{"id":96594,"date":"2021-12-06T17:41:13","date_gmt":"2021-12-06T16:41:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=96594"},"modified":"2023-01-08T14:57:47","modified_gmt":"2023-01-08T13:57:47","slug":"der-inhabergefuehrte-buchladen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/der-inhabergefuehrte-buchladen\/","title":{"rendered":"Der inhabergef\u00fchrte Buchladen"},"content":{"rendered":"<p>Um den <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/business\/handel\/buchhandel\/\">Buchhandel<\/a> als Dienstleistungssystem beneidet uns die ganze Welt (kaufen Sie mal in GB oder USA ein Buch ein): Ein dichtes Netz von \u00fcber 4.500 zumeist inhabergef\u00fchrten <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/business\/handel\/buchhandel\/buchladen\/\">Buchl\u00e4den<\/a> bietet Fachberatung durch qualifizierte <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/buy-local-buchhandel-regional\/\">Buchh\u00e4ndler<\/a>. Preisbindung sorgt f\u00fcr gleiche Buchpreise \u00fcberall.<!--more--><br \/>\nMit <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/amazon-zerstoert-buchhandel\/\">Amazon<\/a> im Gefolge von <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/amazon-e-book-buch-kulturgut\/\">Internet<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/internet\/e-book\/\">E-Book<\/a> glaubten viele an das Ende des traditionellen Buchhandels. Doch die L\u00e4den vorort setzten &#8211; dem Buch als Kulturgut verpflichtet &#8211; dagegen: Eigener <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/online-bestellen-offline-holen\/\">Online-Shop<\/a>. Lieferung genauso schnell wie <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/business\/handel\/online-handel\/\">Amazon<\/a>. Das zur Ansicht bestellte Buch erst mal durchbl\u00e4ttern (die Haptik machts), Schm\u00f6kern, Autoren-Lesungen, Events, Kinderleseecke, einen Kaffee und ein nettes Gespr\u00e4ch &#8211; all dies kann der US-Versender nicht bieten.<br \/>\n.<br \/>\nDer Unkenruf von 2015 <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/amazon-zerstoert-buchhandel\/\">&#8222;Amazon zerst\u00f6rt den Buchhandel&#8220;<\/a> bewahrheitete sich nicht &#8211; bzw. noch nicht, denn immer mehr Buchh\u00e4ndler f\u00fchlen sich zum linkslastigen Erzieher, besorgten Bewerter bzw. Anh\u00e4nger des <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/nudging\/\">Nudging<\/a> berufen. Versuchen Sie mal, ein Buch des Stanford-Professors <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/corona-prof-ioannidis-hat-recht\/\">John Joannidis<\/a>, in wissenschaftlichen Fachzeitschriften am h\u00e4ufigsten zitierter Epidemologe weltweit, oder von <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/sieferle\/\">Rolf Peter Sieferle<\/a> zu bestellen. Statt einer sachlich neutralen Beratung ohne Ansehen des Verfassers kommt ggf. der erstaunte, aber nat\u00fcrlich gut gemeinte Vorwurf &#8222;Was, den lesen Sie?&#8220; entgegen.<\/p>\n<p>Der Buchhandel war schon immer eher politisch links orientiert, gleichwohl gab es alle rechten Titel. Aber seitdem das <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/linke\/\">Links-sein<\/a> die <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/kulturverlust\/woke\/\">woke<\/a> Gesinnung mitsamt <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/kulturverlust\/cancelculture-literatur\/\">Cancel Culture<\/a> bzw. Ausgliederung abweichender Meinung gut hei\u00dft und der kleine Buchh\u00e4ndler um die Ecke sich konsequent auf dieser richtigen, sprich linken Seite w\u00e4hnt, meidet die nicht-woke Leserschaft die kleinen inhabergef\u00fchrten Buchgesch\u00e4fte mehr und mehr und kauft stattdessen lieber im Internet bei Amazon. Der Tenor: &#8222;Ich hasse diese Internet-Krake, aber ich werde bei Amazon wenigstens nicht politisch indoktriniert&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Fazit: Wenn immer mehr kleine inhabergef\u00fchrte Buchl\u00e4den aufgeben, dann liegt dies nicht nur an Internet und Amazon, sondern auch an der Weigerung der Buchh\u00e4ndler, ihren Kunden als m\u00fcndigen B\u00fcrger zu akzeptieren, der seine Meinung gerne auf Bases frei gew\u00e4hlter Buchlekt\u00fcre selbst bilden m\u00f6chte und kann.