{"id":73071,"date":"2019-06-18T12:58:16","date_gmt":"2019-06-18T10:58:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=73071"},"modified":"2019-06-26T16:38:50","modified_gmt":"2019-06-26T14:38:50","slug":"700000-e-ausgeben-oder-reden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/700000-e-ausgeben-oder-reden\/","title":{"rendered":"700000 \u20ac ausgeben oder reden"},"content":{"rendered":"<p>700.000 Euro will Freiburg ausgeben, um den <a title=\"Platz-der-Alten-Synagoge\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/freiburg\/platz-der-alten-synagoge\/\">Synagogenbrunnen<\/a> &#8217;nachzubessern&#8216; mit Zonierungsband (alemannisch Absperrband), <a title=\"Alte Synagoge \u2013 Reste entdeckt\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/alte-synagoge-reste-entdeckt\/\">Synagogenmodell<\/a> und <a title=\"Alte Synagoge als Seismograph\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/alte-synagoge-als-seismograph\/\">Infostelen<\/a>. Alles gut gemeint. Aber angenommen die Stadt h\u00e4tte das viele Geld nicht oder wollte es statt in die Nachbesserung lieber in den Neubau\u00a0von Kitas investieren. Dann w\u00e4re man gezwungen, &#8222;von <a title=\"Erinnerungskultur\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/erinnerungskultur\/\">Sprachlosigkeit<\/a> zu <a title=\"Diskussionskultur\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/diskussionskultur\/\">Kommunikation<\/a>&#8220; \u00fcberzugehen,<!--more-->wie es ein Leserbriefschreiber (siehe unten) so treffend formuliert:<br \/>\nMit den Eltern reden, damit sie ihre Kids nicht so wild im Wasser <a title=\"Synagogenbrunnen \u2013 planschen\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/synagogenbrunnen-planschen\/\">planschen<\/a> lassen.<br \/>\nMit den \u00a0Sch\u00fclern debattieren, damit sie den Gedenkbrunnen nicht weiter mit einer <a title=\"FridaysForFuture\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/klima\/fridaysforfuture\/\">klimagerechten<\/a> Wassertretstelle verwechseln.<br \/>\nMit den Partyg\u00e4ngern sprechen, damit sie den Bierkasten aus dem k\u00fchlen Wasser nehmen.<br \/>\nParler avec les touristes, speak with the tourists, damit diese die Umrisse der 1869 erbauten und am 10.11.1938 in Brand gesetzten <a title=\"Juden\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/juden\/\">Synagoge<\/a> erkennen.<br \/>\nUnd dann mit Freude feststellen: Alle, mit denen Sie am Gedenkbrunnen auf dem <a title=\"Platz-der-Alten-Synagoge\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/freiburg\/platz-der-alten-synagoge\/\">Platz der Alten Synagoge<\/a> reden und debattieren, zeigen Verst\u00e4ndnis und Dank f\u00fcr Ihre Hinweise zu Freiburgs <a title=\"Juden\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/juden\/\">j\u00fcdischer<\/a> Vergangenheit.<br \/>\n.<br \/>\nWenn Besucher sich am Synagogenbrunnen irgendwie &#8218;falsch&#8216; verhalten, dann liegt dies nicht an b\u00f6sem Willen oder absichtlicher Respektlosigkeit, sondern schlicht an deren Unwissenheit. Diese l\u00e4\u00dft sich ganz einfach beheben, indem man sie anspricht und miteinander redet. Alle meine solchen Gespr\u00e4che am Brunnen als Erinnerungsort stie\u00dfen auf <a title=\"Holocaust-Education\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/holocaust-education\/\">Verst\u00e4ndnis<\/a>.