{"id":77432,"date":"2019-12-21T17:11:50","date_gmt":"2019-12-21T16:11:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=77432"},"modified":"2019-12-21T17:11:50","modified_gmt":"2019-12-21T16:11:50","slug":"baerbel-bohley-prophezeiung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/baerbel-bohley-prophezeiung\/","title":{"rendered":"B\u00e4rbel Bohley &#8211; Prophezeiung"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Heute erf\u00fcllen sich allgemein die <a title=\"Deutschland2030\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/deutschland2030\/\">prophetischen<\/a> Worte der <a title=\"DDR\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/ddr\/\">DDR<\/a>-B\u00fcrgerrechtlerin B\u00e4rbel Bohley: <em>\u201e<a title=\"DDR-Stasi\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/ddr-stasi\/\">Stasi-Strukture<\/a>n (und die) Methoden, mit denen sie gearbeitet haben &#8230; All das wird in die falschen H\u00e4nde geraten. Man wird sie ein wenig adaptieren, damit sie zu einer <a title=\"Freiheit\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/freiheit\/\">freien<\/a>, <a title=\"Westen\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/westen\/\">westlichen<\/a> Gesellschaft passen. Man wird St\u00f6rer nicht unbedingt verhaften \u2013 es gibt feinere M\u00f6glichkeiten, unsch\u00e4dlich zu machen.\u00a0<\/em><!--more--><\/p>\n<p><em>Aber die geheimen Verbote, das Beobachten, der Argwohn, die Angst, das Isolieren und Ausgrenzen, das Brandmarken und Mundtotmachen wird wiederkommen &#8230;\u00a0<\/em><em>Man wird Einrichtungen schaffen, viel effektiver, viel feiner als die Stasi. Auch das st\u00e4ndige L\u00fcgen wird wiederkommen, die Desinformation und der Nebel, in dem alles seine Kontur verliert.\u201c<br \/>\n.<br \/>\n<\/em>Als ich damals zur <a title=\"Mauerfall1989\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/mauerfall1989\/\">Wendezeit<\/a> jeden eiskalten <a title=\"Mauerfall vor 30 Jahren Berlin\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/mauerfall-vor-30-jahren-berlin\/\">Montagabend<\/a> vor dem \u201eNischel\u201c, der gro\u00dfen Plastik des Kopfs von Karl Marx im Chemnitzer Zentrum, stand und mitdemonstriert habe, h\u00e4tte ich es nie f\u00fcr m\u00f6glich gehalten, da\u00df man, entsprechend Bohleys Worten, 25 Jahre sp\u00e4ter ebenda wieder zur <a title=\"Meinungsfreiheit bedroht?\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/meinungsfreiheit-bedroht\/\">Verteidigung<\/a> der <a title=\"Meinungsfreiheit\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/meinungsfreiheit\/\">Meinungsfreiheit<\/a> demonstrieren w\u00fcrde.&#8220;<\/p>\n<p>So \u00e4u\u00dfert sich <a title=\"DDR-Stasi\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/ddr-stasi\/\">Theo Lehmann<\/a>, bis zur Wende 1989 als ev. Jugendpfarrer ebenfalls von der Stasi drangsaliert, zu der Prophezeiung, die die DDR-B\u00fcrgerrechtlerin B\u00e4rbel Bohley im Jahr 1991 \u00e4u\u00dferte. Damals wurden Bohley&#8217;s Worte noch ungl\u00e4ubig abgetan. Und jetzt, 30 Jahre nach dem <a title=\"Mauerfall1989\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/mauerfall1989\/\">Mauerfall<\/a>, zur Jahreswende 2019\/2020?