Jüdisches-Leben

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Blick über die El Aksa-Moschee (graue Kuppel) in Jerusalem zum Ölberg am 26.10.2013

Blick über Klagemauer und El Aksa-Moschee (graue Kuppel) in Jerusalem zum Ölberg am 26.10.2013

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Was der jüdische Friedhof in Freiburg mit „Märchen aus 1001 Nacht“ zu tun hat
Felix Rottberger kennt unzählige Anekdoten über den jüdischen Friedhof, den er seit 1966 verwaltet. Am Europäischen Tag der Jüdischen Kultur führte er Interessierte über das Gräberfeld.
Immer schafft es Felix Rottberger, der 1936 als Kind einer vor dem Holocaust geflüchteten Familie im isländischen Exil geboren wurde, lang und noch nicht so lang Vergangenes lebendig mit der Gegenwart zu verknüpfen. Das ist ihm umso wichtiger, weil derzeit, unter anderem bei den Protesten der Corona-Leugner, wieder besonders viel Antisemitismus auftaucht. Dagegen kämpft er seit Jahrzehnten.
Als er den Friedhof, der vor 150 Jahren noch weit draußen vor der Stadt gelegen hatte, 1966 kennenlernte, habe ihn das, was er sah, sehr traurig gemacht, erzählt er: Viele Grabsteine waren umgeworfen und zerstört. Im Lauf der Jahre wurden alle aufgerichtet. Doch vieles blieb in Vergessenheit. Die Unterlagen, die es zum Friedhof gab, verbrannten in der Synagoge in der Pogromnacht 1938.
Manche der Menschen aber sind so bekannt, dass sie nicht vergessen werden können: So wie Gustav Weil, der 1808 in Sulzburg geboren wurde und 1889 in Freiburg starb. Er war Professor für Orientalische Sprachen in Heidelberg und übersetzte als Erster die „Märchen aus 1001 Nacht“ ins Deutsche. Felix Rottberger zeigt unter anderem auch die Gräber der Familie Meyer, die das Bankhaus Meyer gegründet hatte, und der Familie Knopf, die den damals größten Kaufhauskonzern in Südbaden mitsamt dem Freiburger Warenhaus Knopf geschaffen hatte. Beiden Familien wurde im Nationalsozialismus alles entrissen, was sie sich erarbeitet hatten.
Manche jüdische Freiburger überlebten, wie der Lederwarenhändler und SPD-Stadtrat Max Mayer, der in die USA flüchtete. Trotz allem, was geschehen war, wollte er in Freiburg beerdigt werden. Andere verzweifelten und entschieden sich für den Suizid, wie 1939 der frühere Friedhof-Verwalter Arthur Müller, der im Ersten Weltkrieg noch wie viele Juden für Deutschland gekämpft hatte. Oder wie 1940 Therese Loewy, die Witwe des Mathematik-Professors Alfred Loewy.
Neben vielen alten Gräbern gibt es einige neuere aus der Nachkriegszeit. Mittendrin ist das Grab von Siegfried Aufhäuser, der 1884 geboren wurde und 1969 starb: Der Vorsitzende des Landesverbandes der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft lebte eigentlich in Berlin. Doch als seine Frau Anna 1960 bei einer Kur in Badenweiler starb, habe er den Freiburger Friedhof entdeckt und so idyllisch gefunden, dass er beschloss, dass er und seine Frau dort begraben sein sollten.
… Alles vom 7.9.2020 bitte lesen auf
https://www.badische-zeitung.de/was-der-juedische-friedhof-in-freiburg-mit-maerchen-aus-1001-nacht-zu-tun-hat

Jüdischer Friedhof in Freiburg
https://www.freiburg-schwarzwald.de/friedhoefe.htm#Freiburg%20-%20J%C3%BCdischer%20Friedhof%20an%20der%20Els%C3%A4sser%20Strasse
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Jüdischer Friedhof Elsässer Straße in FR-Mooswald: Felix Rottberger führte (16.8.2008)
https://www.freiburg-schwarzwald.de/friedhoefe1.htm#J%C3%BCdischer%20Friedhof%20Els%C3%A4sser%20Stra%C3%9Fe%20in%20FR-Mooswald:%20Felix%20Rottberger%20f%C3%BChrte
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Herbolzheim versagte eine DIA-Veranstaltung über Theodor Herzl
Was steckt dahinter? Ein Einzelfall oder typische Doppelzüngigkeit im Land?

