Im Innenhof des Geländes am Recyclingeck/Schnaitweg in Littenweiler steht nur ein Container. Kein Laden, kein Aufenthaltsraum, aber wertvoller Stauraum für Klettergurte, Seile, Haken und andere Ausrüstungsgegenstände, die Kay Busemann für seine Baumpflegeschule benötigt. „Wir haben keine Baumschule, wir pflanzen keine Bäume, es geht darum, alten Baumbestand zu erhalten und Bäume fachgerecht zu schneiden“, so Kay Busemann. Auch in Littenweiler ist er viel unterwegs, denn dort gibt es einige alte Bäume, die manchen Bewohnern das Licht nehmen, oder bei denen Gefahr besteht, dass Äste abbrechen. „Es ist manchmal schwierig den Leuten klar zu machen, dass man den Baum nicht einfach oben abschneiden kann, wenn er zu hoch wird. Er würde mehrere Spitzen austreiben und dann in der Breite noch mehr Schatten werfen. Der Baum fault außerdem im Laufe der Zeit durch die Verletzungen an den großen Schnittstellen ein. Wir nehmen stattdessen oft von unten Äste weg, und lichten ihn gezielt aus“, so Busemann. Das bringt mehr Licht und erhält den Baum.
Einem fachgerecht geschnittenen Baum sieht man an seiner Form nicht an, dass er bearbeitet wurde. Wie das dann technisch geht, davon bekomme ich einen Eindruck vor Ort im Wald bei Günterstal. Zwei Schüler aus dem Seilkletterkurs hängen schon im Baum und ziehen sich hoch. „Schon um kleinere Bäume zu schneiden ist es sicherer zu klettern. Nach der Unfallstatistik passieren viele schwere Verletzungen bei dem Versuch, die Bäume von der Leiter aus zu schneiden. Bei einer Höhe von drei Metern fällt man meistens genau aufs Genick, das kann tödlich sein. Ein Fall aus sechs Metern ist oft ungefährlicher, man dreht sich noch einmal, landet auf den Füßen und bricht sich ‚nur’ Arme oder Beine“, so Kay Busemann.
Auch der erste Aufstieg geht ohne Leiter. Die Kletterer werfen einen Wurfbeutel an einer Wurfschnur – mit der Hand – bis zu 30 Meter hoch über einen Ast, dann wird ein Seil daran hochgezogen und es geht aufwärts. Im Baum hängen gut gesichert ein Forstwirt und ein Landschaftsgärtner. Es kommen aber reine Baumpfleger zu den Kursen. Kay Busemann ist nicht nur selbst in Sachen Baumpflege unterwegs, er bildet auch aus. Die angehenden Baumpfleger lernen zunächst grundlegende Klettertechniken. Dafür bekommen sie noch alle Materialien geliehen. Wenn sie dann fachkundig sind und selbst gut ausgestattet, folgt Kurs zwei, mit der Motorsäge in den Baum, dann die Fachkenntnisse für den richtigen Schnitt. Bei Kay Busemann können sich erfahrene Baumpfleger zum European Treeworker ausbilden lassen. Er bietet aber auch gelegentlich Freizeit-Kletterkurse an, zum Beispiel für Geocacher, oder Kurse für Firmen, im Rahmen von Teamtrainings und sogar „Übernachtung in Bäumen“. Auch Kinderklettern in Zusammenarbeit mit dem Waldhaus gab es schon sowie die erlebnispädagogische Aktion mit dem „Lungenbaum“ an der Staudinger Gesamtschule, im Rahmen der Raucherprävention. Bei seiner Arbeit geht es aber auch oft darum, alte Bäume als „Naturdenkmäler“ zu erhalten, davon gibt es einige in Littenweiler. Kay Busemann lebt schon seit 17 Jahren mit seiner Familie im Stadtteil. Das Lager im Recyclingeck hat er seit 15 Jahren gemietet. Ab Juli will er einen etwas größeren Raum auf dem Gelände anmieten, eventuell um auch Schulungen vor Ort anbieten zu können. Schon als Kind ist er gerne auf Bäume geklettert und die Liebe zur Natur ist bis heute geblieben. Über einen Freund, der Baumpfleger war, ist er zu seinem Traumberuf gekommen. Als Fachagrarwirt ist er seit 1987 in der Baumpflege tätig und nimmt auch an internationalen Kletterwettkämpfen teil. Kay Busemann zeigt mir noch, wo ungefähr in Freiburg der höchste Baum Deutschlands wächst. Eine Douglasie mit 64 m Höhe, von Insidern liebevoll „Waltraud“ genannt. Zuletzt entlässt er noch zwei „Tröndlemäuse“ aus dem angewärmten Seilsack in die freie Natur.
Anja Lusch, Littenweiler Dorfblatt
Baumpflegeschule Busemann, Ferdinand-Kopf-Straße 6, Tel 6 24 99,
www.baumpflegeschule.de
