{"id":7177,"date":"2012-07-13T20:39:50","date_gmt":"2012-07-13T20:39:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=7177"},"modified":"2012-07-17T11:58:45","modified_gmt":"2012-07-17T11:58:45","slug":"jakobskreuzkraut-auch-im-muenstertal-giftig-fuer-pferde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/jakobskreuzkraut-auch-im-muenstertal-giftig-fuer-pferde\/","title":{"rendered":"Jakobskreuzkraut auch im Muenstertal &#8211; giftig fuer Pferde?"},"content":{"rendered":"<p>Vor drei Jahren waren Verbraucher durch Funde eines giftigen Wildkrautes in Rucola-Salat alarmiert. Dabei handelte es sich um Bl\u00e4tter des Jakobskreuzkrautes, eines gelb bl\u00fchenden Korbbl\u00fctlers. Diese <a title=\"Flora\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/flora\/\">Pflanze<\/a> hat sich in den vergangenen zehn Jahren stark ausgebreitet \u2013 auch in S\u00fcdbaden. Nun w\u00e4chst die Sorge, dass ihre Inhaltsstoffe in Nahrungsmittel gelangen k\u00f6nnten, etwa \u00fcber den Viehmagen, Bienen oder die Salatsch\u00fcssel. Sorgen macht sich auch Ulrike Schelb, die zusammen mit ihrem Mann Stephan im M\u00fcnstertal eine <a title=\"Landwirt\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/landwirt\/\">Viehhaltung<\/a> im Nebenerwerb betreibt und sich im Vorstand des Landfrauenvereins engagiert. <!--more-->Sie beobachtet eine starke Ausbreitung der leuchtend gelben Pflanze im M\u00fcnstertal an Wegr\u00e4ndern und immer st\u00e4rker auch auf Wiesen. Alarmiert von Pferdehaltern, die bei Schelbs Heu kaufen und sich dabei vergewissern, dass das Trockenfutter kein Jakobskreuzkraut enth\u00e4lt, appelliert Ulrike Schelb an Grundst\u00fcckseigent\u00fcmer und -bewirtschafter, die Pflanze zu bek\u00e4mpfen.<br \/>\nGiftig wirken Pyrrolizidinalkaloide (PA), die in allen Teilen des Jakobskreuzkrauts vorkommen. Das sind stickstoffhaltige organische Verbindungen, die in der Natur weit verbreitet sind. Die Pflanzen bilden sie aus, um sich vor Fressfeinden zu sch\u00fctzen. Das funktioniert auch: Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde verschm\u00e4hen beim Weiden solche Pflanzen, auch das Jakobskreuzkraut, weil sie bitter schmecken. Einige Insekten machen sich diese Wirkung zunutze, indem sie gezielt PA-haltige Pflanzen anknabbern, um sich ihre Feinde vom Leib zu halten.\u00a0Toxisch wirken die Abbauprodukte, die beim Verzehr im K\u00f6rper entstehen. In hoher Dosierung sch\u00e4digen sie die Leber. Die Wirkung ist so stark, dass das Bundesinstitut f\u00fcr Risikobewertung eine Nulltoleranz f\u00fcr Lebensmittel fordert. Auf das Vorkommen in Rucola-Salat im Sommer 2009 gibt es denn auch eine Reaktion. Gem\u00fcseerzeuger, die nach den Richtlinien des QS-Pr\u00fcfzeichens und nach dem internationalen Standard der Global Partnership f\u00fcr Good Agricultural Practise (GLOBALG.A.P.) zertifiziert sind \u2013 was ein Muss ist bei der Vermarktung \u00fcber den Lebensmittelhandel \u2013 m\u00fcssen nun eine Feldbegehung vor der Ernte nachweisen. Das Risiko, dass Menschen Pyrrolizidinalkaloide auf anderem Weg aufnehmen, ist jedoch gering. Nach der Untersuchung von rund 1300 Honigsorten kommt das Bundesinstitut f\u00fcr Risikobewertung zum Ergebnis: Bei normalem Verbrauch besteht keine Gefahr \u2013 auch nicht \u00fcber das Fleisch oder die Milch von Weidetieren.