<br \/>\n21.12.2019<br \/>\nMehr zum Beitrag von Dr. Theo Lehmann bitte\u00a0<a title=\"DDR-Stasi\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/ddr-stasi\/\">hier<\/a>.<br \/>\n.<\/p>\n<p><strong>B\u00e4rbel Bohley: Die Frau, die es voraussah<\/strong><br \/>\nIch habe mich immer gern erinnert. Schon als Kind. Mit jedem Jahr sammelt sich mehr Erinnernswertes an. Viele, an die ich denke, leben nicht mehr. In mir sind sie lebendig. Falls ihr mich h\u00f6rt, ihr Entschwundenen: Verlasst euch drauf, ich denke an euch. Gestern, beim Pflanzen in meinem W\u00fcsten-Garten, erinnerte ich mich an B\u00e4rbel Bohley. Muss ich erkl\u00e4ren, wer sie war?<br \/>\nSie ist 2010 gestorben, zu jung, kaum 65 Jahre alt. Vor drei\u00dfig Jahren, als die DDR unterging, kannte sie jeder. Ich erinnere mich, wie wir im Herbst \u201a89 bei Freunden in der Schweiz, auf der Durchreise von Rom nach Berlin, die Fernseh-Nachrichten sahen \u2013 gerade war Honecker abgesetzt worden \u2013 und wie im Schweizer Fernsehen von B\u00e4rbel die Rede war wie von einer Instanz. Sie galt als Ikone der B\u00fcrgerrechtsbewegung. Doch zu einer Stellung im Nach-Wende-Deutschland kam es nicht, da stiegen andere auf, M\u00e4dchen, die bis zuletzt brav mitgemacht hatten. B\u00e4rbels Name stand f\u00fcr eine lange Vorgeschichte von Ungehorsam und Rebellion. Es lag in der Natur des westdeutschen Parteiensystems, dass im vereinigten Deutschland nicht Leute wie sie, sondern die Mitl\u00e4ufer hochkamen, die Angepassten. Als \u201eKohls M\u00e4dchen\u201c w\u00e4re B\u00e4rbel Bohley nicht geeignet gewesen. Da fanden sich Andere, Geschicktere.<br \/>\n&#8230;.<br \/>\n<strong>\u201eDas st\u00e4ndige L\u00fcgen wird wiederkommen\u201c<\/strong><br \/>\nSofort war \u00dcbereinstimmung hergestellt. Und nun sagte sie etwas, was ich nie verga\u00df. \u201eAlle diese Untersuchungen\u201c, sagte sie, \u201edie gr\u00fcndliche Erforschung der Stasi-Strukturen, der Methoden, mit denen sie gearbeitet haben und immer noch arbeiten, all das wird in die falschen H\u00e4nde geraten. Man wird diese Strukturen genauestens untersuchen \u2013 um sie dann zu \u00fcbernehmen.\u201c Als wir verbl\u00fcfft schwiegen, fuhr sie fort: \u201eMan wird sie ein wenig adaptieren, damit sie zu einer freien westlichen Gesellschaft passen. Man wird die St\u00f6rer auch nicht unbedingt verhaften. Es gibt feinere M\u00f6glichkeiten, jemanden unsch\u00e4dlich zu machen. Aber die geheimen Verbote, das Beobachten, der Argwohn, die Angst, das Isolieren und Ausgrenzen, das Brandmarken und Mundtotmachen derer, die sich nicht anpassen \u2013 das wird wiederkommen, glaubt mir. Man wird Einrichtungen schaffen, die viel effektiver arbeiten, viel feiner als die Stasi. Auch das st\u00e4ndige L\u00fcgen wird wiederkommen, die Desinformation, der Nebel, in dem alles seine Kontur verliert.\u201c<br \/>\nAn diese S\u00e4tze denke ich oft. Wir haben bald nach diesem Abend Berlin verlassen, sind nach Israel gegangen. Ich habe noch ein paarmal mit B\u00e4rbel telefoniert, ich konnte ihr helfen, einen guten Anwalt zu finden zur Abwehr der Gerichtsverfahren, Klagen und Einstweiligen Verf\u00fcgungen, mit denen sie \u00fcberschwemmt wurde \u2013 langwierige, kostspielige Prozesse, die ihr sehr geschadet haben. F\u00fcr sie war das Leben im Westen kein Aufatmen. Sie hatte sich, in den kurzen Monaten der Euphorie, der Hoffnung und der Wahrheit, die auf den Fall der Mauer folgten, eine Offenheit angew\u00f6hnt, ein lautes Aussprechen unliebsamer Gedanken, die sie auch im Westen zur Unperson machten.