Antiweißer-Rassismus

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Feldberg und Tote Mann mit Schnee im Hochschwarzwald am 182.2021

 

Sophie Liebnitz: Antiweiß – Ein Kulturkampf
Eine Analyse über den im Namen des Antirassismus herrschenden Haß auf das Eigene / Eurozentrismus als Gegenkonzept
„Kein Grund zu knien, nie und nirgends!“
von Michael Dienstbier

Der Westen im allgemeinen und Europa im besonderen sind Weltmeister darin, an sich selbst zu leiden und dieses der gesamten Welt kundzutun. Gerade wir Deutschen pflegen ein inniges Verhältnis zu diesem Schuldnarzißmus. Bereits 2018 analysierte die unter Pseudonym schreibende Kulturwissenschaftlerin Sophie Liebnitz in ihrem Buch „tote weiße männer lieben“ die Systematik hinter der autoaggressiven Feindbildkonstruktion des „alten weißen Mannes“, die neben der Verachtung des Eigenen eine Idealisierung des Fremden beinhaltet. In den vergangenen drei Jahren hat dieser Prozeß – befeuert durch die radikale „Black Lives Matter“-Bewegung seit dem Tod George Floyds im Mai 2020 – erheblich an Dynamik zugelegt. Im nun wiederum in der Reihe Kaplaken des Verlags Antaios erschienenen Darstellung „Antiweiß: Ein Kulturkampf“ wirbt Liebnitz für einen konsequenten Eurozentrismus als Gegenbewegung zum sogenannten Antirassismus, der nichts anderes als antiweißer Rassismus sei.

Dem Westen als Kulturraum nähert sich Liebnitz über die ihm eigene Institution des Museums an. Als Ergebnis der Kolonialisierung Afrikas und Asiens im 19. Jahrhundert wuchs das Interesse an den kulturellen Eigenheiten der eroberten Gebiete, die, in Ermangelung massenhafter Reisemöglichkeiten, in Gestalt ausgewählter Objekte zu den Völkern Europas gebracht und ausgestellt wurden. Das Problem bestehe darin, daß dem Museum durch das kontextlose Nebeneinanderstellen von Einzelartefakten eine Tendenz der vergleichenden Beliebigkeit innewohne, der ein nivellierendes Moment eigen sei: „Die westliche Welt ist ein Jahrmarkt der Beliebigkeiten, ein Trödelladen ohne Ausgang.“ Dies muß nicht zwangsläufig zu einer existentiellen Bedrohung der eigenen kulturellen Bestände führen, wie wir sie zur Zeit erleben. Eine Gemeinschaft, die fest in bestimmten Traditionen, Mythen und einem Sinn für Herkunft und Abstammung verwurzelt ist, kann das Nebeneinander verschiedener Kulturen tatsächlich gut verkraften und sich im optimalen Fall einzelne Elemente des Fremden graduell aneignen und somit mittel- und langfristig zum Eigenen machen.

In solchen Zeiten leben wir jedoch nicht. Es dominiert ein „absurdes Ausmaß an Allophilie“, welches eine dringend notwendige „Ent-Idealisierung des Fremden“ verhindere. Im Fremden den von der westlichen Zivilisation unverdorbenen Naturmenschen zu sehen, der uns auf den Pfad des wahren Lebens zurückführen könne, ist ein Topos, der im 18. Jahrhundert von Jean-Jacques Rousseau popularisiert wurde. Daß diesem mit dem Konzept des „edlen Wilden“ selbst ein rassistisch anmutendes Muster innewohnt, wird von dessen Adepten im 21. Jahrhundert gerne verdrängt.

