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Eingang zur Erinnerungsstätte Yad Vashem in Jerusalem-Neustadt am 27.10.2013
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- Linksradikale wollen in Buchenwald gegen Israel demonstrieren (22.2.2026)
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Auf die bei der alljährlichen Erinnerung an die Reichspogromnacht vom 9. November 1938 immer wieder gestellte Frage „Wie es nur so weit kommen konnte“ gab Henryk M. Broder am 7.10.2018 diese Antwort:
„Wenn ihr euch fragt, wie es damals passieren konnte:
weil sie damals so waren, wie ihr heute seid.“
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Linksradikale wollen in Buchenwald gegen Israel demonstrieren
An der Gedenkstätte Buchenwald soll am 11. April 2026 eine Protestkundgebung stattfinden. Protestiert werden soll gegen die Leitung der Gedenkstätte. Der Vorwurf lautet: Die Leitung sei nicht israelkritisch genug! Das muss man sich mal vorstellen.
Die Leitung eines Konzentrationslagers, in dem Menschen gequält, gefoltert und ermordet wurden, einzig und allein, weil sie Juden waren, wird nicht nur dazu aufgefordert, sich kritisch zu dem einzigen jüdischen Staat der Welt zu verhalten, nein, es wird sogar verlangt, dass diese Kritik eine gewisse Größe haben muss. Die Erinnerung an tote Juden soll jetzt gefälligst dazu herhalten, lebendige Juden zu kritisieren, vor allem wenn sie es wagen, sich in einem souveränen Land zu befinden, in dem sie sich verteidigen, wenn sie angegriffen werden. Ganz nach dem Motto: „Die Juden in Deutschland haben sich wenigstens abschlachten lassen. Was fällt den Juden von heute in Israel eigentlich ein, sich zu verteidigen? Dafür wurden die Konzentrationslager in Deutschland nun wirklich nicht gebaut!“
Aufgerufen zu den Protesten hat ein breites Bündnis von Gruppen, die stolz darauf sind, antizionistisch zu sein. Unter ihnen befinden sich die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) sowie die Linksjugend [’solid], die offizielle Jugendorganisation der Partei Die Linke. Der Anlass für den Protest ist ein Vorfall aus dem vergangenen Jahr, bei dem einer Aktivistin der Zutritt verweigert wurde, weil sie mit einer Kufiya, also mit einem sogenannten Palästinensertuch, auf dem Gelände gegen Israel demonstrieren wollte. Ein Gericht bestätigte die Entscheidung der Gedenkstätte.
Antizionistische Gruppen zerren ihre Kritik an Israel in ein ehemaliges Konzentrationslager und missbrauchen so den Massenmord an Juden als Kulisse ihres Protests. Sie eignen sich in widerwärtigster Form das Leid von Juden an und nutzen es für ihre Kritik an Juden. Ich muss da an die immer wieder auftauchenden Bilder denken, auf denen Anne Frank mit einer Kufiya dargestellt wird. Als wäre ihr Schicksal vergleichbar mit den Vorgehensweisen Israels gegen all jene Mächte, die heute das jüdische Volk am liebsten so vernichten möchten, wie jener schrecklichen Taten, denen Anne Frank zum Opfer fiel.
Es ist schon besonders perfide, das ermordete jüdische Kind zur Ikone einer aktuellen Agenda umzufunktionieren, vor allem wenn es in Verbindung mit dem größten Massenmord an Juden seit dem Holocaust passiert. Am 7. Oktober 2023 wurden von palästinensischen Terroristen und auch Zivilisten so viele Juden an einem einzigen Tag ermordet wie seit dem Holocaust nicht mehr. Überwiegend durchgeführt von Bewohnern des Gazastreifens, wo die Hamas herrscht und in ihrer Gründungscharta von 1988 erklärt, dass Frieden erst kommen könne, wenn das gesamte jüdische Volk weltweit vernichtet worden sei. Die Vernichtung des jüdischen Volkes gehört zum erklärten Programm der Hamas.
Man muss sich die Abgründigkeit dieses Gedankens klarmachen
„Nie wieder“, so lautet die Formel der Erinnerung an den Holocaust. Es gibt jedoch zwei Arten des Nicht-Vergessens. Es gibt Menschen, die nicht vergessen können, weil der Horror des Holocaust Teil ihrer Familiengeschichte ist, weil am Pessach-Tisch die Urgroßmutter sagt: „Als ich fünf war, saßen hier über fünfzig Menschen. Heute sind wir acht.“ Diese Menschen können nicht vergessen, weil ganze Familiengeschichten ausgelöscht wurden. Für diese Menschen ist der Holocaust keine moralische Ressource. Er ist eine Wunde.
