{"id":79513,"date":"2020-03-05T14:49:06","date_gmt":"2020-03-05T13:49:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=79513"},"modified":"2020-03-05T16:31:11","modified_gmt":"2020-03-05T15:31:11","slug":"tote-tannen-als-klimadenkmal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/tote-tannen-als-klimadenkmal\/","title":{"rendered":"Tote Tannen als Klimadenkmal"},"content":{"rendered":"<p>Der Forstbezirk <a title=\"Hochschwarzwald\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/hochschwarzwald\/\">Hochschwarzwald<\/a> will abgestorbene B\u00e4ume am <a title=\"Singletrail Kybfelsen-Sternwald\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/singletrail-kybfelsen-sternwald\/\">Kybfelsen<\/a> bei Freiburg stehen lassen. Die Rekord-Sommer 2018 und 2019 haben den <a title=\"Baum\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/wald\/baum\/\">B\u00e4umen<\/a> geschadet.\u00a0Der <a title=\"Forst\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/wald\/forst\/\">Forstbezirk<\/a>, verantwortlich f\u00fcr die Waldwirtschaft auf 15.000 Hektar Staatswald zwischen <a title=\"Schauinsland\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/berge\/schauinsland\/\">Schauinsland<\/a> und Villingen, hat vor, absterbende Tannen in einem rund sechs Hektar gro\u00dfen <a title=\"Naturzerst\u00f6rung \u2013 Klimawandel\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/naturzerstoerung-klimawandel\/\">Waldst\u00fcck<\/a> an der S\u00fcdostseite des Kybfelsens bei Freiburg als <a title=\"Klimawandel\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/klima\/klimawandel\/\">Klimadenkmal<\/a> stehen zu lassen.<!--more--> Dies teilte jetzt Forstbezirksleiter Hans-Ulrich Hayn mit.<br \/>\n.<br \/>\nNach einem klimatisch extremen Jahr 2018 mit h\u00f6chsten Temperaturen und geringsten Niederschl\u00e4gen seien an den Tannen in diesem Waldst\u00fcck im Fr\u00fchjahr 2019 erste Sch\u00e4den aufgetreten, die sich im Sommer massiv ausgeweitet h\u00e4tten, erkl\u00e4rt Hayn. Beim Freiburger Forstamt, das bislang f\u00fcr die Bewirtschaftung zust\u00e4ndig gewesen ist, habe man sich richtigerweise auf den rechtzeitigen Auszug befallener Fichte konzentriert, da sich die Borkenk\u00e4fer an dieser Baumart deutlich st\u00e4rker ausbreiten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/tote-tannen-als-klimadenkmal\/klimadenkmal-kybfelsen20200305\/\" rel=\"attachment wp-att-79516\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-79516\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/klimadenkmal-kybfelsen20200305-135x180.jpg\" alt=\"klimadenkmal-kybfelsen20200305\" width=\"135\" height=\"180\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/klimadenkmal-kybfelsen20200305-135x180.jpg 135w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/klimadenkmal-kybfelsen20200305.jpg 480w\" sizes=\"auto, (max-width: 135px) 100vw, 135px\" \/><\/a>\u00a0Am Kybfelsen zwischen Littenweiler und Kappler Tal unterhalb Schauinsland<\/p>\n<p>Tannenbalken tragen seit rund 800 Jahren das Dach des <a title=\"Muensterturm\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/kirchen\/muenster\/muensterturm\/\">Freiburger M\u00fcnsters<\/a><br \/>\nSeit 1. Januar 2020 ist der Landesbetrieb Forst-BW f\u00fcr die Bewirtschaftung der Staatsw\u00e4lder im Bereich Freiburg verantwortlich. Der zust\u00e4ndige Revierf\u00f6rster Otmar Winterhalter und Forstbezirksleiter Hans-Ulrich Hayn kamen nach eigenen Angaben bei einer gemeinsamen Begehung zu dem Schluss, die toten und die absterbenden B\u00e4ume nicht mehr zu nutzen, sondern als sogenanntes Klimadenkmal stehen zu lassen.<br \/>\nDies habe folgende Hintergr\u00fcnde: Eine \u00f6konomisch sinnvolle Nutzung w\u00e4re nur bei zeitnahem Einschlag m\u00f6glich gewesen. Bei kranken Tannen setze ein rascher Stabilit\u00e4tsverlust im Holz ein. Die sonst tollen Holzeigenschaften der Tanne \u2013 das Dach des Freiburger M\u00fcnsters wird seit rund 800 Jahren ohne Probleme von Tannenbalken getragen \u2013 verl\u00f6ren die B\u00e4ume bei stehenden Absterbeprozessen recht schnell. Offenbar breiten sich den Experten zufolge bereits im Sterbeprozess Pilze aus, die bei warmen Temperaturen sofort mit der Zersetzung beginnen. Damit seien die B\u00e4ume nach neun Monaten nicht mehr als Bauholz zu nutzen. Eine weitere Ausbreitung von Sch\u00e4dlingen wie Pilzen oder Borkenk\u00e4fer halten die F\u00f6rster in dieser Fl\u00e4che f\u00fcr beherrschbar, da die Nachbarbest\u00e4nde nur wenige Tannen enthalten.