<br \/>\nWer glaubt, sich dieses &#8222;Miteinander reden&#8220; ersparen zu k\u00f6nnen, indem man viel Geld (sage und schreibe 700000 Euro) in Verbotsschilder, Zonierungsb\u00e4nder und bauliche Barrieren investiert, der wird scheitern: Die Schilder werden getackert werden, die Zonierungsb\u00e4nder (erinnert irgendwie an Ostzone bzw. Zonenrandgebiet) durchschnitten und die Stufen \u00fcberh\u00fcpft. Allerdings: Das &#8222;Miteinander reden&#8220; am Platz der Alten Synagoge mu\u00df man als Freiburger auch wollen und es kostet Zeit.<br \/>\n15.6.2019<br \/>\n.<\/p>\n<p><strong>Von Sprachlosigkeit zu Kommunikation &#8211; Wissen weitergeben und konservieren<\/strong><br \/>\n<em>Leserbrief zu &#8222;Stadt Freiburg will &#8230;&#8220;, BZ vom 27. April (s.u.):<\/em><br \/>\nPositiv denken! Kinder und Jugendliche plantschen und spielen in dem flachen Wasser des Brunnens der alten Synagoge. Ist es nicht eine Chance, die Erinnerungskultur dahingehend anzukurbeln, dass Kinder \u00fcber das attraktive Element Wasser, von diesem Ort des Gedenkens, angezogen werden? Und dort dann mit Hilfe von Informationstafeln, erz\u00e4hlenden Gro\u00dfeltern oder Eltern und deren Geschichten mehr erfahren, \u00fcber all das Leid jener Zeit. Hier wird es m\u00f6glich sein, dieses Wissen weiterzugeben und zu konservieren, um eine Br\u00fccke vom Gestern zum Jetzt zu schaffen. Von Sprachlosigkeit zu Kommunikation.<br \/>\nUnd wenn der Besucher seinen Kindern erz\u00e4hlt, von den Gr\u00e4ueltaten der Nazis, dann ist das eine gute Mischung aus Negativem der deutschen Geschichte hin zum Positiven in der aktuellen Zeit. So wird die Gelegenheit geschaffen, mit unseren Kindern an einem Ort zu sein, der sonst von den meisten Kindern nicht erreicht werden w\u00fcrde.<br \/>\nWir k\u00f6nnen das Geschehene nicht ungeschehen machen, aber wir k\u00f6nnen mit positivem Denken und Handeln eine neue T\u00fcre \u00f6ffnen f\u00fcr unsere Kinder, und die junge Generation, wo Gedenken lebendig und offen gelebt werden.<br \/>\n12. 6.2019, Hans-Peter Sch\u00f6ll, Freiburg, BZ<br \/>\n.<\/p>\n<p><strong>Am Platz der Alten Synagoge kann Freiburg es kaum allen recht machen<\/strong><br \/>\nDie Stadt Freiburg will den Platz der Alten Synagoge nachbessern. Auch bei diesem Anlauf der Befriedung ist mit Aufregung und Unbehagen zu rechnen. Von der Kunst, alle Seiten zu Wort kommen zu lassen. &#8230;<br \/>\nDer Platz der Alten Synagoge ist ein Magnet. Von wegen \u00f6d. Dieser Platz f\u00fcllt sich beim kleinsten Hauch sch\u00f6nen Wetters fl\u00e4chendeckend, und bereitete so auch Teil drei von Aufregung und Unbehagen: stilles Gedenken und quirliges Platzbespielen wollen nicht so richtig funktionieren. 700.000 Euro nimmt nun die Stadt in die Hand, um diese Quadratur des Kreises zu bewerkstelligen \u2013 in Abstimmung \u2013 endlich \u2013 mit allen drei j\u00fcdischen Gemeinden. Und mit dem Vorhaben mittels Info-Stelen, Synagogenmodell und Zonierung eben doch eine Art Zweiheit dieses belebten Platzes und seiner Wasserfl\u00e4chen herzustellen. Man ahnt auch f\u00fcr diesen Anlauf der Befriedung etliche Aufregung und Unbehagen. Und w\u00fcnscht sich, dass allen Stimmen Geh\u00f6r geschenkt wird. Den diversen j\u00fcdischen Stimmen genauso wie den quirligen Platzbesuchern. Denn nach Jahrzehnten Tatenlosigkeit um diesen Platz ist all das nun lebendige Stadtgesellschaft, die um gute Kompromisse ringt.