<\/strong><br \/>\nGro\u00dfen Buchhandlungen wie Hugendubel, Thalia, Lehmkuhl u.a. wird das woke Entfernen nicht-linker B\u00fccher aus dem Sortiment sowie das Abraten bzw. Verschweigen von Literatur jenseits des <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/political-correctness\/\">politisch korrekten<\/a> Meinungskorridors langsam <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/linke-contra-lifestyle-linke-pmc\/\">unheimlich<\/a>. Siehe dazu das SZ-Interview mit der M\u00fcnchner Buchhandlung Lehmkuhl &#8222;Buchhandlungen sollten Orte f\u00fcr Debatten sein&#8220; unten.<br \/>\n6.12.2021<br \/>\n.<\/p>\n<p><strong>Abgesagte Lesung: &#8222;Niemand will mehr miteinander sprechen&#8220;<\/strong><br \/>\nDie Kolumnistin und Buchautorin Margarete Stokowski hat eine Lesung in der renommierten M\u00fcnchner Buchhandlung Lehmkuhl abgesagt, weil dort B\u00fccher des rechten Antaios-Verlags verkauft werden. Daraufhin erkl\u00e4rte der Lehmkuhl-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Michael Lemling: &#8222;Wer sich gegen Rechts engagiert, sollte wissen, was Rechte denken und lesen, wie sie argumentieren.&#8220; Ein Anruf in der Buchhandlung.<br \/>\non<br \/>\nHerr Lemling, Ihre Stellungnahme liest sich wie ein Essay. Worum geht es Ihnen?<br \/>\nMichael Lemling: Wir beobachten, dass die Debatten, die wir auf den Buchmessen erlebt haben, jetzt in den Buchhandlungen ankommen, sobald man politische Veranstaltungen macht. K\u00fcrzlich hat die Berliner Buchhandlung &#8222;Montag&#8220; den stellvertretenden Politikchef vom Focus, Alexander Wendt, eingeladen, weil er ein Buch \u00fcber Drogen geschrieben hat. Dann haben sie festgestellt, dass er die &#8222;Charta 2017&#8220; und die &#8222;Erkl\u00e4rung 2018&#8220; unterschrieben hatte, und ihn blitzschnell wieder ausgeladen. Bei uns ist es jetzt andersherum, aber im Grunde \u00e4hnlich: Niemand will mehr miteinander sprechen.<br \/>\n&#8230;.<br \/>\nWas halten Sie von der Normalisierungsthese, nach der rechte Positionen wieder salonf\u00e4hig werden, wenn sie in einer Buchhandlung wie Ihrer vorkommen?<br \/>\nLemling: Das Argument kenne ich schon von vor 30 Jahren. Aber erstens sind wir bei Lehmkuhl nicht in der Position, gesellschaftliche Gruppen auf- oder abzuwerten. Und zweitens glaube ich, dass wir dringend wissen m\u00fcssen, wie diese Leute denken und argumentieren, sonst ist die Debatte so hilflos, wie wir es gerade erleben. <em><strong>Das ist mir auch deshalb so wichtig, weil die Rechten heute nicht mehr so dumpf sind wie vor 30 Jahren. G\u00f6tz Kubitschek und seine Autoren fordern einen richtig heraus. Die haben Gramsci, Carl Schmitt und Ernst J\u00fcnger gelesen, sie diskutieren Marx von rechts und schreiben Artikel auf einem Niveau, bei dem man erst mal ins Schleudern kommt. Das Wort vom Rechtsintellektuellen ist da schon richtig.<\/strong><\/em> Die haben auch eine Lesebegeisterung, die manchen Linken heute abgeht. So kommen wir nicht weiter. Deshalb finde ich, dass wir sie genau studieren sollten.<br \/>\n&#8230; Alles vom 5.11.2018 zu &#8222;&#8220;Niemand will mehr miteinander sprechen&#8220; bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/lesung-stokowski-muenchen-1.4197825\">https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/lesung-stokowski-muenchen-1.4197825<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um den Buchhandel als Dienstleistungssystem beneidet uns die ganze Welt (kaufen Sie mal in GB oder USA ein Buch ein): Ein dichtes Netz von \u00fcber 4.500 zumeist inhabergef\u00fchrten Buchl\u00e4den bietet Fachberatung durch qualifizierte Buchh\u00e4ndler. 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