{"id":84804,"date":"2020-11-16T10:26:10","date_gmt":"2020-11-16T09:26:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=84804"},"modified":"2020-11-16T16:29:08","modified_gmt":"2020-11-16T15:29:08","slug":"distanzierung-monika-maron","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/distanzierung-monika-maron\/","title":{"rendered":"Distanzierung &#8211; Monika Maron"},"content":{"rendered":"<p><em>&#8222;Seit zwei Jahren steht \u00fcber mich in der Zeitung, ich sei neurechts oder rechts oder von irgendwelchem neurechten Gedankengut infiltriert. Soll ich mich von mir selbst distanzieren? Ich habe weder mit nationalistischen oder rassistischen noch sonst wie verd\u00e4chtigen Positionen das Geringste zu tun <!--more-->und habe darum auch keinen Grund, mich in dieser Sache zu erkl\u00e4ren. Ich distanziere mich ja auch nicht \u00f6ffentlich von Mord und Totschlag oder sonstigen Gewaltverbrechen, obwohl ich das nat\u00fcrlich furchtbar finde, aber eben nichts damit zu tun habe. Erkl\u00e4ren m\u00fcssen sich die Leute, die bedenkenlos andere zu politischen Verdachtspersonen erkl\u00e4ren, weil die etwas anderes denken als sie selbst.\u201c<\/em><br \/>\n.<br \/>\nDies antwortete die Schriftstellerin <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/freie-debattenraeume-appell\/\">Monika Maron<\/a> auf das gleich zu Beginn des WELT-Interviews (s.u.) von Mara Delius an Sie gerichtete Statement: <em>\u201eJetzt haben Sie einen neuen Verlag, einen Neuanfang. Das w\u00e4re jetzt ja die Gelegenheit, sich grunds\u00e4tzlich zu den sogenannten Neuen Rechten zu positionieren.\u201c<br \/>\n<\/em>\u00a0.<br \/>\nEin <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/dichter\/\">Schriftsteller<\/a>, der nicht irgendwie umstritten ist, ist langweilig. Und falls er auf der zeitgeistgem\u00e4\u00df &#8218;richtigen&#8216; Seite steht, ist er nicht umstritten, sondern streitbar. <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/sprachregime-der-anywheres\/\">Monika Maron<\/a>, die von 1951 bis 1988 in der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/ddr\/\">DDR<\/a> lebte, gilt als eine der gro\u00dfen deutschen Autorinnen der Zeit vor und nach der Wiedervereinigung. Sie kennt beide Deutschlands, <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/deutsche-geschichte\/\">Maron&#8217;s B\u00fccher<\/a> zu lesen ist gewi\u00df nicht langweilig. Dass nun im Westen (BRD) wie fr\u00fcher im Osten (DDR) von ihr verlangt wird, sich von der eigenen lang w\u00e4hrenden schriftstellerischen Arbeit zu distanzieren, dies mu\u00df erschrecken.<br \/>\nHintergrund: Die Schriftstellerin Monika Maron wurde Mitte November 2020 von ihrem langj\u00e4hrigen Verlag S.Fischer gek\u00fcndigt. Der Grund hierf\u00fcr liegt nicht im Inhalt ihres neuen Buches, sondern im Vorwurf der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/diskussionskultur\/kontaktschuld\/\">Kontaktschuld<\/a> zur Buchh\u00e4ndlerin <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/dresden\/\">Susanne Dagen<\/a>: Maron publiziert beim falschen Verlag, n\u00e4mlich Dagen&#8217;s Verlag \u201eedition buchhaus loschwitz\u201c.<br \/>\n16.11.2020<br \/>\n.<br \/>\n<strong>\u201eMit \u201aumstritten\u2018 f\u00e4ngt es an, dann ist man \u201arechts\u2018 oder \u201aneurechts\u2018\u201c<\/strong><br \/>\nMontag gab der Verlag Hoffmann und Campe bekannt, er werde die neue verlegerische Heimat von Monika Maron. Im Dezember soll die Erz\u00e4hlung \u201eBonnie Propeller\u201c erscheinen, gefolgt von einem Essayband mit dem Titel \u201eWas ist eigentlich los?