{"id":88808,"date":"2021-03-15T21:18:15","date_gmt":"2021-03-15T20:18:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=88808"},"modified":"2021-03-15T21:20:37","modified_gmt":"2021-03-15T20:20:37","slug":"presseclub-quoten-gesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/presseclub-quoten-gesellschaft\/","title":{"rendered":"Presseclub Quoten-Gesellschaft"},"content":{"rendered":"<p>Linke <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/identitaetspolitik\/\">Identit\u00e4tspolitik<\/a> will randst\u00e4ndigen Gruppen eine Stimme zu geben, auch \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/frauen\/gender\/\">Gender<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/quoten\/\">Quoten<\/a>. <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/identitaetspolitik-spaltet-unser-d\/\">Wolfgang Thierse (SPD)<\/a> bef\u00fcrchtet, da\u00df dieses an sich sympathische Ziel von seiner Partei derzeit in einer Vehemenz und Dominanz verfolgt wird, die zu sozialer <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/spaltung\/\">Fragmentierung<\/a> der Gesellschaft, <!--more-->Untergrabung demokratische Grundwerte und Vernachl\u00e4ssigung der SPD-Clientel f\u00fchrt.<br \/>\n.<br \/>\nDer Presseclub am 14.3.2021 geht auf diese Thematik unter dem Titel &#8222;Kampf um Anerkennung &#8211; Sprengstoff f\u00fcr unsere <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/pluralismus\/\">plurale Gesellschaft<\/a>?&#8220; ein. Welch eine positive \u00dcberraschung: Entgegen der sonst eher langweiligen, da einseitig links ausgerichteten <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/talkshow\/\">Talkshow<\/a> entwickelte sich eine kontrovers gef\u00fchrte, interessante Diskussion um das von Wolfgang Thierse angesto\u00dfene Problem der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/identitaetspolitik-spaltet-unser-d\/\">linken Identi\u00e4tspolitik<\/a> der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/vereine\/partei\/spd\/\">SPD<\/a>.<br \/>\nBesonders interessant und deshalb auch auf Twitter h\u00e4ufig kommentiert der verbale Schlagabtausch zwischen Anna Schneider (<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/medienvielfalt\/\">NZZ<\/a>) und Jagoda Marinic im Presseclub (s.u.)<br \/>\n15.3.2021<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Presseclub: <\/strong><br \/>\n<strong>Kampf um Anerkennung &#8211; Sprengstoff f\u00fcr unsere plurale Gesellschaft?<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/youtu.be\/jKuIaSeoyWg\">https:\/\/youtu.be\/jKuIaSeoyWg<\/a><br \/>\nMit der Frauenbewegung hat alles angefangen. Die Homosexuellen waren die n\u00e4chsten, die Gleichberechtigung einforderten. Heute ist die gleichgeschlechtliche Ehe Alltag, keiner regt sich \u00fcber einen schwulen Gesundheitsminister auf. Wichtige Etappensiege auf dem Weg in eine offene, vielf\u00e4ltige demokratische Gesellschaft.<br \/>\nJetzt stehen wir vor einer weiteren Herausforderung: Auch andere benachteiligte Gruppen fordern ihr Recht auf Anerkennung: die queere Community ebenso wie Menschen anderer Herkunft und Hautfarbe. Doch wie weit sollten diese berechtigten Forderungen gehen? M\u00fcssen wir unsere Sprache, Kunst und Literatur einer gr\u00fcndlichen Revision unterziehen, um sie von Rassismus und Postkolonialismus zu befreien? Ist das Gendersternchen Ausdruck \u00fcberspannten Denkens oder ein Muss, weil Sprache Bewusstsein formt? Kann nur eine schwarze Deutsche Texte der schwarzen US-Lyrikerin Amanda Gorman \u00fcbersetzen, die seit Bidens Amtsantritt ber\u00fchmt geworden ist?<br \/>\nDie Auseinandersetzung um Identit\u00e4tspolitik hat derart Fahrt aufgenommen, dass sie jetzt die SPD ersch\u00fcttert hat.<\/p>\n<p>Ausl\u00f6ser: Ex-Bundestagspr\u00e4sident Thierse hatte davor gewarnt, dass der erbitterte Streit \u00fcber Rassismus, Postkolonialismus und Genderthemen die Gesellschaft zu spalten drohe.