{"id":90271,"date":"2021-04-30T19:59:49","date_gmt":"2021-04-30T17:59:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=90271"},"modified":"2021-04-30T20:11:38","modified_gmt":"2021-04-30T18:11:38","slug":"freiheit-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/freiheit-in-deutschland\/","title":{"rendered":"Freiheit in Deutschland"},"content":{"rendered":"<p><em>&#8222;W\u00fcrde sich mancher der eigenen Geschichte entfremdete Deutsche unsere Tradition der Freiheit klarmachen, k\u00f6nnte er vielleicht wieder einen Patriotismus empfinden \u2013 der niemandem schadet, aber gegen Entwurzelung und Dekonstruktion sch\u00fctzt.&#8220;<\/em> Dieser Satz erinnert, da\u00df wir seit \u00fcber 70 Jahre in Frieden und Freiheit leben &#8211; <!--more-->eine <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/freiheit\/freiheitsrechte\/\">Freiheit<\/a>, die nicht selbstverst\u00e4ndlich ist, aber aus der wir Mut und Zuversicht sch\u00f6pfen k\u00f6nnen. Dieser Satz ist vielleicht der Schl\u00fcsselsatz des gerade erschienenen Buchs &#8222;Freiheit in Deutschland&#8220;, in dem Gerd Habermann die <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/deutsche-kultur\/\">deutsche<\/a>\u00a0<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur-und-zivilisation-erhalten\/\">Kultur<\/a> nicht als Abfolge von Kriegen beschreibt, sondern als Proze\u00df der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/freiheit\/freiheitsrechte\/\">Freiheitssuche<\/a>.<br \/>\n.<br \/>\nAuf unsere <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/freiheitliche-grundordnung\/\">freiheitlich-demokratische Grundordnung<\/a> k\u00f6nnen wir stolz sein. Habermann wagt sogar, das Wort <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/patriotismus\/\">&#8222;Patriotismus&#8220;<\/a> auszusprechen: Ein Patriot tut alles f\u00fcr das eigene Land, ohne gleichzeitig andere L\u00e4nder geringzusch\u00e4tzen. Im Gegensatz zum <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/nationalismus\/\">Nationalisten<\/a>, der in Gefahr ist, das eigene Land \u00fcber andere L\u00e4nder zu erheben.<br \/>\n.<br \/>\nDamit will Habermann auch Mut und Zuversicht all denen machen, die unter dem Gef\u00fchl der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/migration\/entwurzelung\/\">Entwurzelung<\/a> und des <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/kulturverlust\/\">Verlust<\/a> von <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/heimat\/\">Heimat<\/a> leiden. Aufmerksam auf dieses Buch hat mich Roger K\u00f6ppel in seinem t\u00e4glichen 20-min\u00fctigen Daily-Postcast vom 29.4.2021 auf <a href=\"https:\/\/www.weltwoche-daily.ch\">https:\/\/www.weltwoche-daily.ch<\/a>\u00a0gemacht, in dem er das Buch \u00fcber die Geschichte der Freiheit und der Freiheitsrechte in Deutschland derart anpries, da\u00df man glauben k\u00f6nnte, Gerd Habermann sei ein <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/schweiz\/\">Schweizer<\/a>.<br \/>\n30.4.2021<br \/>\n.<br \/>\n<em>Gerd Habermann: Freiheit in Deutschland. Geschichte und Gegenwart,<\/em><br \/>\n<em>Lau-Verlag, Reinbek 2021, gebunden, 284 Seiten, 24 Euro<br \/>\n.