{"id":77089,"date":"2019-12-14T10:55:57","date_gmt":"2019-12-14T09:55:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=77089"},"modified":"2019-12-14T11:03:15","modified_gmt":"2019-12-14T10:03:15","slug":"lettland-federbett-weihnacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/lettland-federbett-weihnacht\/","title":{"rendered":"Lettland Federbett &#8211; Weihnacht"},"content":{"rendered":"<p>Eine andere <a title=\"Weihnachten\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/kirchen\/weihnachten\/\">Weihnachtsgeschichte:<\/a> Ein wenig zaghaft klopfe ich an die T\u00fcr des alten Backsteinhauses am Fl\u00fcsschen Svitene im ehemaligen Kurlandkessel in <a title=\"EU\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/eu\/\">Lettland<\/a>. Anfang der 90-er Jahre. Der <a title=\"Mauerfall1989\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/mauerfall1989\/\">Kommunismus<\/a> ist zusammengebrochen \u2013 und ich will eine Bitte meines 1983 verstorbenen Vaters erf\u00fcllen: \u201eWenn Lettland wieder <a title=\"Freiheit\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/freiheit\/\">frei<\/a> wird \u2013 bitte, geh\u2019 zur\u00fcck und versuche herauszufinden, ob einzelne <a title=\"Russlanddeutsche\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/migration\/russlanddeutsche\/\">Familienmitglieder<\/a> von uns die <a title=\"Migration\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/migration\/\">Deportation<\/a> nach <a title=\"Russland\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/russland\/\">Sibirien<\/a> \u00fcberlebt haben\u201c.<br \/>\n.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nKein Ger\u00e4usch im Haus auf mein Klopfen an der br\u00fcchigen T\u00fcr. Ich klopfe ein wenig beherzter. \u201eHoffentlich bricht die ganze Bude nicht ein\u201c, denke ich im stillen. Meine erste Anlaufstelle in Lettland \u2013 das Nachbarhaus neben dem v\u00e4terlichen Grundst\u00fcck. Das eigene Wohnhaus haben die Kommunisten bis auf die Grundmauern geschleift. \u201eFaschist\u201c war mein Vater f\u00fcr Stalin \u2013 und ebenso schlimm: \u201eGro\u00dfgrundbesitzer\u201c. Beides zusammen eine t\u00f6dliche Mischung im Kommunismus. \u201eFaschist\u201c, weil er als lettischer Soldat in der Deutschen Wehrmacht gedient, \u201eGro\u00dfgrundbesitzer\u201c, weil er den jahrhundertealten Familienbesitz erhalten hatte.<br \/>\nJetzt h\u00f6re ich ein leises Schlurfen im Hausinnern. Die unverschlossene T\u00fcr geht nach au\u00dfen auf. Ich trete einen Schritt zur\u00fcck. Eine alte, geb\u00fcckte Frau sieht mich an. Vielleicht 80 Jahre alt \u2013 oder \u00e4lter.Erb\u00e4rmlich gekleidet. Was mir sofort auff\u00e4llt: Die strahlenden und klaren blauen Augen des M\u00fctterchens in einem unglaublich lieben Gesicht. Stumm sieht sie mich an \u2013 dann die Worte: <em>\u201eLudwig, Ludwig \u2013 Du bist zur\u00fcckgekommen\u201c<\/em>.<br \/>\nLudwig war der Name meines Vaters \u2013 und vor mir steht seine alte Nachbarin Austra Steppe Gemeinsam haben sie in der Jugend die Schulb\u00e4nke in der Landwirtschafts-Akademie in Mitau (heute Jelgava) gedr\u00fcckt. Sie atmet tief, l\u00e4\u00dft ihre Augen nicht von mir und f\u00e4ngt an zu weinen \u2013und wieder dieser Satz \u201eLudwig, Ludwig \u2013 Du bist zur\u00fcckgekommen\u201c. Auf dem beiliegendem Foto sehen Sie mich mit Austra Stepe.<br \/>\n.