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Blick nach Norden zum Flammhof in Hofsgrund auf dem Schauinsland am 31.1.2014

Blick nach Norden zum Flammhof in Hofsgrund auf dem Schauinsland am 31.1.2014

 

  • Bewegung dirigiert den Geist (9.2.2014)
  • Psyche

 

Bewegung dirigiert den Geist 

In vielen Studien konnte gezeigt werden, dass Bewegung einen großen Einfluss auf die Denkleistung hat. Das folgende Experiment zeigt aber erstmalig, dass bestimmte Bewegungen die Denkprozesse auf höherer Ebene steuern können. Das Experiment von Alejandro Lleras von der University of Illinois:

In einem Raum hängen zwei Schnüre von der Decke und auf einem Tisch liegen ein Buch, kleine Hanteln und ein Schraubschlüssel. Die Aufgabe der 52 Studierenden ist, die beiden Schnüre zu verknüpfen. Diese allerdings hängen mit 4 m zu weit auseinander, als dass eine Person sie gleichzeitig hätten ergreifen können. Während des Nachdenkens wurden die Probanden immer wieder zu kurzen Übungen aufgefordert. Die einen mussten ihre Arme wiederholt seitlich ausstrecken und anwinkeln, die anderen ihre Arme nach vorne und nach hinten durchschwingen. Von den Armstreckern lösten 62 % das Problem innerhalb der erlaubten Zeit, von den Armschwingern fanden 85 % die Lösung und zudem noch schneller: Eine schwere Hantel am Ende eines Seils befestigen und dieses wie ein Pendel schwingen lassen, dann rasch zum anderen Seil gehen und dieses mit dem gerade herangependelten Seil verknoten.

“Die meisten Leute glauben, dass ihr Geist in ihrem Hirn sitzt und sich, völlig losgelöst vom Körper, mit abstrakten Konzepten beschäftigt”, so Lleras. Dieses wie viele weitere Experimente zur Hirnforschung belegen, dass diese Vorstellung von einer strikten Trennung von Körper und Geist falsch sei. “Die Art und Weise, wie man denkt, wird durch den Körper beeinflusst. Tatsächlich kann man den Körper nutzen, um das Denken zu unterstützen.” Gerade letzteres ist für Lleras so bedeutend: „Indem wir die Körperbewegungen von Personen lenken, lenken wir auch unsere Denkprozesse.“ Mit dem Armschwingen im obigen Experiment hilft der Körper dem Hirn auf die Sprünge – „embodied congnition“ bzw. „verkörpertes Begreifen“ als Fachbegriff der Psychologie. Mit der ähnlichen Bewegung gibt der Körper dem Geist die Lösung vor, Motorik und geistige Kreativität greifen also ineinander. Diese  Erkenntnis sollten wir nutzen:
– Schreibtischhocker tun sich schwerer mit Einfällen, also auf und Spazierengehen.
– In der Schule: Kinder sollten sich zwischendurch bewegen, Sport treiben.
– Möglichst vielfältig bewegen (hopsen, Gymnastik, Kniebeugen, …), denn so wird es wahrscheinlicher, eine
zufällig die zum Problem passende Bewegung auszuführen, bei der es dann im Kopf klick macht.
– Grübler sollten aufstehen und sich bewegen, damit der Geist in die Gänge kommt.
– Kinder weg vom PC, Fernsehen und Smartphone und hinaus auf den Sportplatz, in den Wald und aufs MTB.

Eigentlich ist das alles lange bekannt, auch der Philosoph Friedrich Nietzsche (1844 – 1900) meinte: „So wenig wie möglich sitzen, keinem Gedanken Glauben schenken, der nicht im Freien geboren ist und bei freier Bewegung, in dem nicht auch die Muskeln ein Fest feiern.“ Eine Studie zu 1.2 Millionen Rekruten (geb. 1950 – 1976) in Schweden belegt: Je größer die Herz-Kreislauf-Fitness der jungen Männer, desto größer die geistige Leistungskraft im späteren Leben. Körperliche und geistige Trägheit gehen miteinander einher, Fitness aber auch.
Neu und so wichtig beim Zusammenhang Körper und Geist ist, dass Bewegung den Geist unterstützt und dirigiert. Körperliche Aktivität trägt zur geistigen Wendigkeit bei. Motorik wirkt auf geistige Kreativität und verschafft Geistesblitze. Die Bewegung ist das primäre – im positiven Sinne beim täglichen „Radfahren statt Auto“ und im negativen Sinne bei den Sofahockern bzw. Sofakartoffeln (coach potatoes).
9.2.2014

https://internal.psychology.illinois.edu/~alleras/

https://www.scienceticker.info/2009/05/12/bewegung-inspiriert/

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