<br \/>\nIch denke oft an sie. Wenn ich davon lese, wie seltsame Einrichtungen, sagen wir: die von der deutschen Regierung finanzierte Amadeu Antonio Stiftung, das Beobachten von Kindergarten-Kindern suggerieren, wie die Vorsitzende dieser Stiftung, unsere alte Ost-Berliner Bekannte Netty, mit ihren Mitarbeitern Listen zusammenstellt, in denen Unliebsame, unter dem Vorwand eines \u201eKampfes gegen rechts\u201c oder der Pr\u00e4vention gegen \u201eRassismus\u201c, namhaft gemacht, zur Ausgrenzung empfohlen, stigmatisiert werden \u2013 dann denke ich an B\u00e4rbel Bohley. An ihre prophetischen Worte vor fast drei\u00dfig Jahren.<br \/>\n&#8230; Alles vom 3.3.2019 von Chaim Noll bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.achgut.com\/artikel\/baerbel_bohley_die_frau_die_es_voraussah\">https:\/\/www.achgut.com\/artikel\/baerbel_bohley_die_frau_die_es_voraussah<\/a><br \/>\n.<br \/>\nEinige Kommentare:<br \/>\n<strong>Danke, verehrter Chaim Noll,<\/strong><br \/>\ndass es Ihnen trotz des Gegenwinds von \u201cetablierter\u201d Seite und der aktuellen Vergessensmanie alter etablierter SED-Seilschaften wert ist, die Erinnerung an B\u00e4rbel Bohley wachzuhalten. Als Mitglied des Neuen Forums, zudem als Familienvater und Arzt in einem Krankenhaus ausgelastet, hatte ich bei meinem gesellschaftspolitischen Engagement stets das Gef\u00fchl der Ohnmacht. Vor der Grenz\u00f6ffnung waren vielf\u00e4ltige Aussp\u00e4hungs- und Zersetzungsaktionen abzuwehren und zerrten an den Nerven.<br \/>\nNach dem Mauerfall war in den Ortsgruppen des Neuen Forums deutlich zu erkennen, dass es zur Schaffung der dringend erforderlichen Verwaltungshierarchie noch ein weiter Weg vor uns lag. Die Ereignisse setzten uns zus\u00e4tzlich unter Druck. Und schon kam es zu den ersten Kontakten mit Ortsgruppen der Gr\u00fcnen aus dem benachbarten Niedersachsen, die uns gro\u00dfz\u00fcgig mit Organisationsmitteln unterst\u00fctzten und uns zu einer gemeinsamen Informationsreise nach Bonn einluden.<br \/>\nSo manche Freundschaft wurde geschlossen. Ich erinnere aber auch ein Treffen im Rathaus von K\u00f6nigslutter im Jahr 1990, bei dem es zwischen Forum und Gr\u00fcnen hoch her ging, weil die Meinungen zur schnellen Wiedervereinigung divergierten. Die Fusion des neuen Forum mit den geschw\u00e4chten Gr\u00fcnen im Jahr 1993 hat uns auf Ortsgruppen- und Bezirksebene dann mehrheitlich \u00fcberrascht und schockiert. Einige namhafte Mitglieder des Neuen Forum, die sich pro Fusion erkl\u00e4rt hatten, starteten damals gr\u00fcne Parteikarrieren. Vom Neuen Forum blieb nur noch die Erinnerung an eine kurze, chaotische und gottlob unblutige \u201cRevolution\u201d. B\u00e4rbel Bohley, damals die Lichtgestalt des Neuen Forums, hatte auch mit ihren Warnungen vor dieser Fusion mit den Gr\u00fcnen recht.<br \/>\n3.3.2019, Andreas Rochow, AO<br \/>\n.<br \/>\n<strong>B\u00e4rbel Bohley war ohne Zweifel eine tragische Figur<\/strong><br \/>\nDass Ihre Prophezeiung von damals, \u201edie gr\u00fcndliche Erforschung der Stasi-Strukturen, der Methoden, mit denen sie gearbeitet haben und immer noch arbeiten, all das wird in die falschen H\u00e4nde geraten. Man wird diese Strukturen genauestens untersuchen \u2013 um sie dann zu \u00fcbernehmen\u201c sich heute immer mehr zu bewahrheiten scheint, ist erschreckend.