<br \/>\nDas Jakobskreuzkraut war urspr\u00fcnglich in den gem\u00e4\u00dfigten Zonen Mitteleuropas und Asiens verbreitet, heute ist es auf allen Kontinenten pr\u00e4sent. Die zweij\u00e4hrige Pflanze bildet im ersten Vegetationsjahr die etwa 20 Zentimeter langen Grundbl\u00e4tter aus und im zweiten Jahr den bis zu einen Meter hohen St\u00e4ngel und der typischen Schirmrispe mit vielen gelben Einzelbl\u00fcten an der Spitze. Ihre Anspr\u00fcche an den Boden sind gering. Daher f\u00fchlt sie sich an Wegr\u00e4ndern wohl oder auch auf mageren, unged\u00fcngten Wiesen. Auf Wiesen hingegen, die normal landwirtschaftlich genutzt, also ged\u00fcngt und regelm\u00e4\u00dfig gem\u00e4ht werden, hat es keine Chance. &#8222;Das hat die Natur gut eingerichtet, weil das Jakobskreuzkraut dem Vieh schadet&#8220;, sagt Klaus Kre\u00df, Berater f\u00fcr Gr\u00fcnlandwirtschaft in der Au\u00dfenstelle Titisee-Neustadt der Abteilung Landwirtschaft im Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald. Umgekehrt entstehen gute Bedingungen \u00fcberall dort, wo sich die Wiesenbewirtschaftung ver\u00e4ndert, erkl\u00e4rt Kre\u00df. In der Rheinebene etwa ist die Viehhaltung nahezu verschwunden. Noch bestehende Wiesen werden oft kaum oder gar nicht ged\u00fcngt, und relativ sp\u00e4t gem\u00e4ht. Sei es, weil das Gras eher raues Heu erbringen soll f\u00fcr die F\u00fctterung von Pferden oder weil die Fl\u00e4chen dem Naturschutz dienen und die Pflanzen die M\u00f6glichkeit haben sollen, ausgiebig zu bl\u00fchen, was Insekten n\u00fctzt, und ihre Samen ausreifen zu lassen. Dichte Jakobskreuzkrautbest\u00e4nde hat Klaus Kre\u00df auch schon auf Pferdekoppeln gesehen. &#8222;Weil solche Fl\u00e4chen oft \u00fcberweidet sind. Wenn die Tiere die Gr\u00e4ser stark zerbei\u00dfen, kommen unerw\u00fcnschte Pflanzen wie das Jakobskreuzkraut hoch&#8220;, erkl\u00e4rt er.<br \/>\nEine allgemeine Gefahr sieht Klaus Kre\u00df nicht. &#8222;Diese Pflanze kommt seit jeher in unseren Breiten vor. Sie hat ihre Berechtigung im \u00d6kosystem. Man muss sie nur kennen&#8220;, sagt er. Wer sie wieder zur\u00fcckdr\u00e4ngen will, brauche nichts weiter zu tun, als sie vor der Samenreife, am besten Anfang Juni, zu m\u00e4hen oder zu mulchen. Ins Heu sollte das Jakobskreuzkraut jedenfalls nicht kommen, denn in getrocknetem Zustand schmeckt es nicht mehr bitter, ist aber noch genauso giftig. In Amerika und Australien wird das Jakobskreuzkraut \u00fcbrigens als sich invasiv verbreitender Neophyt bek\u00e4mpft \u2013 so wie hierzulande das indische Springkraut beispielsweise \u2013 und zwar mit einem \u00fcberaus gefr\u00e4\u00dfigen K\u00e4fer, der unempfindlich gegen die giftigen Inhaltsstoffe ist.<br \/>\nSilvia Faller, 14.7.2012<\/p>\n<div><em>Infoveranstaltung: Am\u00a0Donnerstag, 19. Juli 2012, informiert Klaus Kre\u00df um 18 Uhr in M\u00fcnstertal, Im Hasengrund 4, \u00fcber das Jakobskreuzkraut. Interessierte sind herzlich willkommen.<\/em><\/div>\n<div><em><\/em>\u00a0<\/div>\n<div>\n<div id=\"attachment_7179\" style=\"width: 145px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/2012\/07\/13\/jakobskreuzkraut-auch-im-muenstertal-giftig-fuer-pferde\/jakobskreuzkraut120717\/\" rel=\"attachment wp-att-7179\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7179\" class=\"size-thumbnail wp-image-7179\" title=\"jakobskreuzkraut120717\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/jakobskreuzkraut120717-135x180.jpg\" alt=\"\" width=\"135\" height=\"180\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/jakobskreuzkraut120717-135x180.jpg 135w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/jakobskreuzkraut120717.jpg 480w\" sizes=\"auto, (max-width: 135px) 100vw, 135px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7179\" class=\"wp-caption-text\">Jakobskreuzkraut an der Dreisam Sandfang Freiburg-Waldsee am 17.7.2012<\/p><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor drei Jahren waren Verbraucher durch Funde eines giftigen Wildkrautes in Rucola-Salat alarmiert. 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