Dem Konzept des „edlen Wilden“ wohnt ein rassistisches Muster inne
„Antiweiß“ fungiert bei Liebnitz als Kategorie zur Beschreibung der aktuellen Delegitimierung dessen, was als westliche Kultur angesehen wird. Phänomene wie der institutionalisierte Antirassismus, „woke culture“ sowie die Quotierung sämtlicher Lebensbereiche auch anhand ethnischer Kriterien zuungunsten weißer Menschen sind konkrete Ausformungen des antiweißen Kulturkampfes. Mit ihrer Formel „Eurozentrismus statt Ethnopluralismus“ richtet die Autorin durchaus kritische Worte an die eigene neurechte Blase, in welcher sich das Konzept des Ethnopluralismus großer Beliebtheit erfreut. Es bedürfe eben keines Kampfes für das Recht auf Verschiedenheit der Völker dieser Erde – dieses sei vielmehr eine Selbstverständlichkeit und Sache der einzelnen Völker selbst. Dringend notwendig hingegen sei ein selbstbewußtes Eintreten für einen Kulturraum Europa, der aufgrund seiner jahrhundertealten globalen Strahlkraft eben nicht wie andere Kulturen, sondern wahrlich exzeptionell sei.

Auf weniger als hundert Seiten können viele Aspekte nur angerissen werden, die eine detailliertere Analyse verdient gehabt hätten. „Antiweiß“ ist eine mit Feuer geschriebene Kampfschrift für das Eigene, das einen zu Recht mit Stolz erfüllen kann. Diese Botschaft kann man nicht besser ausdrücken als in den abschließenden Worten des Buches: „Kein Grund zu knien, nie und nirgends!“
… Alles vom 4.2.2022 bitte lesen in der JF 6/22, Seite 21
https://www.junge-freiheit.de
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Sophie Liebnitz: Antiweiß. Ein Kulturkampf.
Kaplaken B. 77, Verlag Antaios, Schnellroda 2021,
gebunden, 96 Seiten, 10 Euro

 

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Diskriminierung oder Qualifikation oder Interesse?
„Kritische Rassismusforschung und Genderstudies setzen dogmatisch ein ‘weißes Patriarchat’ einfach voraus, ohne für dessen Existenz die geringsten empirischen Belege anzuführen. Der bequeme Verweis darauf, daß bestimmte Personengruppen in bestimmten Berufen oder Positionen ‘unterrepräsentiert’ seien, ist unzureichend, denn diese ‘Unterrepräsentation’ könnte statt durch Diskriminierung ja auch durch mangelnde Qualifikation oder mangelndes Interesse erklärt werden. Welches die richtige Erklärung ist, kann nur durch empirische Studien gezeigt werde. Solche Studien gibt es, und sie widerlegen die These.“
22.11.2021, Uwe Steinhoff, Professor für Politische Theorie an der Universität Hongkong und Mitglied des Netzwerks Wissenschaftsfreiheit, in der „FAZ“

 

Elke Heidenreich: Ist „Woher kommst du“ rassistisch?
Diese Frage wird anlässlich Elke Heidenreichs Auftritt in einer ZDF-Talkshow mal wieder kontrovers diskutiert. Doch zu meinen, diese Frage dürfe gar nicht erst gestellt werden, ist falsch. Sie kann nämlich nicht nur Vorurteile abbauen, sondern auch den Horizont erweitern.