<br \/>\nAber: nicht nur das Neue Forum, sondern auch andere Oppositionsgruppen in der \u201eDDR\u201c glaubten lange an einen sogenannten \u201eDritten Weg\u201c zwischen Kommunismus und Kapitalismus, der wiederum in einen neuen Sozialismus gem\u00fcndet h\u00e4tte &#8211; nat\u00fcrlich in den endlich \u201erichtigen\u201c. Nur: das hat noch niemals und noch nirgendwo funktioniert, seit mehr als 100 Jahren. Am Ende kam jedes Mal Terror dabei heraus. Weiter wird von allen, die bis heute glauben, ein langsamer Prozess der Vereinigung w\u00e4re besser gewesen, zweierlei unterschlagen: zum einen stand das Zeitfester f\u00fcr eine Wiedervereinigung nur sehr kurze Zeit offen. Zum anderen hatte diese Denkweise ignoriert, dass die Frage der Wiedervereinigung zu allererst eine Frage des Selbstbestimmungsrechts der Deutschen (Ost) war, weil die Teilung Deutschlands wider das Selbstbestimmungsrecht der V\u00f6lker erfolgte. Dieses Selbstbestimmungsrecht konnte auch nicht mit Verweis auf Hitler f\u00fcr obsolet erkl\u00e4rt werden.<br \/>\nDie Deutschen, die zu ersten Mal nach den letzten freien Reichstagswahlen im November 1932 wieder in einer freien, gleichen und geheimen Wahl am 18. M\u00e4rz 1990 w\u00e4hlen durften, entschieden sich mehrheitlich aber f\u00fcr den schnellen Weg, auch und gerade, weil sie keine Versuchskaninchen einer \u201esozialistischen deutschen Alternative\u201c werden wollten. Das Sch\u00f6nreden der SED-Diktatur hat seine tiefere Ursache darin, dass die Gef\u00e4hlichkeit totalit\u00e4rer Ideologien generell, und damit auch des Sozialismus, bis heute nicht thematisiert wird. Eine Gefahr will man ausschlie\u00dflich in der nationalistischen Variante sehen. Das ist kurzsichtig.<br \/>\n3.3.2019, S.D., AO<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Wahrhaft prophetische Worte!<\/strong><br \/>\nIch stamme zwar nicht aus der DDR, aber ich glaube nicht, da\u00df das misstrauische Beobachten, das Ausgrenzen, das mundtot machen von Andersdenkenden von der breiten Bev\u00f6lkerung bef\u00fcrwortet, getragen und praktiziert wurde. Dies zu tun war das Privileg der Stasi, ihrer Mitl\u00e4ufer und der Parteigl\u00e4ubigen. Was es heute so unertr\u00e4glich macht, ist, da\u00df dieser Umgang mit Andersdenkenden von der breiten Masse nicht nur gebilligt und gutgeheissen, sondern auch unterst\u00fctzt und praktiziert wird: ein Umfeld, in dem diese Haltung wohl gedeihen kann. Die Saat ist aufgegangen!<br \/>\n3.3.2019, A.L., AO<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Lieber Chaim Noll, welch treffende Analyse<\/strong><br \/>\nund welche Weitsicht einer auf ewig bewundernswerten und bis zur Selbstaufopferung sich selbst treu gebliebenen, aufrichtigen Frau. Wie wir sehen, folgt die Geschichte ihren eigenen Naturgesetzen und wiederholt sich mit unsch\u00f6ner Regelm\u00e4\u00dfigkeit. Kassandra gleich, wurde auch B\u00e4rbel Bohley zur tragischen Heldin, die pr\u00e4zise unser Unheil vorhersagte, jedoch leider kein Geh\u00f6r fand. Warum nur erinnern mich Ihre Zeilen an Georg B\u00fcchners Drama \u201cDantons Tod\u201d und die darin verewigten letzten Worte Pierre Vergniauds auf dem Schafott:<br \/>\n\u201eCitoyens, il est \u00e0 craindre que la r\u00e9volution, comme Saturne, ne d\u00e9vore successivement tous ses enfants et n\u2019engendre enfin le despotisme avec les calamit\u00e9s qui l\u2019accompagnent.