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Blick vom Hochfirst nach Südwesten über Titisee zu
Feldberg (zwei Gipfel), Hinterzarten und Breitnau (rechts) am 11.1.2008
Unternehmerfrauen kommen mit Rollenverteilung gut zurecht
Männer draußen, Frauen drin /
Unternehmerfrauen im Handwerk kommen mit der
klaren Rollenverteilung gut zurecht / Ideen für ein besseres Ansehen des Stands
Für die Hauptversammlung der
Unternehmerfrauen im
Handwerk und Gewerbe Hochschwarzwald zückte Vorsitzende Brigitte Mayer einen
Überraschungsgast aus dem Ärmel. Die Vizepräsidentin des Landesverbands, Ruth
Baumann aus Freiburg, sprach ihren Kolleginnen Mut für den Alltag zu und stärkte
sie in ihrem Rollenverständnis als Frau eines Handwerkers mit eigenem Betrieb.
Die UFH-Mitglieder, die selbst einen Handwerks- oder Gewerbebetrieb leiten, sind
in der Unterzahl, einen Meisterbrief haben nur einzelne. Sie haben sich
zusammengeschlossen zum Meinungsaustausch und zur Weiterbildung, aber auch um
Anerkennung für ihre Leistungen sowie Mitspracherecht einzufordern.
Dabei scheinen die Rollen klar getrennt: "Die wenigsten Herren sind für den
Papierkram geeignet. Sie haben ihre Vorzüge und wir Frauen haben unsere und das
ist auch gut so" , sagte Baumann im "Waldfrieden" in Neustadt. Das habe nichts
damit zu tun, ob sie Männer möge oder nicht, schließlich sei sie seit 15 Jahren
mit ihrem "Holden" glücklich. Doch die Handwerker selbst seien eben für das
Leben draußen auf dem Bau geschaffen. Hierin sehen die Frauen eine perfekte
Symbiose der Unterschiede zwischen Mann und Frau. "Entweder man macht’s zusammen
oder es wird nix" , brachte eine der Frauen ihr geschäftliche Partnerschaft mit
ihrem Gatten auf den Punkt. Ist das nun fortschrittliche Emanzipation oder ein
Rückschritt für die Frauenbelange? Oder ein praktisches Akzeptieren der
individuellen Fähigkeiten der Geschlechter zur Optimierung des gemeinsamen
Unternehmens?
Die Übergänge sind fließend und die Stellung der Frau im Betrieb neben, hinter
oder vor dem Mann ist unter anderem von der Erziehung, Berufsausbildung,
Familie, Herkunft und Art des Unternehmens abhängig. Während Baumann von einer
Kollegin zu berichten wusste, die nach dem Tod ihres Mannes ratlos vor einem
Geldautomaten stand, weil sie ein solches Gerät noch niemals zuvor bedient hatte
("für solche Sachen bleibt uns manchmal keine Zeit" ), fragen andere
Frauen ihre
Männer nicht lange um die Erlaubnis einer familien- oder betriebswichtigen
Anschaffung. ("Der muss mich fragen, wenn er Strümpfe kaufen will" ).
Neben der Rolle im Betrieb beschäftigen sich die Mitglieder vor allem mit dem
Ansehen des Handwerks in der Gesellschaft. Baumann ist von der Dringlichkeit der
Stärkung des Selbstbewusstseins der Betriebe überzeugt. Würden die Handwerker
beim Vorsprechen bei ihren Hausbanken oder Auftraggebern eine selbstbewusstere
Position beziehen, wäre dies aus ihrer Sicht ein wichtiger Schritt. Einen
günstigen Wandel glaubt sie bereits zu erkennen: "Geiz ist geil ist heute nicht
mehr unbedingt gefragt." Zwar bekomme oft noch immer der "billige Jakob" den
Zuschlag, doch dürften die Betriebe sich nicht um jeden Preis verkaufen. Die
Kundschaft müsse die Vorteile eines regional ansässigen Fachbetriebs samt den
auf der Hand liegenden Servicevorteilen und der hohen Qualität wieder
wertschätzen lernen. Und genau das geschieht nach ihrer Einschätzung gerade.
"Wir betreiben nicht Hire-and-fire wie die großen Industriebetriebe,
beispielsweise Nokia." Nach Baumanns Erfahrung kennen die mittleren Unternehmen
nicht nur ihre treuen Mitarbeiter, sondern auch deren Familien, auch das habe
einen hohen Wert. Und: "Manchmal weiß ein Mitarbeiter erst, was er an seinem
Handwerksbetrieb hat, wenn er weg ist."
Eine Friseurmeisterin erachtete als
eine wichtige Voraussetzung zur Steigerung des Selbstbewusstseins die bessere
betriebswirtschaftliche Ausbildung der Handwerker. "Ich glaube, dann könnten sie
sich besser verkaufen." Mit dieser Meinung stand sie jedoch ziemlich einsam da.