<br \/>\nDie (berechtigten) Forderungen benachteiligter Minderheiten d\u00fcrften nicht die Rechte der Mehrheitsgesellschaft aus dem Blick verlieren. Wenn diese per se als rassistisch und reaktion\u00e4r beschimpft w\u00fcrde, sei das genauso inakzeptabel. Nicht nur Minderheiten h\u00e4tten Rechte, sondern auch die Mehrheit.<br \/>\n.<br \/>\nHat Wolfgang Thierse Recht oder ist das die r\u00fcckw\u00e4rtsgewandte Haltung eines \u201calten, wei\u00dfen Mannes\u201d? Wer bestimmt den Diskurs und wer hat die Deutungshoheit? Die Befindlichkeiten der Opfer, die sich diskriminiert f\u00fchlen oder die Mehrheitsgesellschaft?Dar\u00fcber diskutiert ARD-Programmdirektor Volker Herres mit den G\u00e4sten:<br \/>\n&#8211; Mohamed Amjahid, freier Journalist<br \/>\n&#8211; Jochen Bittner, DIE ZEIT<br \/>\n&#8211; Jagoda Marini\u0107, Kolumnistin<br \/>\n&#8211; Anna Schneider, Neue Z\u00fcrcher Zeitungtv<br \/>\n<a href=\"https:\/\/youtu.be\/jKuIaSeoyWg\">https:\/\/youtu.be\/jKuIaSeoyWg<\/a><br \/>\n&#8230; Alles vom 14.3.2021 bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.phoenix.de\/sendungen\/gespraeche\/presseclub\/kampf-um-anerkennung---sprengstoff-fuer-unsere-plurale-gesellschaft-a-2028295.html\">https:\/\/www.phoenix.de\/sendungen\/gespraeche\/presseclub\/kampf-um-anerkennung&#8212;sprengstoff-fuer-unsere-plurale-gesellschaft-a-2028295.html<\/a><br \/>\n.<br \/>\n<strong>Schlagabtausch zwischen Anna Schneider und Jagoda Marinic auf\u00a0 Twitter<\/strong><br \/>\n<em>Wie sollten Menschen mit unterschiedlichen Hautfarben, Geschlechtern und religi\u00f6sendemo Zugeh\u00f6rigkeiten im Bundestag repr\u00e4sentiert sein? Durch Quoten?<\/em><br \/>\n<em>Ein Schlagabtausch zwischen @a_nnaschneider und @jagodamarinic im #presseclub.<\/em><br \/>\n<em><a href=\"https:\/\/twitter.com\/i\/status\/1371117173507260419\">https:\/\/twitter.com\/i\/status\/1371117173507260419<\/a> <\/em><br \/>\n<em>4:13 nachm. \u00b7 14. M\u00e4rz 2021<\/em><br \/>\n.<br \/>\n<em>Schlagabtausch\/Dialog im Text:<\/em><br \/>\n<em>Anna Schneider: &#8222;Ich glaube, es ist das Ziel aller, da\u00df wir in einer gleichberechtigten Gesellschaft leben und da\u00df alle dieselben Chancen haben. Aber es ist eine andere Frage, wie man repr\u00e4sentiert wird. Also schauen sie sich bitte den Bundestag an. Ich glaube nicht, da\u00df wir da bald <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/quoten\/\">Quoten<\/a> bekommen, die wirklich auch den Hauptfarben, Geschlechtern und religi\u00f6sen Zugeh\u00f6rigkeiten entsprechen, und das ist gut so. Es kommt darauf an, was ein Mensch im Kopf hat, und nicht, was seine \u00e4u\u00dferen Merkmale sind. Und ich finde auf diese ganz einfache Wahrheit sollte man sich auch einigen k\u00f6nnen.&#8220;<\/em><br \/>\n<em>Marinic: &#8222;W\u00e4re es f\u00fcr Sie auch OK, wenn nur M\u00e4nner im Parlament w\u00e4ren, heute noch?&#8220;<\/em><br \/>\n<em>Schneider: &#8222;Absolut!&#8220; <\/em><br \/>\n<em>Marinic: &#8222;Na gut. Dann ist Okay, dann m\u00fcssen wir auch nicht weiter diskutieren.&#8220;<\/em><br \/>\n<em>Schneider: &#8222;Wieso?&#8220;<\/em><br \/>\n<em>Marinic: &#8222;Wenn es auch okay w\u00e4re, wenn auch M\u00e4nner in der Gesellschaft nur im Parlament sind, die gemischt ist, dann ist das ja eine Setzung, die hat mit Demokratie nichts zu tun. Das haben wir ja vor hundert Jahren erstritten. Dar\u00fcber m\u00fcssen wir ja heute nicht mehr streiten.&#8220;<\/em><br \/>\n<em>Schneider: &#8222;Das stimmt nicht ! Wir haben vor 100 Jahren erstitten, da\u00df Frauen dieselben Rechte haben, aber wirklich auch gew\u00e4hlt werden k\u00f6nnen. Sollte es sich ergeben, da\u00df wirklich nur M\u00e4nner antreten, die meine Ansicht vertreten, dann ist das gut so. Mich kann ein &#8211; um dieses h\u00e4ssliche Chriffre zu verwenden &#8211; alter wei\u00dfer Mann genauso gut vertreten wie eine junge schwarze Frau. Es ist mir tats\u00e4chlich egal. Und das sollte es auch sein.