\u201c, f\u00fcr April geplant, auch ein Roman soll folgen. Kurz zuvor hatte sich der S. Fischer-Verlag nach vier Jahrzehnten von der 1941 geborenen Schriftstellerin getrennt, nachdem sie eine Sammlung mit Essays in der Schriftenreihe \u201eExil\u201c des von der Buchh\u00e4ndlerin Susanne Dagen geleiteten Buchhauses Loschwitz, die auch \u00fcber den Antaios-Verlag vertrieben wird, ver\u00f6ffentlicht hatte.<br \/>\n&#8230; Alles vom 14.11.2020 von Mara Delius bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/plus219883440\/Monika-Maron-Mit-umstritten-faengt-es-an-dann-ist-man-rechts-oder-neurechts.html\">https:\/\/www.welt.de\/kultur\/plus219883440\/Monika-Maron-Mit-umstritten-faengt-es-an-dann-ist-man-rechts-oder-neurechts.html<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ich distanziere mich schon einmal pr\u00e4ventiv\u2026<\/strong><br \/>\nRechts, neurechts, alt-, mittel-, zwischen-, semi-rechts \u2013 die \u00d6ffentlichkeit hat schlie\u00dflich ein Rechts darauf, die klaren Koordinaten auf der nach rechts offenen Rechtenskala zu erfahren. Wo k\u00e4men wir hin, wenn man einfach so \u00fcber B\u00fccher und Werk von Autoren spr\u00e4che! Ob das heroische M\u00e4nnerbild, das Monika Maron in \u201eArtur Lanz\u201c thematisiert, tats\u00e4chlich im Schwinden begriffen ist, ob Rollenbilder wom\u00f6glich f\u00fcr eine Gesellschaft auch produktiv sein k\u00f6nnen oder die Natur die zwei Geschlechter wom\u00f6glich im Sinne produktiver Befruchtung und Polarit\u00e4t hervorgebracht hat. Aber das w\u00e4re ja langweilig.<br \/>\n<em>\u201eSag mir, wo du stehst \/ Und welchen Weg du gehst!\u201c, sang dereinst in der DDR der FDJ-Oktoberclub. \u201eWir haben ein Recht darauf dich zu erkennen, \/ auch nickende Masken n\u00fctzen uns nichts. \/ Ich will beim richtigen Namen dich nennen, \/ und darum zeig mir dein wahres Gesicht.\u201c <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Rvn_b59Ws0w\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Rvn_b59Ws0w<\/a><br \/>\n<\/em>\u00a0.<br \/>\nNein, nein, das ist nat\u00fcrlich gemein, den grassierenden Bekenntniszwang der immer rechthabenden Partei mit der Etikettierung von Autoren heute zu vergleichen. Denn dieser Zwang beinhaltet ja bereits eine Unterverdachtstellung, die allenfalls durch glaubhafte Distanzierung entkr\u00e4ftet werden kann. Na, wollen wir es mal glauben, Genosse. Aber die Partei vergisst nicht\u2026 Es ist zweifellos ein gravierender Unterschied, ob eine System- und Staatspartei zum \u00f6ffentlichen Bekenntnis antreten l\u00e4sst, oder in freiheitlicher Selbstorganisation im \u00f6ffentlichen Raum unter Verdacht gestellt wird. &#8230;.<br \/>\nIch distanziere mich jedenfalls schon einmal pr\u00e4ventiv von diesem Beitrag und seinem Umfeld<br \/>\n&#8230; Alles vom 15.11.2020 von Ralf Schuler bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.achgut.com\/artikel\/ich_distanziere_mich_monika_maron_ralf_schuler\">https:\/\/www.achgut.com\/artikel\/ich_distanziere_mich_monika_maron_ralf_schuler<\/a><br \/>\n.<br \/>\nEinige Kommentare:<br \/>\n<strong>Junger Mann &#8230;.<\/strong><br \/>\nAntwort von Hildegard Hamm-Br\u00fccher auf meine Frage, was liberal zu sein bedeutet:<br \/>\nJunger Mann, sie m\u00fcssen noch Vieles lernen, aber Eines m\u00fcssen sie sofort lernen. Echter Liberalismus unterscheidet nicht zwischen Rechts und Links, sondern nur zwischen einem Mehr oder Weniger an Freiheit.