"Dann wäre er kein Handwerker mehr" und "Handwerker sind aus einem anderen Holz
geschnitzt als Industrielle" und "Wenn draußen nix geschafft wird, haben wir
drinnen nix zum Abrechnen" war von den Kolleginnen zu hören. Klare Worte zur
klaren Rollenverteilung. Die Kindererziehung fügt sich in den Betrieb ein, die
Hausaufgaben werden ins Büro verlegt. "Selbständigkeit ist ein hohes Gut, das
geben wir an unsere Kinder weiter" , meinte Baumann, für die sich
Berufstätigkeit, Organisationstalent einer Hausfrau und Mutterschaft nie
gegenseitig ausschließt. "Wir Handwerkerfrauen brauchen eine gewisse
Grundspannung, dann fühlen wir uns wohl. Die meisten von uns brauchen keinen
Töpferkurs." Es war nicht der einzige markante Satz der Unternehmersfrau.
Baumann sind die bürokratischen Richtlinien und Hindernisse, denen ein Betrieb
in Deutschland unterliegt, ein Dorn im Auge. Sie versucht, auf politischer Ebene
dagegen vorzugehen: "Diese Sesselpupser beschließen Stuss und für uns Betriebe
ist es dann eine Katastrophe." Der Verband lud kurzerhand Politiker/innen zum
Praktikum in die Betriebe ein, rund 80 aus allen Parteien kamen. Baumann nahm
den Landtagsabgeordneten Klaus Schüle (CDU) unter ihre Fittiche, ließ ihn um
6.30 Uhr zur Arbeit antreten, Pflastersteine am Wiehrebahnhof verlegen und gab
ihm Einblicke in das bürokratische Wirrwarr eines Mittelständlers. Tags darauf
hatte Schüle eine gesunde Gesichtsfarbe und der Einblick in den Handwerkeralltag
hatte gewirkt: "Ich wusste das alles nicht" , zitierte Baumann Schüles
Erkenntnis.
Der Arbeitskreis Hochschwarzwald zählt 34 Mitglieder, 2007 waren fünf Austritte
zu verzeichnen. Trotz einem Minus von knapp 200 Euro sollen die
Mitgliedsbeiträge 2008 vorerst nicht steigen. Erst, wenn die Rücklagen von
derzeit 8600 Euro auf 5000 Euro geschmolzen sind, soll über eine Erhöhung
nachgedacht werden. Vorstandsneuwahlen stehen in der nächsten Hauptversammlung
an.
Im kommenden Vereinsjahr stehen wieder Vorträge mit wechselnden Referenten an.
Die Themen reichen von Steuer-Neuigkeiten über PC-Kenntnisse zu den Geheimnissen
des Einmachens. Im Juli geht ein Ganztagsausflug in den Landtag mit Besuch des
inzwischen erholten MdL Schüle. Und im Oktober erklärt Mathias Jung den Frauen
"Das Seelenleben des Mannes und seine Emotionen."
Marion Pfordt ,
18.1.2008, www.badische-zeitung.de
 
An Maler, Monteure oder
Übersetzer kommt man preiswert im Datennetz / Doch einige Billighandwerker
liefern Pfusch
Kostenvoranschlag zu hoch? Schlechte
Erfahrungen mit dem Klempner um die Ecke? Wer einen Handwerker sucht, kann
seinen Auftrag auch über eine Auktion im Internet vergeben. Seiten wie
Quotatis.de, My-Hammer.de, Undertool.de, Blauarbeit.de oder Jobdoo.de
bringen
Kunde und Handwerker zusammen. Das System ist einfach: Man registriert sich,
beschreibt den Auftrag, Handwerker geben ihre Gebote ab, der billigste oder
vermeintlich beste bekommt den Zuschlag. Auch andere Dienstleister — vom
Hausverwalter bis zum Übersetzer — lassen sich bundesweit über die Portale
buchen. Gefragt sind auch einfache Services: vom Rasenmähen bis zum
Kistenschleppen beim Umzug. "Am meisten nachgefragt werden Maler und Lackierer"
, so Carolin Wildgruber von Quotatis. Die Onlineplattformen funktionieren
ähnlich wie das Internetauktionshaus Ebay — mit dem Unterschied, dass
Dienstleistungen statt Waren gehandelt werden und der Kunde ein Gesuch aufgibt.
Und: Die Preise steigen nicht, sie fallen. Das Procedere erspart dem Kunden, wie
sonst üblich in den Gelben Seiten zu blättern, Kostenvoranschläge einzuholen und
mit Anbietern zu verhandeln. Die Auftraggeber beschreiben den Auftrag möglichst
konkret: mit Termin, Anforderungen an die Qualifikation des Handwerkers sowie
Preisvorstellung. Beispiel: Wer tapezieren lassen will, sollte nicht nur die
Wohnungsgröße, sondern auch die Höhe der Wände angeben. Ob nach der Auktion ein
Auftrag erteilt wird, entscheidet der Kunde. Bei Jobdoo.de erhält der billigste
Anbieter nur in rund 20 Prozent der Fälle den Auftrag, so das Hamburger Portal.
Anders das Geschäftsmodell bei Quotatis: Die Kölner GmbH bietet keine Auktionen
mehr, sondern vermittelt nur noch Anfragen. Auftraggeber können kostenlos
Anfragen einstellen und erhalten bis zu fünf Kostenvoranschläge von Handwerkern.
Vergabezwang besteht nicht.
....
Ob der Auftraggeber am Ende wirklich immer spart, ist fraglich — vor allem wenn
der Billigheimer bei späteren Mängeln nicht mehr greifbar ist. Oft landet der
Pfusch am Ende bei den Gutachtern der örtlichen Handwerkskammern.