Wo hört höfliche Neugier auf, wo beginnt der unterschwellige Rassismus? Diese Frage wird mal wieder heftig diskutiert, nachdem Elke Heidenreich am Dienstag Gast in der Talkshow von Markus Lanz war und sich dort zu Sarah-Lee Heinrich äußerte. Der neuen Bundessprecherin der Grünen Jugend, der alte Tweets um die Ohren gehauen werden, die sie vor fünf, sechs Jahren als 15-Jährige in das nichts vergessende Universum des World Wide Web rausschickte.
Dumme Tweets, über die man als Außenstehender mit einem gewissen Alter nur sagen kann: Zum Glück gab es in meiner Jugend noch kein Twitter.
Im Zusammenhang mit Heinrichs Hautfarbe sagte Heidenreich einen Satz, der in den sozialen Netzwerken einen wahren Sturm der Entrüstung auslöste. „Wenn einer aussieht wie sie, frage ich natürlich, wo kommst du her oder wo kommen Sie her? Und zwar nicht, um sie zu diskriminieren“, erklärte die Buchautorin, Literaturkritikerin und Erfinderin und Darstellerin der Else Stratmann, einer schnoddrigen Metzgersgattin aus Wanne-Eickel, die in den 70er- und 80er-Jahren ein fester Bestandteil in der deutschen Fernsehlandschaft war. „Und zwar nicht, um sie zu diskriminieren, alle fühlen sich sofort diskriminiert und beleidigt, sondern weil ich sofort sehe, die kommt nicht aus Wanne-Eickel oder Wuppertal, sondern die hat Eltern, die von woanders kommen. Und ich finde das keine diskriminierende Frage, wenn ich einen netten dunkelhäutigen Taxifahrer habe, der perfekt Kölsch spricht und ich sage: Wo kommen Sie eigentlich her“, erläuterte Heidenreich weiter.
… Alles vom 18.10.2021 von Thomas Dudek zu „Wer nicht fragt, bleibt dumm“ bitte lesen auf
https://www.cicero.de/kultur/rassismus-in-deutschland-wer-nicht-fragt-bleibt-dumm-heidenreich-lanz

Thomas Dudek kam 1975 im polnischen Zabrze zur Welt, wuchs jedoch in Duisburg auf. Seit seinem Studium der Geschichts­­wissen­schaft, Politik und Slawistik und einer kurzen Tätigkeit am Deutschen Polen-Institut arbei­tet er als Journalist.

Einige Kommentare:
Ich komme gerade von einer Reise nach Zentralasien zurück
Was glauben die hiesigen Dauerempörten eigentlich, wie häufig mir (und anderen Reiseteilnehmern) diese Frage dort gestellt wurde? Mindestens 10-mal am Tage. Und ich wurde mindestens 10-mal gefragt, ob ich mich mit den Fragestellern fotografieren lasse. Bin ich deswegen verletzt oder genervt? Nein, im Gegenteil. Ich habe das als freundlich-interessiert wahrgenommen. Warum sollte das hierzulande anders sein? Mir scheint, dass die Dauerempörten wenig von der Welt gesehen haben, sonst würden sie sich nicht empören. Vielleicht sind sie einfach nur beschränkt-provinziell.
18.10.2021, w.T.

Es ist genau so, wie Frau Heidenreich sagt:
Die Frage nach der Herkunft eines Menschen zeugt in den meisten Fällen nur davon, daß sich der Fragende für den anderen interessiert. Er will einfach m e h r über sein Gegenüber wissen. Das hat nichts mit Rassismus zu tun. Jeder, der anders spricht, anders aussieht oder sich stark anders kleidet als der Durchschnittsdeutsche, ist eben auffälliger als die übrigen Zeitgenossen u. weckt Neugier. Wer sich von einer solchen Frage belästigt oder gar beleidigt fühlt, hat keinerlei Empathie übrig für die Eingeborenen im Lande u. zelebriert seine eigene Empfindlichkeit in einem Maße, das ihm nicht zusteht bzw. zugestanden werden sollte. Was ist denn wirklich schlimm an der Frage: „Woher kommst du?“ Man schüttelt seine Herkunft/Abstammung mit Erhalt des deutschen Passes nicht ab wie Staub von einer Reise. Daher ist es zulässig, daß nach den Wurzeln eines Fremden gefragt wird. Wenn dieser nicht antworten will, kann er ja sagen.: „Darüber möchte ich keine Auskunft gegen.“ und sich trollen.
18.10., CH.W.
Ende Kommentare

 

 

Antiweißer Rassismus – genannt Identitätspolitik
Der lange Vorlauf des antiweißen Rassismus – Verblendung und Schuldkomplex
von Thorsten Hinz
Der antiweiße Rassismus, der heute unter dem Titel „Identitätspolitik“ durch die westlichen Länder tobt, hat einen langen und selbstverschuldeten Vorlauf. Auch in dem Fall stellt der Erste Weltkrieg sich als die „Urkatastrophe“ (George Kennan) heraus. Knapp 15 Jahre nach seinem Ende zog Oswald Spengler eine Bilanz: „Die weißen Herrenvölker sind von ihrem einstigen Rang herabgestiegen. Sie verhandeln heute, wo sie gestern befahlen, und werden morgen schmeicheln müssen, um verhandeln zu dürfen. Sie haben das Bewußtsein der Selbstverständlichkeit ihrer Macht verloren und merken es nicht einmal.“

