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Zentralmoschee der DITIB in Köln-Ehrenfeld und dahinter der Kölner Dom in 2026

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  • Identitätsverlust: Vom Islam und das Versagen der christlichen Kirchen (3.4.2026)
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Identitätsverlust: Vom Islam und das Versagen der christlichen Kirchen
Diskriminieren? Ja bitte!
von Konrad Adam

Der Kölner Dom gilt nicht nur als das Wahrzeichen der Stadt, er ist auch das mit Abstand meistbesuchte Baudenkmal des ganzen Landes. Jahr für Jahr kommen an die sechs Millionen Gäste, viermal so viele wie nach Neuschwanstein, das Märchenschloss des Bayernkönigs Ludwigs des Zweiten. Jahrhunderte mussten vergehen, bis der Dom schließlich vollendet war; fertig ist er bis heute nicht. Der Unterhalt kostet Geld, viel Geld, mehr Geld, als durch Kirchensteuern, Spenden, Zuwendungen, Subventionen hereinkommt. Verständlich, dass die Dompropstei beschlossen hat, ab Mitte des Jahres Eintritt zu verlangen.

Ausnahmen sind immerhin vorgesehen. Um die Gläubigen nicht zweimal zu schröpfen, soll der Besuch der Kirche zur Zeit des Gottesdienstes eintrittsfrei bleiben – eine Sonderregelung, von der sich die Prälaten, wohlvertraut mit der Schnäppchenmentalität des gemeinen Volkes, einen Werbeeffekt versprechen: Der eine oder andere, der nur gekommen war, um während des Gottesdienstes Geld zu sparen, könnte ja entdecken, dass Kirchen mehr zu bieten haben als Weihwasser und bunte Fenster. Die Geistlichkeit geht mit der Zeit, sie macht es wie die großen Ladenketten, wie Lidl, Aldi oder Rewe, und versucht, der schleppenden Nachfrage durch Sonderangebote aufzuhelfen.

Wer das läppisch findet, sollte ein paar Kilometer weitergehen, nach Köln-Ehrenfeld. Dort haben die Muslims ihre Zentralmoschee errichtet, die größte in Deutschland, wahrscheinlich in ganz Europa, betrieben und überwacht von der DITIB, der türkischen Religionsbehörde, die ihrerseits der Regierung, mithin dem Präsidenten untersteht. Besuchern präsentiert sie sich als Ort des Friedens, der Hingabe und des Segens, verbunden mit der Anweisung, passende Kleidung zu tragen und die Schuhe auszuziehen; Frauen werden ermahnt, ihr Dekolleté zu bedecken und sich ein Kopftuch umzubinden. Telefone sind auszuschalten, der Gebrauch von Foto- und Videokameras ist untersagt.

Öffnungsversuche der Kirchen ziehen weitere Verluste nach sich
Verständlich, dass so viel Glaubenseifer und Sittenstrenge die christliche Konkurrenz neidisch macht. Der Unterschied zwischen dem, was der Islam verlangt, und dem ordinären Treiben, das auf der Domplatte gang und gäbe ist, springt in die Augen. Weniger verständlich allerdings, dass sich die Kirchen so schwer tun, dem Anderen, das ihnen da so selbstbewusst entgegentritt, etwas Eigenes entgegenzusetzen. Sie haben verlernt, zu lernen; und sind damit auch schon verloren. Sie beantworten den Vertrauensverlust, den ihnen ihre besinnungslose Öffnungspolitik eingetragen hat, mit immer neuen Öffnungsversuchen, die immer weitere Verluste nach sich ziehen.

Der polnische Philosoph Leszek Kolakowski, als abtrünniger Kommunist erfahren im Umgang mit antiautoritären Autoritäten, hat dies Eigene als die Spannung zwischen Orthodoxie und Häresie, zwischen Dogmen und Antidogmen, zwischen Wort und Tat beschrieben und in dieser Doppelnatur ein Grundmuster des christlich geprägten Abendlandes erkannt: Wissen gegen Glauben; Freiheit gegen Prädestination; Werkgerechtigkeit gegen Gnadenwahl; sichtbare gegen unsichtbare Kirche; weltliche Gewalt gegen geistliche Gewalt – lauter Variationen eines einzigen Themas. Wer das verstanden habe, meinte Kolakowski, der wisse, „warum Europa vom Ursprung her christlich ist“.