Und dann gibt es jene, die nicht vergessen wollen, die aus der Geschichte Lehren ziehen möchten. Die aus Auschwitz moralische Prinzipien ableiten. Die sagen: Wir haben gelernt. Mein guter Freund Henryk Broder erzählte einmal, wie er nach 2015 gefragt habe, warum Deutschland als einziges Land in Europa keine Obergrenze in der Flüchtlingsfrage definieren wolle. Eine öffentlich-rechtliche Journalistin habe daraufhin geantwortet, Deutschland habe halt aufgrund der Vergangenheit höhere Standards. Als Henryk das hörte, drehte er sich nur noch wortlos um und ging. Ich kann Henryk verstehen. Mich hätte diese Aussage auch sprachlos gemacht, denn was anderes bedeutet dieser Satz als: Auschwitz hat uns besser gemacht?
Man muss sich die Abgründigkeit dieses Gedankens klarmachen
Wenn man stolz darauf ist, welche moralischen Lehren man aus dem Holocaust gezogen hat, dann setzt man voraus, dass dieses Verbrechen einen Sinn gehabt haben könnte, wenigstens einen nachträglichen. Der Holocaust hatte aber keinen Sinn. Er darf keinen haben. Er ist keine Schule der Ethik. Keine Nachhilfestunde für moralisch Sitzengebliebene. Er ist keine Quelle höherer Einsicht. Er ist kein Fundament für politischen Stolz. Er ist ein Menschheitsverbrechen. Man kann nichts aus ihm lernen, was ihn rechtfertigen würde, nichts, was man nicht auch ohne ihn wissen kann. Man kann ihn nicht in aktuelle politische Konflikte einbauen, nicht als Maßstab, nicht als Vergleich, nicht als moralischen Verstärker. Und doch geschieht genau das immer wieder.
Der Holocaust wird herangezogen gegen Rassismus, gegen sogenannte Muslimfeindlichkeit, gegen Nationalismus und immer wieder gegen Israel. Ausgerechnet von Milieus, die sonst bei jeder Gelegenheit vor kultureller Aneignung warnen. Wenn es kulturelle Aneignung gibt, dann doch wohl hier: die Aneignung jüdischen Leids, jüdischer Geschichte, jüdischer Vernichtung – um gegen den jüdischen Staat zu agitieren. Ein Ort, an dem zwischen 1937 und 1945 Zehntausende ermordet wurden. Ein Ort, an dem Menschen zu Nummern wurden, sollen nun politische Vorträge stattfinden unter dem Motto „Kufiyas in Buchenwald“. Das ist moralischer Kolonialismus in Buchenwald. Es ist eine brutale Aneignung von Menschen, die aus dem Leid ihre Lehren basteln und politisches Kapital schlagen wollen, die es als moralische Waffe einsetzen und die es relativieren, indem sie es vergleichen.
Der Holocaust gehört nicht jenen, die nicht vergessen wollen, sondern ist eingeritzt in das Leben und in das Bewusstsein all derer, die nicht vergessen können.
… Alles vom 22.2.2026 von Gerd Buurmann bitte lesen auf
https://www.achgut.com/artikel/linksradikale_wollen_in_buchenwald_gegen_israel_demonstrieren
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Gerd Buurmann
Als Theatermensch spielt, schreibt und inszeniert Gerd Buurmann in diversen freien Theatern von Köln bis Berlin. Er ist Schauspieler, Stand-Up Comedian und Kabarettist.
Im Jahr 2007 erfand er die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Mit seinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und den von ihm entwickelten Begriffen des „Nathan-Komplex“ und des „Loreley-Komplex“ ist er in ganz Deutschland unterwegs.
Seit April 2022 moderiert er den Podcast „Indubio“ der Achse des Guten.
Sein Lebensmotto hat er von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!“
Weiterführende Links:
http://www.buurmann.de/
https://tapferimnirgendwo.com/
https://de.wikipedia.org/wiki/Gerd_Buurmann
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Broder: „Weil sie damals so waren, wie ihr heute seid“
Warum sich Henryk M. Broder jetzt selbst angezeigt hat
Henryk M. Broder ist in meinen Augen einer der klügsten, wenn nicht der klügste Kopf, den wir derzeit in Deutschland haben. Eine geniale Aussage von ihm ging lawinenartig durch die sozialen Netzwerke:
„Wenn ihr euch fragt, wie es damals passieren konnte:
weil sie damals so waren, wie ihr heute seid.“
Ich bin sehr froh über das Privileg, mit Henryk freundschaftlich verbunden zu sein und seinen überwältigenden Scharfsinn und seine Ironie zuweilen auch über seine öffentlichen Werke hinaus im privaten Gespräch genießen zu dürfen. Er ist für mich ein Lehrmeister, zu dem ich aufblicke. Umso fassungsloser macht mich, was jetzt geschehen ist.
