{"id":85430,"date":"2020-12-04T16:17:06","date_gmt":"2020-12-04T15:17:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=85430"},"modified":"2020-12-08T10:38:33","modified_gmt":"2020-12-08T09:38:33","slug":"strassen-schulen-umbenennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/strassen-schulen-umbenennen\/","title":{"rendered":"Strassen Schulen umbenennen"},"content":{"rendered":"<p>Bequem am Laptop sitzend, mit Google bzw. Wikipedia allwissend und in <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/68er\/\">68er<\/a>-Nachfolge\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/jugend\/sozialisation\/\">sozialisiert<\/a>, da l\u00e4\u00dft sich trefflich urteilen, wer in der Vergangenheit ein <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/gutmenschen\/\">guter Mensch<\/a> war, so wie man selbst, und wer nicht. Und die Erinnerung an letztere, die als angeblich b\u00f6se Menschen also nicht so gut waren, <!--more-->wird einfach gel\u00f6scht: Strassennamen, Schulnamen, Denkm\u00e4ler, Hinweistafeln, usw&#8230; im <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/oeffentlicher-raum\/\">\u00f6ffentlichen Raum<\/a>. Diese L\u00f6sch-Spirale wird sich immer weiter r\u00fcckw\u00e4rts bewegen, bis hin zu <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/evangelisch\/luther500\/\">Martin Luther<\/a>, dessen Name als <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/juden\/antisemitismus\/\">Antisemit<\/a> dann ebenfalls zu l\u00f6schen sein wird? Aber bis zur Reformation ist es noch ein weiter Weg. In Freiburg sind wir bei diesem uns\u00e4glichen L\u00f6schen erst im <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/juden\/nazi\/\">3. Reich<\/a> angelangt, so zuletzt beim L\u00f6schen des Namens Gerhart Hauptmann als <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/heimat\/geschichte\/strassennamen\/\">Strassenname<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/schulen\/\">Schulname<\/a> (s.u.).<br \/>\n.<br \/>\nDabei sind all die Guten, die r\u00fcckw\u00e4rts gewandt so eifrig l\u00f6schen, auch im Jetzt und nach vorw\u00e4rts gewandt am L\u00f6schen &#8211; nur hei\u00dft dies dann neudeutsch Canceln. Als Anh\u00e4nger der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/kulturverlust\/cancelculture\/\">Cancel Culture<\/a> sind sie der von den USA her verbreiteten <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/vereine\/partei\/gruene\/palmer\/\">&#8222;kollektiven Zensur&#8220;<\/a> (<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/kulturrevolution\/\">Yascha Mounk<\/a>) verpflichtet. J\u00fcngstes Beispiel: Die deutsch-deutsche Schriftstellerin <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/dichter\/maron\/\">Monika Maron (78)<\/a> wird vom Verlag gecancelt, da sie im Jahr 2020 in <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/dresden\/\">Dresden<\/a> eine falsche Freundin hat, zu der sie weiter h\u00e4lt. Eine Monika-Maron-Strasse wird es &#8222;im besten Deutschland, das es je gab&#8220; (zuletzt Bundespr\u00e4sident Frank-Walter Steinmeier am 30. Jahrestag der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/mauerfall1989\/\">Deutschen Einheit<\/a> in Potsdam) niemals geben &#8211; oder erst in der Post-<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/merkel-deutschland\/\">Merkel<\/a>-\u00c4ra?<br \/>\n.<br \/>\nZur\u00fcck zum Dichter und Dramatiker Gerhart Hauptmann und der &#8222;Gerhart-Hauptmann-Schule&#8220;\u00a0 in Freiburg: &#8222;Der Schulname k\u00f6nnte dazu (d.h. zur Diskussion) eine Verpflichtung sein.&#8220; Mit diesem klugen, weil friedenstiftenden Satz endet der BZ-Beitrag von Manuel Fritsch (siehe unten): Wir m\u00fcssen miteinander reden und diskutieren, auch \u00fcber Geschichtliches; wir m\u00fcssen die zerst\u00f6rte <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/diskussionskultur\/\">Diskussionskultur<\/a> neu beleben &#8211; in und au\u00dferhalb des Parlaments, auch in der Schule.