{"id":9445,"date":"2012-08-18T22:30:33","date_gmt":"2012-08-18T20:30:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=9445"},"modified":"2012-08-23T17:44:48","modified_gmt":"2012-08-23T15:44:48","slug":"wir-werfen-50-aller-lebensmittel-auf-den-muell-hunger-ringsum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wir-werfen-50-aller-lebensmittel-auf-den-muell-hunger-ringsum\/","title":{"rendered":"Wir werfen 50 % aller Lebensmittel auf den Muell &#8211; Hunger ringsum"},"content":{"rendered":"<p>50 % aller Lebensmittel landen in Europa und USA auf dem <a title=\"Abfall\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/umwelt\/abfall\/\">M\u00fcll<\/a>. 40 % aller <a title=\"Ernaehrung\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/ernaehrung\/\">Nahrungsmittel<\/a> verrotten in den Entwicklungsl\u00e4ndern mangels Speicher- und Transportm\u00f6glichkeiten. Millionen Hektar<a title=\"Getreide\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/ernaehrung\/getreide\/\"> Ackerland <\/a>in der 3. Welt dienen allein dem Anbau von Futtermittel f\u00fcr unser Vieh und fehlen dort zur Ern\u00e4hrung der hungernden Bev\u00f6lkerung. \u00dcber 30% der <a title=\"Mais\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/ernaehrung\/getreide\/mais\/\">Maisernte<\/a> wird in den USA zur Benzinherstellung verwendet und daran soll sich auch 2012 trotz D\u00fcrre und Mi\u00dfernte nichts \u00e4ndern. <!--more-->Wie soll man\u00a0dieser Verschwendung begegnen? Ein paar tausend Jahre warten, bis sich die Menschheit qua Evolution an die Nahrungsf\u00fclle angepasst hat? Ern\u00e4hrungsforscher und der gesunde Menschenverstand fordern das Gegenteil: die menschliche Anpassungsf\u00e4higkeit mobilisieren, indem wir\u00a0a) die\u00a0Verh\u00e4ltnisse und b) unser Verhalten \u00e4ndern.<br \/>\na) Zw\u00e4nge mit Regeln einf\u00fchren: Agrarsubventionen f\u00fcr landwirtschaftliche Gro\u00dfbetriebe stoppen. Warum nicht eine Schokoriegelsteuer einf\u00fchren, \u00e4hnlich wie die Tabaksteuer? Oder Fernseher herstellen, die man nur mit dem Hometrainer starten kann? Oder eine hohe Biom\u00fcllsteuer erheben auf Lebensmittelabf\u00e4lle?<br \/>\nb) Weitaus schwieriger ist es, unser individuelles Verhalten zu \u00e4ndern. Wir gehen abends mit Freunden &#8222;nett essen&#8220; und ordnen &#8222;Essen&#8220; als zwar ungesund, aber \u00e4u\u00dferst angenehm ein. Alles was mit &#8222;Ern\u00e4hrung&#8220; zu tun hat gilt hingegen als gesund und langweilig fade. Wir m\u00fcssten also in unserem\u00a0Gehirn einen Schalter umpolen, so dass wir sagen k\u00f6nnten, heute abend mit Freunden &#8222;nett ern\u00e4hren&#8220; zu gehen.<\/p>\n<p>Wir essen zu viel, auch zu viel Fleisch, auch weil es zu billig ist. Der durchschnittliche Konsum pro Kopf und Jahr ist mit 88 kg Fleisch und 214 Eiern sehr hoch: Jeder Deutsche vertilgt also jeden Tag ca 250 Gramm Fleisch und 2\/3 eines Eis. Durch EU-Subventionen zur F\u00f6rderung der Massentierhaltung werden die Fleischpreise tief gehalten. Zwei Forderungen der \u00f6kologischen Landwirtschaft: 1. Subventionen stoppen und 2. Die Preise m\u00fcssen zuk\u00fcnftig die &#8222;\u00f6kologische Wahrheit&#8220; ausdr\u00fccken, das hei\u00dft, die versteckten Kosten der Umwelt- und Klimazerst\u00f6rung n\u00fcssen in die Preise eingerechnet werden. Das Fleisch w\u00fcrde teurer, der Konsum zur\u00fcckgehen. F\u00fcr den Agrarwissenschaftler Felix zu L\u00f6wenstein\u00a0als Vertreter des \u00d6kolandbaus gilt: Die industrialisierte Landwirtschaft ist ein Auslaufmodell, das sich die Welt zuk\u00fcnftig nicht mehr leisten kann. Sie h\u00e4ngt am Tropf des billigen Erd\u00f6ls und st\u00f6\u00dft enorme Mengen an klimarelevanten Gasen aus. Pestizide und Kunstd\u00fcnger belasten das Grundwasser, verschmutzen Fl\u00fcsse und Meere, bedrohen die Artenvielfalt. Zudem f\u00fchrt ihr Einsatz auf lange Sicht zur Verarmung der B\u00f6den.<br \/>\nDer \u00f6kologische Landbau hingegen f\u00f6rdert die Bodenfruchtbarkeit, sch\u00fctzt das Klima und\u00a0st\u00fctzt die Biodiversit\u00e4t. Die europ\u00e4ischen \u00d6kolandbauregeln eins-zu-eins auf die Entwicklungsl\u00e4nder zu \u00fcbertragen, w\u00e4re unsinnig &#8211; man mu\u00df die reichen, jahrhundertealten Erfahrungen der Bauern vor Ort aufgreifen und\u00a0\u00f6kologisch intensivieren. Dazu nennt L\u00f6wenstein ein Beispiel von den Philippinen: Mehr als eine Million Reisbauern unterst\u00fctzen dort die der Masipag-Bewegung,\u00a0um gemeinsam mit Agrarforschern alte Reissorten zu\u00a0sammeln,\u00a0weiter zuz\u00fcchten und dann ohne\u00a0\u00a0Kunstd\u00fcngereinsatz sogar h\u00f6here Ertr\u00e4ge zu erzielen als die Hochertragssorten der &#8222;Gr\u00fcnen Revolution&#8220;.<\/p>\n<p><em>Felix zu L\u00f6wenstein: Food Crash. Wir werden uns \u00f6kologisch ern\u00e4hren oder gar nicht mehr<\/em><br \/>\n<em>Pattloch Verlag M\u00fcnchen 2011<\/em><br \/>\n<em>320 Seiten, 19,99 Euro<\/em><br \/>\n<em>L\u00f6wenstein ist im Pr\u00e4sidium von <a href=\"https:\/\/www.naturland.de\">www.naturland.de<\/a><\/em><br \/>\n<em>L\u00f6wenstein ist aktiv im Bund \u00f6kologische Lebensmittelwirtschaft BOEL <a href=\"https:\/\/www.oekolandbau.de\">www.oekolandbau.de<\/a> <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>50 % aller Lebensmittel landen in Europa und USA auf dem M\u00fcll. 40 % aller Nahrungsmittel verrotten in den Entwicklungsl\u00e4ndern mangels Speicher- und Transportm\u00f6glichkeiten. Millionen Hektar Ackerland in der 3. Welt dienen allein dem Anbau von Futtermittel f\u00fcr unser Vieh &hellip; <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wir-werfen-50-aller-lebensmittel-auf-den-muell-hunger-ringsum\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[52,154],"tags":[169],"class_list":["post-9445","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-einewelt","category-ernaehrung","tag-mull"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9445","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9445"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9445\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9445"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9445"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9445"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}