Das Wort „Herrenvölker“ wirkt heute mißverständlich und anachronistisch, sofern es den Anspruch auf fortgesetzte globale Vorherrschaft ausdrückt. Nichts war dagegen zu sagen, daß die kolonisierten Völker sich von den europäischen Kolonialmächten freimachen und ihren eigenen Weg bahnen wollten. Was hatten die Briten für ein Recht, über Indien zu herrschen? Die Franzosen und Belgier über ein Drittel Afrikas? Die Holländer über Indonesien? Doch Spengler blickte tiefer: Er hatte Zweifel, ob die Europäer die Kraft aufbringen würden, sich als Herren im eigenen, im europäischen Haus zu behaupten. Er sah die Gefahr, daß in den fortgeschrittenen Ländern der Klassenkampf sich mit dem Rassenkampf verbinden würde: „Die farbige Gesamtrevolution der Erde schreitet unter sehr verschiedenen Tendenzen vor, nationalen, wirtschaftlichen, sozialen (…) religiöse Momente treten hinzu: der Haß gegen das Christentum oder gegen jede Art von Priestertum und Orthodoxie überhaupt, gegen Sitte und Brauch, Weltanschauung und Moral.“

Tatsächlich hatten die Bolschewiki und die kommunistische Weltbewegung von Anfang an die Kolonialvölker als ihre natürlichen Verbündeten betrachtet. Im Westen entdeckte in den 1960er Jahren die Neue Linke die Bewohner der Dritten Welt als revolutionäre Kraft, nachdem die heimische Arbeiterklasse durch Teilhabe am Wohlstand befriedet und an der proletarischen Revolution nicht mehr interessiert war. In Wahrheit wußte die Linke kaum etwas über ihre Schützlinge. Sie betrachtete sie als Werkzeuge der eigenen, westlich-weißen Ambitionen und Utopien.

Doch „das kolonisierte Ding (wurde) Mensch“ (Frantz Fanon) und emanzipierte sich in einer Weise, die ihren Gesellschaftstheorien zuwiderlief. Indem dieses neue Subjekt seine politischen und sozialen Ansprüche identitär begründet, erhebt es seine Ethnie, Rasse und Colorierung zur entscheidenden Kategorie, was im klaren Widerspruch zum westlichen Fortschrittsglauben steht. Der politisch-mediale Komplex versucht ihn im Zeichen eines metaphysischen westlichen Schuldkomplexes aufzulösen, der als Ausweg einzig den „weißen“ Selbsthaß zuläßt. Dieser verbindet sich mit dem – nochmals Spengler – fremden „Haß gegen die weiße Rasse“. Ob er bis zum „unbedingte(n) Wille(n), sie zu vernichten“ reicht, sei dahingestellt. Bestimmte Äußerungen aus der „Black Lives Matter“-Bewegung weisen durchaus in diese Richtung.

Diese Entwicklung im ehedem monochromen Europa wurde möglich durch die Selbstzerfleischung des Alten Kontinents. Im Ersten Weltkrieg lösten die Westmächte eine stille antieuropäische Revolution aus, als sie farbige Hilfsvölker gegen das Volk in der Mitte Europas mobilisierten. Großbritannien brachte neben den Soldaten aus seinen weißen Dominions – Kanada, Australien, Neuseeland, Südafrika – auch Hilfstruppen aus Indien und Nepal, die sogenannten Gurkhas, zum Einsatz. Frankreich bot Truppen aus Indochina und vor allem Afrika auf. Auch in früheren Kriegen hatten die europäischen Mächte koloniale Hilfstruppen gegen ihre Gegner in Marsch gesetzt, doch das war – abgesehen vom Krimkrieg – außerhalb des eigenen Kontinents gewesen. Insgesamt kamen auf französischer Seite Schätzungen zufolge rund eine halbe Million Soldaten und etwa 220.000 Arbeiter kriegsbedingt nach Europa (so der Schweizer Historiker Christian Koller).

