{"id":68471,"date":"2018-10-21T13:20:53","date_gmt":"2018-10-21T11:20:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=68471"},"modified":"2018-10-21T13:23:01","modified_gmt":"2018-10-21T11:23:01","slug":"volker-finke-mit-afrika-teilen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/volker-finke-mit-afrika-teilen\/","title":{"rendered":"Volker Finke: Mit Afrika teilen"},"content":{"rendered":"<p><a title=\"Afrika\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/afrika\/\">Afrikakenner<\/a> Volker Finke diskutiert \u00fcber <a title=\"Global-Migration\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/globalisierung\/global-migration\/\">Migration<\/a> und <a title=\"Menschenrechte\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/aufklaerung\/menschenrechte\/\">Menschenrechte<\/a>. Es geht um <a title=\"Bevoelkerungswachstum\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demografie\/bevoelkerungswachstum\/\">Ursachen<\/a> und <a title=\"Youth-Bulges\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/krieg\/youth-bulges\/\">Folgen<\/a> von <a title=\"Migration: Sozialstaat Identitaet\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/migration-sozialstaat-identitaet\/\">Migration<\/a>: Zum Start einer Veranstaltungsreihe <a title=\"Diskussionskultur\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/diskussionskultur\/\">diskutiert<\/a> Volker Finke, langj\u00e4hriger Trainer des <a title=\"SCfreiburg\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/sport\/sportvereine\/scfreiburg\/\">SC Freiburg<\/a> und von 2013 bis 2015 Coach der <a title=\"Fussball\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/sport\/sportlern\/fussball\/\">Fu\u00dfballnationalmannschaft<\/a> von Kamerun, mit dem Juristen Jens Janssen und dem Arzt\u00a0 Alexander Supady. \u201eDas Sterben im <a title=\"Mittelmeer\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/mittelmeer\/\">Mittelmeer<\/a> muss aufh\u00f6ren\u201c, sagt Finke.<\/p>\n<p><em>Als die Fl\u00fcchtlingswelle 2015 ihren H\u00f6hepunkt erreicht hat, haben Sie in Kamerun gearbeitet. Wie haben Sie Afrika und seine Menschen erlebt, Herr Finke?<\/em><br \/>\nDie Ungerechtigkeit in Afrika ist wahnsinnig gro\u00df. In vielen L\u00e4ndern leiden weite Teile der Bev\u00f6lkerung unter bitterer Armut, einem Mangel an Bildung und Perspektivlosigkeit. Auf der anderen Seite steht meist eine kleine Elite, die sich um einen autokratischen Herrscher gruppiert und es sich gut gehen l\u00e4sst. Kamerun geh\u00f6rte lange zu den relativ stabilen L\u00e4ndern in Afrika, was sich in den letzten zwei Jahren aber ver\u00e4ndert hat. Der Konflikt zwischen dem frankophonen und dem anglophonen Teil der Bev\u00f6lkerung hat zugenommen und die Wiederwahl des 85-j\u00e4hrigen Paul Biya jetzt macht die Lage nicht besser. Derzeit fliehen viele Menschen \u00fcber die Grenze nach Nigeria. So ist es meist in Afrika: Die Fl\u00fcchtlingsbewegungen f\u00fchren zun\u00e4chst in die Nachbarl\u00e4nder, nach Europa machen sich vergleichsweise wenige auf.<br \/>\n.<br \/>\n<em>Die, die es schaffen, sind oft die Schlauesten. Die fehlen dann in Afrika \u2013 doch andererseits sichern sie das Leben ihrer Familien durch ihre monatlichen \u00dcberweisungen. Ist das das Dilemma?<\/em><br \/>\nJa, Afrika lebt zum Gro\u00dfteil von diesen Transferleistungen. Die Clans, die Geld zusammenlegen, um eines ihrer Mitglieder nach Europa zu schicken, erwarten, dass etwas zur\u00fcckkommt. Wie schwer es ist, hier Arbeit zu finden, wissen sie nicht. Der Druck, der auf diesen Migranten lastet, und ihr Schuldbewusstsein erkl\u00e4ren ein wenig,warum der eine oder andere kriminell wird.<br \/>\n.<br \/>\n<em>Viele Fluchtgr\u00fcnde \u2013 seien es kriegerische Konflikte, fehlende Demokratie oder wirtschaftliche Not \u2013 sind auch Nachwirkungen des europ\u00e4ischen Kolonialismus. Welche Spuren<\/em><br \/>\n<em>haben Sie da wahrgenommen?<\/em><br \/>\nAfrika hat im Gegensatz zu Europa keine 170 Jahre Entwicklung hin zur Zivilgesellschaft erlebt. Die meisten afrikanischen L\u00e4nder sind erst in den 1960er Jahren aus der Kolonialherrschaft frei gekommen. Danach ging die Ausbeutung weiter. Es gibt in Afrika so vieles,was zu Reichtum f\u00fchren k\u00f6nnte \u2013 etwa die Rohstoffe, die wir f\u00fcr die Entwicklung digitaler Technik brauchen \u2013, doch die meisten Menschen dort haben nichts davon.