<br \/>\n&#8230; Alles von Julia Littmann vom 13.5.2019 bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.badische-zeitung.de\/kommentare-1\/am-platz-der-alten-synagoge-kann-freiburg-es-kaum-allen-recht-machen--173010069.html\">https:\/\/www.badische-zeitung.de\/kommentare-1\/am-platz-der-alten-synagoge-kann-freiburg-es-kaum-allen-recht-machen&#8211;173010069.html<br \/>\n<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Stadt Freiburg will 700.000 Euro f\u00fcr den Umbau des Synagogenbrunnens investieren<\/strong><br \/>\nMit Umbauten und Zusatzinfos will das Rathaus auf dem Platz der Alten Synagoge f\u00fcr einen w\u00fcrdevollen Umgang mit dem Erinnerungsbrunnen sorgen. Eine digitale Informationsstele, ein Synagogenmodell, ein Zonierungsband mit Inschrift sowie Piktogramme sollen k\u00fcnftig verhindern, das der Brunnen weiterhin als Planschbecken genutzt wird. &#8230;.<br \/>\nZentraler Bestandteil des Ma\u00dfnahmekatalogs ist jedoch eine Zonierung. Dieses rechteckige und mit circa zwei Zentimeter Abstand um den Brunnen laufende und nachts beleuchtete Band soll bei den Platznutzern die Sensibilit\u00e4t f\u00fcr den Ort des Erinnerns erh\u00f6hen. Wie breit die k\u00fcnftige &#8222;Grenze&#8220; wird und wie sie exakt aussieht, sei noch nicht gekl\u00e4rt, sagt Martin Haag. Der Baub\u00fcrgermeister wei\u00df aber auch: &#8222;Das muss schon sichtbar sein.&#8220; Fest steht hingegen, dass das auf die Granitplatten gesetzte Zonierungsband an der Oberfl\u00e4che beschriftet wird. &#8222;Denn mein Haus wird ein Haus des Gebetes f\u00fcr alle V\u00f6lker genannt werden \u2013 Jesaja 56,7&#8220;. Dieses Zitat, das in \u00e4hnlicher Fassung am Eingang der Alten Synagoge stand, soll in acht Sprachen um das Band laufen.<br \/>\n&#8230; Alles vom 27.4.2019 bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.badische-zeitung.de\/freiburg\/stadt-freiburg-will-700-000-euro-in-den-umbau-des-synagogenbrunnens-investieren--171975702.html\">https:\/\/www.badische-zeitung.de\/freiburg\/stadt-freiburg-will-700-000-euro-in-den-umbau-des-synagogenbrunnens-investieren&#8211;171975702.html<\/a><\/p>\n<p><strong>..<\/strong><br \/>\n<strong>Schweigende Mehrheit f\u00fcr planschende Kinder<\/strong><br \/>\nHerr Kilian und auch der von ihm zitierte Herr Heine vermuten eine schweigende Mehrheit, der &#8222;jegliches Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Kritik&#8220; an den planschenden Kindern an hei\u00dfen Tagen fehle. Wir bekennen uns als Teil dieser schweigenden Mehrheit und w\u00fcrden, wie Herr Brandsch, es als eine Schande empfinden, wenn (auch unter dem Einsatz betr\u00e4chtlicher Summen an Steuergeldern) der sch\u00f6ne offene Platz, wie er jetzt existiert, durch irgendeine Art von Absperrung verunstaltet werden w\u00fcrde. Die Mitb\u00fcrger, die Solches als Respektierung ihrer Gef\u00fchle zu ben\u00f6tigen glauben, tun uns leid. Vielleicht k\u00f6nnen sie sich zu der Meinung durchringen, dass die Achtung der Lebensfreude der Kinder als Respektierung des Lebens einen h\u00f6heren Wert darstellt, und sich zudem an dem frohen Treiben erfreuen.