Fessenheim-Ende schon 2013 wegen duenner Bodenplatte?

Die Ankündigung des französischen Staatpräsidenten, Fessenheim ginge bis Ende 2016 vom Netz, wirft spannende Fragen auf. Lohnt es sich für die Betreiber, die Investitionen von mindestens 100 Mio. Euro zu stemmen, die für die Verstärkung der Bodenplatte von Block 1 veranschlagt werden? Wohlgemerkt, diese Summe soll für kosmetische Unterspritzungen in  Botox-Manier anfallen, denn nur etwa ein Sechstel der Fläche würde damit  von eineinhalb auf bescheidene zwei Meter „verstärkt“. Zum Vergleich: Diese Platte ist nicht nur die Dünnste in ganz Frankreich. Sie müsste vollständig auf sieben Meter verstärkt werden, um mit Fukushima gleich zu ziehen. Scheuen die Betreiber Aufwand und Kosten für dieses Abenteuer, droht  bereits am 30. Juni 2013 das Aus – wenn das Wort des Chefs der
Nuklear-Aufsicht ASN gilt. Vor dem Wirtschaftsausschuss der Nationalversammlung sagte der ASN-Direktor, André-Claude Lacoste, am 5. Juli 2012 wörtlich: „Die Sache ist völlig klar; wenn die Bodenplatte nicht bis Juli 2013 verstärkt wird, stellen wir die Anlage ab.“ Und hier das Original-Zitat von ASN-Direktor, André-Claude Lacoste, etwa ab Minute 14,50: „l’enjeu est tout à fait clair, si le radier n’est pas renforcé d’ici juillet 2013, nous arrêtons l’installation“
https://www.asn.fr/index.php/S-informer/Actualites/2012/Audition-de-l-ASN-a-l-Assemblee-nationale

Bei der Kosten-Nutzen-Abwägung spielen inzwischen die Bürger Baden-Württembergs aucheine interessante Rolle. Schon seit Jahren sind  hier viele Verbraucher Absatzgaranten für den Fessenheim-Strom – allerdings beständig weniger, je mehr sie sich für Erneuerbare Energien entscheiden. Dieses Jahr hat der Photovoltaikboom offenbar auch seinen  Teil dazu beigetragen, dass Fessenheim drei Mal an sonnigen Wochenenden herunter gefahren wurde — wegen mangelnder Nachfrage (Mangelnde Nachfrage war übrigens auch der Grund für die Stilllegung vom AKW
Stade). Eine interessante Vorstellung, dass die Bürger dazu beitragen können, den Fessenheim-Strom zum Ladenhüter verkommen zu lassen. Damit  können sie die Entscheidung gegen die teure Boden-Kosmetik beeinflussen  und somit ein früheres Aus provozieren. Falls ein großes Erdbeben dann freundlicher Weiser erst nach Juni 2013  kommt, verliert es insofern seinen Schrecken, als Fukushima 1 nicht die Blaupause für Fessenheim 1 wird. Der japanische Reaktor hatte im Februar 2011 eine Laufzeitverlängerung bekommen, die den Super-GAU wenige Tage  später ermöglichte. Dieser Preis ist zu hoch.
Eva Stegen, EWS Schönau

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