschisten“ spielt.

Im Hochstalinismus der DDR mussten die Zuschauer im Kino, wenn in dem Spielfilm von einem Schauspieler verkörpert Stalin auftrat, sich von den Sitzen erheben und den Schauspieler, der jetzt Stalin war, beklatschen. In unserer Demokratie stürmen Zuschauer die Bühne, um den Schauspieler körperlich anzugreifen, der den „Faschisten“ spielt. Niemand weiß, was dem Darsteller, der laut einem Bericht unter Beifall des Publikums zuvor mit einer Orange beworfen wurde, noch widerfahren wäre, wenn das Ensemble nicht eingeschritten wäre. In einem Statement ließ das Schauspielhaus wissen: „Dass ein Schauspieler in Ausübung seiner künstlerischen Arbeit körperliche Angriffe erfahren musste, hat uns zutiefst erschreckt, wir erachten diese Übergriffigkeit als vollkommen inakzeptabel.“
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Vieles mag kompliziert sein, aber das ist nun wirklich ganz einfach: Gewalt ist im Kampf für eine bessere Welt keine Option. Darüber kann es keine Diskussion geben, weil sonst keine Diskussionen mehr möglich sind. Genauso wenig wie Gewalt im Kampf für eine bessere Welt einen Platz hat, dürfen die Regeln der Demokratie verletzt werden, um die Demokratie zu verteidigen, weil wir sonst keine Demokratie mehr haben, sondern nur noch unsere Demokratie, die Diktatur der besseren Welt.
Das Stück selbst stellt die Radikalisierung des rotgrünen Diskurses dar, worauf mit rotgrüner Radikalisierung in Bochum geantwortet wurde. Man erträgt keine andere Meinung mehr, niemand darf sie mehr äußern. Man wehrt sich immer militanter, dass der eigene Kosmos durch andere Meinungen gestört wird, der eigene Gratismut, die selbstgerechten Träumereien mit der Realität konfrontiert werden. Was nicht in die eigene Welt passt, gehört verboten. Theater und Literatur sollen nur die eigenen Vorurteile bestätigen, so haben wir bald auch kein Theater und keine Literatur mehr.
Es ist doch immer wieder verblüffend, dass es die konsequenten Kämpfer gegen Hass sind, die am stärksten hassen.
… Alles von Klaus-Rüdiger Mai bitte lesen auf
https://www.tichyseinblick.de/feuilleton/theater-bochum-schauspieler/
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Einige Kommentare:
Wenn dieser Angriff auf den Schauspieler nicht ein dramaturgischer „Kniff“ war um die vorhandene Agressionen im Publikum auszutesten & steigern, zeigt es sich doch auch hier wieder glasklar: „Der Kampf gegen Rechts ist der Kampf gegen Demokratie“. Dirty Marty, aka Martenstein. h.Milde
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Was die Leute sich wohl vorgestellt haben, wie ein Theaterstück mit „Von der Schönheit Faschisten zu töten“ im Titel wohl mit dem Thema umgehen würde? Denken Linke wirklich, da wird unkritisch Mord bejubelt? Und wenn ja, wie platt und anspruchslos wäre das dann? Und die halten sich für die geistige Elite. Das ist lächerlich, traurig und beängstigend zugleich. yeager
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Gustav le Bon Psychologie der Massen aus dem Jahr 1895: „Man hat schon oft die Geschichte von jenem Volkstheater erzählt, das den Schauspieler, der den Verräter spielte, nach Schluß der Vorstellung schützen mußte, um ihn den Angriffen der über seine vermeintlichen Verbrechen empörten Zuschauer zu entziehen. Das ist meiner Meinung nach eins der treffendsten Beispiele für den geistigen Zustand der Massen, und besonders für die Leichtigkeit, mit der man sie beeinflußt. Das Unwirkliche ist in ihren Augen fast ebenso wichtig wie das Wirkliche. Sie haben eine auffallende Neigung keinen Unterschied zu machen“
Der Fehler liegt in den Menschen und nicht in den Zeiten . K.Selberdenker
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Wer braucht noch Schauspielhäuser und zahlt dort teure Eintritte? Es gibt doch den ganzen Tag 24/7 in unserer Buntenrepublik kostenlose Galavorstellungen aus Politik und Wirtschaft. Diesen Kulturbeitrag kann man sich wirklich sparen. Mike78
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Liest man das psychiatrisch auffällige Drehbuch des Stückes, bekommt man eine Ahnung, warum man das portugisische Stück des portugiesischen Autors niemand in Portugal aufführen wollte.
Ende Kommentare

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