Stegen 3. Buergerforum Lebensraeume

Viele Menschen in Stegen machen sich Gedanken darüber, wie sie im Alter in Würde in Stegen leben können. Das zeigt die hohe Rücklaufquote der großen Fragebogenaktion, die „Miteinander Stegen e.V.“ zusammen mit der Gemeinde im vergangenen Frühjahr durchführte. Ergebnisse der Bürgerumfrage: Eine große Mehrheit wünscht sich, den Lebensabend im eigenen Haushalt verbringen zu können. Nur ein Drittel jedoch glaubt, dass dies in der Realität tatsächlich funktionieren wird. Dies sei ein krasses Auseinanderfallen von Wunsch und Realität – so Dr. Hans-Günter Schirdewahn, der die Umfrage auf dem dritten Bürgerforum im Detail vorstellte. Das Fazit daraus sei, dass das soziale Unterstützungsnetz ausgebaut werden müsse!
Gestützt wird diese Schlussfolgerung durch weitere Umfrageergebnisse. Während Hilfsangebote für Jugendliche, junge Familien und Kleinkinder in Stegen erkennbar wahrgenommen würden, fehle es an Hilfen für kranke, pflegebedürftige, einsame und demente Menschen. Hier bestehe ein hoher Nachholbedarf, so Schirdewahn.
„Miteinander Stegen e.V.“ gründete sich, um das soziale Netz in Stegen enger zu knüpfen und zwar auf ehrenamtlicher Basis. Was schon von Anfang an gefühlt vorhanden war, ist durch die Umfrage jetzt auch statistisch erhärtet: es mangelt in Stegen an Tagesbetreuungsmöglichkeiten für pflegebedürftige und demente Menschen und es fehlt ein Betreuungsangebot für Schwerstpflegebedürftige. Diese Defizite können ehrenamtlich nicht gestemmt werden, hier sind professionelle Angebote nötig. Ziel von „Miteinander Stegen“ ist deshalb die Verwirklichung des Projekts „Lebensräume“, des Baus eines Mehrgenerationenhauses mit Tagesbetreuungsangebot und moderner Wohngemeinschaft für demente und pflegebedürftige Menschen.

Organisationsform „Genossenschaft“
Die Initiatoren des Projekts haben ihre Fühler schon in verschiedenste Richtungen ausgestreckt und Kontakt zu anderen, vergleichbaren Projekten aufgenommen. Auf dem Bürgerforum wurden deshalb verschiedene Organisationsformen der Umsetzung eines solchen Projektes durchleuchtet. Franz Held, Geschäftsführer der WOGE e.V. im Freiburger Stadtteil Vauban empfahl für die Realisierung dieses Projekts die Gründung einer Bürgergenossenschaft.  Das genossenschaftliche Modell knüpfe an die traditionellen genossenschaftlichen Ideale der demokratisch organisierten Selbsthilfe an.  Im Mittelpunkt stünden die Genossenschaftsmitglieder und das Bauprojekt, deshalb sei das A und O einer Genossenschaft Transparenz und Beteiligung der Mitglieder in allen Entscheidungsprozessen nach dem Prinzip „one man, one vote“, wonach jedes Mitglied auch stimmberechtigt ist.

Bürgergenossenschaft als soziale Geldanlage
Damit dieses Bürgerprojekt Wirklichkeit wird, braucht es Geld, viel Geld. Die Organisationsform der Genossenschaft würde den Bürgern und allen Interessierten die Möglichkeit einer sozialen Geldanlage bieten. Statt sein Geld bei einer Bank anzulegen, können der Bürgergenossenschaft Darlehen gewährt werden, die auch marktüblich verzinst werden. Viele solcher Bürger-Darlehen würden den Aufbau des Projektes „Lebensräume“ ermöglichen und damit in Stegen eine Infrastruktureinrichtung schaffen, die allen, die auf Hilfe angewiesen sind, zu gute kommen kann.
Die Reaktion der anwesenden Bürger war verhalten. Ermutigend sind jedoch die Ergebnisse der Bürgerbefragung. 80 % der Befragten gaben an, gerne einen Beitrag für ein verbessertes Betreuungsnetzes leisten zu wollen, nahezu die Hälfte davon ganz praktisch als Helfer. Über ein Drittel, immerhin fast dreihundert, würde sich auch finanziell engagieren.  Um das Projekt nun wirklich anzuschieben, schlägt Franz Held die Gründung einer Projekt-Genossenschaft als Vorstufe zur Genossenschaft vor. Nach einer dreimonatigen Phase in der eine Projektstudie erstellt würde, mit der das Projekt auf seine Realisierbarkeit überprüft wird, könne dann die Grundsatzentscheidung „Für“ oder „Gegen“ das Projekt gefällt werden und die Bürgergenossenschaft gegründet werden. „Wenn sie so weit sind, dann gibt es nur noch „Go!“. Dann läuft das Projekt von selbst!“ ermutigt Franz Held die Zuhörer. Ermutigend ist auch, dass die Gemeinde dieses Projekt unterstützt. Bürgermeister Siegfried Kuster betont, dass sich die Gemeinde auf jeden Fall mit einbringen werde. Denkbar wäre, dass die Gemeinde für das Projekt ein Grundstück zur Verfügung stellt, das sich in Gemeindebesitz und in unmittelbarer Nachbarschaft zur Pater-Middendorf-Seniorenanlage befindet.
14.10.2012, Dagmar Engesser, www.dreisamtaeler.de

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