<br \/>\n.<br \/>\nDie Schule in Freiburg-Betzenhausen wurde auf Vorschlag der schlesischen Lands-mannschaft im Jahr 1963 mit &#8222;Gerhart-Hauptmann-Schule&#8220; benannt.<br \/>\nGerhart Hauptmann (15.11.1862 &#8211; 6.6.1946) durchlebte eine unvorstellbar schwere Zeit mit drei Kriegen: Dem deutsch-franz\u00f6sischen Krieg 1970\/71, dem 1. Weltkrieg 1914-18 und dem 2. Weltkrieg 1939-45. Wenn die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler der &#8222;Gerhart-Hauptmann-Schule&#8220; im Pflichtunterricht durchnehmen und diskutieren, wie die Geschichte ihren Namenspatron &#8211; mit hellen wie auch dunklen Seiten &#8211; gepr\u00e4gt hat, dann haben sie viel &#8222;f\u00fcr&#8217;s Leben&#8220; gelernt. Und dabei d\u00fcrfen die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler durchaus auch stolz sein, denn schlie\u00dflich wurde Gerhart Hauptmann im Jahr 1912 mit dem Nobelpreis f\u00fcr Literatur ausgezeichnet.<br \/>\nSo gesehen bietet der Name &#8222;Gerhart-Hauptmann-Schule&#8220; sogar didaktisch-methodisch eine gro\u00dfe Chance f\u00fcr die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, \u00fcber ihren &#8222;Gerhart&#8220; aus der so leidvollen <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/deutsche-geschichte\/\">Geschichte<\/a> zu lernen. Denn die <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/lehrer\/\">Lehrerinnen und Lehrer<\/a> haben die Chance, ihren Geschichtsunterricht anschaulich und motivierend zu gestalten.<br \/>\n4.12.2020<br \/>\n.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/gerhart-hauptmann-schule-freiburg.de\/\">https:\/\/gerhart-hauptmann-schule-freiburg.de\/<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gerhart-hauptmann-gesellschaft.de\/\">http:\/\/www.gerhart-hauptmann-gesellschaft.de\/<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.landsmannschaft-schlesien.de\/landsmannschaft\/landesverbaende\/\">https:\/\/www.landsmannschaft-schlesien.de\/landsmannschaft\/landesverbaende\/<\/a><br \/>\n.<\/p>\n<p><strong>Bei der Diskussion um Gerhart Hauptmann gibt es keinen eindeutigen Schluss<\/strong><br \/>\nEs gibt ein Lied des Kabarettisten Georg Kreisler, in dem ein ganzes Dorf streitet, ob man etwas machen sollte oder nicht. Schlie\u00dflich fassen die Dorfbewohner den klugen Entschluss, nichts zu tun. Denn t\u00e4te man es, dann w\u00e4re nichts mehr dran zu drehen. L\u00e4sst man es aber \u2013 &#8222;na, dann kann man ja noch dr\u00fcber diskutieren&#8220;. \u00c4hnlich ist es mit Stra\u00dfenumbenennungen. Da hat die Stadt Freiburg ein aufw\u00e4ndiges Gutachten erstellen lassen, eine lange und engagierte \u00f6ffentliche Diskussion schloss sich an. Doch was nicht umbenannt wurde, wird immer weiter diskutiert. Denn manchmal ist die Sache einfach nicht klar. Und Hauptmann ist so ein Fall.<br \/>\nDer Autor ist nicht ins Exil gegangen, hat sich von den Nazis feiern lassen, sie \u00f6ffentlich nie kritisiert. Im Gegensatz zu so vielen Kollegen, die in Nazi-Deutschland ge\u00e4chtet waren, blieb er dort geachtet.<br \/>\nGleichzeitig ist er kein Nazi-Schriftsteller. W\u00e4hrend des Kaiserreiches war seine Literatur sozialkritisch. Nationalsozialistisches Gedankengut findet sich darin nicht. Die Diskussion um die Trennung von Autor und Werk, dar\u00fcber, wann Schweigen und Ignorieren ins Zustimmen und Mitmachen kippt \u2013 bei Gerhart Hauptmann kann sie lange gef\u00fchrt werden und das wurde sie auch, besonders in der Literaturwissenschaft. Es ist sicherlich richtig, das ausf\u00fchrlich und immer wieder zu tun. Der Schulname k\u00f6nnte dazu eine Verpflichtung sein.<br \/>\n&#8230; Alles vom 9.11.2020 von Manuel Fritsch bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.badische-zeitung.de\/bei-der-diskussion-um-gerhart-hauptmann-gibt-es-keinen-eindeutigen-schluss--197833614.html\">https:\/\/www.badische-zeitung.de\/bei-der-diskussion-um-gerhart-hauptmann-gibt-es-keinen-eindeutigen-schluss&#8211;197833614.html<\/a><br \/>\n..