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich gehe von Totholz immer auch eine gewisse Gefahr aus, mit der Waldbesucher zu rechnen h\u00e4tten, betont Hans-Ulrich Hayn. In diesem abgelegenen Waldst\u00fcck bei Freiburg sei die Erholungsnutzung jedoch sehr gering, so dass abbrechende St\u00e4mme oder \u00c4ste kaum Sch\u00e4den verursachen werden. Generell sollte man den Wald bei st\u00e4rkerem Wind oder gar Sturm meiden, lautet sein Rat.<\/p>\n<p>Erst einmal wird massiv Kohlendioxid freigesetzt<br \/>\nEin Nachteil sei die massive Freisetzung von <a title=\"Pflanzen-CO2\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/flora\/pflanzen-co2\/\">CO2<\/a>. Sie lasse sich nicht mehr verhindern. Die F\u00f6rster sch\u00e4tzen, dass in den n\u00e4chsten zehn Jahren rund 80 Prozent des in den B\u00e4umen gespeicherten Kohlenstoffs freigesetzt wird. Das entspreche rund 1700 Tonnen CO2, betont Hayn. Bei den Tannen in dieser H\u00f6henlage erfolge dieser Prozess rasch, er sei jetzt bereits gut sichtbar. Ein Holzeinbau in Bauwerke und damit auch langfristige Substitutionseffekte f\u00fcr energieaufw\u00e4ndige Baustoffe wie Beton, Stahl oder Aluminium entfielen, und auch der Ersatz von fossilen Brennstoffen wie Erdgas, Erd\u00f6l oder Kohle durch das Verheizen des Holzes sei nicht mehr sinnvoll m\u00f6glich.<br \/>\nPositiv schlagen nach Ansicht des Experten \u00f6kologische Aspekte zu Buche. Eine Vermehrung verschiedener auf totes Holz angewiesener Arten wie holzzersetzende Pilze und K\u00e4fer finde bereits statt. Mittelfristig entst\u00fcnden verschiedene zus\u00e4tzliche Habitatstrukturen f\u00fcr Spechte, Flederm\u00e4use und weitere Arten.<\/p>\n<p>Klimawandel beschreibt das Waldst\u00fcck treffend<br \/>\nDer Begriff Klimadenkmal charakterisiert f\u00fcr Forstbezirksleiter Hans-Ulrich Hayn das Waldst\u00fcck treffend. In den normal bewirtschafteten W\u00e4ldern entferne man befallene B\u00e4ume rasch, so dass Sch\u00e4den von Waldbesuchern oft gar nicht gesehen w\u00fcrden. Im Klimadenkmal k\u00f6nnten interessante Prozesse direkt beobachtet werden. So \u00e4ndere sich ein stabiles und naturnahes Wald\u00f6kosystem, das hier seit mehr als 3000 Jahren zu finden gewesen sei, dramatisch.<\/p>\n<p>Die erw\u00e4hnten Nachteile in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit oder die Erholungseignung seien direkt erkennbar. Aber auch \u00f6kologisch m\u00fcsse einem bewusstwerden, dass viele wirklich alte W\u00e4lder wie dieser rund 140 Jahre alten Tannenwald langfristig vermutlich seltener w\u00fcrden. Die Baumarten lassen sich auf der ausgew\u00e4hlten Fl\u00e4che gut auf ihre zuk\u00fcnftige Eignung ansprechen, erkl\u00e4rt Hayn. So seien hier bislang Eichen, Buchen und Douglasien noch ohne gr\u00f6\u00dfere Sch\u00e4den. Dies sei ein wichtiger Hinweis f\u00fcr den Mischwaldgedanken.<br \/>\nWie sieht der k\u00fcnftige Wald aus, was sollte getan werden? Verschiedene Handlungsoptionen k\u00f6nnten hier aufgezeigt werden, betont der Experte. F\u00f6rster wollten den Aufwand m\u00f6glichst klein halten, seien aber der Meinung, dass wieder ein multifunktionaler Wald entstehen solle.<br \/>\nIn den n\u00e4chsten zehn Jahren seien jedoch aufw\u00e4ndige Ma\u00dfnahmen schon wegen der Gef\u00e4hrdung f\u00fcr die Waldarbeiter nicht angebracht. Auf dem Boden zeige eine vielf\u00e4ltige Naturverj\u00fcngung die M\u00f6glichkeiten zur Ausformung eines produktiven, artenreichen Mischwalds aus Buche, Douglasie, Eiche und etwas Tanne auf \u2013 ein Wald, dem auch in ver\u00e4ndertem Klima das Erf\u00fcllen aller Waldfunktionen zugetraut werde. Mit einfacher Pflege werde er in diese Richtung entwickelt. In zehn bis 20 Jahren werde die prognostizierte Waldentwicklung die Fl\u00e4che von einer CO2-Quelle wieder zu einem Speicher werden lassen. Schon jetzt sei das Waldst\u00fcck sehr interessant. Es werde sich jedes Jahr weiter entwickeln und sicherlich einige \u00dcberraschungen bereithalten.<br \/>\n&#8230; Alles vom 5.3.2020 bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.badische-zeitung.de\/forstbezirk-hochschwarzwald-laesst-tote-tannen-als-klimadenkmal-stehen\">https:\/\/www.badische-zeitung.de\/forstbezirk-hochschwarzwald-laesst-tote-tannen-als-klimadenkmal-stehen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Forstbezirk Hochschwarzwald will abgestorbene B\u00e4ume am Kybfelsen bei Freiburg stehen lassen. 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