\u201c (\u201cB\u00fcrger, es steht zu bef\u00fcrchten, dass die Revolution, wie Saturn, sukzessive all ihre Kinder verschlingt und schlussendlich Despotie erzeugt, mit allem begleitenden Ungemach.\u201d) Sagen Sie Bescheid, falls noch eine Parzelle \u201cW\u00fcsten-Garten\u201d neben Ihnen frei ist\u2026<br \/>\nSeien Sie gesund! Shavua tov! Gidon David<br \/>\n3.3.2019, Gidon David, AO<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Zu diesem hervorragenden Artikel kann ich auch ein Buch empfehlen<\/strong>,<br \/>\nvon Tina Krone, 1999, \u201cEine Dokumentation;<br \/>\nSie haben so lange das Sagen, wie wir es dulden;<br \/>\nBriefe an das Neue Forum September1989-M\u00e4rz 1990\u201d.<br \/>\nDarin kann man den Zeitgeist der friedlichen Revolution in der DDR erkennen. Die Briefe waren an die Gr\u00fcnder des Neuen Forums gerichtet, zu denen auch B\u00e4rbel Bohley geh\u00f6rte. Dieses Buch ist ein wichtiges, authentisches Zeitdokument. Im Titel steckt schon sehr viel Weissheit drinn: \u201cSIE HABEN SO LANGE DAS SAGEN, WIE WIR ES DULDEN\u201d! Das gilt auch f\u00fcr die heutige BRD\/DDR. W\u00e4hlt diese Freiheits- und Rechtsstaatfeindlichen-Politiker ab solange man das noch legal kann!<br \/>\n3.3.2019, Marc Greiner<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Ja \u2013 Herr Noll \u2013 Frau Bohleys Analyse im Lokal Anfang der 90er Jahre war prophetisch<\/strong>.<br \/>\nDamals konnte man sich auch noch kontrovers unterhalten und trotzdem Achtung voreinander haben. Das geht heute kaum noch. Interessant ist allerdings: Die Ikone Bohley wurde mit Prozessen mundtot gemacht und \u201eM\u00e4dchen, die bis zuletzt brav mitgemacht hatten\u201c stiegen auf der Rolltreppe \u201edes westdeutschen Parteiensystems\u201c unaufhaltsam auf. \u201eNicht Leute wie sie [Bohley], sondern die Mitl\u00e4ufer \u2026 , die Angepassten\u201c machten politische Blitzkarrieren. \u201eKohls M\u00e4dchen\u201c, von dem alle fr\u00fcheren Bekannten dachten, dass es zu den Gr\u00fcnen gehen w\u00fcrde, traf die nachhaltig richtige Entscheidung: CDU ! Jetzt gerade ist das M\u00e4dchen dabei, die damalige Entscheidung nachtr\u00e4glich zu kr\u00f6nen.<br \/>\n3.3.2019, A.W.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Ich erziehe meine Kinder zu frei denkenden Menschen,<\/strong><br \/>\ndie sagen, was sie denken! Ich meinerseits handele genau so &#8211; und nehme an, dass es mir fr\u00fcher oder sp\u00e4ter zum Verh\u00e4ngnis werden wird. Ich hoffe aber darauf, dass viele andere, selbst denkende Menschen es genauso machen und der Rest es dann irgendwann bemerkt. Das Schlimmste an den \u201cneuen DDR-Strukturen\u201d ist meiner Meinung nach, dass es keine Sanktionen seitens des Gesetzes oder der Regierung gibt &#8211; so ist die Regierung immer fein raus &#8211; offziell gibt es die Meinungsfreiheit und offiziell gibt es auch keine Zensur. Und offiziell gibt es keine Sprach- oder Denkvorschriften. Stattdessen gibt es die gesellschaftliche Missachtung, den Ausschluss an der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben aufgrund einer eigenen, anderen Meinung. Damit fehlt der ehemaligen BRD etwas, das die DDR hatte: Das Zusammenhalten gegen die \u201cda oben\u201d!