<\/em><\/p>\n<p><strong>Gerd Habermann: Freiheit in Deutschland. Geschichte und Gegenwart,<\/strong><br \/>\n<strong>Eine andere Erz\u00e4hlung der deutschen Geschichte<\/strong><br \/>\n<strong>Pflanzet den Freiheitsbaum<\/strong><br \/>\nvon Gerd Habermann<br \/>\nLeider sind viele Deutsche fixiert auf die zentralistische Linie unserer Geschichte, die mit politischer Macht und Gr\u00f6\u00dfe verbunden ist, von den mittelalterlichen Kaisern und K\u00f6nigen an. Es mag ja auch manchem befriedigender scheinen, einem machtvollen politischen Gebilde anzugeh\u00f6ren, als B\u00fcrger oder Untertan eines deutschen Zwergstaates wie Reu\u00df J\u00fcngere Linie oder Schaumburg-Lippe zu sein, deren politische Schw\u00e4che zu Eroberung oder Erpressung herausfordert. Das meinten auch viele Liberale des 19. Jahrhunderts und haben sich so ins Schlepptau eines mephistophelisch-genialen Machtpolitikers wie Bismarck nehmen lassen.<br \/>\nIndessen: Der Aufstieg Preu\u00dfens \u2013 eines aristokratischen Kriegerstaates \u2013 zu Macht und Herrlichkeit, seine sich zugesprochene nationale Mission hat diesen Staat wie die von ihm gewaltsam geeinigte deutsche Nation in den Abgrund gef\u00fchrt. Es hat diesen \u2013 mit einigem Widerstreben K\u00f6nig Wilhelms I. \u2013 angenommenen Auftrag mit seiner Existenz bezahlen m\u00fcssen und zog die ganze Nation bekanntlich mit in den H\u00f6llensturz von 1945.<\/p>\n<p>Preu\u00dfens Gewalt- und Machtpolitik vom 18. Jahrhundert an, ja die Verherrlichung dieser Machtpolitik als \u201eRealpolitik\u201c, die man zur Doktrin erhob, hat uns Deutschen kein Gl\u00fcck gebracht. Kann das im Ernst jemand bezweifeln? Mit der Katastrophe von 1945 schien diese Geschichtslinie und mit ihr das bis dahin tradierte Geschichtsbild erledigt, ohne da\u00df ein anderes an seine Stelle trat. Die Deutschen aber schnitten sich mit dieser Abwendung von ihren eigenen Wurzeln ab. Sie suchten einen Ersatz f\u00fcr das Verlorengegangene in einer Europa-Ideologie, quasi als Reichsersatz, ja als neue Identit\u00e4t. Aber Europa existiert nur in seinen vielf\u00e4ltigen V\u00f6lkern. Es gibt wohl einen europ\u00e4ischen Kultur- und Handelsraum, aber es gibt kein europ\u00e4isches Volk, man ist Europ\u00e4er nur als Franzose, Italiener, Deutscher usw.<\/p>\n<p>Es ist auch kein Fortschritt, den alten Traum von Weltmacht und Imperium nun auf Europa zu \u00fcbertragen, also zu zentralisieren, harmonisieren, nivellieren, homogenisieren. Diese Ambition ist geradezu antieurop\u00e4isch \u2013 und unliberal sowieso, denn Machtzusammenballung statt, sagen wir, Subsidiarit\u00e4t und Machtteilung war noch nie das Programm echter Liberaler, noch abgesehen davon, da\u00df diese Ambition von den anderen Nationen Europas nicht geteilt wird und neue Ressentiments gegen diesen europ\u00e4ischen Musterknaben Deutschland hervorruft.<\/p>\n<p>Seit 1990 gibt es nun wieder einen deutschen Kernstaat, die geographisch stark reduzierte Sch\u00f6pfung Bismarcks wurde wiederhergestellt. Aber seine Bev\u00f6lkerung lebt in einem gebrochenen Verh\u00e4ltnis zu seiner Geschichte. Sie ist historisch entwurzelt und wird so leicht zu Opfern utopischer Schw\u00e4rmereien.<\/p>\n<p>Indessen bietet es sich an, die deutsche Geschichte \u2013 \u201edeutsch\u201c zun\u00e4chst als kultureller Begriff verstanden \u2013 einmal anders zu interpretieren: als Geschichte des Wettbewerbspluralismus, der Dezentralisation und der Freiheit in vielf\u00e4ltigen institutionellen Auspr\u00e4gungen und damit eines gro\u00dfen kulturellen Reichtums. Und dieses von Anfang an.<\/p>\n<p>Schon die Altliberalen des 19. Jahrhunderts bewunderten die \u201ealte deutsche Freiheit\u201c: den germanischen Bauern mit starken Eigentumsrechten und dem Widerstandsrecht gegen eine frei gew\u00e4hlte politische F\u00fchrung. Arminius \u2013 der nicht vollst\u00e4ndig romanisierte Cherusker \u2013 bewahrte die \u00e4u\u00dfere Freiheit einiger, m\u00fchsam koalierter germanischer V\u00f6lker und verhinderte so die Ausdehnung der r\u00f6mischen B\u00fcrokratie bis zur Elbe. Er wurde mit erst 37 Jahren von seinen Verwandten get\u00f6tet, als er die zentrale K\u00f6nigsherrschaft f\u00fcr sich anstrebte.