{"id":88144,"date":"2021-02-21T10:19:12","date_gmt":"2021-02-21T09:19:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=88144"},"modified":"2021-02-26T22:03:36","modified_gmt":"2021-02-26T21:03:36","slug":"parteien-mit-realos-und-fundis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/parteien-mit-realos-und-fundis\/","title":{"rendered":"Parteien mit Realos und Fundis"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/volksvertreter-und-demokratie\/\">Demokratie<\/a> braucht <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/opposition\/\">Opposition<\/a>, im <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/parlament\/\">Parlament<\/a> \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/vereine\/partei\/\">Parteien<\/a> und au\u00dferparlamentarisch \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/demonstrationsrecht-ade\/\">Demos<\/a>, Initiativen, &#8230; Auch innerparteilich gibt es <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/demokratie-braucht-opposition\/\">Opposition<\/a>, sie zeigt sich in der Polarisierung von Realos und Fundis. Realos verfolgen eine pragmatische Realpolitik, Fundis orientieren sich <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/ideologie\/\">ideologisch<\/a> streng an den Zielvorgaben ihrer Partei.<br \/>\n.<br \/>\n<!--more-->In der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/vereine\/partei\/cdu\/\">CDU<\/a> haben sich Fundis zur <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/vereine\/partei\/cdu\/werteunion\/\">Werteunion<\/a> zusammengetan, um nach dem von Merkel initiierten politischen Linksrutsch die politische Rechte zu st\u00e4rken.<br \/>\n.<br \/>\nDie Fundis innerhalb der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/links\/\">Linken<\/a> &#8211; Kommunisten, Ex-Stasi bzw. Kader &#8211; werden trotz ihrer Systemgegnerschaft im Bundestag toleriert, um so das gesamte Spektrum linker Stimmen im Parlament abzubilden. Sahra Wagenknecht hat von den Fundis zu den Realos gewechselt, seit sie sich f\u00fcr kontrollierte Grenzen bzw. die Friedman&#8217;sche These &#8222;Entweder Sozialstaat oder offene Grenzen, aber nicht beides&#8220; einsetzt.<br \/>\n.<br \/>\nBei den <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/vereine\/partei\/gruene\/\">Gr\u00fcnen<\/a> hat es viele Jahre gedauert, bis sich die Realos gegen ihre beiden Fundi-Str\u00f6mungen durchsetzen konnten: Gegen die <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/daniel-cohn-bendit-hosenlatz\/\">P\u00e4dophilie-Fundis<\/a> um Daniel Cohn-Bendit und die marxistischen \u00d6ko-Fundis um J\u00fcrgen Trittin. Ulrich Vosgerau beschreibt dies so: &#8222;Die innere Spaltung der Gr\u00fcnen endete, als die Realos Minister wurden. J\u00fcrgen Trittin wurde durch den Anblick des Dienstwagens von Joseph Fischer \u00fcber Nacht vom Kommunismus geheilt.&#8220;<br \/>\n.<br \/>\nWie den Gr\u00fcnen mu\u00df es auch der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/vereine\/partei\/afd\/\">AfD<\/a> gelingen, ihre Fundi-Probleme zu l\u00f6sen &#8211; siehe dazu die Rede des Realos J\u00f6rg Meuthen auf dem AfD-Parteitag in Kalkar am 28.11.2020. Das Problem der AfD als b\u00fcrgerliche <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/konservativ\/\">konservative<\/a> Partei am <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/rechts\/\">rechten Rand<\/a> ist vielschichtig. Dazu nachfolgend die Punkte (1) bis (6 ):<br \/>\n.