PH Freiburg feiert 50 Jahre mit 4571 Studierenden

50 Jahre PH Freiburg Was bedeutet die Pädagogische Hochschule für Littenweiler? Die PH ist eines der größten Gebäude in Littenweiler. Ist sie Fluch oder Segen für den Stadtteil? Manchmal fühlen sich Fußgänger behindert, wenn Fahrräder auf dem Gehweg stehen, Stu­denten auf der Straße sitzen, wenn kein Durchkommen ist und die Schlange am Heizmann bis auf die Straße geht. Abends hört man gelegentlich Musik der Partys auf dem Gelände durch den ganzen Stadtteil klingen. Studenten parken auf Gehwegen an­statt im Parkhaus und auch im Studentenwohnheim wird gerne gefeiert. Trotzdem sind die Störungen im Vergleich zu den Studentenzahlen, es sind immerhin 4.571, relativ gering.

Studenten bringen Leben in den Stadtteil
Auf der anderen Seite helfen Studenten im Haus 197, unter­stützen die Reinhold-Schneider-Schule auch bei der Ganztages­be­treuung, machen Praktika in anderen Einrichtungen und sorgen im Stadtteil für Lebendigkeit. Manche Gaststätte hätte ein Problem ohne studentische Aushilfen. Die wenigsten Studen­ten lassen sich hier langfristig einbinden, so viele Arbeitsplätze gibt es hier nicht, aber schön wäre es, das Potenzial der Studierenden noch besser für den Stadtteil zu nutzen.

PH als wichtiger Standortfaktor
In seiner Rede zum 50-jährigen Jubiläum der Pädagogischen Hochschule erwähnte Rektor Ulrich Druwe die PH als herausra­genden Standortfaktor, es bestehen Kooperationen mit Hoch­schulen in der ganzen Welt. Allerdings meint er auch: „Gute Hochschulen brauchen Partner vor Ort, wie die Uni, Mu­sikhochschule, die Evangelische Hochschule . . .“ An der PH spielt die Kooperation mit Schulen eine große Rolle, aber auch Partner aus Kultur, Medien und Wirtschaft. Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer gibt zu, dass das Profil der PH sich verändert hat. Das uneingeschränkte Habilitationsrecht gibt es erst seit 2005. Auch die Anforderungen an die Bil­dungs­landschaft haben sich verändert. Es geht um eine frühere in­dividuelle Förderung, es geht darum, die Kinder früher wettbe­werbsfähig zu machen. Oberbürgermeister Salomon bringt den Grundgedanken der PH anschaulich auf den Punkt: „Man kann ja nicht einfach Leute auf Kinder loslassen, aber zu akademisch sollte es auch nicht sein… Herzensbildung sollte noch dabei sein.“ Die Ausbildung der Lehrer vergleicht er noch mit dem Schweinezyklus aus der Volkswirtschaft. Aber nur inhaltlich, bezogen auf den Wech­sel von Lehrermangel, Werbung für das Studium, erhöhte Studentenzahlen – was wiederum zur Lehrerschwemme geführt hat. Daher hält er es für sinnvoll, wenn die PH nicht zu sehr nur auf die Lehrerausbildung fixiert ist, sondern das, was die Bil­dungslandschaft ausmacht in der Breite abzubilden. Für ihn ist die PH ein stabiles Stück Freiburg.

Wir brauchen gute Lehrer/innen
Rektor Druwe formuliert die Gründe für die Gründung der PH etwas anders: „Wir brauchen gute Lehrer/innen.“ Das Land ent­wickelte die PH zu einer eigenständigen Einrichtung. Der Ge­sellschaftliche Wandel erfordert andere Kompetenzen. Die Schule bekommt einen größeren Erziehungsauftrag, die Anforderungen an die Schulen steigen und somit auch an die Lehrer­aus­bildung. Aus anderen Ländern hört man mittlerweile, dass es ein Fehler war, die PH in die Uni zu integrieren. Es wäre sinn­voll, die Ausbildung der Gymnasiallehrer  in Kooperation mit der PH zu gestalten. Lehrer brauchen Fachdidaktik und Praxis. „Wir erwarten von der Politik nicht nur Worte, sondern Taten. Der Kern jedes Bildungssystems ist eine gelungene Lehrerausbildung.“