Von diesem großen Thema weiß der Islam so gut wie nichts. Er kennt nur einen einzigen Propheten, nur eine einzige Wahrheit, nur eine einzige Tugend: den bedingungslosen Gehorsam. Im Koran liest man immerzu dieselbe Floskel: Wenn du dies siehst, tue das; wenn du dies hörst, sage jenes; und so weiter ad nauseam. Das unbefangene, selbstbewusste Individuum ist dem Islam verdächtig, er fordert Unterwerfung. Nicht zufällig hat der französische Romancier Michel Houellebecq seinem islamkritischen Roman den Titel „Soumission“ gegeben. Er nennt den Islam eine dumme Religion – genauso dumm wie die Katholische Jugend, die der Parole „Alle Christen glauben an Allah“ nachläuft. Und für so viel Dämlichkeit vom zuständigen Bischof nicht einmal gerüffelt worden ist.
Selbst auf Albernheiten weiß diese Kirche keine Antwort mehr. Um dem Zeitgeist auf der Spur zu bleiben, verzichtet sie auf die eigene Stimme, die unverwechselbare Botschaft. Zweitausend Jahre lang sind Europa und die Christenheit als austauschbare Begriffe behandelt worden, der eine stand für den anderen; damit ist es jetzt aus und vorbei. Der interreligiöse Dialog, von beiden Kirchen eifrig vorangetrieben, fordert seinen Preis, und beide zögern nicht, ihn zu bezahlen. Aus der grundgesetzlich garantierten Religionsfreiheit schließen sie auf gleiche Rechte, aus gleichen Rechten auf gleichen Rang, aus gleichem Rang auf gleiche Lehre. Und damit sind wir bei der neuen Zivilreligion, der Wertegemeinschaft, in der alle Katzen grau aussehen.

In dieser Glaubensgemeinschaft ist für alle Platz, für Katholiken und Protestanten, für Schiiten und Sunniten, für orthodoxe, liberale und revolutionäre Geister; nur für AfD-Wähler nicht. Eigenes wird versteckt, Typisches kleingeredet, „alles Ständische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht“, wie vom Kommunistischen Manifest vorausgesagt. Daran zu erinnern, dass der Gebetsruf des Muezzin nicht nur anders klingt, sondern auch anderes verlangt als die Glocke, die den Sonntag ankündigt, gilt als unstatthaft, wird als Sakrileg betrachtet, bekämpft und verfolgt, gegebenenfalls auch bestraft. Solange der Muezzin die Auflagen des Immissionsschutzgesetzes erfüllt, haben Bischöfe und Kirchenpräsidenten gegen sein Rufen nichts einzuwenden. Sie vertreten einen Verein, dem die Mitglieder davonlaufen, weil sie die Satzung ernster nehmen als der Vorstand. Ein solcher Verein ist am Ende.

Da sie nichts Eigenes mehr vorzuweisen haben, kriechen die Kirchenvertreter beim Staat, bei der Regierung, in Deutschland also: bei den Parteien unter. Als Staatspensionäre freuen sie sich über den Gewinn an Geld und Macht, den ihnen ihre Dauerpräsenz in Beiräten, Rundfunkräten, Aufsichtsräten etc. einträgt; Vernetzung von kirchlichen und weltlichen Belangen nennt das die eitle Margot Käsmann. Während das Leben in den Gemeinden einschläft, wird es auf Kirchen- und Katholikentagen mit Parolen inszeniert, die nachbeten, was andere vorgebetet haben: Gott ist queer; black lives matter; wir schicken ein Schiff, und so weiter. Eine solche Kirche, hatte Joseph Ratzinger, damals noch Kardinal und Erzbischof von München, schon vor Jahren gesagt, „brauchen wir nicht, sie ist überflüssig. Sie wird ganz von selbst untergehen“.