<br \/>\n<strong><em>(1) Die Demokratie braucht eine rechte Partei wie die AfD<\/em><\/strong><br \/>\nDie folgenden Meinungen werden in der Gesellschaft von zahlreichen B\u00fcrgern vertreten:<\/p>\n<ul>\n<li>&#8222;Die EU kann auf Dauer nur als Verbund souver\u00e4ner Nationalstaaten bestehen&#8220;<\/li>\n<li>&#8222;Entweder Sozialstaat oder Migration \u00fcber offene Grenzen, aber nicht beides (Milton Friedman)&#8220;<\/li>\n<li>&#8222;Eine Energiewende hin zur Nachhaltigkeit ist auf Kernkraft angewiesen (Bill Gates)&#8220;<\/li>\n<li>&#8222;Schutz vulnerabler Gruppen bei Herdenimmunit\u00e4t statt Lockdown-basierte Coronapolitik&#8220;<\/li>\n<li>&#8222;Der Euro setzt eine gemeinsame Fiskal-\/Steuerpolitik voraus.&#8220;<\/li>\n<li>&#8222;Wie in den USA: Kein Land in Europa haftet f\u00fcr die Schulden eines anderen Landes&#8220;<\/li>\n<li>&#8222;B\u00fcrgerbeteiligung durch Elemente der direkten Demokratie&#8220;<\/li>\n<li>&#8222;Deutsches Recht rangiert an erster Stelle&#8220;<\/li>\n<li>&#8222;NGOs durfen nicht vom Staat finanziert und somit zu GOs gemacht werden&#8220;<\/li>\n<li>&#8222;Meinungsfreiheit statt Cancel Culture, Deplatforming, Zensur, Political Correctness&#8220;<\/li>\n<li>&#8222;Das Volk ist der Souver\u00e4n. Deshalb darf die Staatsquote nicht weiter zunehmen&#8220;<\/li>\n<li>&#8222;Die Familie mu\u00df gem\u00e4\u00df GG &#8211; auch bez\u00fcglich <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/frauen\/gender\/\">Gender<\/a> &#8211; als Basis erhalten bleiben&#8220;<\/li>\n<li>&#8222;Die Medien dienen als Vierte Gewalt der Kontrolle der drei anderen Gewalten&#8220;.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Meinungen bzw. Positionen sind legitim. Sie m\u00fcssen auch im <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/bundestag\/\">Bundestag<\/a> geh\u00f6rt und vertreten werden, was derzeit nur \u00fcber die AfD als b\u00fcrgerliche <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/vereine\/partei\/rechtskonservative\/\">konservative Partei<\/a> m\u00f6glich ist. W\u00fcrde man die AfD verbieten, dann w\u00fcrden diese politischen Positionen de fakto als illegitim abgetan werden. Denn:<br \/>\n<em>&#8222;Wo es Links gibt, mu\u00df es auch Rechts geben\u201c<\/em> sagt <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/konservativismus\/\">R\u00fcdiger Safranski<\/a> zum Parlamentarismus in der Demokratie.<br \/>\n.<br \/>\n<strong><em>(2) Die AfD wurde in die Opferrolle gedr\u00e4ngt:<\/em><\/strong><br \/>\nDie AfD wird in und au\u00dferhalb des Parlaments unfair behandelt. Dazu Prof Patzelt (CDU): &#8222;Zweifellos haben sich viele ihrer Gegner von Anfang an unfair zur AfD verhalten. Das begann mit Verleumdungen von Luckes Partei als rechtsextrem, setzte sich fort in der \u2013 oft einer \u201eFeigheit vor dem Feind\u201c gleichenden \u2013 Ausgrenzung von AfD-Vertretern aus Podiumsdiskussionen und Talkshows, zeigt sich im Druck auf Hoteliers und Gastronomen, ja keine AfD-Veranstaltungen zu beherbergen, \u00e4u\u00dfert sich in Gewalttaten gegen AfD-Wahlkampfst\u00e4nde oder AfD-Politiker und m\u00fcndet in unverhohlene Schadenfreude, wann immer AfDler ihre Partei blamieren.&#8220;<br \/>\nGegen keine andere Partei werden so viele <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/krise\/gewalt\/politische-gewalt\/\">politisch motovierte Anschl\u00e4ge<\/a> ver\u00fcbt wie gegen die AfD. Obwohl gr\u00f6\u00dfte Oppositionspartei, wird die AfD von den Medien (privat wie <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/gez-medien\/\">GEZ<\/a>, Print wie <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/talkshow\/\">TV-Talkshows<\/a>) am wenigsten ber\u00fccksichtigt.