<br \/>\n<strong>Es ist von der Forschung widerlegt, dass Gerhart Haupmann ein Parteimitglied war<\/strong><br \/>\nZu: &#8222;Warum l\u00e4sst man es zu, dass sich Grundsch\u00fcler an einem Hitlerverehrer und Antisemiten t\u00e4glich orientieren?&#8220;, Leserbrief von Christoph Schwarz, BZ vom 17. November:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.badische-zeitung.de\/warum-laesst-man-es-zu-dass-sich-grundschueler-an-einem-hitlerverehrer-und-antisemiten-taeglich-orie--198050834.html\">https:\/\/www.badische-zeitung.de\/warum-laesst-man-es-zu-dass-sich-grundschueler-an-einem-hitlerverehrer-und-antisemiten-taeglich-orie&#8211;198050834.html<\/a><br \/>\nDie in der BZ gef\u00fchrte Diskussion \u00fcber die Umbenennung der Gerhart-Hauptmann-Schule eskaliert inzwischen mit dem Leserbrief von Christoph Schwarz. Schon in dem Artikel von BZ-Redakteur Fritsch vom 9. November hatte Schwarz versucht, den Gemeinderatsbeschluss vom Sommer 2020 gegen eine Ver\u00e4nderung des Namens in Frage zu stellen, jetzt stellt er aber auch den Namenstr\u00e4ger der Schule ganz in Frage.<br \/>\nWie mir der im Artikel genannte Freiburger Germanist Christopher Meid nochmals best\u00e4tigte, sind alle Vorw\u00fcrfe gegen Hauptmann schon seit Jahrzehnten in der Germanistik bekannt. Es gibt aber auch viele positive Beispiele, wie Hauptmann Juden mit Geld zur Flucht verholfen hat.<br \/>\nLeider \u00e4u\u00dferte sich Hauptmann nur im privaten Kreis kritisch zur damaligen politischen Situation, unter der er sehr litt, und er prophezeite die baldige Katastrophe Deutschlands. Der Historiker und Vorsitzende der von der Stadt eingesetzten Kommission, Bernd Martin, schreibt mir zu Hauptmann: &#8222;&#8230; aber ein Faschist und Antisemit war er in dieser plakativen Normierung nicht, sondern blieb seiner prinzipiellen Unentschlossenheit verhaftet&#8220;.<br \/>\nAuch ist von der Forschung inzwischen widerlegt, dass er ein Parteimitglied war. Mit dem Leserbrief reduziert Christoph Schwarz aber den \u00fcber 80-j\u00e4hrigen Dichter, ber\u00fchmt als Nobelpreistr\u00e4ger in aller Welt, auf seine letzten Lebensjahre, in denen er ohne Zweifel eine sehr ambivalente Haltung gegen\u00fcber dem Nationalsozialismus einnahm. Aber aus welchen Quellen hat Herr Schwarz seine zitierten Behauptungen \u00fcber Hauptmann? F\u00fcr die Forschung heute sind laut Christopher Meid die Tageb\u00fccher Gerhart Hauptmanns zur NS-Zeit noch gar nicht erschienen.<br \/>\nAls polnische Miliz 1945 den todkranken Mann wie alle andern Deutschen auch aus seiner Heimat Schlesien vertreiben wollte, war es ein gebildeter sowjetischer Offizier, der das verhindert hat. Hauptmann war in Russland bekannt als Schriftsteller naturalistischer sozialkritischer Dramen wie &#8222;Rose Bernd&#8220; oder &#8222;Die Weber.&#8220;<br \/>\n.<br \/>\nIch verwahre mich auch als Vorsitzender der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/vertriebene\/\">Landsmannschaft Schlesien<\/a>, Kreisgruppe Freiburg, die der Initiator der Namengebung 1963 war, gegen die Unterstellung, dass die Landsmannschaft &#8222;eine N\u00e4he zum NS pflegte&#8220;. Mit welchem Recht kann Herr Schwarz dies behaupten? Ich fand in meinen Unterlagen keine Hinweise daf\u00fcr. Dass Christoph Schwarz sich mit dem Verein &#8222;Geraubte Kinder&#8220; f\u00fcr Opfer des NS-Regimes einsetzt, ehrt ihn. Aber hier geht er entschieden zu weit.<br \/>\n4.12.2020, Wolfgang Lorenz, Freiburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bequem am Laptop sitzend, mit Google bzw. Wikipedia allwissend und in 68er-Nachfolge\u00a0 sozialisiert, da l\u00e4\u00dft sich trefflich urteilen, wer in der Vergangenheit ein guter Mensch war, so wie man selbst, und wer nicht. 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