<br \/>\n3.3.2019, K.L., AO<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Eine Frage an die Runde: Zur deutschen Teilung, die +\/- 40 Jahre gedauert hat<br \/>\n<\/strong>\u2026ist es moeglich, dass in diesen 40 Jahren die historisch ungluecklichen Menschen in Mitteldeutschland derart \u201cverdreht\u201d worden sind, von anderen Deutschen unter sowjetischer Kuratel, dass die Zusammenfuehrung 1990 mit dem vierfach kopfstaerkeren Westen derart folgenreich zu sehen ist? Das ist wohl mit \u201cJa\u201d zu beantworten, denn das wiedervereinigte Deutschland ist inzwischen zu einer SBZ 2.0 verkommen. Waren die 25 Jahre von 1990 bis 2015 ganz einfach die \u201cnotwendige Inkubationszeit\u201d?<br \/>\nSahen manche westdeutsche Politiker, und dann natuerlich die Uckermaerkische ab 2005, in den Stasi-Methoden und -Strukturen ein willkommenes Werkzeug zum Machterhalt? Soll heissen, 2019 sind wir nun so weit, wie wir es vielleicht schon 1960 gewesen waeren, wenn die Rote Armee das ganze Land besetzt haette? Ich weiss, das ist sehr abstrakt und auch unlogisch, aber wenn Alexander Wendt konstatiert, dass sich die Westdeutschen jetzt als die besseren Ossis herausstellen\u2026wem tut er damit Unrecht? Den Wessis oder den Ossis?<br \/>\nIst diese Art von Verhalten etwas Urdeutsches, das nur auf einen Ausloeser wartet? Oder sind hier eher Strukturen am Werk? Mancher Historiker schreibt ja, dass es damalige Strukturen waren, die Hitler an die Macht gebracht haben. Dieser hatte die Gabe, danach jene Strukturen selbst und zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Kann das selbe nicht auch fuer die Uckermaerkerin gelten?<br \/>\nIn jedem Fall muss aber festgestellt werden, dass es nicht nur an Personen liegt, die \u201ces\u201d machen (lassen), sondern v. a. auch und wiederholt an der beruehmten schweigenden Mehrheit, die es mit sich machen laesst. Im Westen wie im Osten, wohlgemerkt! Fuer mich ist das immer noch alles unvorstellbar, bzw. ein Alptraum. Warum wird diese Entwicklung so hingenommen? Ist die schweigende Mehrheit zu dumm? Zu aengstlich ob potenzieller Konsequenzen? Oder nimmt sie es unbewusst sogar in Kauf, weil sie darin kein Makel erkennen kann?<br \/>\n3.3.2019, Chr.K., AO<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Wie recht Frau Bohley hatte! Das Gef\u00e4hrliche an der jetzigen Entwicklung ist,<br \/>\n<\/strong>dass die, die das nicht miterlebt haben, die die Thematik nie interessiert hat und die somit auch nicht daf\u00fcr sensibilisiert sind, mittlerweile selber Kinder entsprechend \u201cblind\u201d gro\u00dfgezogen haben, die obendrein seit der KITA entsprechend indoktriniert wurden, die die jetzige gesellschaftliche Entwicklung v\u00f6llig normal halten und das erneute Entstehen einer Diktatur gar nicht wahrnehmen! Und die, die Auskunft geben k\u00f6nnen, werden als \u201cRechte\u201d verschrien (z.B. auch Frau Lengsfeld) und somit mundtot gemacht. Ich f\u00fcrchte, dass das Regime diesmal gewinnt. Es hat ja aus 2 vorangegangenen Diktaturen gelernt und verf\u00fcgt \u00fcber technische Hilfsmittel, von denen diese nur tr\u00e4umen konnten\u2026<br \/>\n3.3.2019, E.A.