<br \/>\n15.11.2020, Andreas Mertens, AO (Achgut Online)<\/p>\n<p><strong>Allein diese falsche Frage f\u00fcr richtig und angemessen zu halten,<\/strong><br \/>\nzeigt, wie die linke Leitideologie bei Mara Delius ihren menschlichen Anstand vergiftet hat. Eine Schande, wie karrieref\u00f6rdernd diese Hybris in Medienkreisen wirkt und von liberal denkenden Menschen widerspruchslos hingenommen wird! Der demonstrative Verlust des menschlichen Anstands deutet auf einen drohenden neuen Faschismus hin. Der Meinungskorridor ist nicht nur unnat\u00fcrlich eng, sondern er weist einen grotesken Linksdrall auf, den wir nur \u00fcberwinden k\u00f6nnen, wenn \u201cnicht-linke\u201d und \u201cneu-rechte\u201d Ideen als Regulativ toleriert werden. Das ist auch lebenswichtig, denn anders kann man der menschenfeindlichen marxistischen Weltrevolution und dem Antikapitalismus nicht begegnen, die in der Fratze des \u201cAntifaschismus\u201d staatlich gef\u00f6rdert die Gesellschaft polarisiert. Monika Maron ist in der DDR sozialisiert worden. F\u00fcr eine DDR 2.0 d\u00fcrfte sie kaum zu begeistern sein. \u201cDas Sein bestimmt das Bewusstsein\u201d, hat der Playboy Karl Marx uns eingebl\u00e4ut. Wo er recht hat, hat er recht.<br \/>\n15.11.2020, A.R.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Die Frage ist, wie distanziere ich mich glaubhaft,<\/strong><br \/>\nsozusagen nachhaltig, ganz unzweifelhaft? Reicht ein Bekenntnis gegen Adolf Hitler? Oder muss es schon eines gegen Trump sein? Wie sieht es aus mit Franz-Josef Strau\u00df? Oder Helmut Kohl? War der nicht irgendwie f\u00fcr die Nation? Ein Nationalist? Bismarck? Was machen wir mit Bismarck? Ein Alt-Rechter? Kolonialist? Von Stauffenberg? Eindeutig rechts. Was halten Sie von Atomkraft? Rechts? Von SUVs? Distanzieren? Vom Islam? Friedensreligion? Christentum? Ewiggestrig, also rechts? Was stehen Sie zur EU- Schuldenpolitik? Kritisch? V\u00f6llig neu-rechts. Sicherheit auf den Stra\u00dfen? Faschistische Ansicht. Finden Sie die Anliegen und Methoden der Antifa in Ordnung? Nein? Doppelt neu-rechts. Sind alle Menschen legal? Kommt drauf an? Wie bitte? Dem d\u00fcrfen wir keine \u00f6ffentliche B\u00fchne bieten. Wie finden Sie achgut? Was? Das lesen Sie? Setzen. Sechs. Fast radikal, der Mensch. M\u00f6gen Sie die Gr\u00fcnen? Nicht so besonders? Jetzt reicht\u2018s. Raus. Gehen Sie doch r\u00fcber. Nach Polen. Oder gleich nach Ungarn. Oder spielen Sie Golf mit Trump. Rechts bis zum Geht nicht mehr.<br \/>\n15.11.2020, W.A.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Rechts-o-meter<\/strong><br \/>\nVielleicht kann die Achse ja f\u00fcr uns ein politikwissenschaftlich fundiertes Rechts-o-meter mit eindeutiger Nazi-Skala nach Punkten erstellen? Wie viele von uns haben in den letzten Jahren diese diffusen Anw\u00fcrfe erlebt und wissen gar nicht, als welch gef\u00e4hrlichen Individuen sie durch die Republik wandeln. Mein pers\u00f6nlicher Versuch der Selbstkategorisierung bei politicaltest.net ergab \u201cSie sind ein demokratischer Nationalliberaler und 80% sind extremistischer als Sie\u201d. Ein klarer Messfehler, schliesslich habe ich anderswo f\u00fcr \u201cdie haben uns eine kaum integrierbare neue Unterschicht importiert\u201d ein herzhaftes \u201cNazi!\u201d geerntet. Also den gesch\u00e4tzten fr\u00fcheren Politiklehrer gefragt, prophylaktisch mit gesenktem Haupt. \u201cWenn das rechts sein soll, sind wir aber alle rechts\u201d, fiel sein Urteil. \u201cIst halt alles v\u00f6llig durcheinander, seit die Union linke Politik macht\u201d. Also weiss immer noch keiner, ob man mich sicherheitshalber doch von der Strasse holen sollte. Ich m\u00f6chte endlich messbare Klarheit \u00fcber Dimension und Gef\u00e4hrlichkeit meines Rechts-seins. Wer kann da helfen?