{"id":64703,"date":"2017-04-19T09:37:47","date_gmt":"2017-04-19T07:37:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=64703"},"modified":"2022-02-25T14:40:33","modified_gmt":"2022-02-25T13:40:33","slug":"angst-und-religion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/angst-und-religion\/","title":{"rendered":"Angst und Religion"},"content":{"rendered":"<p>(1) Die <a title=\"Angst\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/angst\/\">Angst<\/a> als bestimmendes Gef\u00fchl des Menschen und (2) die friedensstiftende Kraft von <a title=\"Religion\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/\">Religion<\/a> &#8211; diesen beiden Grundfragen widmet sich der <a title=\"Katholisch\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/katholisch\/\">Theologe<\/a> und <a title=\"Psyche\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/psyche\/\">Psychologe<\/a> <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/drewermann\/\">Eugen Drewermann<\/a> in seinem Werk &#8222;Die Spirale der Angst &#8211; Der Krieg und das Christentum&#8220;. Dabei kommt er zu einem ganz und gar nicht optimistischen Schlu\u00df: Angst erzeugt <a title=\"Gewalt\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/krise\/gewalt\/\">Aggression<\/a>, <a title=\"Waffen\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/waffen\/\">Bewaffnung<\/a> und <a title=\"Krieg\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/krieg\/\">Krieg<\/a>. Nur die Religi\u00f6sit\u00e4t kann den Menschen aus seiner Angst befreien. <!--more-->Doch das Christentum in seiner derzeitigen Verfassung hat mehr Angst gef\u00f6rdert als befriedet.<br \/>\n.<br \/>\n<em>(1) Angst f\u00fchrt zu Krieg:<\/em> Angst ist der Preis des Menschen f\u00fcr seinen Intelligenz, Vernunft und F\u00e4higkeit zu vorausschauendem Handeln. Das Grundgef\u00fchl der Angst haben schon kleine Kinder: &#8222;Willst du ein Geschwisterchen?&#8220; Nein &#8211; aus Angst vor der Konkurrenz. Der Mann als J\u00e4ger, Waffen, Revierabgrenzung &#8211; m\u00e4nnliche Eigenschaften um Kraft und Kampf finden eine Aufwertung in Richtung Patriarchat, w\u00e4hrend weibliche Eigenschaften um Bewahren und Gem\u00fct in den Hintergrund gedr\u00e4ngt werden.<br \/>\n.<br \/>\n<em>(2) Religion k\u00f6nnte Kriege verhindern:<\/em> Jede Religion mu\u00df daran gemessen werden, inwieweit sie die Urangst des Menschen (vor Verlust und Tod) d\u00e4mpfen kann. Das Christentum hat nach Drewermann in der Vergangenheit eher \u00c4ngste und damit Kriege gef\u00f6rdert als angebaut &#8211; und tut dies heute noch. Die katholische Kirche als M\u00e4nnerverein mit ihrem ver\u00e4ngstigendem Zeigefinder-Moralismus.<br \/>\nBuddhismus, Hinduismus (Ghandi) und Taoismus siehtDrewermann alseher friedliebend, aber diese Religionen waren nie staatstragend.<br \/>\nWenn eine Religion &#8211; wie durch die <a title=\"Aufklaerung\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/aufklaerung\/\">Aufkl\u00e4rung<\/a> geschehen &#8211; an Macht verliegt, dann mu\u00df sie um ihre Existenz bangen. Das Christentum hat dies erfahren, der Islam wehrt sich dagehen (Tibi mu\u00df seine Vorschl\u00e4ge zum Euro-Islam begraben).<br \/>\n.