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Freiburger Münster Anfang April 2023 – Abendsonne

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  • Wie Spenden und Stiftungen das Freiburger Münster über Jahrhunderte finanzierten (8.12.2025)

 

Wie Spenden und Stiftungen das Freiburger Münster über Jahrhunderte finanzierten
Seit genau 25 Jahren gibt es die „Freiburger Münsterstiftung“. Doch das bürgerschaftliche Engagement zur Finanzierung des Münsters reicht viele Jahrhunderte zurück.
Gehen Sie stiften!” – so lautete ein oft gehörter Satz von Felix Stilz, dem Mitbegründer der „Freiburger Münsterstiftung”, die vor genau 25 Jahren, am 6. Dezember 2000 gegründet wurde (BZ vom 28. November 2025). Sie steht in einer vielhundertjährigen Traditionslinie von Personen und Einrichtungen zur Finanzierung des Münsters – das seit 1827 den Rang einer Kathedrale hat – und seiner Ausstattung.
Die älteste und bedeutendste Stiftung, die Freiburgs Bürgerschaft für ihre Pfarrkirche einrichtete, ist der 1295 erstmals urkundlich erwähnte „Münsterfabrikfonds”, auch „Unserer lieben Frauen Werk” genannt. Der lateinische Begriff „fabrica”, wie das deutsche Wort „Werk” waren schon damals mehrdeutig und meinen den Ort, wo etwas hergestellt wird, den Arbeitsprozess und schließlich das Ergebnis, also das „Bauwerk”.
Die Münsterfabrik besaß wie heutige Stiftungen ein unantastbares Grundkapital, von dem nur die Erträge für den Bau des Münsters verwendet werden durften. Für die Fabrik zuständig waren die ehrenamtlichen „Münsterpfleger”, die vom Rat der Stadt aus seinen Reihen bestellt wurden. Sie legten das Kapital der Stiftung an und verwalteten es, stellten die Werkleute ein und legten die Löhne fest. In ihrem Auftrag führte der „Münsterschaffner” – meist ein Geistlicher – die Geschäfte der Fabrik und organisierte den Baubetrieb mit Bauhütte und Werkmeister. Alljährlich hatte er den Pflegern gegenüber Rechenschaft abzulegen.

Spenden und Stiftungen waren die wichtigste Ressource für den Bau der Pfarrkirche, für ihre Architektur und ihre Bauskulptur sowie die Ausstattung. Ein Hauptantrieb für die Geldgeber war die Sorge für das eigene Seelenheil. Man versprach sich mildere Sündenstrafen im Fegefeuer und letztlich die Aufnahme in den Himmel am Jüngsten Tag. Bedeutende Zuwendungen kamen aus der Handwerkerschaft, die im 14. Jahrhundert zur politisch wichtigsten Gruppe im Rat aufrückte. So haben die Zünfte fast alle Glasgemälde im Langhaus gestiftet, wovon noch heute ihre Wappen zeugen. Seit dem 15. Jahrhundert ist der „Leibfall” belegt, bei dem das beste Gewand eines gerade Verstorbenen abgeliefert und zugunsten der Fabrik versteigert wurde. So gab man im Wortsinn „das letzte Hemd” für den Bau der Kirche.

Eine wichtige Einnahmequelle waren Bestattungen im Münsterinneren gegen eine Spende für den Bau. Günstig war das nicht: Ende des 16. Jahrhunderts entsprach die Spende dem Jahresgehalt des Münsterbaumeisters. Auch der ab 1350 geplante Neubau des Chors war vom Wunsch der wichtigen und wohlhabenden Freiburger Familien nach privaten Grablegen zu verdanken. Mit dem vorgesehenen Kranz von elf Kapellen konnten diese zur Verfügung gestellt werden, und über die Stiftungen für die Grabstätten wurde das Gesamtprojekt mitfinanziert. So hatte etwa Johannes Snewelin, genannt „der Gresser”, dem Münster bedeutende Mittel zukommen lassen, aus deren Erträgen um 1500 die Schnewelinkapelle am Chor errichtet und ausgestattet wurde – eineinhalb Jahrhunderte nach dem Tod des Stifters 1347.
Mehrfach im Jahr wurden an Festtagen nach dem Gottesdienst Spenden eingesammelt. Dabei wurden Reliquien in einer Monstranz umhergetragen, die gegen einen Obolus angeschaut oder sogar berührt werden durften. Im Verzeichnis des Münsterschatzes wird diese „Bitt’, domit man sammlet” aufgeführt. Das um 1280 von einem oberrheinischen Silberschmied geschaffene Gefäß blieb bis heute erhalten.

Als bedeutende Einnahmequelle ebenfalls nicht vergessen darf man Ablässe, also den kirchlich garantierten Nachlass von weltlichen Sündenstrafen – sprich Milderung der Leiden im Fegefeuer gegen gute Werke und tätige Reue, wozu die Beichte und der Besuch der Messe gehörte. Nach der Wiederaufnahme des Chorneubaus erwirkte der Freiburger Münsterpfarrer Johannes Kerer 1475 in Rom zwei päpstliche Ablassbriefe. Gedruckte Übersetzungen des lateinischen Textes wurden an den Münstertüren angeschlagen und informierten über die Bedingungen zum Erwerb des Ablasses. Dabei war die Höhe der Spende an die jeweiligen finanziellen Möglichkeiten der Nutznießer angepasst und reichte vom Beitrag des Großspenders bis zum sprichwörtlichen „Scherflein der armen Witwe”.
Insgesamt konnten so erhebliche Mittel für den Chorneubau erwirkt werden, dessen Kernbereich schon 1513 geweiht und in Betrieb genommen werden konnte. Auf der Rückseite des kurz danach von Meister Hans Baldung Grien fertiggestellten Hochaltars ließen sich die Auftraggeber des Malers porträtieren: die drei Pfleger und der Schaffner der Münsterfabrik.
… Alles vom 8.12.2025 von Peter Kalchthaler bitte lesen auf
https://www.badische-zeitung.de/wie-spenden-und-stiftungen-das-freiburger-muenster-ueber-jahrhunderte-finanzierten