Kompletten Beitrag von
Kai Althoetmar vom
3.3.2007 auf www.badische-zeitung.de
lesen
 
Elf Ausbildungsbetriebe in St. Märgen von Handwerkskammer ausgezeichnet
St. Märgen. Für ihre Ausbildungsleistung wurden elf
Handwerksbetriebe am Dienstagabend im Gemeinderat von der Handwerkskammer
Freiburg ausgezeichnet. Hintergrund ist die Aktion "Ausbildung liegt uns am
Herzen" , die als Dank an die Ausbilder gedacht ist und weitere Betriebe
ermuntern soll, Lehrstellen anzubieten. Heinz Bitzenhofer, Referatsleiter für
Berufliche Bildung, überreichte den Handwerksmeistern neben Urkunden
Werbematerial, mit dem sie auf ihre Ausbildertätigkeit hinweisen können.
Ausgezeichnet wurden Helmut Schlegel, Lothar Schwendemann (beide Zimmerer),
Ernst-Arthur Mark (Schreiner), Markus Schuler (Landmaschinen), Axel Willmann,
Willi und Ralf Schmidt (Maurer), Thomas Wehrle, Markus und Jörg Löffler (Maler
und Lackierer), Werner Faller, Clemens Schuler (Kraftfahrzeugmechaniker) sowie
Bernhard Wehrle (Metallbauer).
In St. Märgen gibt es 37 ausbildungsberechtigte Betriebe, elf davon bilden
derzeit 16 Lehrlinge aus, wie Bitzenhofer sagte. "Diese Zahlen belegen: das
Handwerk redet nicht, das Handwerk handelt." Es gelte, diese Leistung
anzuerkennen. "Wir sind stolz auf Sie und wollen Ihnen danken," so Bitzenhofer,
"Sie leisten weit mehr als Ausbildung." Vielmehr seien sie Vorbilder und
Orientierungshilfe für die Jugendlichen, die durch Lehrstellen Chancen
erhielten. "Meine Bitte an Sie: Machen Sie weiter, bilden Sie weiter aus.
Bildung und Ausbildung ist die Zukunft unseres Landes."
Bürgermeister Josef Waldvogel überreichte jedem ein Geschenk und ein "herzliches
Dankeschön von Seiten der Gemeinde" . Seit jeher sei das mittelständische
Handwerk ein wichtiges Standbein in der Region. "Sie haben nicht nur Tradition,
sondern den Ruf erworben, dass Ihre Arbeit von hervorragender Qualität ist." Die
Gemeinde könnte stolz sein auf ihre Handwerksbetriebe.
14.12.2006
 
Handwerkskammer Freiburg zeichnet 55 langjährige Meister aus
Am Wochenende haben in der Freiburger Gewerbeakademie 55 Alt-Handwerksmeister
ihre goldenen (40 Jahre Meister) sowie diamantenen (50 Jahre Meister)
Meisterbriefe erhalten.
Diamantene Meisterbriefe erhielten Bäckermeister Wilhelm Schrempp
(Freiburg), die Elektroinstallationsmeister Reinhold Geiselhart und Egon Schulz
(beide Freiburg), die Friseurmeister Johann Ganter (Freiburg) und Hans Steindl
(Breisach), die Malermeister Erich Hartfelder (Titisee-Neustadt) und Werner
Hepting (Löffingen), die Maurermeister Karl Armbruster (Freiburg), Valentin
Maier (Löffingen) und Hans Ziemmerlin (Bötzingen), die Schornsteinfegermeister
Hubert Hebenstreit (Kenzingen) und Walter Leppert (Endingen), Schreinermeister
Heinz Gödker (March-Hugstetten), Schuhmachermeister Hermann Scherzinger
(Freiburg), Steinbildhauermeister Reinhard Schakowski (Bollschweil) sowie die
Zimmermeister Rudolf Ichterz( Breisach) und Hans Rohrer (St.Peter).
Goldene Meisterbriefe erhielten die Bäckermeister Eugen Fehrenbach (Löffingen)
und Bruno Schätzle (Friedenweiler), die Dackdeckermeister Walter Fritz
(Lörrach) und Karl-Heinz Krawczyk (Freiburg), Damenschneidermeisterin Friedel
Schildecker (Freiburg), die Elektroinstallationsmeister Heinz Schweizer
(Gundelfingen), Karl-Hermann Stegmann (Freiamt), Klaus Strack (Freiburg),
Herbert Tolksdorf (Breisach) und Siegfried Wagner (Bleibach),
Elektromechanikermeister Joachim Plust (Freiburg), Feinmechanikermeister Lothar
Kaltenbach (Freiburg), Fliesenlegermeister Guido Kammans (Denzlingen), die
Friseurmeister Gerhard Blum (Titisee-Neustadt) und Emil Rieder (Heuweiler),
Konditormeister Hans Fichter (Kirchzarten), Kfz-Mechanikermeister Peter von
Ruckteschell (Freiburg), die Malermeister Nikolaus Amann (Freiburg), Erich Beha
und Jakob Hipfel (beide Titisee-Neustadt) und Karl Sibold (Löffingen),
Maschinenbaumeister Willy Böcherer (Freiburg), die Maurermeister Otto
Bornhauser, Rudolf Brian, Erich Scholze, Holger Willmann (alle Freiburg), Kurt
Furler, Hans Kocheise (beide Neuenburg), Manfred Lais (Pfaffenweiler) und
Rudolf Schätzle (Titisee-Neustadt), die Metzgermeister Walter Jautz und Herbert
Schwarz (beide Freiburg), Radio- und TV-Technikermeister Dieter Kasper
(Freiburg), die Schornsteinfegermeister Edgard Joos (Bötzingen) und Edgar
Liphardt (Löffingen), Schreinermeister Klaus Sigwart (Eisenbach) sowie die
Zimmermeister August Faller (Wittnau) und Wolfgang Waldkirch (Kandern).
