Postkolonialismus

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Schweigemarsch für Frieden in Freiburg am Karsamstag 19.4.2025 ab 14 Uhr

 

dpa-Kritik an Migration/Afrika der National-Security-Strategy der USA
Als Pars pro toto rücke ich einen Abschnitt aus dem dpa-Text über die neue nationale Sicherheitsstrategie der USA ein, den Focus übernommen hat. Die dpa, deren Autor hier munter herumkommentiert, als sei das a) selbstverständlich und b) der Leser zu dämlich, sich selbst ein Urteil zu bilden, nennt sich übrigens immer noch ganz ernsthaft „Nachrichtenagentur”.
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Online Argumentationslinien wie in rechten Kreisen
Unterm Strich geht es um Abschreckung nach außen, die rigorose Durchsetzung amerikanischer Wirtschaftsinteressen und um ein klar umrissenes Bild davon, wer dazugehört und wer nicht.
Dabei schlägt das Dokument einen Ton an, der koloniale Denkweisen des 19. Jahrhunderts wiederbelebt. Das zeigt sich nicht nur in der Afrika-Passage, sondern auch in Formulierungen zu Europa – die Trump-Regierung bedient sich Argumentationslinien, wie sie in rechten Kreisen verbreitet sind: Die größten Gefahren seien Migration, sinkende Geburtenraten und ein vermeintlicher „Verlust nationaler Identität“.
Zwischen den Zeilen wird so eine rassistisch anmutende Vorstellung von Zugehörigkeit in staatliche Strategie gegossen, für Europa wie für die USA selbst. Vielfalt soll keine Rolle spielen, die „westliche Identität“ und gesellschaftliche Einheit dagegen gelten als Stärke.
Die beschworene „goldene Zukunft“ der USA beruht auf „traditionellen Familien“ und der Ehrung „vergangener Errungenschaften und Helden“. Eine kritische Aufarbeitung der dunkelsten Kapitel der amerikanischen Geschichte – etwa die Sklaverei – gehört zu diesem Selbstverständnis nicht dazu.
6.12.2025, dpa,
https://www.focus.de/politik/ausland/insbesondere-deutschland-trumps-neue-sicherheitsstrategie-hat-es-in-sich_60d1ceaf-2dfe-4b9a-a15d-10bb536b9257.html
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Wenn sich die USA (unter anderem) aus Afrika zurückziehen, um künftig, statt ihr Militär einzusetzen und Entwicklungshilfe zu verpulvern, lieber Wirtschaftsdeals mit den Afrikanern abzuschließen, werden also „koloniale Denkweisen des 19. Jahrhunderts wiederbelebt”. – Ich habe hier mehrfach darauf hingewiesen, dass diese kolonialen Denkweisen daher rührten, dass die Emirate von Tripolis, Tunis und Algier bis weit ins 19. Jahrhundert Schiffe aussschickten, um christliche Sklaven zu erbeuten, sowohl zur See wie an den südeuropäischen Küsten, und die USA Tribute an diese sogenannten Barbareskenstaaten zahlten, um ihre Handelsschiffe zu schützen, bis Thomas Jefferson die Sache zu bunt wurde; damit schlug die Geburtsstunde des Kolonialismus (und seiner Denkweisen). Aber wie man diese Weisen reanimiert, indem man sich zurückzieht, bleibt eines jener Mysterien, zu denen nur ideologisierte Verrückte Zugang haben. Die Richtung des Kolonialismus hat sich ja völlig umgekehrt; heute verlieren die weißen Völker sukzessive ihre Heimatländer durch eine Migration, die durchaus als allmähliche Kolonisierung bezeichnet werden kann, Stadtteil für Stadtteil, und die nicht ewig friedlich bleiben wird, denn irgendwann ist das Geld der Europäer alle, mit dem sie derweil noch die existentiellen Bedürfnisse ihrer fremden Mitbürger stillen. Und dann kann es sein, dass in Europa wieder die Lichter ausgehen. Vielleicht sogar, zuvörderst im Land der Windmühlen, im Wortsinne.
Die sogenannte „Aufarbeitung der Geschichte”, welche die deutsche „Nachrichtenagentur” in ihren als Bericht maskierten Kommentar hineinmahnt, läuft, wie viele Beispiele lehren, lediglich auf eine Daueranklage gegen den Westen hinaus, bewerkstelligt vor allem von woken Linken – ich kenne einen Linken, der behauptet, die Woken seien keine Linken, sondern Barbaren, aber sei’s drum –, die sich als Anwälte der Erniedrigten und Beleidigten in aller Welt aufspielen, die eigenen Hände dabei immer schön offen haltend, kurzum: auf eine Selbstpreisgabe. Die westlichen woken Linken sind dabei, vermittels der sogenannten Aufarbeitung der Vergangenheit, auch bekannt als Postkolonialismus, ihre Länder in Beutegebiete zu verwandeln. Man müsste sehr dumm sein, um diese Lektion nicht inzwischen gelernt zu haben.
Der richtige Weg, die Vergangenheit „zu bewältigen”, kann eigentlich nur darin bestehen, es künftig besser zu machen.
… Alles vom 7.12.2025 von Michael Klonovsky bitte lesen auf
https://www.klonovsky.de/2025/12/7-dezember-2025/