<br \/>\nAls mein Vater am Ende des Krieges in letzter Minute den Bolschewiken entkam, war er so alt wie ich Anfang der Neunziger, als ich Austra Steppe das erste mal gegen\u00fcber stand, und wir waren uns zum Verwechseln \u00e4hnlich. Die alte Austra sieht in mir meinen Vater \u2013und eine l\u00e4ngst versunkene Welt kehrt zur\u00fcck.<br \/>\nEs dauert lange, bissig die innerlich total aufgew\u00fchlte Frau ein wenig beruhigt und mich als den Sohn ihres alten Nachbarn und Studien-Kameraden Ludwig akzeptiert hat. Im ersten Gespr\u00e4ch erfahre ich die schreckliche Nachricht von der Vernichtung meiner Familie durch die Sowjets, aber auch, da\u00df meine Schwester Rita als einzige der Familie die Deportation nach Sibirien \u00fcberlebt hat. Nur wenige Stunden sp\u00e4ter stehen sich Bruder und Schwester das erstmal in ihrem Leben gegen\u00fcber. Meine Schwester Rita, kein Wort deutsch, ich kein Wort\u00a0lettisch. Um uns verst\u00e4ndigen zu k\u00f6nnen, mu\u00df ein Dolmetscher her. Doch zur\u00fcck zur alten Austra.<br \/>\n.<br \/>\nIhr Leben war ein Horror. Kurz nach dem ersten Einmarsch der Roten Armee in Lettland wird ihr Mann erschossen. Auch \u201eFaschist\u201c. Er war Polizeichef im Kreis Mitau. Rotarmisten \u2013 wie Tiere &#8211; vergewaltigen Austra. Ausder Vergewaltigung entsteht ein Kind. Eine Abtreibung war f\u00fcr Austra ausgeschlossen. Aus dem Kind wird schon im jugendlichen Alter ein Alkoholiker. Ein gr\u00e4\u00dflicher Kerl. Als ich sp\u00e4ter sah, wie er seine Mutter bestahl, dem\u00fctigte und schlug, h\u00e4tte ich ihn am liebsten nach \u201eStrich und Faden\u201c verpr\u00fcgelt, wenn die alte Austra mich nicht davon abgehalten h\u00e4tte.<br \/>\nEin Mist-Kerl nichts anderes. Was ich der Mutter im Laufe der Jahre schenkte, schleppte er wieder aus dem Haus und machte es zu Schnaps. Von meinen Geschenken an Austra blieb nur ein Federbett. Das war im Winter 1991\/92. Das br\u00fcchige Haus von Austra wurde nur mit einem K\u00fcchen\u00f6fchen beheizt und einem dieser schrecklichen russischen Tonnen\u00f6fen. Die sahen aus wie von innen vermauerte M\u00fclltonnen aus Blech, hielten aber die W\u00e4rme einigerma\u00dfen. Nachts \u2013 in ihrem eisernen Bettgestell \u2013 w\u00e4rmte sich die alte Frau mit l\u00f6cherigen Wolldecken. Uralte Decken aus deutschen Wehrmachtsbest\u00e4nden.<br \/>\nUnd pl\u00f6tzlich ein Federbett. Ich hatte es in einen wei\u00dfen Leinensack gepackt. Dazu ein herrliches Kissen. Federbett und Kissen mit einem goldgelb und himmelblau gemusterten Bezug. Fassungslos starrte Austra auf das \u201eGeschenk aus einer anderen Welt\u201c. Schlie\u00dflich steckte sie ihre rechte Hand aus und streichelte immer wieder \u00fcber die farbenfrohen Bez\u00fcge. Ich dr\u00e4ngte sie damit zum Bett in dem sch\u00e4bigen Zimmer, faltete die alten, deutschen Wehrmachtsdecken zusammen und legte Federbett und Kissen aufs wacklige Gestell.<br \/>\nAls ich drei Tage sp\u00e4ter aus Riga wieder zu ihr komme, &#8230; erneut die alten Wehrmachtsdecken im Bett. Das Federbett \u2013 samt Kissen \u2013 fein s\u00e4uberlich in einem Schrank \u2013 aber drau\u00dfen schon Minus-Temperaturen von mehr als 15 Grad. Ich verstehe nicht. Als Austra die Entt\u00e4uschung in meinem Gesicht sieht, gibt sie mir die \u201eErkl\u00e4rung\u201c, die mich fast umhaut:<br \/>\n<em><strong>\u201eEs ist doch viel zu schade f\u00fcr mich\u201c.