BZ vom 6.12.2005

Vergolderei von Sandra von
Wedel in Staufen
Eine moderne junge Frau hat sich mit Haut und Haaren einem der ältesten
Handwerke der Welt verschrieben – der Vergolderei. Die Beschäftigung mit edlen
Metallen ist für Sandra von Wedel aus Staufen Beruf und Berufung zugleich und
die Gestaltung sowie Restaurierung individueller Umrahmungen sind ihre
Spezialität.
Vergolder gibt es nicht mehr viele – im
Handwerkskammerbereich Freiburg sind es gerade noch sechs. Die
Vergoldermeisterin und Absolventin des Faust-Gymnasiums hatte schon früh den
Wunsch, einmal im künstlerischen Bereich tätig zu werden und bald wusste sie,
dass sie ein Handwerk ausüben würde, das gewissermaßen goldenen Boden hat. Sie
nennt es „ein großes Glück“, dass sie während der Schulferien in der Werkstatt
ihrer Stiefmutter, einer Restauratorin für Bilder und Bilderrahmen,
entscheidende Impulse für ihr späteres Berufsleben bekam. Nicht zuletzt war es
die Vielseitigkeit der Vergolderei, die sie für diesen Beruf einnahm.
Während ihrer vierjährigen Ausbildung in
Gaggenau eignete sich Sandra von Wedel auch Wissen über Holz, Farbgestaltung,
Chemie oder Kunstgeschichte an, lernte, wann welches Material verwendet oder
mit welchen Bindemitteln gearbeitet wurde. Und sie lernte, wie wichtig die
Zusammenarbeit mit Kirchenmalern und Restauratoren ist, gegen deren Tätigkeit
sich die des Vergolders nicht immer leicht abgrenzen lässt. In sein Ressort
fällt die Veredelung und Restauration von Oberflächen jeglicher Art, das
können Figuren, Möbel oder Wände sein. Auch Illusionsmalerei, mit der dem Auge
etwa die Verwendung von Marmor vorgegaukelt wird, gehört dazu, zudem
Außenvergoldungen und eben die Einrahmung von Bildern, nicht aber die
Vergoldung von Schmuck. Immer Neues nimmt die in Staufen aufgewachsene
30-Jährige unter die Hände, mal ist es ein in die Wand eingelassenes Wappen,
mal eine Barockkonsole oder ein Flügelaltar wie jüngst in Oberachern. In
Ostdeutschland war es eine Kirchenkanzel – damals auf ihrer vierjährigen
Wanderschaft, die sie in grau-roter Gesellentracht durch viele Länder und
Werkstätten führte und von der sie mit einem reichen Erfahrungsschatz zurück
kehrte.
Seit ihrer Meisterprüfung vor zwei Jahren ist
sie mit eigener Werkstatt und Rahmenstudio Auf dem Graben sesshaft. Das
hauchdünne Blattgold, das sie dort verarbeitet, gibt es in vielen
verschiedenen Tönen: Rotgold, Zitronengold, Grüngold und andere mehr. Um Gold,
Silber und das Champagner farbene Platin zu perfekter Geltung zu bringen, sind
Werkzeuge wie Vergolderkissen, Vergoldermesser, Gravierhaken oder zum Polieren
der Achat unerlässlich. Es ist längst nicht immer nur metallischer Glanz, den
die Vergolderin ihrem Werk verleiht, denn sie geht mit dem gesamten Spektrum
der Farben um, bis hin zum Schwarz eines modernen Rahmens, aus dem ein selbst
entworfenes Ornament in Weißgold hervor tritt. Was ihr bei ihrer Arbeit am
meisten Freude macht? „Zu sehen, wie aus verschiedenen Materialien eine
Einheit mit dem Bild entsteht“, antwortet sie ganz spontan. Und sie träumt
davon, in ihrer Werkstatt auch auszubilden, liegt es ihr doch am Herzen, dass
das Handwerk, das schon die alten Ägypter beherrschten, lebendig bleibt.
Alles von Dorothee Möller-Barbian vom
5.9.2005 auf www.bzol.de lesen

Orgelbautradition in Waldkirch über 200 Jahre - Vier Orgelbaubetriebe
Es war Mathias Martin, der die Handwerkskunst des Orgelbaus nach Waldkirch
gebracht hatte. 1799 errichtete er hier eine Werkstatt, in der Kirchenorgeln
gebaut wurden. Über Anton Kiene und dessen Sohn Rudolf führt die Tradition des
Kirchenorgelbaus zu
Wolfram Stützle, Rudolf Kienes Enkel, der 1986, nachdem die
Werkstatt zwei Jahrzehnte nicht genutzt wurde, den Orgelbau wieder aufnahm.