<\/p>\n<p><em>Daran ist der Westen mitschuldig. Weil es nicht gelingt, eine Zertifizierung f\u00fcr Smartphone Komponenten durchzusetzen, m\u00fcssen Kinder unter gef\u00e4hrlichen Bedingungen Metalle abbauen und afrikanische M\u00e4rkte werden mit europ\u00e4ischen Agrarprodukten \u00fcberschwemmt&#8230;<\/em><br \/>\n\u2026 was sehr traurig ist. Ich habe das selber gesehen: Da kommt der Bauer auf seinem Moped mit 20 H\u00fchnern und Enten, die er so sch\u00f6n zusammengebunden hat, dass er ein beliebtes Fotomotiv f\u00fcr Touristen darstellt, auf den Markt gefahren und verkauft nichts,weil die H\u00fchner aus Europa viel billiger sind. Wenn wir die afrikanischen M\u00e4rkte weiterhin auf diese Weise kaputt machen, schaffen wir Fluchtgr\u00fcnde. Europ\u00e4ische Politiker glauben, dass sie sich vom Fl\u00fcchtlingsproblem freikaufen k\u00f6nnen, aber das gelingt nicht, weil das Geld in den Taschen der Eliten landet und nie bei denen, die es brauchen.<\/p>\n<p><em>\u201eFluchtursachen bek\u00e4mpfen\u201c, hei\u00dft daher das Credo der Stunde. In der Diskussion geht es um die Abriegelung von Migrationsrouten, den Schutz der EU-Au\u00dfengrenzen, einen Marshallplan f\u00fcr Afrika, das Einwanderungsgesetz und um R\u00fccknahmeabkommen mit den Herkunftsstaaten.Wo sehen Sie einen Ansatz, der funktionieren k\u00f6nnte?<\/em><br \/>\nMeiner Ansicht nach gibt es nur eine L\u00f6sung: Wir, die wir einen so gro\u00dfen wirtschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Vorsprung haben, m\u00fcssen unseren <a title=\"Sozialstaat oder Migration\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/sozialstaat-oder-migration\/\">Wohlstand teilen<\/a> mit den Menschen auf der Erde, die in den vergangenen Jahrhunderten zu kurz gekommen sind. Das liegt auch in unserem eigenen Interesse. Denn Afrika hat viel von dem, was wir dringend brauchen: Rohstoffe und Arbeitskr\u00e4fte. Unsere Gesellschaft altert, die Pflege der Senioren ist eine riesige Herausforderung. Wenn wir \u00fcber ein Einwanderungsgesetz legale Wege nach Europa erm\u00f6glichen, w\u00fcrden alle profitieren. Auf der anderen Seite sollten wir mit einer Entwicklungszusammenarbeit auf Augenh\u00f6he die Entstehung einer Mittelschicht in afrikanischen L\u00e4ndern f\u00f6rdern, damit m\u00f6glichst viele dort bleiben und ihre L\u00e4nder mit ihren<br \/>\nIdeen und ihrer Tatkraft voranbringen. Denn alle aufnehmen k\u00f6nnen wir nicht. \u00dcber L\u00f6sungswege kann und muss man diskutieren, aber eines geht nicht: dass so viele Menschen im Mittelmeer ertrinken.<\/p>\n<p><em>Dass man Schiffbr\u00fcchige rettet, war jahrzehntelang selbstverst\u00e4ndlicher Konsens, doch der wird nun in Frage gestellt.Wie konnte das passieren?<\/em><br \/>\nIch sch\u00e4me mich daf\u00fcr. Aber ich glaube, dass nun etwas in Bewegung kommt und es eine Wende gibt.<\/p>\n<p><em>Was macht Sie hoffnungsvoll?<\/em><br \/>\nWeil es alternativlos ist \u2013 ein doofes Wort, aber hier stimmt es. Ich bin \u00fcberzeugt: Wir k\u00f6nnen unseren Wohlstand nur bewahren, indem wir ihn teilen, nicht indem wir Mauern hochziehen. Ich war neulich hier in Freiburg bei einer<br \/>\nDemonstration f\u00fcr die Seenotrettung im Mittelmeer \u2013 da waren so viele engagierte Leute jeden Alters, das war ganz erfreulich. Aber meine Frau, die ein paar Flugbl\u00e4tter verteilte, hat erschreckende Kommentare zu h\u00f6ren bekommen. Es gibt tiefe Gr\u00e4ben in unserer Gesellschaft.<br \/>\n21.10.2018, Sigrun Rehm im Gespr\u00e4ch mit Volker Finke, <a href=\"https:\/\/www.der-sonntag.de\">https:\/\/www.der-sonntag.de<\/a>,<\/p>\n<p>Diskussion: \u201eMigration, Flucht und Menschenrechte\u201c mit Fu\u00dfballtrainer Volker\u00a0Finke, Rechtsanwalt Jens Janssen und Arzt Alexander Supady morgen, 22. Oktober,\u00a019 Uhr, im Humboldtsaal, Humboldtstra\u00dfe 2, Freiburg. Es ist der Auftakt einer Veranstaltungsreihe, die die Denkfabrik \u201eGlobal Initiative on Health, Migration and\u00a0Development\u201c mit der Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung, der SeenotrettungsInitiative\u00a0Resqship, der Universit\u00e4t Freiburg und der Stadt ausrichtet.<\/p>\n<p>Die Denkfabrik: &#8222;Global Initiative\u201c, deren Mitbegr\u00fcnder der Freiburger Arzt und\u00a0Seenotretter Alexander Supady ist, befasst sich mit der Suche nach konsensf\u00e4higen\u00a0Antworten auf die Migrationsfrage. Bald im Internet:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.global-initiative.org\">https:\/\/www.global-initiative.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Afrikakenner Volker Finke diskutiert \u00fcber Migration und Menschenrechte. 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