<br \/>\n<em>\u00a0.<\/em><br \/>\n<strong><em>(3) Die AfD tr\u00e4gt durch provokantes Verhalten eine Mitschuld:<\/em><\/strong><br \/>\nBetont mi\u00dfverst\u00e4ndliche \u00c4u\u00dferungen (z.B. Vogelschi\u00df, &#8222;Denkmal der Schande&#8220;) sind der Akzeptanz der jungen Partei nicht gerade f\u00f6rderlich. Dazu Patzelt (siehe &#8222;In Sachen AfD: Mit Vernunft und Ma\u00df&#8220; unten): &#8222;Es haben viele Mitglieder und Anh\u00e4nger der AfD anscheinend noch nicht begriffen, da\u00df eine strikte Trennung von Regierungskritik und Systemgegnerschaft die Voraussetzung politischer Freiheit ist. Eine Regierung und die sie tragenden Parteien darf man sehr wohl scharf angreifen \u2013 nicht aber eine Verfassungsordnung, nur weil deren Spielregeln derzeit den Gegner an der Macht sein lassen.&#8220;<br \/>\n.<\/p>\n<p><strong><em>(4) AfD per Verfassungschutz als &#8222;verd\u00e4chtig&#8220; einzustufen ist ein Skandal<\/em><\/strong><br \/>\n\u00dcber 13% der Bundesb\u00fcrger haben die AfD im Jahr 2017 gew\u00e4hlt. Die AfD ist eine demokratische Partei. W\u00e4re sie das nicht, dann m\u00fcsste sie umgehend verboten werden.<br \/>\nIm Dezember 2020 schrieb Roger K\u00f6ppel im Leitartikel der Weltwoche.ch dazu: \u201eDeutschland ist die weltweit wohl einzige Demokratie, die den Inlandsnachrichtendienst gegen Parteien einsetzt, die in Konkurrenz zu den regierenden Parteien stehen\u201c. Mit dem Ersetzen seiner F\u00fchrung (Maa\u00dfen durch Haldenwang) hat die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde seine Neutralit\u00e4t aufgegeben und ist zum Instrument der Regierungsparteien geworden.<br \/>\nZum Schaden des demokratischen Rechtsstaats, wie auch Prof Patzelt erkl\u00e4rt:<br \/>\n&#8222;In etlichen Bundesl\u00e4ndern wurde die AfD vom Verfassungsschutz als extremismusverd\u00e4chtig eingestuft. Wom\u00f6glich droht das auch der Bundespartei. Die so bewirkte <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/diskriminierung\/\">\u00c4chtung<\/a> wird es gesellschaftlichen Leistungstr\u00e4gern bald unm\u00f6glich machen, sich f\u00fcr die AfD einzusetzen. Das ist ja auch der erw\u00fcnschte Effekt. &#8220;<br \/>\nWir Menschen &#8211; auch W\u00e4hler und Abgeordnete der AfD &#8211; sind alle viel leichter zu beeinflussen, als wir selbst glauben. Unter \u00c4chtung leiden alle, auch rechtskonservativ gesinnte B\u00fcrger. Die mediale Dauerhetze gegen die AfD hat \u00fcberall, auch bei deren Mandatstr\u00e4gern, Spuren hinterlassen.<br \/>\n.<br \/>\n<em><strong>(5 ) Realos besiegen Fundis: Der AfD Zeit gew\u00e4hren wie den Gr\u00fcnen<\/strong><\/em><br \/>\nDie Streitereien zwischen Realos und Fundis innerhalb der Partei der Gr\u00fcnen dauerte jahrzehntelang. Niemand forderte ein Parteiverbot, obwohl von den damaligen Fundis auch systemfeindliche Ziele (Legitimierung der P\u00e4dophilie contra Kinderrechte, Abschaffen des Eingentumsrechte) proklamiert wurden. Es dauerte lange, bis sich die Realos durchsetzten. Warum gew\u00e4hrt man eine solche Zeit der innerparteilichen Selbstfindung nur den Gr\u00fcnen, nicht aber auch der AfD? warum gibt man der AfD nicht die Chance, dem Beispiel der Gr\u00fcnen zu folgen, also ihre \u201eFundis\u201c zugunsten der \u201eRealos\u201c niederzuringen?<br \/>\n.