Eine wichtige Rolle bei der Rekrutierung spielte der Senegalese Blaise Diagne, der 1914 als erster Schwarzafrikaner in die Französische Nationalversammlung gewählt worden war. Im Krieg wurde er zum Hochkommissar für Rekrutierungen in Schwarzafrika ernannt. Noch im letzten Kriegsjahr, 1918, hob er 77.000 Afrikaner für die französische Armee aus. Die Hunderttausenden Männer, die an der Front oder in der Industrie zum Einsatz kamen, fühlten sich ermächtigt, Gegenleistungen zu fordern. Dazu gehörte das Versprechen, ihnen die französische Staatsbürgerschaft zu verleihen.

Der Einsatz von Nichteuropäern gegen ein europäisches Nachbarvolk sorgte für Irritationen. Thomas Mann schrieb: „Man glaubt, ein Recht zu haben, auf Deutschland Kirgisen, Japaner, Gurkas und Hottentotten loszulassen – eine Beleidigung, beispiellos, ungeheuerlich …“ Diese Handlungsweise gegen „das heute wichtigste Volk Europas ist nicht statthaft, sie ist strafbar und muß sich rächen“. Das sahen viele in Frankreich, Großbritannien und den USA, wo die Rassentrennung Usus war, ganz ähnlich. Dennoch wurde die Praxis nach dem Krieg zur Machtdemonstration und Demütigung der Unterlegenen fortgesetzt, was als „schwarze Schmach“ empfunden wurde.

Der sozialdemokratische Reichspräsident Friedrich Ebert äußerte 1923 in öffentlicher Rede, „[d]aß die Verwendung farbiger Truppen niederster Kultur als Aufseher über eine Bevölkerung von der hohen geistigen und wirtschaftlichen Bedeutung der Rheinländer eine herausfordernde Verletzung der Gesetze europäischer Zivilisation ist“. Tatsächlich eröffnete sie den Afrikanern die Aussicht, daß die Machtverhältnisse zwischen Schwarz und Weiß sich generell umkehren ließen. Die Afrikaner und Asiaten spürten die Abhängigkeit der Mutterländer und entsprechend das eigene Machtpotential. Der Nimbus europäischer Überlegenheit hatte einen irreparablen Schaden genommen.

Nichtsdestotrotz bildete er nach dem Zweiten Weltkrieg in modernisierter und geläuterter Form die Grundlage der westeuropäischen Einwanderungspolitik. Was heißt: Die Vorstellung einer Integration von Millionen außereuropäischer Kulturangehöriger in die europäischen Gesellschaften war von Anfang an auf Sand gebaut. Der Semiotiker Roland Barthes (1915–1980) beschrieb in dem 1957 erschienenen Klassiker „Mythen des Alltags“ indirekt das Illusorische dieser Annahme. Er dechiffrierte eine Titelseite der Zeitschrift Paris Match von 1955, die einen jungen Afrikaner (Barthes schrieb: Neger) in französischer Armeeuniform zeigt, der den militärischen Gruß erweist. Sein konzentrierter Blick ist auf etwas gerichtet, das außerhalb des Bildes liegt. Es liegt nahe, daß er auf die Trikolore schaut. Die Präsenz des Afrikaners, schreibt Barthes, sei in Wahrheit „domestiziert, abgedrängt“. Er sei seiner „Geschichte beraubt, in Gesten verwandelt“ worden. Tatsächlich erzählt das Foto nichts von seiner Herkunft, der Geschichte seiner Familie und seines Stammes, nichts von den Mythen und Erinnerungen, die in ihm schlummern. Seine Person wird definiert durch die Uniform und durch die Huldigungsgeste an den französischen Staat und die „französische Imperialität“.

