{"id":82453,"date":"2020-07-27T14:56:54","date_gmt":"2020-07-27T12:56:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=82453"},"modified":"2020-07-27T15:11:40","modified_gmt":"2020-07-27T13:11:40","slug":"letter-on-justice-open-debate","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/letter-on-justice-open-debate\/","title":{"rendered":"Letter on Justice &#8211; Open Debate"},"content":{"rendered":"<p>In den <a title=\"USA\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/usa\/\">USA<\/a> haben sich ca 150 prominente <a title=\"Eliten\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/eliten\/\">Intellektuelle<\/a> aus Kultur, Wissenschaft und Medien in einem \u201cBrief \u00fcber Gerechtigkeit und <a title=\"Diskussionskultur\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/diskussionskultur\/\">offene Debatte<\/a>\u201d im Harper\u2019s Magazine gegen die <a title=\"Cancel Culture \u2013 Soziale Medien\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/cancel-culture-soziale-medien\/\">\u201cCancel Culture\u201d<\/a> gewandt \u2013 gegen das Canceln bzw. <a title=\"Journalismus: Resignation-Letter\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/journalismus-resignation-letter\/\">L\u00f6schen eines Kritikers<\/a> dadurch, dass man seine vom <a title=\"Mainstream\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/mainstream\/\">Mainstream<\/a> <a title=\"Kritik und abweichende Meinung\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kritik-und-abweichende-meinung\/\">abweichende Meinung<\/a> (Beitrag, Kommentar, Account, Blog, Kanal, <a title=\"Internet\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/internet\/\">Website<\/a>) in den <a title=\"Social-Networking\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/internet\/social-networking\/\">Social Media<\/a> entfernt. <!--more--><br \/>\nDas Interessante ist, da\u00df die Unterzeichner der politischen <a title=\"Gruen-Links\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/gruen-links\/\">Linken<\/a> wie auch <a title=\"Trump\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/usa\/trump\/\">Rechten<\/a> angeh\u00f6ren, d.h. sie wenden sich gegen die Gef\u00e4hrder der <a title=\"Demokratie\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/\">Demokratie<\/a> (von Rechts) und die <a title=\"Ideologie\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/ideologie\/\">Verf\u00e4lscher der Wirklichkeit<\/a> (von Links) gleicherma\u00dfen.<br \/>\nVielesvon dem, was\u00a0in den USA passiert, schwappt mit einem gewissen Time lag auch nach <a title=\"Europa\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/eu\/europa\/\">Europa<\/a> und Deutschland \u00fcber &#8211; leider auch die <a title=\"Cancel Culture \u2013 Soziale Medien\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/cancel-culture-soziale-medien\/\">Cancel Culture<\/a>.<br \/>\n27.7.2020<br \/>\n.<\/p>\n<p><strong>A Letter on Justice and Open Debate &#8211; Harper&#8217;s Magazine<\/strong><br \/>\nBrief der 150 zu &#8222;Gerechtigkeit und offene Debatte&#8220; vom 7.7.2020:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/harpers.org\/a-letter-on-justice-and-open-debate\/\">https:\/\/harpers.org\/a-letter-on-justice-and-open-debate\/<br \/>\n<\/a>\u00a0.<br \/>\nDeutsche \u00dcbersetzung:<a href=\"https:\/\/harpers.org\/a-letter-on-justice-and-open-debate\/\"><br \/>\n<\/a><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2020\/29\/cancel-culture-liberalismus-rassismus-soziale-gerechtigkeit\">https:\/\/www.zeit.de\/2020\/29\/cancel-culture-liberalismus-rassismus-soziale-gerechtigkeit<\/a><a href=\"https:\/\/harpers.org\/a-letter-on-justice-and-open-debate\/\"><br \/>\n<\/a>.