<br \/>\n<em><strong>(6) Gleichbehandlung am politisch linken und rechten Rand<\/strong><\/em><br \/>\nIn der Partei der Linken sind viele Funktions- bzw. Mandatstr\u00e4ger aktiv, denen systemfeindliche Ziele nachgesagt werden, also Ziele, die der freiheitlich demokratischen Grundordnung (FDGO) entgegenstehen, die also an der Grenze von &#8222;links&#8220; und &#8222;linksextrem&#8220; anzusiedeln sind. Diese \u00e4u\u00dferste Linken werden seit 1989 im Parlament toleriert, obwohl sie sich weiterhin mehr oder weniger offen als Systemgegner gerieren. Man tut dies aus drei Gr\u00fcnden: 1) Einbinden der Positionen in die innerparamentarische Diskussion, 2) damit Kontrollm\u00f6glichkeit dieser Positionen und 3) den innerparteilichen Kl\u00e4rungsprozess zugunsten der Realos unterst\u00fctzen.<br \/>\nWarum gew\u00e4hrt man dieses Prozedere der Linken, nicht aber AfD. <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/extremismus\/\">Linksextremismus wie Rechtsextremismus<\/a> zerst\u00f6ren die FDGO und sind mit allen Mitteln zu bek\u00e4mpfen. Links- und Rechtsetremismus lassen sich auch nicht gegeneinnder aufrechnen. Aber Linksextremismus l\u00e4\u00dft sich nicht bek\u00e4mpfen, in dem man die politische Linke verbietet. Und Rechtsextremismus l\u00e4\u00dft sich nicht bek\u00e4mpfen, in dem man die politische Rechte verbietet.<br \/>\n.<br \/>\n<em><strong>Fazit von (1) bis (6):<\/strong><\/em><br \/>\nEs ist stets im Sinne der Demokratie, au\u00dferparlamentarische Opposition von der Strasse ins Parlament einzubinden, um dort Argumente und Gegenargumente von politischen Gegnern (nicht Feinden) zu diskutieren und abzuw\u00e4gen. \u00dcber die Parteien mit ihren Realos und Fundis.<br \/>\nDass Realos letztendlich die Fundis besiegen, erkl\u00e4rt der Staatsrechtler Ulrich Vosgerau wie folgt: &#8222;Die AfD befindet sich nun im Griff des Ph\u00e4nomens, das die \u00c4lteren von den beiden ersten parlamentarischen Legislaturperioden in den achtziger Jahren der Gr\u00fcnen her kennen: dem Kampf zwischen Realos und Fundamentalisten. Da\u00df in der Politik am Ende nur Realos gewinnen k\u00f6nnen, liegt in der Natur der Sache. Da\u00df es immer auch Fundis gibt, beruht auf einem individualpsychologischen Ph\u00e4nomen: Wer sich nur die gr\u00f6\u00dften, absoluten Ziele setzt, eine neue Welt, ein anderes Leben, wird davon entlastet, im t\u00e4glichen, von R\u00fcckschl\u00e4gen begleiteten Dicke-Bretter-Bohren Politik als unabwendbare Plackerei zu erleben, bei der so oft die sch\u00e4bige Konkurrenz gewinnt. Das steckt hinter der blauen Blume der Romantik&#8220; (Beitrag von Vosgerau ganz unten).<br \/>\n.<br \/>\nEine Demokratie, die das <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/wahlvolk\/\">Wahlvolk<\/a> beschneidet, indem sie B\u00fcrger am linken oder rechten Rand von der politischen Teilhabe ausschlie\u00dft, gleitet in den <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/totalitarismus\/\">Totalitarismus<\/a> ab: Es entsteht eine rechte bzw. linke <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/diktatur\/\">Diktatur<\/a>.<br \/>\n21.2.2021<br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>In Sachen AfD: Mit Vernunft und Ma\u00df<\/strong><br \/>\nvon Werner J. Patzelt<br \/>\nIn etlichen Bundesl\u00e4ndern wurde die AfD vom Verfassungsschutz als extremismusverd\u00e4chtig eingestuft. Wom\u00f6glich droht das auch der Bundespartei. Die so bewirkte \u00c4chtung wird es gesellschaftlichen Leistungstr\u00e4gern bald unm\u00f6glich machen, sich f\u00fcr die AfD einzusetzen. Das ist ja auch der erw\u00fcnschte Effekt. Zwar versteht man, da\u00df deshalb \u00fcber eine politische Funktionalisierung des Verfassungsschutzes geschimpft wird. Doch die richtige Reaktion w\u00e4re es, sich nun erst recht so zu verhalten, da\u00df Zweifel an der Treue zu unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung zerstreut werden. Und nat\u00fcrlich d\u00fcrfen entsprechende Bekenntnisse nicht vorgeblendet sein, sondern m\u00fcssen der tats\u00e4chlichen inneren Haltung entsprechen \u2013 und den Taten erst recht.