<br \/>\n17.6.2019, Barbara Goebel und Hans-Dietrich Heilmann, Freiburg, BZ<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Schande: Spielende Kinder oder Absperrung?<\/strong><br \/>\nIch muss immer wieder staunen \u00fcber Zust\u00e4nde, die als Schande bezeichnet werden. In meinen Augen kann es keine Schande sein, wenn kleine Kinder sich ihre hei\u00dfen F\u00fc\u00dfchen in einem Wasserbecken abk\u00fchlen und fr\u00f6hlich spielen. Eine Schande ist f\u00fcr mich die Tatsache, dass Architekten, Stadtr\u00e4te und J\u00fcdische Gemeinde nicht soweit gedacht haben, dass so ein Wasserbecken unwiderstehliche Anziehungskraft auf Kinder haben wird. Eine Schande ist f\u00fcr mich das Bild mit der Absperrung um den Gedenkbrunnen. Eine Schande ist f\u00fcr mich, 700 000 Euro Steuergelder in einen Umbau zu vergraben.<br \/>\n11.6.2019, J\u00fcrgen Brandsch, Freiburg<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Die Stadt versucht mit fraglichen Ma\u00dfnahmen, den Konflikt um den Synagogenbrunnen zu befrieden<\/strong><br \/>\nAuf dem Premium-Platz der Stadt und seinem Brunnen liegt kein Segen. Dabei ging es so gut los. Wettbewerb, B\u00fcrgerbeteiligung, Jury. Die Umgestaltung von Freiburgs Mitte schien perfekt geplant. Doch mit den entdeckten Fundamentsteinen und dem installierten Wasserbecken auf dem Grundriss der Alten Synagoge begann der Konflikt.<br \/>\n&#8230;.<br \/>\nIm Mai k\u00fcndigte die Stadtspitze deshalb an, mit 700000 Euro k\u00fcnftig f\u00fcr mehr Infos und mehr W\u00fcrde zu sorgen und der Gemeinderat stimmte zu. Das sorgte wiederum zu Protesten \u2013 v\u00f6llig zu Recht. Denn ob digitale Stele, Zonierung und Modell letztlich f\u00fcr einen anderen Umgang am Brunnen sorgen, ist zweifelhaft. Da hilft es auch nicht, wenn das Rathaus sich jetzt bem\u00fcht zu erkl\u00e4ren, die Vorhaben k\u00f6nnten auch g\u00fcnstiger zu realisieren sein.<br \/>\n&#8230; Alles von Fabian Voegtle vom 26.6.019 bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.badische-zeitung.de\/muenstereck-zweifelhafte-bemuehungen\">https:\/\/www.badische-zeitung.de\/muenstereck-zweifelhafte-bemuehungen<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.badische-zeitung.de\/diskussion-um-das-richtige-erinnern-am-synagogenbrunnen-geht-weiter\">https:\/\/www.badische-zeitung.de\/diskussion-um-das-richtige-erinnern-am-synagogenbrunnen-geht-weiter<br \/>\n<\/a>\u00a0.<br \/>\nWarum um Gottes Willen ist es nicht m\u00f6glich, dass man Gedenken und Lebensfreude vereint? Irgendwann ist es auch mal genug und man bewirkt genau das Gegenteil: Ablehnung.<br \/>\n26.6.019, CH.M.<br \/>\n.<br \/>\nVielleicht sollte man den Brunnen einfach wieder weg machen. Dann pflatschen da auch keine Kinder mehr und beschmutzen das Andenken. Ich finde die Diskussion unw\u00fcrdig.<br \/>\n26.6.2019., M.V.<br \/>\n.<br \/>\nSo lange Raum f\u00fcr derartig sinnlose Diskussionen ist, ist die schlechte Finanzlage in Freiburg noch lange nicht schlecht genug.<br \/>\n26.6.2019, ST.B.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>700.000 Euro will Freiburg ausgeben, um den Synagogenbrunnen &#8217;nachzubessern&#8216; mit Zonierungsband (alemannisch Absperrband), Synagogenmodell und Infostelen. Alles gut gemeint. 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