Stützle bevorzugt beim Bau seiner Instrumente vorwiegend süddeutsche und
italienische Klangbilder, wogegen die Prospekte zeitgenössisch-modern gearbeitet
sind, wie in Leutkirch, besonders aber in Haidach zu sehen ist. Hohe
Handwerkskunst zeigen die Truhenpositive in Weißenau und die optisch fast
identischen in Balingen und Freiburg. Einen Namen hat sich Wolfram Stützle auch
als Restaurator erworben. Beim Orgelfest laden er und seine Mitarbeiter zur
Besichtigung der Werkstatt in die Schillerstraße 2 ein.
Er baut keine Kirchenorgeln, und auch mit
Drehorgeln hat er nichts im Sinn: Orgelbaumeister
Rainer Pitt. In seiner Werkstatt steht ein Orgelpositiv, ein
„organo die lengno“, gefertigt aus verschiedenen Obstbaumhölzern, deren
Maserungen und Farben sich harmonisch zusammen fügen. Was er aber vornehmlich
baut, sind Clavichorde, besaitete Tasteninstrumente, die nur leise Töne
hervorbringen. Alle Teile stellt Rainer Pitt, in seiner fast „heimeligen“
Werkstatt selbst her. Fünf Instrumente hat er an das Germanische Museum in
Nürnberg geliefert, weitere fünf gehen nach Amerika. Er will bald aufhören, sagt
er. Waldkirch wird dann um einen Kunsthandwerker des Orgelbaus ärmer sein.
Ignaz Blasius Bruder ist der „Stammvater“ des
Waldkircher Dreh- und Jahrmarktsorgelbaus. Flötenuhren hatte er in Simonswald
vor seiner Übersiedlung nach Waldkirch im Jahre 1834 gebaut. Bis zum Ende des
19. Jahrhunderts und noch darüber hinaus entwickelte sich die Stadt am Kandel zu
einem Zentrum des Drehorgelbaus. Drei große Firmen arbeiteten hier: Die Gebrüder
Bruder, Wilhelm Bruder Söhne und A. Ruth & Sohn. Die französischen Firmen
Gavioli und Limonaire errichteten Zweigwerke in Waldkirch. Die
Weltwirtschaftskrise bedeutete für die Waldkircher Orgelfirmen das Aus. Eine
Ausnahme bildete die Firma Carl Frey. Im holländischen Breda nach dem Zweiten
Weltkrieg enteignet, begannen Carl Frey sen. und sein Sohn im Saal des
Gasthauses „Rebstock“ , später im „Schwarzwälder Hof“, unter schwierigsten
Bedingungen mit der Orgelproduktion. In der Kandelstraße 40 wurde ab 1959
gearbeitet. Noch 1985 wurde „De Örcher“ für einen Kunden aus Aachen gefertigt.
Schon damals war eine „Trendwende“ erkennbar: Die Drehorgelspieler wagten sich,
nicht nur in den Großstädten, wieder auf die Straße. 1988 gründeten Heinz Jäger
und Wolfgang Brommer den
„Waldkircher Orgelbau Jäger & Brommer“ als Zweimannbetrieb.
Aber es ging aufwärts. „Orgeln für Gott und die Welt“ haben sie und die bald
dazu gekommenen Mitarbeiter gefertigt. Nicht nur in Deutschland stehen sie, die
großen Kirchenorgeln, auch in Japan und in vielen Ländern. Auf der ganzen Welt
kennt man ihre Drehorgeln. Weit über 200 sind es geworden. Wertvolle alte
Instrumente konnten durch sorgfältige, an der Tradition des Orgelbaus
orientierte Restaurierung vor dem Zerfall gerettet werden. Beim Orgelfest ist
zwei Tage lang „offene Tür“. Am Samstag wird ab 11 Uhr die größte fahrbare
Konzertorgel präsentiert. Es gibt viele Vorführungen, auch einen Drehorgelkurs
„mit Diplom“. Für die Kinder gibt es ein Extraprogramm mit Clown Pippo. Den
bunten Unterhaltungsabend am Samstag bestreiten das Waldkircher Salonorchester,
die aus Chile kommenden „Organilleros“ und die Tanzgruppe „Lindo“ und die
„Orgelbauer-Band“. Programm gibt es dann auch am Sonntag von 11 bis 17 Uhr.
Noch eine weitere Werkstatt wurde in Waldkirch heimisch. In der ehemaligen
Werkstatt von Ignaz Blasius Bruder in der Kirchstraße 7 gründeten
Paul Fleck und Söhne 1993 eine auf Restaurierungen
spezialisierte Werkstatt, in der auch Kartonnoten, Stiftwalzen und Notenrollen
hergestellt werden. So verdankt zum Beispiel die Automatische Kapelle der Gebr.