Der Europäische Tag der jüdischen Kultur am 6. September warf an einigen Orten des Kontinents seine Schatten voraus. Schatten im doppelten Sinn, denn nicht überall waren Organisatoren der jeweiligen Veranstaltungen willkommen. So auch in Deutschland, namentlich im beschaulichen Städtchen Herbolzheim im Breisgau in Südbaden. Aber Theodor Herzl ging es 1897 auch nicht anders, als er einen Ort für den 1. Judenkongress suchte. Er musste nach Basel ausweichen.

Der Deutsch-Israelischer-Arbeitskreis Südlicher Oberrhein e.V. (DIA) plante hier einen Vortragsabend, und beantragte zusammen mit der Senioren-Union das „Torhaus“, die Kulturhochburg der Stadt – ehrlich gesagt die einzig noch geeignete Örtlichkeit für eine Kulturveranstaltung in der Stadt. Das Torhaus war für diesen Tag noch nicht anderweitig belegt. Umso mehr wunderte sich der örtliche Mittelsmann des Vereins, der keine Zusage zur Durchführung dieses jüdischen Kulturtages erhielt. Auf Nachfrage wurde ihm von der Kulturabteilung der Stadt beschieden, „geht nicht“, der Bürgermeister will es nicht – Thomas Gedemer heißt er neuerdings.

Das war nicht immer so. Dessen Vorgänger Ernst Schilling hatte den Mut, die Geschichte einer Herbolzheimer Sinti-Familie aufarbeiten zu lassen, die „weggekommen“ ist, wie es damals landläufig hieß, wenn welche mit dem Zug den Weg ins Gas antraten. Das tat der Ex-Bürgermeister auch auf die Gefahr hin, dass er sich damit nicht nur Freunde macht. Herbolzheim hat jetzt ein kleines Denkmal zu diesem dunklen Kapitel der Ortsgeschichte – das seit es steht noch nie geschändet wurde. Initiiert wurde diese Geschichte vom DIA-Mitglied Reinhold Hämmerle.

Und jetzt? Bestand wieder die Gefahr, dass sich irgendein Nachkomme von damals an den Pranger gestellt fühlt? Nein, denn der „Gegenstand“ des Kulturabends ist nicht etwa die fast gelungenen Ausrottung der deutschen Juden mit ihrer Kultur. Das Thema des Abends sollte Theodor Herzl sein, Begründer des Staates Israel, anlässlich seines Geburtstages vor 160 Jahren. Angekündigt mit „Wie haben die Städte Budapest, Wien und Paris auf ihn gewirkt und welchen Effekt hatten politische und gesellschaftliche Umbrüche auf sein Schaffen.“ Für einen heutigen Bürgermeister also ein völlig unverfängliches Thema. Es sei denn, er befürchtet Ungemach von anderer Seite: Die Stadt hat 2015 überproportional viele Migranten aufgenommen, für die Israel teilweise ein Reizwort ist.

Ich machte mir meine Gedanken dazu und frage mich, könnte es auch sein, dass dem Bürgermeister nicht das Thema an sich nicht gefällt, sondern …? Vorsitzende des Deutsch-Israelischer-Arbeitskreis Südlicher Oberrhein e.V. (DIA) ist neuerdings eine Simone Schermann, die auch Referentin ist. Dazu kommt, dass sie dazu steht was sie ist, Jüdin – „eine deutsche Jüdin, oder eine jüdische Deutsche“, wie sie zu sagen pflegt. Und tatsächlich begründete der Bürgermeister seine Absage der jüdischen Veranstaltung damit, dass er „keine eventuellen Gegner“ haben wolle.

Weil der Arbeitskreis samt seiner Referentin von der Stadt Herbolzheim „einen Korb“ bekam, fand die Kulturveranstaltung im sieben Kilometer entfernten Münchweier statt – nicht weit vom jüdischen Friedhof der ehemaligen jüdischen Gemeinde von Kippenheim. Immerhin erhalten die Toten Juden von unserem Land ein ehrendes Gedenken, die lebenden Juden in Deutschland und Israel haben es schwerer.
6.9.2020, Albrecht Künstle, Tel 0151-51 75 29 14, kuenstle.A@gmx.de
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Deutsch-Israelischer-Arbeitskreis Südlicher Oberrhein e.V. (DIA)
https://dia-ettenheim-sued.de/

Europäischer Tag der Jüdischen Kultur 2020
https://www.gedenkstaetten-bw.de/etjk
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