Zu beachten ist der historische Kontext des Bildes. Ein Jahr zuvor, 1954, hatte die französische Kolonialmacht in Dien Bien Phu in Vietnam eine vernichtende Niederlage erlitten und mußte sich aus Südostasien zurückziehen. In Algerien hatte der Unabhängigkeitskrieg begonnen. Der Regierung in Paris schwebte vor, das restliche Kolonialreich in ein französisches Commonwealth umzuwandeln. Dazu wurden die kulturelle und zivilisatorische Mission Frankreichs, sein Republikanismus und der Universalismus der Französischen Revolution als Angebot offeriert. Es hat, wie man heute weiß, nicht ausgereicht, um die unterschiedlichen Identitäten abzudrängen und die Herkünfte zu domestizieren. Heute ist Frankreich das am meisten vom islamistischen Terror betroffene europäische Land.

Auch die moderne Einwanderungsgeschichte Großbritanniens trägt die Zeichen von Verblendung, Selbstüberschätzung und Realitätsverlust. Ihr Beginn datiert auf den 22. Juni 1948, als knapp 500 karibische Einwanderer mit dem Schiff „Empire Windrush“ im Mutterland eintrafen. Ursprünglich trug die „Empire Windrush“ den Namen „Monte Rosa“, unter dem sie 1930 von der Hamburg-Südamerikanischen-Dampfschiffahrts-Gesellschaft in Dienst gestellt worden war. 1945 ging sie als Kriegsbeute in britischen Besitz über. Drei Jahre später begann mit ihr eine Entwicklung, die den Charakter Großbritanniens grundlegend verändern sollte (und in Gerhard Altmanns Buch „Abschied vom Empire“ detailliert beschrieben wird).

Im selben Jahr hatte die Labour-Regierung unter Clement Attlee den „British Nationality Act“ verabschiedet, der den Bewohnern Großbritanniens, des Empire und des Commonwealth das Gewohnheitsrecht bestätigte, gleichberechtigte Untertanen der britischen Krone zu sein. Ergänzend dazu wurde eine Staatsbürgerschaft des Vereinigten Königreiches und der abhängigen Kolonien eingeführt. Alle Bewohner des in Auflösung begriffenen britischen Weltreiches besaßen damit das faktische Recht, nach Großbritannien einzureisen und sich dort niederzulassen.

Einwanderung aus den Kolonien und Dominions hatte es immer gegeben. Vom Unterschied zwischen weißer und farbiger Migration ganz abgesehen, blieben es Einzelfälle und die Auswirkungen der transnationalen Staatsbürgerschaft im Alltag abstrakt. Im Zeitalter zunehmender Massenmobilität und transkontinentaler Informationsflüsse jedoch stieß sie das Tor zur Masseneinwanderung auf. Verstärkt wurde sie durch die Spannungen und Erschütterungen, welche die Entkolonisierung vor Ort auslöste.

Die imperiale Illusion ließ die Bedenken in den Hintergrund treten. Eine weitere Denkblockade bildeten die liberalen Überzeugungen. Nicht zuletzt für sie war Großbritannien gegen Deutschland in den Krieg gezogen. Sie verboten es der britischen Führung, aus Rassen-, Religions- und kulturellen Unterschieden eine Ungleichbehandlung im Staatsbürgerschafts- und Reiserecht abzuleiten. Man sorgte sich in London, daß dies zu einer Spaltung des Commonwealth und zu Gegenmaßnahmen der betroffenen Länder führen könnte, und hoffte, die liberalen Überzeugungen und die politischen und wirtschaftlichen Strukturen Großbritanniens auf die unabhängig gewordenen Länder übertragen zu können.