Weber im Elztalmuseum ihren guten Klang der Fleck’schen Werkstatt, ebenso eine
Bruder Karussellorgel im Zirkus Roncalli. Im Augenblick wird in der großen
Werkstatt, in die Stefan Fleck und seine Mitarbeiter vor drei Jahren umgezogen
sind, eine äußerst interessante Orgel restauriert: Für eine bestimmte Szene in
der „Dreigroschenoper“ hatten Bertold Brecht und Kurt Weill eine Drehorgel
vorgeschrieben. Das Originalinstrument der ersten Aufführung wird nun in der
Werkstatt Fleck restauriert. Zum Orgelfest gibt es die Möglichkeit zur
Besichtigung und am Samstag eine Partynacht am Bahnhofsplatz: Unter dem Motto
„Die Orgel rockt“ wird eine 100 Jahre alte Konzertorgel als universelles
Instrument in die Roy-Fleck-Band integriert. Für Unterhaltung sorgt auch der
Karaoke-Wettbewerb „Waldkirch sucht den Superstar
Eberhard Weiß am 15.6.2005 in der BZ
www.orgelwelt-waldkirch.de
www.waldkircher-orgelstiftung.de
Werkstätte für Orgelbau
Wolfram Stützle, Schillerstr. 2, 79183 Waldkirch
www.struetzle.de
Waldkircher Orgelbau Jäger & Brommer
Gewerbekanal 3, 79183 Waldkirch, Tel 07681/3927
info@jaegerbrommer.de,
www.jaegerbrommer.de
Paul Fleck Söhne Orgelbau GBR
Stefan Fleck, Bahnhofsplatz 5a, 79183 Waldkirch
www.fleck-orgelbau.de

Zimmereien in der Flaute - Umorientierung in andere Branchen
ST. MÄRGEN (awe). Die Flaute im Baugewerbe
betrifft auch die Zimmerer, wie auf der Innungshauptversammlung am Dienstagabend
im "Rössle" deutlich wurde. Obermeister Markus Hog erklärte, die Zimmerer
müssten sich umorientieren in andere Branchen. Themen waren auch die Neuerungen
bei der Sortierung und Kennzeichnung von Holz, in der Handwerksordnung und bei
der Sozialversicherung.
"Der Bereich Neubau ist immer noch rückgängig",
sagte Hog, private Haushalte vergeben weniger Aufträge und die öffentlichen
Aufträge seien sogar "fast Null". Neben dem Sanierungsbereich könnten Zimmerer
sich auf die Solarenergie konzentrieren. "Wir müssen die Kundschaft darauf
aufmerksam machen, dass auch wir Solartechnik anbieten können. Ein Heizungsbauer
hat auf einem Dach nichts zu suchen."
Rückläufig ist auch die Zahl der Lehrlinge. Sind
es derzeit im dritten Lehrjahr noch zwölf Lehrlinge, lernen im zweiten Lehrjahr
nur vier und im ersten nur fünf Lehrlinge. "Das sollte uns doch stark zu denken
geben, was da los ist", meinte Hog mit Blick auf die Betriebe, die immer weniger
ausbilden. Zufrieden zeigt er sich mit dem Notendurchschnitt von 2,5 der letzten
acht Prüflinge.
Derzeit sind 19 Betriebe
in der Hochschwarzwälder Innung, einer ist aus wirtschaftlichen
Gründen, einer wegen Geschäftsaufgabe ausgetreten. Beim Jahresrückblick beklagte
Hog, dass die Resonanz auf Vorträge und Ausflüge immer geringer werde. Deshalb
wurden sie gemeinsam mit anderen Innungen veranstaltet. "Es melden sich einfach
zu wenige an. Früher war der Ausflug das ,Highlight' im Jahr." Mehr Resonanz
erhalten dagegen die Lehrgänge für den Stapler-und den Kranführerschein.
...
Hog kritisierte: "Durch die ganzen Normen und Zertifizierungen wird unser
Hausbau immer teurer. Da kommt einiges auf uns zu, anscheinend ist Holz nicht
mehr Holz, sondern irgendwas anderes."
Ganzen Text vom 12.6.2004 bitte auf
www.bzol.de lesen

Die Beschisskette im
Handwerk zum Reißen bringen
Eine Gruppe Handwerker vom Niederrhein
hat eine kleine Revolution angezettelt: Sie wollen wieder ehrlich arbeiten und
einen ehrlichen Preis dafür verlangen
Das Erste, was diese Firma zu ihren Kunden sagt, ist, dass sie die Schnauze
voll hat. Kaum schafft man die Drehtür ins Geschäftsgebäude, springt einen die
Faust an. Kopfgroß, silberfarben, rot umrandet auf blauem Grund. "Wir haben
die Schnauze voll!", steht darüber auf einem mannshohen Ständer neben der
Besuchertheke. Ein paar Schritte
weiter sitzt der Chef an einem Schreibtisch und zeigt seinen Rücken. Der Chef
heißt Thomas Berger. So wie seine Firma in Kamp-Lintfort am Niederrhein.
Glas-Licht-Metall. Bergers 65 Mitarbeiter fertigen Leuchtreklamen,
Glasfassaden, Messestände, Wintergärten. Seit 101 Jahren ist sein Betrieb am
Markt. Doch nun scheint der Mann verrückt geworden zu sein.