Fabian P., 17-jähriger Lehrling, hat an einer erlaubten (traurig, dass man das heute schon dazuschreiben muss) Demonstration am 8. Dezember in München teilgenommen. Vorher hat er, wie Broder in der Welt berichtet (leider steht der brillante Artikel hinter einer Bezahlschranke) https://www.welt.de/politik/deutschland/plus236067828/Henryk-M-Broder-Warum-ich-mich-wegen-Beleidigung-angezeigt-habe.html , „mit einem dicken Filzstift auf einen etwa 80 auf 60 Zentimeter großen Pappdeckel eben diesen Satz des großen Journalisten geschrieben.
Was daraufhin geschah, ist ungeheuerlich. Und wäre zum Lachen, wenn es nicht derart zum Weinen wäre. Der 17-Jährige beschrieb es in einem Brief an Broder so: „Kurz vor dem Odeonsplatz kamen zwei Polizisten auf mich zu, hielten mich fest und fragten, was das Schild zu bedeuten hat. Ich sagte: ‚Sie wissen genau, was damit gemeint ist.‘ Darauf einer der beiden: ‚Du sagst uns jetzt sofort, was mit dem Schild gemeint ist.‘ Ich wiederholte, das sei doch vollkommen klar. Worauf der Polizist sagte: ,Du bist vorläufig festgenommen, wegen Beleidigung.‘ Ein Kollege habe sich beleidigt gefühlt. Das war alles.“
Weiter schreibt Broder in der Welt, dass „Fabian P. zu einem der in der Nähe parkenden Polizeibusse eskortiert“ wurde: „Dort stellten die Polizisten seine Personalien fest, durchsuchten seine Taschen und konfiszierten das Beweisstück, den 80 auf 60 Zentimeter großen Pappdeckel mit dem Satz: ‘Wenn ihr euch fragt, wie es damals passieren konnte: weil sie damals so waren, wie ihr heute seid.‘ Dann fertigten sie von Hand eine Art Protokoll aus und legten es Fabian P. zur Unterschrift vor. Das Ganze zog sich über eine Stunde hin. Fabian P. durfte seinen Vater anrufen, der schon zu Hause auf ihn wartete, seine Bitte, ihn eine Toilette benutzen zu lassen, wurde abgeschlagen. ‘Das kannst du später zu Hause machen.’“
Offen gestanden fehlen mir angesichts dieser Geschichte einfach die Worte. Broder fehlen sie nicht. Er schreibt: „Dass ein 17 Jahre junger Schüler aus einer – übrigens angemeldeten und genehmigten – Demonstration herausgeholt und gefilzt wird, dass ihm ein Pappdeckel mit einem harmlosen Satz darauf weggenommen wird, dass er sich für etwas verantworten soll, was ich gesagt oder geschrieben habe, das fand ich so absurd und so irre, dass ich mich gleich auf den Weg nach München machte, zu Fabian und Walter P.“
Aus einem von Hand ausgefüllten „Sicherstellungsprotokoll“ gehe hervor, so Broder, „dass die ‘Maßnahme‘ von Mitarbeitern der BPA Dachau durchgeführt wurde. BPA steht für Bereitschaftspolizeiabteilung. Als ‘Anlass/Grund‘ der Maßnahme steht da ‘Beleidigung‘, Beginn der Maßnahme sei 20.00 Uhr gewesen, Ende 20.05 Uhr, was schlicht nicht stimmen kann. Sichergestellt bzw. beschlagnahmt habe man ‘1 Kartonschild‘, das ‘in der Hand getragen‘ wurde. Name und Unterschrift des Beamten, der die Maßnahme protokolliert hat, sind unleserlich.“
Broder ließ nicht locker und rief bei der BPA in Dachau an. Die verweist ihn an den Pressesprecher der bayerischen Bereitschaftspolizei. Der wiederum verweist auf die Zuständigkeit der Münchner Polizei. Er werde die Anfrage an die zuständige Stelle weiterleiten. Der genannte „Ansprechpartner“ sagt, er leite die Mail an einen Kollegen weiter. Der antwortet: „Zu Ihrer Anfrage muss ich Ihnen mitteilen, dass wir keine Angaben zu dem Vorfall Ihnen gegenüber machen können. Ihre Anfrage tangiert die Persönlichkeitsrechte der Beteiligten, als Polizei sind wir verpflichtet, diese zu schützen.“
Dazu Broder: „Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte der Beteiligten gehört wohl auch, dass vier Wochen nach dem „Vorfall“ weder Fabian P. noch sein Vater über den Stand der Ermittlungen informiert wurden.“
Der große Publizist zieht eine geniale Konsequenz: „Deswegen habe ich beschlossen, den Lauf der Dinge zu beschleunigen. Ich habe mich selbst angezeigt, wegen Beleidigung, Volksverhetzung und was da alles noch sein könnte. Wie schon gesagt, ich werde es nicht hinnehmen, dass ein 17-Jähriger für etwas büßen soll, für das ich verantwortlich bin.“
.. Alles vom 7.1.2022 bitte lesen auf
https://reitschuster.de/post/warum-sich-henryk-m-broder-jetzt-selbst-angezeigt-hat/