<\/strong>\u00a0<\/em><br \/>\nMein Gott, was f\u00fcr ein Satz von dieser Frau: <em><strong>\u201eEs ist doch viel zu schade f\u00fcr mich\u201c<\/strong><\/em>. Ich lasse mir \u00e4u\u00dferlich nichts anmerken, bin aber fassungslos und k\u00e4mpfe mit innerer R\u00fchrung. Um es kurz zu machen: Die letzten Lebensjahre konnte ich der alten Frau ein wenig versch\u00f6nern \u2013 mit nicht sehr feinen Methoden war es mir sogar gelungen, da\u00df der \u201eSohn\u201csie nicht mehr bestehlen, pr\u00fcgeln oder schikanieren konnte. Im ehemaligen Ostblock gehen die Uhren ein wenig anders \u2013 und als ich das schlie\u00dflich kapiert hatte, war auch ich mit der Wahl meiner Mittel nicht mehr so \u201ewestlich-zimperlich\u201c.<br \/>\n..<\/p>\n<p><strong>Zu Weihnachten: Federbetten schenken<\/strong><br \/>\n<em>Aus dem Federbetten-Geschenk an Austra entstand eine Idee f\u00fcr DIE DEUTSCHEN KONSERVATIVEN, der wir in diesem Jahr seit 18 Jahren treu geblieben sind. Jedes Jahr zu Weihnachten Federbetten f\u00fcr unsere Freunde in Lettland. Vor allem f\u00fcr die fr\u00fcheren lettischen Soldaten, die In der Deutschen Wehrmacht gedient hatten und daf\u00fcr viele Jahre ihres Lebens in Sibirien als \u201eFaschisten\u201c b\u00fc\u00dfen mu\u00dften und auch bei uns in Deutschland mehr geschm\u00e4ht als beklatscht werden.<\/em><br \/>\nAber davon leben nicht mehr viele. Die anderen Federbetten gehen an die \u00c4rmsten der Armen und an Deutsche Kulturvereine in Lettland.<br \/>\nAuch in diesem Jahr m\u00f6chte ich unser j\u00e4hrliches Ziel wieder erreichen: 1000 Federbetten Weihnachten f\u00fcr die alten Freunde Deutschlands in Lettland. Die M\u00e4nner oder deren Witwen leben von erb\u00e4rmlichen Renten. Umgerechnet keine 180 Mark im Monat.<br \/>\nStalin nannte sie \u201eFaschisten\u201c \u2013 und seit dieser gr\u00e4\u00dflichen Anti-Wehrmachts-Ausstellung von Reemtsma gelten sie auch in Deutschland als \u201eFaschisten\u201c. So wie mein eigener Vater. Dabei wollten sie nur eines: Die Freiheit ihrer Heimat gegen einen der gr\u00f6\u00dften Massenm\u00f6rder der Menschheits-Geschichte verteidigen gegen Josef Stalin.<\/p>\n<p>Was sind wir Deutschen manchmal doch f\u00fcr ein seltsames Volk. Unbestreitbar gro\u00dfherzig und mitf\u00fchlend. Schlie\u00dflich wissen wir selber, was Not und Elend bedeuten. Zumindest die \u00c4lteren von uns. Wir geben unsere Hilfen an fast alle V\u00f6lker der Welt \u2013 aber wir vergessen die Menschen, die f\u00fcr Deutschland gelitten, gek\u00e4mpft und gebetet haben. Jedes Jahr kann ich diesen Satz nur wiederholen.<br \/>\n.<br \/>\nFederbetten f\u00fcr Menschen in Lettland sind dort noch immer so wertvoll wie ein goldener Schatz. Nicht selten fallen die Temperaturen im Winter auf weit unter 30 Grad minus, und Jahr f\u00fcr Jahr erfrieren im Winter Dutzende von Menschen in ihren Wohnungen, die oft nur schlecht oder auch gar nicht beheizt werden k\u00f6nnen.<br \/>\n.<br \/>\nEs gibt nicht nur Indien in dieser Welt. F\u00fcr Indien, Afrika und die ganze \u201eDritte Welt\u201c haben internationale Hilfsorganisationen so viel Geld und Hilfsg\u00fcter zusammengetragen, da\u00df es eigentlich nur ein Problem gibt: Die richtige Verteilung. Aber Federbetten f\u00fcr Lettland? Auch in diesem Jahr sind wir wieder die einzigen, die daran denken. Und <a title=\"Konservativ\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/konservativ\/\">\u201ekonservativ\u201c<\/a> zu sein, das bedeutet f\u00fcr mich auch, da\u00df man seine Freunde <a title=\"Konservativismus\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/konservativismus\/\">niemals vergisst<\/a> und ihnen treu bleibt.<\/p>\n<p>.