 

Weiße sind per se schuld
Der nonkonforme Autor Mathias Brodkorb nähert sich dem heißen Eisen Buchbesprechung „Postkolonialismus“

Die Kolonialisierung Afrikas sei nur das Zweitschlimmste, was dem Schwarzen Kontinent jemals widerfahren sei. Noch schlimmer sei die Entkolonialisierung gewesen. Dieser Aphorismus des konservativen Publizisten Michael Klonovsky bezieht sich weniger auf das Vorgehen der europäischen Großmächte, die den Kontinent im 19. Jahrhundert unter sich aufteilten. Vielmehr stellt er die ultimative Provokation des woken Zeitgeists dar, der bar jeder historischen Evidenz das Narrativ verbreitet, die Stämme und Völker Afrikas hätten friedlich und prosperierend koexistiert, bevor der böse weiße Mann Zerstörung und Sklaverei brachte. Unter der Bezeichnung „Postkolonialismus“ hat diese an Geschichtsfälschung grenzende Einseitigkeit eine steile Karriere im universitären Bereich hingelegt und besitzt heute an den gesellschaftswissenschaftlichen Lehrstühlen in den USA und in Europa hegemonialen Stellenwert. Dieser ist mittlerweile nicht mehr auf den akademischen Elfenbeinturm beschränkt. So reproduzieren heute unter anderem schulische Curricula sowie der Kunst- und Kulturbetrieb postkoloniale Glaubenssätze. Der Publizist und ehemalige SPD-Kultus- und Finanzminister von Mecklenburg-Vorpommern Mathias Brodkorb untersucht in seinem neuen Buch „Postkoloniale Mythen“ die Rolle von Museen und Ausstellungen als Multiplikatoren postkolonialer Ideologie und konzentriert sich „auf den Spuren eines modischen Narrativs“ auf fünf konkrete Beispiele.

„Dieses Buch ist ein Plädoyer gegen die moralistische Hybris, mit der die westlichen Gesellschaften auf ihre eigene Geschichte blicken.“ Diese Hybris besteht heute nicht mehr im unreflektierten Stolz auf die Taten der eigenen Vorfahren. Genau umgekehrt beziehen heute viele ihren Selbstwert aus der öffentlichkeitswirksam zur Schau gestellten Anerkenntnis der Verkommenheit europäischer bzw. „weißer“ Geschichte, um daraus das Gefühl moralischer Überlegenheit abzuleiten. Diese vom Autor treffend bezeichnete „Schuldlust“ beobachtet Brodkorb in allen von ihm untersuchten Völkerkundemuseen in Hamburg, Berlin, Leipzig und Wien sowie auf der Biennale in Venedig.

Das große Verdienst des Buches liegt darin, die Wirkweisen einer abstrakten Ideologie in der konkreten Alltagspraxis nachzuweisen. Ein von Brodkorb beschriebenes Beispiel sind die bekannten Benin-Bronzen. Hierbei handelt es sich unter anderem um 263 Bronzen, die 1897 von britischen Soldaten aus dem Königspalast in Benin, gelegen im heutigen Nigeria, entwendet wurden. So die offizielle Version, die in Leipzig erzählt wird. Das ist nicht falsch, aber derart entkontextualisiert, daß ein völlig falsches Geschichtsbild entsteht. Verschwiegen wird, daß es seit 1892 einen Handelsvertrag zwischen den Briten und dem Oba, dem König, gab, den dieser 1896 einseitig gebrochen hatte. Eine britische Delegation, die Verhandlungen aufnehmen wollte, wurde ermordet. Der Raub der Benin-Bronzen und die Ermordung von knapp 200 Beninern waren eine Reaktion auf vorangegangenes Unrecht.