<\/p>\n<p>Doch so haben sich viele AfDler in den letzten Jahren gerade nicht verhalten. Manche haben die Einstufung ihrer Partei als rechtsextremistisch nachgerade provoziert. Auch hat die AfD erst sp\u00e4t \u2013 und weiterhin ohne Unterst\u00fctzung der ganzen Partei \u2013 mit juristischer Gegenwehr begonnen. Statt dessen geben sich manche AfD-Politiker stolz darauf, vom \u201eSystem\u201c sozusagen verfolgt zu werden, denn man w\u00e4hnt sich im Widerstand gegen eine neue Nationale Front. Dabei wird \u00fcbersehen, da\u00df die dem SED-Staat Widerstehenden einen ganz anderen Tonfall pflegten als die AfD, und da\u00df gegnerische Fouls in einer Demokratie etwas anderes sind als Staatsterror in einer Diktatur.<br \/>\nEs haben viele Mitglieder und Anh\u00e4nger der AfD anscheinend noch nicht begriffen, da\u00df eine strikte Trennung von Regierungskritik und Systemgegnerschaft die Voraussetzung politischer Freiheit ist. Eine Regierung und die sie tragenden Parteien darf man sehr wohl scharf angreifen \u2013 nicht aber eine Verfassungsordnung, nur weil deren Spielregeln derzeit den Gegner an der Macht sein lassen.<br \/>\nDoch in der AfD meinen inzwischen viele, nicht nur das ihnen verha\u00dfte System der \u201eAltparteien\u201c geh\u00f6re auf den M\u00fcllhaufen, sondern unsere ganze politische Ordnung. Warum nur erkennen die nicht, da\u00df solches zur nachtr\u00e4glichen Best\u00e4tigung derer ger\u00e4t, die schon Bernd Luckes AfD als Wiederg\u00e4ngerin der Nazis ausgaben? Offenbar sind der AfD allzu viele Leute zugelaufen, die gut in die NPD pa\u00dften, wichtigtuerische Selbstdarstellung m\u00f6gen oder biographische Wunden durch Beifall eines rhetorisch angefixten Publikums zu heilen versuchen<br \/>\nZweifellos haben sich viele ihrer Gegner von Anfang an unfair zur AfD verhalten. Das begann mit Verleumdungen von Luckes Partei als rechtsextrem, setzte sich fort in der \u2013 oft einer \u201eFeigheit vor dem Feind\u201c gleichenden \u2013 Ausgrenzung von AfD-Vertretern aus Podiumsdiskussionen und Talkshows, zeigt sich im Druck auf Hoteliers und Gastronomen, ja keine AfD-Veranstaltungen zu beherbergen, \u00e4u\u00dfert sich in Gewalttaten gegen AfD-Wahlkampfst\u00e4nde oder AfD-Politiker und m\u00fcndet in unverhohlene Schadenfreude, wann immer AfDler ihre Partei blamieren.<br \/>\nAuch am Ende dieses Jahres wird eine klar systemgegnerische AfD in vielen deutschen Parlamenten eine gro\u00dfe oder gar die gr\u00f6\u00dfte Oppositionsfraktion sein. Doch dann? Was nutzt es eigentlich, wenn diese Rolle keinerlei Machtperspektiven bietet?<\/p>\n<p>Die richtige Reaktion auf solche Fouls w\u00e4re es, gerade nicht zum von Gegnern lustvoll gezeichneten Zerrbild zu werden. Doch immer, wenn genau das in den Reihen der AfD versucht wurde, standen selbstberauschte Rechts\u00addemagogen dagegen auf. Oft setzten sie sich durch. Erst J\u00f6rg Meuthen \u2013 selbst sp\u00e4t zur Einsicht gelangt \u2013 konnte f\u00fcr die \u201eRealos\u201c zwei, drei aufsehenerregende Etappensiege erringen.