Diese Annahme und die Politik der offenen Tür entsprachen allerdings einem „Elitenpaternalismus“, der von den führenden Labour-Linken bis zu den Tory-Rechten, keineswegs aber an der Parteibasis und erst recht nicht in der Bevölkerung geteilt wurde, die sich belastet und belästigt fühlte. Ein Weltkriegssoldat bat im Juli 1961 die Königin um Hilfe und stellte angesichts der Situation sogar die Sinnhaftigkeit seines Kriegseinsatzes in Frage: „Als ehemaliges Mitglied Ihrer Streitkräfte, das die deutschen Horden in Europa abwehrte und seine ganze Kraft dafür einsetzte, unser wunderschönes Land für uns alle lebenswert zu machen, kann ich es nicht verstehen, daß die Regierung so gleichgültig gegenüber ihrem eigenen Volk ist, daß sie diesen (…) Farbigen erlaubt, unkontrolliert und ungeschützt in dieses Land zu kommen.“ Heute würde er dafür von Identitätspolitikern und Antirassisten im Staatsdienst geteert und gefedert werden. Ob in Großbritannien, Frankreich, Deutschland und anderswo im Westen.
Nebenbei: Darf man es den Osteuropäern, die Fremdherrschaft, Nationalitätenkonflikt und Bevölkerungsverschiebungen hinter sich haben, verdenken, daß sie sich aus dem Westen keine antiweiße Identitätspolitik importieren und Herren im eigenen Haus bleiben wollen?
… Alles vom 20.8.2021 von Thorsten Hinz bitte lesen in der JF 34/21, Seite 18

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FFF-Aktivistin Nakate aus dem Davos-Bild geschnitten – Rassismus?
… die Klimaaktivistin aus Uganda, Vanessa Nakate. Sie war gemeinsam mit Greta Thunberg, Luisa Neubauer, Isabelle Axelsson und Loukina Tille nach Davos (WEF) gereist, um die Big Player aus Politik und Wirtschaft an ihre klimapolitische Verantwortung zu erinnern. Nakate selbst hatte einen Streik in Uganda gestartet, also auf dem Kontinent, der von Ausbeutung und Klimawandel am stärksten betroffen ist.

Davos WEF 1/2020: 4 oder 5 Klima-Aktivistinnnen – Rassismus?

Klimaaktivistinnen in Davos 2020: Vanessa Nakate (ohne/mit), Luisa Neubauer, Greta Thunberg, Isabelle Axelsson und Loukina Tille
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Auf einem von der Presseagentur AP verbreiteten Gruppenfoto war sie jedoch nicht zu sehen, sondern nur ihre hellhäutigen Kolleginnen vor dem ländlichen Bergpanorama. Man hatte die dunkelhäutige Nakate kurzerhand weggeschnitten. Ergebnis war selbstverständlich eine 1A-Bildkomposition: Heller Himmel, weiße Gipfel, weiße Gesichter, da hätte Vanessa Nakate im abendländischen Reinheitsgebot nur irritiert. Quasi analog zu dem Gipfel in Davos, wo die afrikanischen Vertreter am Kindertisch Platz nahmen, während der Westen globale Probleme – nicht – löste.

Kindertisch oder einfach mal wegschneiden, es läuft auf das gleiche, rassistisch-ignorante Verhalten hinaus, das die AP natürlich von sich weist. Nakate hatte sich – „People of colour need to be respected“ – auf Twitter geäußert, ebenso Greta Thunberg, die assoziierte, man habe einen Kontinent entfernt. AP wiegelt ab, es sei keine böse Absicht gewesen, außerdem sei das Bild erneut hochgeladen worden. Ok, erst croppen und auf Vorwurf das Original veröffentlichen, ganz so wie der Hase, der von nichts weiß ….
Zwar wird „Black is beautiful“ häufig als Solidaritätsbekundung formuliert, doch ist es nicht trotzdem so, dass sie auf den hellhäutigen Möchtegern-Elitekontinenten immer noch am liebsten unter sich bleiben? Entsprechend zeigen solche eklatanten Fälle auf, was von der „Gegen-Rassismus“-Phrasendrescherei vielfach zu halten ist.
… Alles vom 31.1.2020 bitte lesen auf
https://www.fr.de/meinung/fridays-future-klimaaktivistin-vanessa-nakate-bild-geschnitten-rassismus-13508162.html