Thomas Berger steht auf, entfaltet seine Größe,
und wie er so dasteht ist klar: Es muss einiges passieren, bis Berger
explodiert vor Wut. Doch Wut macht erfinderisch. So
hat Berger eine kleine Revolution angezettelt. Zumindest für den
Handwerkermarkt. Berger will nicht mehr bescheißen. Und er will nicht mehr
beschissen werden. Das sagt er seinen Kunden ins Gesicht - noch
bevor er überhaupt den Mund aufmacht. Thomas Berger, 44, hat genug vom
üblichen Geschäftsgebaren nach dem Motto "Geiz ist geil". "Wir haben uns lange
auf den verbindlichen Handschlag zwischen Kunden und Handwerksmeister
verlassen können", sagt Berger, "das gibt's seit gut drei Jahren nicht mehr.
Normal sind heute 60-seitige Verträge bei einem Auftragsvolumen von 5000 Euro,
ungerechtfertigte Reklamationen, willkürliche Rechnungskürzungen, unzumutbarer
Zahlungsverzug." Berger hat Außenstände
von 850 000 Euro, das ist etwas mehr, als er in einem Monat umsetzt. "Ich habe
keinen Spaß mehr an der Arbeit", meint der studierte Physiker. "70 Prozent der
Zeit geht für Sachen drauf, die mit meiner Arbeit nichts zu tun haben." Streit
mit Rechtsanwälten, Mahnschreiben, Nachfragen, Telefonate mit säumigen Kunden,
Diskussionen mit Bauleitern. "Ich will nicht mehr." So einfach klingt Bergers
Satz. Er weiß, dass Handwerker und Mittelständler, aus Angst, Kunden zu
vergraulen und Aufträge zu verlieren, es sehen wie er, aber trotzdem mitspielen
und schließlich Pleite gehen. Doch er weiß auch: "Wenn wir jetzt nichts tun,
dann sterben wir eben auf Raten."
Ende April hat er die Aktion "Schnauze voll!"
gestartet. Er suchte sich Gleichgesinnte - eine Druckerei, eine Tischlerei,
ein Sicherheitsunternehmen, Betriebe mit etwa 20 Mitarbeitern. Und Jürgen
Vogdt, Künstler und Unternehmensberater, einen Mann mit Kontakten und Ideen.
Gemeinsam haben sie das Plakat gefertigt, eine Homepage entworfen und eine
Faust in Bronze gegossen, 2,1 Kilogramm schwer.
....
"Die Handwerker sind zur Hälfte selbst schuld, dass die Sitten so verlottern",
sagt Vogdt, "die waren ja lange Zeit so was von satt." Was man eben so kennt.
Teuer, schlechte Qualität, Dreck und Rücksichtslosigkeit, Unpünktlichkeit.
"Für Mittwoch zusagen, aber den überübernächsten Mittwoch meinen", sagt Thomas
Berger und winkt ab. Er kennt das aus eigener Erfahrung. "Wenn mal ein Kunde
absprang", erzählt Günter Hövelmann, "hat uns das nicht groß gekümmert. Die
Bücher waren ja voll." ....
Ganzen
Text vom 27.5.2004 bitte auf
www.bzol.de lesen
www.berger-gmbh.de

Traditionelle
Handwerkskünste am 21.7. in Altglashütten
FELDBERG. Traditionelle Handwerkskünste aus dem Hochschwarzwald werden am
Sonntag, 21. Juli, von 10 bis 17 Uhr in der Feldberghalle Altglashütten
vorgeführt. Gezeigt werden von A bis Z unter anderem:
Bauernmalerei, Glasbläserei, Hinterglasmalerei, Holzbildhauerei,
Instrumentenbau, Krippenbau, Maskenschnitzen, Mausefallenbau, Schindelmachen,
Strohschuhflechten, Uhren- und Uhrenschildmachen sowie Wollespinnen.
Von 10.30 Uhr an gibt die Stadtmusik Löffingen ein Morgenkonzert, und um 14 Uhr
treten der Trachtenakkordeonverein Falkau und die Kindertrachtentanzgruppe
Altglashütten auf. Zwischendurch sorgt Gustav Jordan mit seiner Drehorgel für
die richtige Stimmung. Von 11 bis 13 Uhr und von 14 bis 16 Uhr können alle
Kinder beim größten Holz-Domino Baden-Württembergs mitspielen. Ziel dieses
Heimattags ist es, den Gästen die Vielfalt des heimischen Handwerks zu zeigen
BZ vom 17.7.2002,
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Kirchenmaler
Markus Koppenhöfer in der Ohmenkapelle
Engeln zu neuem Glanz verhelfen
Markus Koppenhöfer hat oft einen ungewöhnlichen Arbeitsplatz: In Kirchen
restauriert er Deckengemälde und Heiligenfiguren.
Stundenlang arbeitet Markus Koppenhöfer mit hoch erhobener Hand, den Kopf weit
in den Nacken gelehnt. Unter ihm ein meterhohes Gerüst, über ihm zu
restaurierende Decken historischer Räume. Wochen bis Monate verbringt der
Kirchenmaler dort mit Reinigungs- und Wiederherstellungsarbeiten, um Kunstwerke
von Patina zu befreien und ihnen ihre Faszination zurückzugeben.
In Calw ist Markus Koppenhöfer geboren, in der Pfalz erlernte der Sohn
einer evangelischen Pfarrersfamilie den Maler- und Lackiererberuf. Sein
Lehrmeister war begeisterter Kirchenmaler, der den Lehrbub "infizierte", weshalb
dieser in München seine Meisteraus- bildung zum Kirchenmaler absolvierte.
