Organspende-Skandal – die Transplantationsmedizin informiert nicht

Der Transplantationsmedizin in Deutschland mangelt es an Transparenz. Es geht hier auch um viel Geld. Darin liegt Verführungspotenzial für transplantierende Ärzte wie Kliniken und die Pharmaindustrie. Für die Bevölkerung gravierender ist die Tatsache, dass ihr wichtige Fragen zur Organspende vorenthalten werden. Es wird verschwiegen, was in der medizinischen Wissenschaft kritisch diskutiert wird: etwa die Frage, wie sicher die Hirntod-Diagnostik ist. Ist es zutreffend, dass man mit Fehldiagnosen in rund zehn Prozent der Fälle rechnen muss? Ist es richtig, dass es der Hirntod-Diagnostik an tragfähiger wissenschaftlicher Basis mangelt? Ist der für hirntot gehaltene Mensch wirklich empfindungsfrei? Auch die Frage des Umgangs mit dem „Hirntoten“ vor der Organentnahme gehört auf den Prüfstand: Die Menschen fürchten, dass sie mit Apparaten ungebührlich lange am Leben gehalten werden. Das ist es, was jeder Mensch, dem Organe entnommen werden sollen, erleben muss. Was bedeutet es für Angehörige, wenn das Sterben durch die Organentnahme abrupt unterbrochen wird und Möglichkeiten des würdigen Abschiednehmens verhindert werden? Die Menschen in Deutschland wollen eine gut informierte Entscheidung treffen, wenn es um Leben und Tod geht. Mit größter Transparenz kann verloren gegangenes Vertrauen wiedergewonnen werden.
Prof Dr. med. Christoph Student, 2.8.2012

Organspende-Skandal weitet sich von Göttungen auf Regenburg aus
Der Organspende-Skandal um einen Göttinger Oberarzt weitet sich aus. Bislang standen zwei Ärzte im Verdacht, in Göttingen 23 Patienten in den Jahren 2010 und 2011 mit manipulierten Daten auf der Warteliste für Spenderorgane nach oben gemogelt zu haben.  Nun besteht nach Angaben des bayerischen Wissenschaftsministeriums auch am Regensburger Uniklinikum, wo einer der beiden zuvor gearbeitet hat, in 23 Fällen der Verdacht auf Manipulationen von Krankendaten bei Lebertransplantationen – und zwar in den Jahren 2004 bis 2006 ….
Alles vom 2.8.2012 lesen auf https://www.badische-zeitung.de/dpa-news/organspende-skandal-neue-verdachtsfaelle-in-regensburg–62268026.html

Das größte Glück – Lebensretter
Bei der Umfrage, was den Menschen glücklich macht, steht seit Jahren „Einem Menschen das Leben retten“ an erster Stelle. Und die Aussicht, mit meinen Organen einmal Leben zu retten, lasse ich mir von einer Diskussion um die richtige Rangfolge auf Wartelisten nicht nehmen. Es ist natürlich ein Skandal, dass Wartelisten manipuliert werden. Wir verlieren aber den größten Skandal aus den Augen, nämlich die Existenz der Wartelisten überhaupt. 4000 Menschen, die 2011 auf eine Leber gewartet haben, sind nun tot. Vielleicht sind durch Manipulationen die falschen gestorben. Es kommt aber vor allem darauf an, dass weniger Menschen sterben. Und zu Lebensrettern und somit glücklich werden wir nur, wenn wir alle (!) Organspender werden. Dann gäbe es auch keine ungerechten Wartelisten mehr.
15.8.2012, Jochen Hörsting EIchstetten

Dieser Beitrag wurde unter Gesund, Spende abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.