&#8220;<\/em><br \/>\n.<\/p>\n<p>Drei Kommentare auf Twitter:<br \/>\nDie Vorstellung der Quoten geht nicht mehr aus den K\u00f6pfen. Man hat Tor und T\u00fcr f\u00fcr die Einf\u00e4ltigkeit ge\u00f6ffnet. Menschen die von Gleichberechtigung reden und die Menschen nach Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft separieren. Fr\u00fcher waren das Rassisten, heute \u201ewokes\u201c linkes B\u00fcrgertum.<br \/>\n14.3.2021, Fabian<br \/>\nFrau Marinics Versuch, die Diskussion abzuw\u00fcrgen, weil ihr Frau Schneiders Meinung nicht passte, beweist das antidemokratische Verhalten der &#8222;Generation Beleidigt&#8220;: &#8222;Wenn Sie *dieser* Meinung sind, k\u00f6nnen wir die Diskussion gleich seinlassen.&#8220; H\u00f6re hier:<br \/>\n14.3.2021, K.ST<br \/>\nProporz? Bei welchen Kriterien w\u00fcrde das enden? Beim IQ? Besitz? Berufsgruppe? Anteil an Straft\u00e4tern in der Gesellschaft? Was ist so schlecht daran, die zu w\u00e4hlen, welche man f\u00fcr am f\u00e4higsten h\u00e4lt? Zumindest in der Evolution hat dich dieser Ansatz bew\u00e4hrt.<br \/>\n14.3.2021, MKZ<br \/>\nEnde Kommentare<br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Wolfgang Thierse (SPD) \u00fcber Identit\u00e4tspolitik: \u201eZiemlich demokratiefremd\u201c<\/strong><br \/>\nWolfgang Thierse: Meine Beobachtung ist folgende. Wir leben in einer wahrlich pluralen Gesellschaft \u2013 ethnisch-kulturell, religi\u00f6s-weltanschaulich, kulturell-sozial. Dieses Zusammenleben funktioniert nur, wenn wir erstens Ja sagen zu dieser Vielfalt, wenn wir sie akzeptieren \u2013 das ist nicht selbstverst\u00e4ndlich \u2013 und wenn wir zugleich uns M\u00fche geben, an dem Wir zu arbeiten, an den Gemeinsamkeiten, das was uns verbindet. Eine Gesellschaft kann nicht nur funktionieren, wenn die einzelnen Gruppen, wenn die Verschiedenen nur auf ihrer Verschiedenheit bestehen, auf ihrer Identit\u00e4t, dem Nebeneinander oder Gegeneinander von berechtigten Gruppeninteressen und Ansichten, sondern wenn wir uns immer wieder neu der M\u00fche unterziehen, das Gemeinsame in unseren Vorstellungen von Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarit\u00e4t, Menschenw\u00fcrde zu finden, auch in dem, was geschichtlich gepr\u00e4gte kulturelle Normen, Erinnerungen, Traditionen sind. Darauf m\u00fcssen sich die Anstrengungen richten, und mein Eindruck ist, dass das gegenw\u00e4rtig viel weniger passiert, als es notwendig ist, dass viel sch\u00e4rfer die Identit\u00e4t hervorgehoben wird, das Gegeneinander, mit einer Radikalit\u00e4t und Engf\u00fchrung, die etwas Be\u00e4ngstigendes hat.<br \/>\n&#8230;<br \/>\nDie Identit\u00e4tspolitik von rechts ist eine Politik, die zu Ausschlie\u00dfung, zu Hass, ja zu Gewalt f\u00fchrt. Und die Identit\u00e4tspolitik von links f\u00fchrt, wenn sie weiter so einseitig und in dieser Radikalit\u00e4t betrieben wird, zu Cancel Culture. Das hei\u00dft, man will sich nicht mehr mit Leuten auseinandersetzen, diskutieren, den Diskurs f\u00fchren, die Ansichten haben, die einem nicht passen. Das ist ziemlich demokratiefremd und, wenn ich das sagen darf, demokratiefeindlich.<br \/>\n&#8230; Komplettes Interview mit Wolfgang Thiese vom 25.2.2021 bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/wolfgang-thierse-spd-ueber-identitaetspolitik-ziemlich.694.de.html\">https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/wolfgang-thierse-spd-ueber-identitaetspolitik-ziemlich.694.de.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Linke Identit\u00e4tspolitik will randst\u00e4ndigen Gruppen eine Stimme zu geben, auch \u00fcber Gender und Quoten. 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