Die
Ausbildung zum Kirchenmaler
setzt eine handwerkliche voraus. Ist aus dem anfänglichen "Azubi" erst einmal
ein guter Geselle geworden, so stehen ihm in Deutschland die Meisterschulen in
München und Augsburg offen. Wer den Beruf des Restaurators anstrebt, schlägt
dagegen den akademischen Weg ein. Alte Handwerkstechniken bestimmen Koppenhöfers
Berufsalltag, Vergolden, Marmorieren, Schablonieren, Fasstechniken, von Holz-
und Steinskulptur bis Wandmalerei. Seine Arbeitsumfeld ist oft staub- und
gelegentlich lärmbelastet durch gleichzeitig laufende Bohrer, Schleifmaschinen
und Sägen. Auch werden die zu bearbeitenden Objekte keineswegs auf der Werkbank
serviert. 42 Meter Höhe maß seine bislang "erhabenste" Arbeitsstelle im Speyrer
Dom: "Gut, dass ich einigermaßen schwindelfrei bin", schmunzelt er. Und
eigentlich Selbstverständliches gerät hier zur Logistik: "Da müssen das Besorgen
von Essen oder vergessenem Werkszeug, selbst der profane Gang zur Toilette
gründlich vorbereitet werden."
Kalte Umgebung und eine ungewöhnliche Arbeitshaltung
In den meisten Kirchen herrschen recht niedrige Temperaturen bis an die
Null-Grad-Grenze, "erst wenn der Sumpfkalk gefriert, denkt der Auftraggeber auch
an den arbeitenden Menschen!". Schließlich erfordern seine ungewöhnlichen
Arbeitshaltungen eine gute körperliche Konstitution und Kondition, wofür er sich
mit Ausgleichssport und entspannender Sauna fit hält.
Besuchern, die den handwerklichen Künstler bei seiner Tätigkeit auf dem Gerüst
der
Ohmenkapelle bei Buchenbach
besuchten, bot sich ein nicht alltägliches Bild: Neben dem Arbeitstisch mit fast
30 verschiedenen Lösungsmitteln, einem Riesensortiment an Pinseln, Bürsten,
Vergoldungswerkzeug, Silikatfarben, Zeichenkohle, Schablonen, den
Reinigungsschwämmen, die wie ein Radiergummi wirken, Skalpellen, Sichelmesser,
Stirnlupe und UV-Lampe eine kleine, feine Küche einschließlich Kaffeemaschine.
Wenige Meter entfernt ein Liegestuhl, dazu ein Strahler, aus dem Radio klingen
klassische Töne. "Ein Stück Lebensqualität, die motiviert und entspannt",
kommentiert Koppenhöfer. Doch der Liegestuhl dient nicht nur dem angestrengten
Rücken zur Entlastung, sondern der intensiven Betrachtung der Objekte und er
gilt der Herstellung der unersetzlichen Fotodokumentation seiner Arbeit. Fünf
Monate "lebte" er unter der Stuckdecke, Auge in Auge mit Altarspitzen,
Kapitellen und Gemälden.
Ins Schwärmen gerät Markus Koppenhöfer beim Thema Farben. Er favorisiert jene
auf Leim-, Kalk- und Silikatbasis, die aus Wasserglas, Quarzsand und Pottasche
gemischt sind und sich mit dem Untergrund verbinden, versintern, also
physikalische und chemische Reaktionen eingehen. Sie bilden keinen blossen Film
oben auf: "Damit sehen Fassaden wie beispielsweise im Stadtkern von Stein am
Rhein noch heute wie neu aus." Architekturmalerei im Theater der Stuttgarter
Wilhelma, Fresken freilegen und sichern in der Schlosskirche Bad Dürkheim, in
Schloss Ulm-Wiblingen, der Benediktinerkirche Villingen, Raumschale mit
Kreuzgewölben restaurieren in der evangelischen Waiblinger Michaelskirche, in
der staatlichen Kunsthalle in Karlsruhe, im Speyrer Dom, in der ehemaligen
Klosterkirche Obermarchtal/Donau, in barocken und Rokoko-Kirchen Oberschwabens
zeichnen seinen Werdegang. Hausaltäre, Kruzifixe, die Gestaltung von Büroräumen,
etwa wie in der alten Sparkasse in Schallstadt-Mengen in Pompejianisch Rot,
Kalken von Außenfassaden , Holz maserieren. Er arbeitete sowohl auf dem privaten
Bauernhof als auch in den Adelshäusern Thurn und Taxis, von Zeppelin.
Nicht immer nur Kirchen, auch ein Gasthof kann anreizen
Eine Moschee oder Synagoge könnte ihn als nächstes Arbeitsfeld reizen; im
Kontrast dazu eine kreative Kneipe, ein Restaurant, ein Brauereigasthof. "Unser
Beruf erfordert Einfühlungsvermögen, Fingerspitzengefühl, Ausdauer, Geduld und
manuelles Geschick, Handwerk eben", sinniert Koppenhöfer und sein Mienenspiel
spiegelt die Freude daran wider.
Monika Rombach, BZ vom 29.6.2002, www.bzol.de
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