Aufhebung der Unterscheidung zwischen wahr und falsch
Um das Bild moralischer Eindeutigkeit im Sinne des Postkolonialismus zu kreieren – der böse Weiße massakriert den edlen Schwarzen – ignoriert das Museum Leipzig den gesamten historischen Kontext, um zu verheimlichen, daß das Verhalten keiner Seite den heutigen moralischen Standards entspricht. In Wien wird der Handelsvertrag von 1892 zwar erwähnt, jedoch mit dem Zusatz versehen, daß der Oba diesen nicht verstanden habe. Belege für diese Behauptung, so Brodkorb, gebe es schlicht und einfach keine. Vielmehr werde hier das Bild des naiven Schwarzen gezeichnet, welches wiederum selbst eine rassistische Komponente habe.
Trotz der ernsten Thematik ist Brodkorbs Reise durch die Museumslandschaft Europas amüsant zu lesen. Er berichtet von Gesprächen mit Entscheidungsträgern, die sich in Widersprüche verstricken und schließlich als Rechtfertigung ihrer Ausstellungspraxis in die Untiefen postkolonialer Rhetorik fliehen. Historische Korrektheit hin oder her, auf jeden Fall hätten die Europäer den Afrikanern „epistemische Gewalt“ angetan. Dieser zentrale Begriff des Postkolonialismus geht davon aus, daß mit Hilfe von Wissen und daraus resultierenden Machtstrukturen unterlegene Gruppen marginalisiert werden, ohne direkte Gewalt anzuwenden. Das Beispiel des Vertrages, den der Oba angeblich nicht verstanden habe, ist ein treffendes Beispiel epistemischer Gewalt im postkolonialen Verständnis. Man erkennt leicht die machtpolitische Agenda hinter dieser Begrifflichkeit. Alle Handlungen weißer Europäer gegenüber Schwarzen lassen sich mit diesem Schlagwort delegitimieren. Jeder, der diese begriffliche Verwahrlosung hinterfragt, offenbare seine eigenen internalisierten rassistischen Denkmuster, denen er sich zu stellen habe. Er wolle doch kein Rassist sein, oder etwa doch?
Eine der schlimmsten Konsequenzen des Postkolonialismus ist die Aufhebung der Unterscheidung zwischen wahr und falsch. Historisches Erkenntnisstreben wird ersetzt durch Multiperspektivität, um die angeblich marginalisierten Gruppen zu Wort kommen zu lassen. Brodkorb beschreibt, daß es den Museen gleichgültig sei, ob die subjektiven Einschätzungen der afrikanischen Zeitgenossen oder deren heutiger Nachfahren historisch-kritischer Analyse standhalten. Hauptsache, sie kommen unkommentiert zu Wort, alles andere sei zweitrangig und würde wieder auf epistemische Gewalt hinauslaufen. Es ist ein gruseliges Wissenschaftsverständnis, welches sich hier hinter der Fratze moralischer Überlegenheit offenbart.
Brodkorb dringt vor in das Zentrum der Wokeness, das neben dem Postkolonialismus in dieser Wirkmacht nur noch von der Gender-Ideologie gebildet wird. Erkenntnisreich und humorvoll geschrieben, ist „Postkoloniale Mythen“ auch ein visuell ansprechendes Buch. Zahlreiche Bilder der Benin-Bronzen sowie Fotos aus dem 19. Jahrhundert und von Originalquellen – fast alle in Farbe – sind in den Text integriert. Mit Herz und Verstand argumentiert Brodkorb gegen den vorherrschenden antiweißen Neorassismus zur Sühne vergangenen Unrechts. Dafür verdient er eine breite Leserschaft!
… Alles vom 20.6.2025 von Michael Dienstbier bitte lesen in der JF 26/25, Seite 18
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Mathias Brodkorb: Postkoloniale Mythen.Auf den Spuren eines modischen Narrativs. Eine Reise nach Hamburg und Berlin, Leipzig, Wien und Venedig. Verlag zu Klampen, Springe 2025, gebunden, 272 Seiten, 28 Euro