<\/p>\n<p>Wom\u00f6glich gewinnen aber doch wieder die \u201eFundis\u201c beim zentralen Richtungsstreit ihrer Partei. Bei ihm geht es darum, ob die AfD im deutschen Parteiensystem einfach den von der Union wider viele Warnungen verlassenen Raum zwischen der rechten Mitte und dem rechten Rand besetzen, ansonsten aber ein ganz normaler Mitbewerber um W\u00e4hlerstimmen sein sollte.<\/p>\n<p>Zur AfD gelangte Wutb\u00fcrger und einflu\u00dfreiche Anf\u00fchrer wollen genau das nicht. Sie w\u00fcnschen sich eine Anti-System-Partei, die irgendwann \u201eaufr\u00e4umt\u201c. Taktisch sind sie davon \u00fcberzeugt, Anziehungskraft und Mobilisierungswirkung auch auf klar Rechtsradikale w\u00e4re ein legitimes, ja unverzichtbares Mittel zum Zweck weiterer Wahlerfolge.<\/p>\n<p>Diese Rechnung kann bei den kommenden Wahlen sogar aufgehen. Immerhin mu\u00df \u2013 und will \u2013 sich die Union fortan alternativlos auf Regierungsb\u00fcndnisse mit den Gr\u00fcnen einlassen, allenfalls erg\u00e4nzt um eine weitere Partei. Die zur AfD abgewanderten W\u00e4hler m\u00f6chte die Union ohnehin nicht mehr zur\u00fcckgewinnen. Sie k\u00f6nnte das auch gar nicht mehr. Denn bei den von der Union zur AfD \u00dcbergegangenen ist die Emp\u00f6rung \u00fcber Vertrauensbr\u00fcche der CDU-Kanzlerin gegen\u00fcber Nicht-Linken einfach zu gro\u00df. Die erkennen sie bei der Euro-Politik, bei der Energiepolitik, erst recht bei der Migrationspolitik.<\/p>\n<p>Zwar m\u00f6gen AfDler die nun dauerhaft zu erwartenden schwarz-gr\u00fcnen und gr\u00fcn-schwarzen Koalitionen inhaltlich nicht. Doch sie passen der AfD bestens ins strategische Kalk\u00fcl. Als einzige gegen Schwarz-Gr\u00fcn stehende Kraft kann die AfD n\u00e4mlich sehr wirkungsvoll auf die von ihr abgrundtief verachtete CDU einschlagen.<\/p>\n<p>Und bei einer von Rot-Gr\u00fcn \u2013 mit oder ohne FDP \u2013 aus ihren Regierungsstellungen vertriebenen Union kann sie das auch noch mit berechtigter H\u00e4me tun. Es hat sich n\u00e4mlich die Union selbst um ihre einst selbstverst\u00e4ndlichen Chancen gebracht, durch Repr\u00e4sentation nicht nur der politischen Mitte, sondern auch der meisten W\u00e4hler zwischen der rechten Mitte und dem rechten Rand der zentrale Machtblock in der Bundesrepublik Deutschland zu bleiben.<\/p>\n<p>Also wird eine klar systemgegnerische AfD auch am Ende dieses Jahres in vielen deutschen Parlamenten eine gro\u00dfe \u2013 oder gar die gr\u00f6\u00dfte \u2013 Oppositionsfraktion sein. Doch dann? Was nutzt es eigentlich, wenn diese Rolle keinerlei Machtperspektiven bietet? Und solche k\u00f6nnen sich auch gar nicht auftun, solange nicht die AfD dem Beispiel der Gr\u00fcnen gefolgt ist, also ihre \u201eFundis\u201c zugunsten der \u201eRealos\u201c niedergerungen hat.<\/p>\n<p>Gestaltungsmacht w\u00fcrde die AfD n\u00e4mlich nur dann gewinnen, wenn sie von einer Anti-Establishment-Partei zu einer solchen Partei geworden w\u00e4re, die nicht blo\u00df ein medial wirksames Anderssein, sondern ein \u2013 dann auch politisch nachzuweisendes \u2013 Bessersein zu ihrem Anspruch machte.<\/p>\n<p>Die AfD sollte in den Parlamenten seri\u00f6se Arbeit leisten und deren Wirkungen nicht durch skandalisierbare Polemik verderben. Und sie sollte in den eigenen Reihen und in ihrer Anh\u00e4ngerschaft nicht Ressentiments f\u00f6rdern, sondern m\u00e4\u00dfigend wirken.<\/p>\n<p>L\u00e4cherlich ist jedenfalls die Hoffnung mancher AfDler, es reiche irgendwann zur absoluten Parlamentsmehrheit ihrer Partei. Auch relative Mehrheiten wird es allenfalls in ostdeutschen Landtagen geben; und selbst diese bringen so lange keine Macht ein, wie die AfD keinen Koalitionspartner findet. Doch auf eine rechtsdemagogische oder rechtsradikale AfD kann sich niemand einlassen, der moralisch oder politisch bei Trost ist.