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Danke f\u00fcr diese Erinnerung!<\/strong><br \/>\nFrau Bohlays Worte haben sich bewahrheitet, wir erleben es t\u00e4glich! Und auch heute, wie schon damals, werden die mutigen und vorauschauenden Kritiker mundtot gemacht. Ja, man \u00fcbernahm die erprobte Strukturen, Methoden und sogar die T\u00e4ter um Mach \u00fcber Gedanken zu erlangen und Kritik zu ersticken. Alles unter dem Mantel eines Rechtstaates und Demokratie!<br \/>\n3.3.2019, I.d.G,,<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Die Euphorie in den Tagen und Wochen nach dem Mauerfall,<\/strong><br \/>\nsie geh\u00f6rt zu meinen eindr\u00fccklichsten Erinnerungen, und scheint doch heute &#8211; surreal. Auch an B\u00e4rbel Bohley kann ich mich gut erinnern, nicht aber daran, wie sie aus der \u00d6ffentlichkeit verschwand. Ich wu\u00dfte auch nicht, da\u00df sie gestorben ist. &#8211; &#8211; &#8211; Nun, die L\u00fcge ist auferstanden, und sie ist m\u00e4chtiger als zuvor. Die DDR 2.0 geht ihrer Vollendung entgegen, wenn nicht -?-?-: Das offene Ende des Satzes steht f\u00fcr meine Hoffnung, das zum Ersten. Zum Zweiten: Wenn das Schlimme doch nicht abgewehrt werden k\u00f6nnte und die \u201cVollendung\u201d gel\u00e4nge &#8211; dann w\u00e4re die Vollendung zugleich der Zusammenbruch und die Erl\u00f6sung zum Neuanfang, nur eben sp\u00e4ter, furchtbarer, bitterer. Die vollendete L\u00fcge mu\u00df sich selbst ausl\u00f6schen. Aber werden die L\u00fcgner auch mit ausgel\u00f6scht? &#8211; &#8211; &#8211;<br \/>\nDas Karzinogen der Wiedervereinigung war nicht die entt\u00e4uschte Hoffnung einiger Aufrechter und mancher Narren auf ein Fortbestehen der DDR in \u201cmenschlich-sozialistischer Form\u201d oder wie auch immer. Das Karzinogen war die im Ansatz steckengebliebene und sp\u00e4ter erfolgreich sabotierte Delegitimierung der DDR. &#8211; &#8211; &#8211; 10 Prozent der DDRler waren in der SED, hunderttausend bei der Stasi, 250 000 \u201cInoffizielle Mitarbeiter\u201d. Das Land war die inkarnierte L\u00fcge. Die meisten Menschen verhielten sich, als seien sie schizophren &#8211; sie sagten a, w\u00e4hrend sie b dachten, und fanden das normal. (Ich habe 20 Jahre in der DDR gelebt.) Ich spreche nicht von der Delegitimierung von Biografien, sondern der des SYSTEMS: Denn die Menschen formen sich ein ins System, oder werden zu Bohleys. &#8211; &#8211; &#8211; Allzu viele Systemtr\u00e4ger der DDR nutzten ihre Schlauheit und ihre Privilegien, um sich mit den M\u00e4chtigen, den Naiven und den Schurken der Bundesrepublik zusammenzutun. Heute sitzt die Stasi im Kanzleramt und das Verfassungsgericht ist das Marionettentheater der nackten Kaiserin. &#8211; &#8211; &#8211; Und der Fluch der L\u00fcge \u00fcberzieht alles, und die Menschen verharren in Blindheit. Noch\u2026<br \/>\n3.3.2019, P. TH, AO<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Heute erf\u00fcllen sich allgemein die prophetischen Worte der DDR-B\u00fcrgerrechtlerin B\u00e4rbel Bohley: \u201eStasi-Strukturen (und die) Methoden, mit denen sie gearbeitet haben &#8230; All das wird in die falschen H\u00e4nde geraten. 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