Eichstetten

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Reben in herbstlichen Farben im Kaiserstuhl bei Freiburg im Oktober 2020

 

Eichstetten am Kaiserstuhl

         
(1) Blick vom Eichelspitzturm auf Eichstetten am 29.10.2012

www.eichstetten.de
www.eichstetten.de/webcam/webcam.htm  Webcams – u.a. auch Eichelspitzturm

 

Bio-Großhändler Rinklin Naturkost aus Eichstetten
Aus der Revoluzzer-Familie zum Bio-Pionier
Geht es um Bio-Anbau am Kaiserstuhl, fällt schnell der Name Rinklin. Schon Wilhelm Rinklin Senior, der Vater des Firmengründers, war einer der sechs eigenwilligen und unabhängigen Köpfe, die 1950 in Eichstetten und damit in der Region neue Wege in der Landwirtschaft beschritten. „Sowohl ich, als auch meine spätere Frau, die aus einer dieser sechs Familien stammt, sind direkt in die Bio-Szene reingeboren worden“, erzählt Wilhelm Rinklin. Wobei man sich unter „Bio-Szene“ in diesen frühen Jahren etwas ganz anderes als heute vorzustellen hat. Reformkost gab es in Reformhäusern und war alles andere als angesagt. Vor allem auf dem Land galten „Reformköstler“ doch oft als Sonderlinge oder gleich als esoterische Spinner.

Nicht jedoch in Eichstetten. „Zum einem interessierte mein Vater immer schon vor allem die landwirtschaftliche Seite der Sache, zum anderen spielten diese sechs Familien mit all ihren Verwandten im Ort einfach eine zu große Rolle“, erklärt Rinklin. Er sei von frühester Kindheit an mit auf dem Feld gewesen, von daher habe es für ihn nie eine Alternative zur Landwirtschaft gegeben. „Wir Kinder sind ja in einer Revoluzzer-Familie groß geworden, auch wenn mein Vater das Wort abgelehnt hätte. Da hatte ich nie das Bedürfnis zu revoltieren“, erzählt Rinklin. Und dann seien auch sehr schnell seine eigenen Kinder gekommen. Noch als Agrarwissenschaftsstudent wird er zum ersten Mal Vater. So muss Wilhelm Rinklin sehen, wie er zurechtkommt.

Er beginnt nach dem Studium als Geschäftsführer bei Bioland, „doch als Verbandsheini war ich einfach ungeeignet“, so Rinklin. „Es gab damals immer mehr Bio-Betriebe, die Erträge stiegen, doch wo sollte die Ware hin?“, erinnert er sich. Also nimmt er mit 25 Jahren das Angebot an, am Kaiserstuhl für die Region eine Vertriebsstruktur aufzubauen. Und so beginnt er mit geborgten 10.000 Mark Startkapital und einem Lkw in der elterlichen Scheune einen Großhandel. Erst noch genossenschaftlich organisiert, bald als selbständiger Unternehmer.

Doch die ersten Jahre sind betriebswirtschaftlich schlicht eine Katastrophe. Obwohl die Firma stetig wächst. „Der Großhandel mit Obst- und Gemüse ist ein wirklich komplexes und von vielen Unwägbarkeiten abhängiges Geschäft“, erklärt Harald Rinklin, Wilhelms Sohn und heute mit seinen zwei Brüdern einer der Geschäftsführer des Unternehmens. Anders als mit Schrauben handele man mit verderblicher Ware, unterliege allen saisonalen Schwankungen und möglichen Unbilden. „Vor allem verkauften und verkaufen unsere Bauern in der Haupterntezeit dann oft doch lieber direkt, und immer zehn Pfennig günstiger als wir“, ergänzt Wilhelm Rinklin.

Dem studierten Agrarwissenschaftler Wilhelm Rinklin fehlen zudem alle kaufmännischen Kenntnisse. Und zunehmend der Überblick im Geschäftsgetümmel. Als Anfang der 80er-Jahre in eine erste Halle investiert werden muss, zieht kurze Zeit später die Bank die Reißleine. Angesichts der jetzt sechsstelligen Verbindlichkeiten, drängt sie Rinklin einen kaufmännischen Berater auf.

Das erweist sich als Glücksfall. „Der sagte mir klar, entweder dir gelingt es, bis nächste Woche eine wirklich relevante Summe einzusparen, oder du hörst gleich auf“, erinnert sich Rinklin. Es sei eine sehr harte, aber auch sehr lehrreiche Zeit gewesen, in der alles auf den Prüfstand kam. Aber am Ende sei das Unternehmen so umstrukturiert gewesen, dass es, als 1986 die Katastrophe im Atomkraftwerk Tschernobyl einen regelrechten Bio-Boom auslöste, den Ansturm effizient und erfolgreich bewältigen konnte. Von da an habe die Entwicklung der Firma sichere Fahrt aufgenommen. Auch wenn eine Steuerprüfung dann doch noch einmal zu einer zweiten Umstrukturierung der Betriebsabläufe geführt habe. Sehe man heute das Unternehmen, mit seinen circa 250 Mitarbeitenden, seinen riesigen Hallen und modernsten Logistikstrukturen – vom 400 Quadratmeter großen ersten Lager hat sich die Firma heute auf 10.000 Quadratmeter ausgebreitet – sei das im Rückblick gesehen alles „ein heikler Ritt“ gewesen, räumt der Firmengründer ein.

2013 holt er seine drei Söhne Armin, Harald und Jochen ins Familienunternehmen und leitet die geglückte Übergabe der Firma ein. Die ersten zehn Jahre ist man gemeinsam unterwegs. Alle bekommen genügend Zeit zu lernen. „Unsere Eltern haben uns immer machen lassen“, erklärt Harald Rinklin, „das sind keine Patriarchen“. Sein Vater sehe immer lieber auf das, was klappt, als auf das, was vielleicht schief gehen könnte. Nie habe er sich an die Firma geklammert, das mache ihn „jung im Denken“.

Jetzt, nach seinem endgültigen Rückzug im Jahr 2022, genössen er und seine Frau Friedhilde ihr Rentnerdasein, erzählt Wilhelm Rinklin. Dazu gehöre die Pflege eines Gartengrundstücks und viel Reisen. Aber auch noch immer zwei Mini-Jobs im Betrieb. „Das gibt uns Struktur“, erklärt der Senior. „Aber sie können Urlaub nehmen, so viel sie wollen“, beeilt sich sein Sohn klarzustellen. „Ach, was willst du denn sonst auch machen“, erklärt Wilhelm Rinklin und lacht. „Wir haben immer das Glück und Privileg gehabt, etwas Sinnvolles zum Schaffen zu finden.“
… Alles vom 13..6.2025 von Benedikt Sommer bitte lesen auf https://www.badische-zeitung.de
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19.1.2013
https://www.freiburg-schwarzwald.de/blog/rinklin-naturkost-eichstetten/

Rinklin Naturkost – Bio-Großhändler in Eichstetten
Mit rund 12.000 Artikeln hält Rinklin Naturkost ein komplettes Naturkostsortiment vor: Obst und Gemüse, Molkereiprodukte, Wurst und Fleisch, Backwaren und Müsli, Öle, Feinkost, Brotaufstriche, Tofuprodukte und Getränke sowie Naturkosmetik – wir bieten Ihnen in allen Sortimentsbereichen eine breite Auswahl an.
https://www.rinklin-naturkost.de/

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