<\/p>\n<p>Also treibt gerade jene AfD, die von Luckes zu H\u00f6ckes Partei geworden ist, unser Land zu einem Kurs, den zwar Gr\u00fcne und Linke wollen, jene aber gerade nicht, die einst in der AfD ein Korrektiv Merkelscher Politik erhofften.<\/p>\n<p>Dem letzteren dienliche Ratschl\u00e4ge bekam die AfD w\u00e4hrend der vergangenen Jahre oft. Sie trafen freilich auf taube Ohren, h\u00e4ufiger noch auf selbstgef\u00e4llige Besserwisserei. Doch sie bleiben richtig: Die AfD sollte in den Parlamenten seri\u00f6se Arbeit leisten und deren Wirkungen nicht durch skandalisierbare Polemik verderben; sie sollte sich keinesfalls als \u201eNPD light\u201c aufstellen; und sie sollte nicht zur thematisch beschr\u00e4nkten Protestmaschinerie werden, sondern ein stimmiges, wirklichkeitstaugliches Politik\u00adprogramm entwickeln.<\/p>\n<p>Dieses Programm br\u00e4uchte gewi\u00df nicht f\u00fcr Linke plausibel sein. Doch einleuchten sollte es all jenen, die sich weder als mittig noch als links empfinden, sondern als rechts \u2013 und dabei gerade kein Verlangen nach Chauvinismus oder Rassismus hegen. Auch sollten AfD-Sprecher stets betont sachlich und gem\u00e4\u00dfigt bleiben, wenn ihre Gegner, wie so oft, emotional und hyperventilierend auftreten.<\/p>\n<p>Die Partei sollte sich ferner von den Lieblingszielscheiben ihrer Gegner trennen oder diese zumindest ins Abseits stellen. Und sie sollte in den eigenen Reihen und in ihrer Anh\u00e4ngerschaft nicht Ressentiments f\u00f6rdern, sondern m\u00e4\u00dfigend wirken \u2013 wie einst, zum Besten unseres Landes, die SPD hinsichtlich der revolution\u00e4ren Linken.<\/p>\n<p>Doch zumal in ihren ostdeutschen Landesverb\u00e4nden will man eine solche AfD mehrheitlich nicht. Deren Wortf\u00fchrern bundesweit zu folgen machte das AfD-Milieu deshalb dauerhaft zur rechtsradikalen Schmuddelecke unseres Landes. Diese tr\u00e4gt jetzt schon viel zur Vergiftung von Deutschlands politischer Kultur bei \u2013 teils direkt durch Reden und Handeln dort, teils indirekt \u00fcber Reaktionen von etablierten Parteien und Antifa, die sich ihrerseits nicht an die Spielregeln unserer freiheitlichen Demokratie halten.<\/p>\n<p>Jene AfD-Politiker, deren Bekundung von Zuneigung zu unserem Land mehr ist als blo\u00df ein abwehrender Reflex auf die Verachtung Deutschlands unter Linken, sollten genau an dieser Stelle ihre jetzt zu erf\u00fcllende staatspolitische Pflicht erkennen. Die gr\u00fcndet in der Einsicht, da\u00df nur eine vern\u00fcnftige, gem\u00e4\u00dfigte, den Respekt auch von Gegnern verdienende AfD zum Partner der politischen Mitte werden kann.<br \/>\nExakt hier hat die AfD eine Bringschuld abzutragen, weil sie wirklich nicht nur durch Bosheit ihrer Rivalen, sondern weithin durch eigenes Tun und Lassen zum politischen Paria geworden ist. Ob das aber eine Mehrheit der Anf\u00fchrer und Mitglieder der AfD einsieht? Und dann auch die politische Kraft oder \u00fcberhaupt weitere Gelegenheiten hat, die AfD auf einen solchen Kurs zu f\u00fchren?<br \/>\n19.2.2021, Junge Freiheit 8\/21, Seite 18<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.junge-freiheit.de\">https:\/\/www.junge-freiheit.de<\/a><br \/>\n.<br \/>\n<em>Prof. Dr. Werner J. Patzelt, Jahrgang 1953, ist emeritierter Ordinarius f\u00fcr Politikwissenschaft an der TU Dresden. Patzelt ist Mitglied der CDU.