<\/p>\n<p>In sp\u00e4tr\u00f6mischer Zeit wurden die germanischen Eroberer vielfach als \u201eBefreier\u201c von einer totalit\u00e4r gewordenen B\u00fcrokratie begr\u00fc\u00dft. \u201eDie B\u00fcrger (Roms) suchen bei den Barbaren die Menschlichkeit der R\u00f6mer, weil sie bei den R\u00f6mern die barbarische Unmenschlichkeit nicht ertragen k\u00f6nnen.\u201c So schrieb Salvian, ein christlicher Historiker jener Zeit.<\/p>\n<p>Das \u00e4u\u00dferst dezentralisierte Feudalsystem war der Freiheit nicht ung\u00fcnstig. Diverse Zentralisierungsanl\u00e4ufe mi\u00dflangen. War das nur ein Ungl\u00fcck? Das polyzentrale System ist der Ursprung der sp\u00e4teren deutschen Vielstaaterei bis hin zum heutigen F\u00f6deralismus.<\/p>\n<p>In Ermangelung einer Zentralb\u00fcrokratie und bei fehlender Geldwirtschaft entwickelte sich einige Jahrhunderte sp\u00e4ter zur Beherrschung gro\u00dfer R\u00e4ume das Feudalsystem mit \u00f6konomisch unabh\u00e4ngigen, sich selbst ausr\u00fcstenden Panzerreitern, eine deutsche Erfindung. Man brauchte solch eine Armee von gut trainierten Profis zur Abwehr der angreifenden Araber, Awaren, Ungarn, Wikinger. Dieses \u00e4u\u00dferst dezentralisierte politische System war der Freiheit nicht ung\u00fcnstig, auch wenn es nicht auf Rechtsgleichheit beruhte. Die diversen Zentralisierungsanl\u00e4ufe der deutschen Kaiser und K\u00f6nige wie Karl der Gro\u00dfe oder Otto I. oder sp\u00e4ter der Salier und Staufer mi\u00dflangen: War das nur ein Ungl\u00fcck? Dieses polyzentrale System ist der Ursprung der sp\u00e4teren deutschen Vielstaaterei bis hin zum heutigen F\u00f6deralismus.<\/p>\n<p>Ein besonderer Stolz der Deutschen war mit Recht die St\u00e4dtekultur des Mittelalters, dreitausend St\u00e4dterepubliken \u2013 freilich manchmal eher D\u00f6rfer \u2013 mit einer wehrhaften b\u00fcrgerlichen Bev\u00f6lkerung, von deren Selbstbewu\u00dftsein und gro\u00dfem Sinn bis heute die gewaltigen Kirchen, Rath\u00e4user, Speicher, Stadtmauern und T\u00fcrme zeugen. Man gehe etwa nach L\u00fcbeck, N\u00fcrnberg, K\u00f6ln, Stralsund, um \u00fcberlebende oder wiederhergestellte Monumente dieser gro\u00dfen Zeit zu bewundern.<br \/>\nDie vielen St\u00e4dteb\u00fcnde (der ber\u00fchmteste die deutsche Hanse mit ihren \u00fcber 200 Mitgliedern) fa\u00dften auch ohne Zentralb\u00fcrokratie \u2013 genossenschaftlich \u2013 die Kr\u00e4fte zusammen, und so konnten sich die freien oder Reichsst\u00e4dte mehrere Jahrhunderte behaupten. Der Freiheitskampf der B\u00fcrger gegen F\u00fcrsten und Bisch\u00f6fe, in Schwurbr\u00fcderschaften verbunden, ist imponierend. Es hatte eine \u00e4hnlich gl\u00e4nzende Stadtkultur zuletzt im antiken Griechenland gegeben.<\/p>\n<p>Alpen- und Marschenbauern taten sich ebenfalls in Eidgenossenschaften zusammen \u2013 die Schweiz existiert bis heute; die \u201enordische Schweiz\u201c, die Bauernrepublik Dithmarschen, unterlag 1559 der d\u00e4nischen Territorialmacht. So verdient auch die Freiheitsgeschichte der Bauern eine W\u00fcrdigung.