<a href=\"https:\/\/harpers.org\/a-letter-on-justice-and-open-debate\/\"><br \/>\n<\/a>\u00a0.<br \/>\n<strong>Ein Dokument der Furcht<\/strong><br \/>\n<strong>Ein offener Brief von Intellektuellen beklagt Konformit\u00e4tsdruck und Zensur \u2013 und bleibt doch halbherzig<\/strong><br \/>\nvon Thorsten Hinz<br \/>\nRund 150 vor allem englischsprachige Wissenschaftler, K\u00fcnstler, Journalisten haben in der US-Zeitschrift Harper\u2019s Magazine einen offenen Brief \u00fcber \u201eGerechtigkeit und offene Debatte\u201c ver\u00f6ffentlicht. Darunter sind internationale Schwergewichte wie die Schriftsteller Margaret Atwood, Louis Begley, Salman Rushdie, die Harry-Potter-Autorin J. K. Rowling, der Politologe Francis Fukuyama und die Linguisten Noam Chomsky und Steven Pinker.<br \/>\n.<br \/>\nSie prangern das stickige Debattenklima, die Praxis \u201e\u00f6ffentlicher Besch\u00e4mung und Ausgrenzung\u201c von Meinungsdissidenten an sowie \u201edie Tendenz, komplexe politische Fragen in einer t\u00e4uschenden moralischen Gewi\u00dfheit aufzul\u00f6sen\u201c. Sie konstatieren eine Melange aus Konformit\u00e4tsdruck, Zensur, Selbstzensur und purer Existenzangst.<\/p>\n<p>Sie beschreiben die Praxis der \u201e<a title=\"Cancel Culture \u2013 Soziale Medien\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/cancel-culture-soziale-medien\/\">Cancel Culture<\/a>\u201c, des systematischen Boykotts unliebsamer Personen mit dem Ziel ihrer Annullierung aus dem \u00f6ffentlichen Leben. Man vertreibt sie von Lehrst\u00fchlen, vom Sendeplatz, aus Zeitungen, Verlagen, aus sozialen Netzwerken, durchaus vergleichbar mit den \u201eS\u00e4uberungen\u201c in ehedem kommunistischen L\u00e4ndern. Die Methode, die soziale, psychische und physische Existenz des Andersdenkenden in einen Kriegsschauplatz zu verwandeln, anstatt sich mit seinen Argumenten auseinanderzusetzen, ist auch in Deutschland l\u00e4ngst zur g\u00e4ngigen \u00dcbung geworden.<\/p>\n<p>Bemerkenswert ist der Brief aber auch deshalb, weil die Unterzeichner vor dem Zeitgeist, dem diese Praxis entspringt, einen Kniefall machen. Indirekt zwar, aber deutlich identifizieren sie sich mit den Intentionen der \u201eBlack Lives Matter\u201c-Bewegung und distanzieren sich von den weltweiten \u201eKr\u00e4ften des Illiberalismus\u201c, die \u201emit Donald Trump einen m\u00e4chtigen Verb\u00fcndeten (haben), der eine echte Bedrohung f\u00fcr die Demokratie darstellt\u201c.<\/p>\n<p>Den Fanatikern wird bedeutet, da\u00df sie auf derselben Seite st\u00fcnden und die \u201eCancel Culture\u201c in ihrem Fall die Falschen treffe. Die Initiatoren haben strikt darauf geachtet, da\u00df nur Linke und Liberale, aber keine Konservativen oder Rechten den Brief unterschreiben, obwohl sie von der Ausgrenzung zuerst und am meisten betroffen sind. Genutzt haben die Distanzierungs- und Unterwerfungsgesten ihnen nicht. Das Kesseltreiben, das gegen sie einsetzte, hat bereits zu ersten Absetzbewegungen gef\u00fchrt; zwei Unterzeichner haben ihre Unterschrift schon zur\u00fcckgezogen.