Wenige Plätze für viele Studierende?
In der anschließenden Theateraufführung der Theatergruppe KA 101 wird das ganze aus Studentensicht noch szenisch dargestellt. Viele Studenten kämpfen um wenige Plätze im Seminar, sitzen sich gegenseitig auf dem Schoß und sind froh, überhaupt einen Platz ergattert zu haben. Einige Studenten verteilen vor der Türe ihr kommentiertes Programm. Auf die Frage, wie er die Meinung einiger Studenten zu überfüllten Hörsälen, komplizierten Anmeldeverfahren, unfertigen Prüfungsordnung und verkürzten Öffnungszeiten der Bibliothek sieht, meint  Ulrich Druwe, dass die Realität und die Meinung aller Studierenden nur schwierig festzustellen sei, auch bei den Wahlen beteiligen sich nur 7 % der Studierenden: „Im Prinzip sind für die Studenten genügend Plätze vorhanden, das Problem liegt darin, dass an der PH zu 70 % auf Lehramt studiert wird, bei Bewerbung und Zulassung aber die konkreten Fächer noch nicht angegeben werden müssen. Das Land berechnet eine Durchschnittsbelegung. Derzeit beliebte Fächer wie Biologie, Mathe, Geographie, Englisch und Deutsch sind dann überbelegt. Weniger beliebte Fächer wie Sport, Musik, Physik oder Chemie hätten noch Platz. „Dort sind auch die Berufsaussichten besser“, so Druwe. Trotz Beratung und Hinweisen entscheiden die Studierenden natürlich in erster Linie nach ihren Vorlieben. Der Antrag ans Land bei der Bewerbung gleich die Fächer mit anzugeben, kam leider nicht durch.

Absolventen der PH gehören zu den Besten
Ansonsten findet Ulrich Druwe seine PH natürlich toll. In der Tat gehören hier die Absolventen zu den Besten im Land, die PH ist die forschungsaktivste und bei der Drittmitteleinwerbung die erfolgreichste Hochschule. „Die Studierenden sind hier richtig nett, engagiert sozial und aktiv. Sie bringen Leben in den Stadtteil, das ist schön, auch im Hinblick auf die demografische Entwicklung“. Doch selbst dafür bietet die PH Veranstaltungen im Rahmen des Seniorenstudiums an. Viele andere Veranstaltungen, wie Theateraufführungen oder Musikprojekte sind für alle Bürger offen, so auch das vielfältige Programm in diesem Sommer zur Feier des Jubiläums.

Anja Lusch, 12.6.2012, Littenweiler Dorfblatt

Programm: 
50 Jahre Pädagogische Hochschule Freiburg – 30 Jahre Gleichstellungsarbeit. Eine Ausstellung zusammengestellt von den Mitarbeiterinnen des Gleichstellungsbüros seit 9. Mai im Foyer des KG 3.
Jubiläums-Family Science Night veranstaltet von unterschiedlichen Instituten der Hochschule.

Freitag, 22. Juni, ab 17 Uhr, auf dem Campus der Hochschule.
From Vintage to Retro – eine modische Zeitreise. Eine Modenschau und ein Mitmach-Ball veranstaltet vom Institut für Alltagskultur, Bewegung und Gesundheit.

Samstag, 30. Juni, 20.00 Uhr, E-Werk, Ferdinand-Weiß-Straße 6, Freiburg.
Sommerfest der Hochschule veranstaltet von Studierenden und Mitarbeiter/innen der Hochschule

Donnerstag, 5. Juli, 14.00 – 20.00 Uhr, Campus.
Musik in Gottes Häusern. Wandelkonzert mit Kammermusik und Liedern von Walter Arlen, Chormusik mit Alumni-Mu­si­ker­/innen des Chores der Pädagogischen Hochschule Freiburg, Leitung: Christoph Schwartz.

Sonntag, 8. Juli, 17.00 Uhr, Ehemaligen Synagoge Sulzburg und St. Cyriak Sulzburg
Into the Woods/Ab in den Wald. Musical von Stephen Sondheim mit Solist/innen, Chor und Orchester der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Leitung: Georg Brunner, Stefan Weible
Dienstag, 10. Juli, bis Sonntag, 15. Juli, Premiere: 10.7. um 20.00 Uhr, Schulaufführung: 11.7. um 10.00 Uhr, sonstige Aufführungen: 12./13./14./15.7. um 20.00 Uhr, Aula.
Weiter Infos unter www.ph-freiburg.de/aktuell/50-jahre-ph-freiburg.html.

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