<\/p>\n<p>Auf der Basis von St\u00e4dteb\u00fcnden und Bauerngenossenschaften h\u00e4tte sich leicht eine nationale Republik entwickeln k\u00f6nnen. Besonders der Bauernkrieg von 1525 mit der grausamen Niederlage der Bauern beendete diese Hoffnungen. Martin Luther spielte dabei eine dubiose Rolle. Luther hat durch seine religi\u00f6se Sezession das r\u00f6mische Glaubensmonopol gebrochen, aber dadurch eher indirekt die (religi\u00f6se) Freiheit gef\u00f6rdert, denn er selbst war eher ein religi\u00f6ser Fundamentalist als ein liberaler Geist wie sein Zeitgenosse Erasmus.<\/p>\n<p>Die deutsche Vielstaaterei, ein Ergebnis feudaler Machtzersplitterung, gilt manchem als originellste politische Leistung der Deutschen. Es gab am Ende des 18. Jahrhunderts etwa 1.800 selbst\u00e4ndige politische Gebilde: die bekannten gr\u00f6\u00dferen Territorialstaaten wie Preu\u00dfen oder \u00d6sterreich standen neben Priesterstaaten (Abteien, Bist\u00fcmern), den vielen Miniatur-Ritterstaaten und sogar unabh\u00e4ngigen Reichsd\u00f6rfern wie Sulzbach oder Gochsheim, schlie\u00dflich sogar \u201eFrauenstaaten\u201c, die reichsunmittelbaren Damenstifte wie Gernrode, Quedlinburg oder Herford.<\/p>\n<p>Der Wettbewerb der vielen Machtzentren schuf Optionen f\u00fcr Freiheit (\u201eStadtluft macht frei\u201c), und \u00e4hnlich auch die Binnen- und die Ostkolonisation des Mittelalters. \u201eWaldluft macht frei\u201c. Nicht als Staatskolonisation wie sp\u00e4ter in Preu\u00dfen, sondern als Ergebnis von Unternehmerinitiative (\u201elocatores\u201c).<\/p>\n<p>Die kleinstaatliche Welt des 18. und 19. Jahrhunderts bot viele Gelegenheiten zum \u00f6konomischen und politischen Experimentieren \u2013 man denke an den zauberhaften \u201eGartenstaat\u201c Anhalt-Dessau \u2013 und f\u00f6rderte trotz noch fehlendem Freihandel die Verbreitung von Kunst, Bildung und Wissen. Zur Machtpolitik waren diese Gebilde nicht imstande, also setzten sie ihren Ehrgeiz in die Kulturf\u00f6rderung. Sachsen-Weimar zur Goethe\u00adzeit ist nur das bekannteste Beispiel. Auch das vielgescholtene Preu\u00dfen hat seine Freiheitstraditionen, zum Beispiel die Ans\u00e4tze zum Rechtsstaat, zur Verwaltungsgerichtsbarkeit unter Friedrich dem Gro\u00dfen (wie sogar Friedrich August von Hayek hervorhebt), sp\u00e4ter die liberal revolutionierende B\u00fcrokratie unter dem Freiherrn vom Stein, einem Reichsritter, und dem F\u00fcrsten Hardenberg.<\/p>\n<p>Der vielgeschm\u00e4hte \u201eManchesterliberalismus\u201c brachte den wirtschaftlichen Aufstieg des \u201ekleinen Mannes\u201c und seiner \u201ekleinen Frau\u201c. \u00dcberall, wo er hinkam, \u00fcberwand er die Armut. Man mu\u00df hier nicht die m\u00e4chtige liberale B\u00fcrgerbewegung des 19. Jahrhunderts schildern, mit der Revolution von 1848 und sp\u00e4ter mit M\u00e4nnern wie Ludwig Bamberger oder Eugen Richter. Zwischen 1815 und 1914 vollzog sich ein gewaltiger Aufstieg in den deutschen Landen. Die Bev\u00f6lkerung verdreifachte sich, lebte l\u00e4nger und besser als jemals zuvor.<\/p>\n<p>Auch im 20. Jahrhundert waren die Deutschen nicht jene willige Hammelherde, die man in Krieg und Untergang f\u00fchren konnte. Die Widerstandsbewegung im sogenannten Dritten Reich war umfassend, vier Millionen Deutsche gingen durch die Lager. Am 20. Juli 1944 gelang beinahe ein klug ausgedachter Staatsstreich. M\u00e4nner wie Stauffenberg oder Henning von Tresckow oder die Geschwister Scholl und ihre Freunde sind nicht genug zu r\u00fchmen. Dann die Tage rund um den 17. Juni 1953 mit den Hunderttausenden, die \u00fcberall in der DDR auf die Stra\u00dfe gingen oder in den Betrieben streikten. Und schlie\u00dflich die Revolution im Oktober\/November 1989, diesmal mit gl\u00fccklichem Ende. Auch dies war eine gewaltige Volksbewegung mit vielen Helden und Heldinnen.