<\/p>\n<p>Der Brief ist widerst\u00e4ndig und zugleich ein Dokument der Furcht und Inkonsequenz. Die Autoren ignorieren, da\u00df die jahrelange Anh\u00e4ufung jener widerw\u00e4rtigen Quantit\u00e4ten, die sie aufz\u00e4hlen, l\u00e4ngst in eine neue Qualit\u00e4t umgeschlagen ist. Die liberale Gesellschaft, die sie beschw\u00f6ren, ist heute eine Untote, die Monster gebiert. Um deren Verhalten und Denkweise zu verstehen, mu\u00df man nur die Schriften, Prognosen und Analysen, die in den 20er, 30er und 40er Jahren \u00fcber die Massengesellschaft, den Massenwahn und totalit\u00e4re Verirrungen verfa\u00dft wurden, als aktuelle Studien \u00fcber die Gegenwart lesen. Karl Jaspers sah 1931 ein \u201eexistentielles Plebejertum\u201c gegen das \u201eSelbstsein\u201c wirken: Die Menschen der Massengesellschaft h\u00e4tten sich mehrheitlich damit abgefunden, als Objekte der selbstgeschaffenen Apparate \u2013 der Institutionen, Parteien, Medien, des Sozialstaats \u2013 zu existieren und sich mit der Ausl\u00f6schung der Pers\u00f6nlichkeit und des selbst\u00e4ndigen Denkens einverstanden erkl\u00e4rt.<br \/>\nParallel zu dieser R\u00fcckabwicklung einer ganzen kulturellen Entwicklung tr\u00e4ten quasi-religi\u00f6se, absolutistische Instinkte in den Vordergrund. Seine Sch\u00fclerin Hannah Arendt spitzte das zu einer Charakterisierung des Massenmobs zu, der nicht differenzieren und diskutieren wolle, sondern nur die Wahl zwischen \u201eHosianna!\u201c oder \u201eKreuzige ihn!\u201c kenne und sich schlagartig zum Lynchmob formiere.<\/p>\n<p>Mit dem Dritten Reich, so die Gro\u00dfe Erz\u00e4hlung unserer Zeit, h\u00e4tte diese Entwicklung ihre schlimmstm\u00f6gliche Zuspitzung und mit dessen Niederlage 1945 auch ihre L\u00e4uterung erfahren. Mit dem Sieg der liberalen M\u00e4chte des Westens h\u00e4tten die fanatischen Masseninstinkte eine flexible und dauerhafte Einhegung erfahren. Der Zusammenbruch des Kommunismus 1989 schien diese Darstellung zu besiegeln. Damals pr\u00e4sentierte Francis Fukuyama die These vom \u201eEnde der Geschichte\u201c, das gleichbedeutend war mit dem weltweiten Sieg der offenen Gesellschaft.<br \/>\nDoch die Vision einer Welt ohne Grenzen, der freien Warenstr\u00f6me, der globalen Menschenrechte, in der die Staaten nur noch durchrationalisierte Verwaltungseinheiten der Neuen Weltordnung sein sollten, setzte eine nivellierende und autorit\u00e4re Dynamik frei, die den Fanatismus aus seiner Einhegung entlie\u00df. Mit dem Ergebnis, da\u00df er jetzt als moralisches Jakobinertum die Gesellschaft inklusive der Liberalen vor sich hertreibt.<br \/>\nEs ist ein bitterer Treppenwitz, wenn der mitunterzeichnende Politikwissenschaftler Yascha Mounk, der k\u00fcrzlich noch verlangte, die Kritiker der multikulturellen Transformation Europas \u201erichtig zu bestrafen\u201c, sich jetzt von einer \u201eKultur der Angst\u201c umstellt sieht.<br \/>\nEs geht nicht nur um den Mob auf der Stra\u00dfe und im Internet. Eine Armada halbgebildeter sogenannter Experten f\u00fcr irgendwas, Journalisten und Karrierepolitiker h\u00e4lt die Schaltstellen der \u00f6ffentlichen Kommunikation besetzt und verschmilzt mit der Staatsmacht.<br \/>\nDie Simplifizierung, Infantilisierung und Sentimentalisierung der politischen, medialen und sogar akademischen Diskurse zeigt, da\u00df die oberen Etagen von Staat und Gesellschaft ebenfalls von der Mentalit\u00e4t des Massenmobs beherrscht werden. Begriffe wie \u201eRechtsstaat\u201c oder \u201eliberale Demokratie\u201c zerfallen davor zu Staub. Eine R\u00fcckkehr zum fairen Meinungsstreit, den die Unterzeichner das offenen Briefes verlangen, kann und wird es unter diesen Umst\u00e4nden nicht mehr geben.<br \/>\n&#8230; Alles vom 24.7.2020 von Thorsten Hinz bitte lesen auf JF, 31\/20, Seite 1<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den USA haben sich ca 150 prominente Intellektuelle aus Kultur, Wissenschaft und Medien in einem \u201cBrief \u00fcber Gerechtigkeit und offene Debatte\u201d im Harper\u2019s Magazine gegen die \u201cCancel Culture\u201d gewandt \u2013 gegen das Canceln bzw. 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