Der Islam wächst schneller als die christlichen Kirchen schrumpfen
Doch der Fortschritt ist zäh. Die Säkularisierung geht weiter, kommt sogar immer schneller voran, weil sie inzwischen von der Kirche selbst betrieben wird. Oliver Cromwell hatte Kirchen als Pferdeställe benutzt, Stalin in Hallenbäder verwandelt; heute besorgen das die Kirchen selbst. Werden die Mausoleen Gottes, wie Friedrich Nietzsche sie genannt hatte, nicht kurzerhand abgerissen, werden sie verkauft und umgewidmet, als Turnhallen – große Flächen! – oder Klettergärten – hohe Wände! – umgenutzt. Ausgeschlossen ist bisher nur die Umnutzung in Spielhallen und Bordelle, aber auch das kann sich ja noch ändern, der Fortschritt schreitet fort, und die Kirche macht mit.

Bedenken oder Vorbehalte gibt es nur noch dann, wenn Kirchen in Moscheen umgewandelt werden sollen. Aber warum eigentlich? Wenn der Islam zu Deutschland gehört, was spricht dagegen? Er wächst doch noch viel schneller als die christlichen Kirchen schrumpfen. Die Zeit, in der die Mehrheit kippen wird, ist absehbar. „Gebt nicht auf!“ hat die SPD-Abgeordnete Sawsan Chebli ihren Glaubensgenoss*innen zugerufen, die Demografie werde Fakten schaffen – wie Sultan Mehmet II. das ja auch schon getan hatte, als er die Hagia Sophia in eine Moschee verwandelte, und Präsident Erdoğan ihm das neulich nachgemacht hat. Warum dann also nicht in Deutschland?

Der Islam würde doch so vieles leichter machen. Er würde das Kirchenvolk von den anspruchsvollen Forderungen einer Moral befreien, die von der Kirchenführung selbst nicht mehr für voll genommen wird. Moral predigen ist leicht, hatte der Pfarrerssohn Nietzsche gesagt, Moral tun sei schwer. Wie schwer, erfahren die Vertreter beider Konfessionen im Umgang mit jenem Thema, das ihnen wie kein zweites auf den Nägeln brennt, mit dem sie sich endlos herumschlagen, aber nicht fertig werden: mit der Verbindung von Macht und Sex, der sexualisierten Gewalt. Kein anderes Thema hat so viele Menschen aus den Kirchen vertrieben.
BILD
Zentralmoschee der Ditib (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) in Köln-Ehrenfeld, dahinter der Kölner Dom

Da haben es die Muslims leichter. In seinem schon erwähnten Roman berichtet Houellebecq vom Glück des Mannes, der sich nach seiner Konversion zum Islam zwei Frauen leisten kann, eine junge fürs Bett und eine ältere für alles andere. Solche Aussichten sind verlockend, die EKD weiß das natürlich auch und hat sich wieder einmal geöffnet, diesmal in Richtung Polyamorie. Sie lädt die Mitglieder*innen der LGBTIQ+Gemeinden zu ihren Kirchentagen ein, wo sie unter dem Markenzeichen „Kreuz und Queer“ nach Partner*innen suchen dürfen. Eine Berliner Pfarrerin ist schon einen Schritt weiter und hat vier Männern, die sich zu einer polyamourösen Lebens- und Liebesgemeinschaft zusammentun wollten, den Segen der Kirche erteilt.

Wer das für überflüssig oder anstößig, schädlich oder obszön hält, der sollte unterscheiden: zwischen solchen Religionen, die Frauen kujonieren, den Rechtsstaat missachten, den Krieg verherrlichen und sich von einer Gottes-, also Priesterherrschaft die Lösung aller irdischen Probleme versprechen. Und solchen, die das nicht tun. Er sollte Unterschiede machen, sich auf das Eigene besinnen und Vorschriften bekämpfen, die dazu geeignet sind, den öffentlichen Frieden zu stören. Mit einem Wort: Er sollte diskriminieren.
… Alles vom 3.4.2026 von Konrad Adam bitte lesen in der JF 15/26, Seite 16