<\/p>\n<p>Was die Deutschen geistesgeschichtlich in die Tradition der Freiheit eingebracht haben, ist ein eigenes Kapitel: nicht nur Johannes Althusius, Samuel von Pufendorf, Immanuel Kant, sondern auch die deutsche Klassik mit ihrem Pers\u00f6nlichkeitsideal (Goethe, Schiller, von Humboldt). \u201eWerde, der du bist\u201c \u2013 nie ist sch\u00f6ner f\u00fcr das Ideal des freien, moralisch und \u00e4sthetisch kultivierten einzelnen geworben worden, besonders auch in dem ber\u00fchmten Essay von Wilhelm von Humboldt \u201eIdeen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen\u201c. Einzigartig ist auch die Fundierung der Freiheit durch die \u201e\u00d6sterreichische Schule\u201c der Menger, Ludwig von Mises, Friedrich August von Hayek und durch den Ordoliberalismus, der die institutionellen Voraussetzungen der Freiheit erarbeitete: Walter Eucken, Wilhelm R\u00f6pke (\u201eJenseits von Angebot und Nachfrage\u201c) und dazu das Gnadengeschenk eines Politikers wie Ludwig Erhard, der diese Freiheitsbotschaft unbeirrbar (teilweise) umsetzte.<\/p>\n<p>W\u00fcrde sich mancher der eigenen Geschichte entfremdete Deutsche all dies klarmachen, so k\u00f6nnte er vielleicht wieder zu einer freundlichen Loyalit\u00e4t gegen\u00fcber seiner eigenen Nation zur\u00fcckfinden, einen liberal-konservativen Patriotismus empfinden, der niemandem schadet, aber gegen Entwurzelung und Dekonstruktion sch\u00fctzt. Es ist das \u201eWohlgef\u00fchl des Baumes an seinen Wurzeln\u201c, von dem Friedrich Nietzsche einmal sprach, f\u00fcr das ich hier werben m\u00f6chte.<br \/>\n&#8230; Alles vom 30.4.2021 von Gerd Habermann bitte lesen in der JF, 18\/21, Seite 18<\/p>\n<p><em>Prof. Dr. Gerd Habermann, Jahrgang 1945, ist Wirtschaftsphilosoph, Hochschullehrer und freier Publizist. Seit 2003 lehrt er als Honorarprofessor an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Potsdam. Habermann initiierte die Friedrich- August-von-Hayek-Gesellschaft.<br \/>\n<\/em>\u00a0.<br \/>\nGerd Habermann: Freiheit in Deutschland. Geschichte und Gegenwart,<br \/>\nLau-Verlag, Reinbek 2021, gebunden, 284 Seiten, 24 Euro<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;W\u00fcrde sich mancher der eigenen Geschichte entfremdete Deutsche unsere Tradition der Freiheit klarmachen, k\u00f6nnte er vielleicht wieder einen Patriotismus empfinden \u2013 der niemandem schadet, aber gegen Entwurzelung und Dekonstruktion sch\u00fctzt.&#8220; Dieser Satz erinnert, da\u00df wir seit \u00fcber 70 Jahre in &hellip; <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/freiheit-in-deutschland\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18,100,195,235,139,155,98],"tags":[633,26,682,724,722,175,631],"class_list":["post-90271","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bildung","category-buch","category-eu","category-geschichte","category-heimat","category-integration","category-literatur","tag-demokratie","tag-deutsch","tag-freiheit","tag-heimat","tag-literatur","tag-ortsgeschichte","tag-staat"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/90271","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=90271"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/90271\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":90276,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/90271\/revisions\/90276"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=90271"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=90271"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=90271"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}