<\/em><br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Falsche Schuldzuweisung<\/strong><br \/>\n<em>Eine Studie empfiehlt der AfD, sich nicht juristisch gegen Verfassungsschutzbeh\u00f6rden zu wehren: Das Grundgesetz sei das Problem<\/em><br \/>\nvon Ulrich Vosgerau<br \/>\nDie AfD befindet sich nun im Griff des Ph\u00e4nomens, das die \u00c4lteren von den beiden ersten parlamentarischen Legislaturperioden in den achtziger Jahren der Gr\u00fcnen her kennen: dem Kampf zwischen Realos und Fundamentalisten. Da\u00df in der Politik am Ende nur Realos gewinnen k\u00f6nnen, liegt in der Natur der Sache. Da\u00df es immer auch Fundis gibt, beruht auf einem individualpsychologischen Ph\u00e4nomen: Wer sich nur die gr\u00f6\u00dften, absoluten Ziele setzt, eine neue Welt, ein anderes Leben, wird davon entlastet, im t\u00e4glichen, von R\u00fcckschl\u00e4gen begleiteten Dicke-Bretter-Bohren Politik als unabwendbare Plackerei zu erleben, bei der so oft die sch\u00e4bige Konkurrenz gewinnt. Das steckt hinter der blauen Blume der Romantik. Millionen Unzufriedene heute sehnen sich aber nach Helmut Schmidt und weder nach politischer Romantik noch den Grabenk\u00e4mpfen der Weimarer Republik.<br \/>\n&#8230;..<br \/>\nWas hat es auf sich mit der Verfassung und dem Verfassungsschutz? Nicht ganz zu Unrecht meint Sch\u00fc\u00dflburner: \u201eWenn (&#8230;) die AfD scheitert, was aufgrund der geschilderten Umst\u00e4nde nicht verwunderlich w\u00e4re, dann ist dies erkennbar vor allem auf den \u2018Verfassungsschutz\u2019 zur\u00fcckzuf\u00fchren\u201c, und erg\u00e4nzt: \u201eWie dies bei den Republikanern ablief, kann aus journalistischer Sicht (&#8230;) nachgelesen werden; abstrahiert man (&#8230;) von konkreten Umst\u00e4nden und Personen, k\u00f6nnen AfD-Leute dort schon das weitere Schicksal ihrer Partei nachlesen.\u201c Dies ist in der Tat sehr besorgniserregend und man d\u00fcrfte erwarten, da\u00df die Verantwortlichen nun ihre s\u00e4mtlichen Anstrengungen dem Ziel unterordnen, eben dies zu vermeiden.<br \/>\n&#8230;.<br \/>\nDie innere Spaltung der Gr\u00fcnen endete, als die Realos Minister wurden. J\u00fcrgen Trittin wurde durch den Anblick des Dienstwagens von Joseph Fischer \u00fcber Nacht vom Kommunismus geheilt. Da\u00df der AfD die Zeit f\u00fcr vergleichbare Prozesse bleibt, ist zu hoffen; denn der CDU steht nach dem Abgang Merkels in der W\u00e4hlergunst voraussichtlich eine \u00e4hnliche Entwicklung bevor, wie sie die SPD seit dem Abgang Schr\u00f6ders genommen hat. Millionen W\u00e4hler suchen demn\u00e4chst neue politische Heimaten. Eine sehr heterogene Gruppe; was sie allein verbindet, ist eigentlich: sie sind f\u00fcr das Grundgesetz, und sie f\u00fcrchten sich vor Staatsfeinden. Es ist in der Tat zu hoffen, da\u00df das ma\u00dfgebliche Personal nicht versagt.<br \/>\n&#8230; Alles vom 19.2.2021 von Ulrich Vosgerau bitte lesen in: Junge Freiheit 8\/21, Seite 21<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.junge-freiheit.de\">https:\/\/www.junge-freiheit.de<\/a><br \/>\n.<br \/>\n<em>Dr. habil. Ulrich Vosgerau lehrte \u00d6ffentliches Recht, V\u00f6lker- und Europarecht sowie Rechtsphilosophie an mehreren Universit\u00e4ten.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Demokratie braucht Opposition, im Parlament \u00fcber Parteien und au\u00dferparlamentarisch \u00fcber Demos, Initiativen, &#8230; Auch innerparteilich gibt es Opposition, sie zeigt sich in der Polarisierung von Realos und Fundis. 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