<br \/>\n15.11.2020,W.H.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Houellebeqs Roman \u201cUnterwerfung\u201d &#8211; auch distanzieren?<\/strong><br \/>\nWer bitte nimmt diese Mara Delius \u00fcberhaupt ernst? Ich erinnere mich noch an ihre infantil vorlaute \u00e4tzende Kritik an Michel Houellebeqs Roman \u201cUnterwerfung\u201d, den sie bereits rezensierte, bevor er in deutscher Sprache auf dem Markt war. Wahrscheinlich hat sie sich da an unserer tollen Kanzler\u00f6se orientiert und das Buch als \u201cnicht hilfreich\u201d eingestuft, ohne es gelesen zu haben. W\u00fcrde ja passen. Dieser Roman ist im \u00dcbrigen nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich auf franz\u00f6sisch ein Hochgenuss. Wohl f\u00fcr die Tante von Welt als \u201cSoumission\u201d im Niveau zu hoch angesiedelt. Auch Monika Marons B\u00fccher sollte man von der ersten bis zur letzten Seite mit Verstand lesen &#8211; soweit Verstand vorhanden ist.<br \/>\n15.11.2020, U.B.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Habe Monika Marons Buch \u201cMunin oder Chaos im Kopf\u201d gelesen<\/strong><br \/>\nDie ganze Hetzjagd von LinksGr\u00fcn gegen sie erinnert mich an die der Anderen gegen Salman Rushdie.<br \/>\n15.11.2020, G.S.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Sorry, aber ihr Deutschen habt ein krankes Verh\u00e4ltnis zu Rechts<\/strong><br \/>\nIch bin Rechts und das ist logisch so. Weil Rechts bedeutet weniger Staat und viel individuelle Freiheit. Wie reimt sich das den mit den Vorw\u00fcrfen mit denen die Rechten konfrontiert werden? Ausserdem wird nicht zwischen Rechts, also B\u00fcrgerlich, Konservativ und Liberal, und mit Rechtsradikal und -extrem unterschieden. Und was soll ein Neu-Rechter sein? Jemand der die individuelle Freiheit neu entdeckt hat? H\u00f6rt endlich auf euch zu distanzieren sondern treibt die echten Diktatorenliebhaber in die Enge: Die Linken n\u00e4hmlich! Sie m\u00f6chten so viel Staat wie m\u00f6glich und die individuelle Freiheit abschaffen. Herrgott nochmal.<br \/>\n15.11.2020, M.G.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Das Einzige, wovon ich mich distanziere, ist das Distanzieren.<\/strong><br \/>\nJa, ich distanziere mich vom Distanzieren. Ich bin bereit, mit jedem Menschen zu diskutieren, der \u00fcber mehr als zwei Vokabeln (mehr als \u201cNazis\u201d und \u201craus\u201d) verf\u00fcgt. Ist man ein Rechtsextremer, wenn man tolerant ist und sich nicht von Linken distanziert? Die ganze Diskussion um das Distanzieren, um die \u201cklare Kante\u201d, zeigt nur eines: Die gesellschaftliche Spaltung ist von Oben gewollt, denn Einigkeit macht stark und ein starker Kriegsgegner ist ein gef\u00e4hrlicher Gegner. Die Spaltung muss also mit aller Macht aufrecht erhalten werden, auch wenn die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung spaltungsm\u00fcde geworden ist. Die Querdenken-Demos sind der beste Beweis daf\u00fcr, dass die Menschen dieses perfide Schubladendenken nicht l\u00e4nger hinnehmen.<br \/>\n15.11.2020, H.S.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Seit zwei Jahren steht \u00fcber mich in der Zeitung, ich sei neurechts oder rechts oder von irgendwelchem neurechten Gedankengut infiltriert. Soll ich mich von mir selbst distanzieren? 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