<br \/>\nWilly Manteuffel, Federbetten-Fabrikant aus L\u00fcbeck, der die schweren Nachkriegsjahre in Deutschland als Fl\u00fcchtling mitmachte, hat uns Jahr f\u00fcr Jahr Federbetten zum \u201eWahnsinns-Preis\u201c von 21,50 EURO verkauft. Das war mehr geschenkt als verkauft. Aber der alte Manteuffel hat seine Fabrik als Inhaber verlassen, sie lief nicht mehr. Die \u201emodernen Deutschen\u201c kaufen keine Federbetten mehr, sondern Betten aus Kunstfaser. F\u00fcr mich nur schwer nachvollziehbar. Aber so ist es. Was aber Willy Manteuffel f\u00fcr uns noch \u201egedeichselt\u201c hat: Von seinen Nachfolgern in einer anderen Firma k\u00f6nnen wir auch in diesem Jahr weiser Federbetten f\u00fcr Lettland kaufen \u2013 zum Sonderpreis. 50 Mark (24,93 EURO). Aber das ist immer noch \u201eein Wort\u201c \u2013 oder?<br \/>\n.<br \/>\n<strong>50 Mark f\u00fcr ein nagelneues Federbett. 24,93 EURO f\u00fcr ein Federbett.<\/strong><br \/>\nAls Weihnachtsgeschenk f\u00fcr die Freunde Deutschlands in Lettland. Bitte, machen Sie dabei mit. Ein Federbett \u2013 vielleicht auch mehr \u2013 und selbst wenn es nicht zum Kauf eines ganzen Federbettes reicht, mehrere kleine Spenden bringen auch ein ganzes Federbett zusammen.<br \/>\nAuch in diesem Jahr sollen unsere Federbetten zu Weihnachten den Leib und die Seele unserer geschm\u00e4hten Freunde in Lettland wieder w\u00e4rmen. Egal \u2013 wie sie beschimpft werden \u2013 wir stehen zu ihnen und vergessen nicht, was sie im Kampf gegen die Bolschewiken f\u00fcr Deutschland getan haben.<br \/>\nBitte, haben Sie Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, da\u00df wir wegen des Einkaufs, wegen der Vorbereitung und wegen des Transportes der Federbetten schon jetzt um Hilfe daf\u00fcr bitten.<br \/>\nViele liebe Gr\u00fc\u00dfe<br \/>\nIhr Joachim Siegerist<br \/>\n.<\/p>\n<p><strong>Spendenkonto:<\/strong><br \/>\nSparkasse Bremen, Konto-Nr.: 80 75 28 01, BLZ.: 290 501 01<br \/>\nIBAN.: DE 77 2905 0101 0080 7528 01<br \/>\nBIC.: SBREDE22<br \/>\n<strong>Stichwort: &#8222;Federbetten Lettland&#8220;<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.hilfsverein-der-konservativen.de\/Projekte\/Federbetten-Aktion\">https:\/\/www.hilfsverein-der-konservativen.de\/Projekte\/Federbetten-Aktion<\/a><br \/>\noder<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.konservativer-hilfsverein.de\">https:\/\/www.konservativer-hilfsverein.de<br \/>\n<\/a>..<\/p>\n<p>Menschen in Not \u2013 Hilfsverein der Deutschen Konservativen e.V.<br \/>\nVertreten durch den Vorsitzenden Joachim Siegerist<br \/>\n.<br \/>\nBeethovenstra\u00dfe 60<br \/>\n22083 Hamburg<br \/>\nTel.: 040 \/ 299 44 01<br \/>\nFax: 040 \/ 299 44 60<br \/>\ne-mail: <a href=\"mailto:info@hilfsverein-der-konservativen.de\">info@hilfsverein-der-konservativen.de<\/a><br \/>\nInternet: <a href=\"https:\/\/www.konservativer-hilfsverein.de\">https:\/\/www.konservativer-hilfsverein.de<\/a><br \/>\nMenschen in Not \u2013 Hilfsverein der Deutschen Konservativen e.V.<br \/>\nist im Vereinsregister des Amtsgerichts Hamburg unter der Nummer VR 21464 eingetragen.<br \/>\n.<br \/>\nDie Deutschen Konservativen e.V.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.konservative.de\/\">https:\/\/www.konservative.de\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine andere Weihnachtsgeschichte: Ein wenig zaghaft klopfe ich an die T\u00fcr des alten Backsteinhauses am Fl\u00fcsschen Svitene im ehemaligen Kurlandkessel in Lettland. 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