Daniel Schäfer ist Bäcker-Azubi bei Fegers Backstube

Die Werbegemeinschaft des Deutschen Bäckerhandwerks e.V. wirbt auf ihrer Internetseite mit dem Satz „Back dir deine Zukunft“ – genau das tut der achtzehjährige Daniel Schäfer seit fast einem Jahr. Eigentlich wollte er Maler werden, als er aber während eines Praktikums auf ein Gerüst stieg, bemerkte er schnell, dass er nicht ganz schwindelfrei ist. Zu dieser Zeit lebte Daniel Schäfer noch im Kinderhaus St. Raphael in Littenweiler, für ihn „eine klasse Zeit“, wie er betont. Dort half ihm der damalige Leiter Michael Neumann beim Start ins Berufsleben. Er war es, der Kontakt zu Bäckermeister Klaus Feger aufnahm. Und Klaus Feger gab „dem Jungen eine Chance“ und so veränderte sich Daniels Berufswunsch weg vom Farbpinsel und hin zum Backblech. Nach einem Praktikum in der Backstube beginnt er mit der Gestaltung seiner eigenen Zukunft und der Ausbildung. Seit September 2011 erlernt er mit sichtlichem Spaß das Bäckerhandwerk in ‚Fegers Backstube’. „Andere Bäcker-Azu­bis stehen meistens an Maschinen“ meint Daniel, „doch bei uns ist noch sehr viel Handarbeit gefragt und ich kann den Beruf von Grund auf erlernen!“ Natürlich gibt es auch eine Teigmaschine, welche die abgewogenen Zutaten verarbeitet. Eine Wirkmaschine schleift dann die Ballen zu gleich­mäßigen Teiglingen, aus denen verschiedene Brötch­en oder Stränge, zum Beispiel für Brezeln, hergestellt werden. Jeden Donnerstag und vierzehntägig auch am Freitag bringt der Besuch der Berufsschule eine Unterbrechung der prakti­schen Ausbildung. In der Berufsschule paukt Daniel Schäfer die allgemeinen Fächer Mathe, Deutsch, Gemeinschafts- und Wirtschaftskunde, aber auch berufsspezifische Fächer, wie Warenkunde, Hygienemaßnahmen und Lagerhaltung.

Daniel Schäfer in der Feger's Backstube Mai 2012

Fahrt durchs morgendliche Freiburg
An seinen Arbeitstagen unter der Woche fährt Daniel mit der Straßenbahn durch das morgendlich noch menschenleere Freiburg bis zur Lassbergstraße und mit dem Bus in die Alemannenstraße. So früh ist er im Bus meist der einzige Fahrgast. „Das finde ich gut, wenn es noch so ruhig ist und ich alles in Ruhe betrachten kann“, meint Daniel, bevor er dann um 5.30 Uhr mit der Arbeit beginnt. „Am Woch­enende holt mich der Chef extra von zu Hause ab. Das ist echt gut, denn da fangen wir ja schon um 2.30 Uhr an“, meint er. Danach ist ausgiebiges Schlafen angesagt und später teilt Daniel seine Zeit mit den Freunden in der Wohngemeinschaft, in der er jetzt lebt. Oder sein Weg führt ihn unter der Woche hinauf ins Kinderhaus St. Raphael, weil da noch einige Freunde leben und auch die Mitarbeiter mit dem Leiter Christian Hirsch sich freuen, wenn er vorbei schaut.

Das Schwingen badischer Brezeln
Ehrgeiz hat Daniel Schäfer, denn er will die Brezel so gut schwingen können, dass sie in der Mitte ganz dünn ist. Für das Brezelschwingen braucht man eine spezielle Wurftechnik und es dauert oft Jahre, bis man eine  „perfekte Bre­zel schlingen kann.“ Zudem zeigen sich an der Brezel auch regionale Unterschiede: Bei der badischen Brezel sitzt der Ansatz der „Ärmchen“ weiter oben, wohingegen bei den schwäbischen Brezeln die „Ärmchen“ sehr tief sitzen und der obere Bogen, den man auch Bauch nennt, viel weiter ist. Die Brezeln haben im Bäckerhandwerk eine lange Tradition und bilden seit dem 14. Jahrhundert auch deren Zunftzeichen. Einer Legende nach, führt der Ursprung der Brezel nach Bad Urach. Dort soll sie ein Bäcker in seiner Not erfunden haben. Er war bei seinem Landesherren in Ungnade gefallen, sollte aber noch eine letzte Chance bekommen: „Back einen Kuchen lieber Freund, durch den die Sonne dreimal scheint, dann wirst du nicht gehenkt, dein Leben sei dir frei geschenkt.“ Daniel Schäfer fühlt sich vielleicht auch wegen dieses Spruchs der Brezel besonders verbunden .
Beate Kierey, 12.6.2012, Littenweiler Dorfblatt

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