<br \/>\nZwei aktuelle Beispiele:<br \/>\n<em>Zu (1) Angst f\u00f6rdert Krieg:<\/em><br \/>\nDeutschland wuchs von 56 Mio (1900) auf 82 Mio (2000 wie auch 2017). \u00c4gypten wuchs von 11 Mio (1900) \u00fcber 64 Mio (2000) auf 94 Mio (2017). Die gewaltige <a title=\"Bevoelkerungswachstum\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demografie\/bevoelkerungswachstum\/\">Bev\u00f6lkerungsexplosion<\/a> in vornehmlich islamischen L\u00e4ndern (arabischer Raum, <a title=\"Maghreb\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/maghreb\/\">Maghreb<\/a> und <a title=\"Gambia\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/afrika\/gambia\/\">Afrika<\/a>\u00a0erzeugt\u00a0<a title=\"Youth-Bulges\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/krieg\/youth-bulges\/\">Youth Bulges<\/a> und l\u00e4\u00dft den <a title=\"Youth bulges \u2013 Jugend und Krieg\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/youth-bulges-jugend-und-krieg\/\">Kriegsindex<\/a> von Irak bis Marokko ansteigen: Die Existenzangst <a title=\"Migration-Maenner\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/migration\/migration-maenner\/\">nachgeborener S\u00f6hne<\/a> f\u00fchrt zu Gewalt im Inland (Takir-Platz in Kairo), Gewalt im Ausland (Israel bzw. Juden als \u00e4u\u00dferer Feind) und schlie\u00dflich zur <a title=\"Integration\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/integration\/\">Migration<\/a>. Im April 2017 sind \u00fcber 80% der jungen M\u00e4nner bereit, \u00c4gypten sofort\u00a0<a title=\"EU-Migration\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/eu\/eu-migration\/\">zu verlassen in Richtung EU<\/a>, wenn sie es nur k\u00f6nnten. Die Fl\u00fcchtlingswelle ist erst am Anfang ihrer Entwicklung.<br \/>\n.<br \/>\n<em>Zu (2) Religion k\u00f6nnte Frieden f\u00f6rdern, tut es aber leider nicht:<\/em><br \/>\nIm S\u00fcdsudan (doppelt so gro\u00df wie Deutschland bei nur 12 Mio Einwohnern) tobt im April 2017 ein furchtbarer <a title=\"Religionskrieg\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/religionskrieg\/\">Krieg<\/a>. Beide Kriegsparteien sind <a title=\"Christen\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/christen\/\">christlichen Glaubens<\/a>, beide k\u00e4mpfen im Namen des gleichen Gottes. Die christliche Religion verst\u00e4rkt Angst vor dem und Aggression gegen den jeweiligen Gegner. Es geht letztendlich um Gebiete mit Erd\u00f6lvorkommen.<br \/>\n19.4.2017<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Zusammenfassung zum Buch &#8222;Eugen Drewermann: Spirale der Angst&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Zwei Fragen, die bei der Lekt\u00fcre des Buches von Eugen Drewermann stellen:<br \/>\n1. Frage: Wie entsteht Krieg und Gewalt? Beziehungsweise wodurch entsteht die menschliche Aggression, ohne die Kriege nicht m\u00f6glich w\u00e4ren?<br \/>\n2. Frage: Wie kann die Aggression, beziehungsweise die Angst, die in der menschlichen Psyche verankert und als Ursache der Aggression gesehen wird, befriedet und sublimiert werden?<br \/>\nDie Antwort auf die letzte Frage kann von einem Theologen wie Eugen Drewermann nur religi\u00f6s sein.<br \/>\nZuvor ein Zitat von Mahatma Ghandi aus seinem Buch &#8222;Freiheit ohne Gewalt&#8220;:<br \/>\n&#8222;Es ist ein eigenartiger Kommentar auf den Westen, da\u00df es dort, obwohl es sich zum Christentum bekennt, kein Christentum und keinen Christus gibt &#8211; sonst h\u00e4tte es dort keinen Krieg gegeben.&#8220;<br \/>\nGewaltlosigkeit, so Ghandi weiter, mu\u00df zu jedem Opfer bereit sein, auch zum Letzten, dem eigenen Tod, um von Furcht frei zu sein.<\/p>\n<p><strong>Zur ersten Frage: Wie entsteht Krieg und Gewalt<\/strong><br \/>\nAggression und Krieg ist keine Erfindung einer Gesellschafts- oder Wirtschaftsordnung oder eines Sozialsystems. Aggression war und ist von Kind auf im Menschen angelegt. Sie ist der Preis , den der Mensch zahlen mu\u00df f\u00fcr seine F\u00e4higkeit zu vern\u00fcnftigem, vorausschauendem Denken. Dadurch entsehen \u00c4ngste wie Existenzangst (Angst vor dem Tod) oder Verlustangst (Angst vor dem Verlust von Besitz, Macht, Einflu\u00df, Ehre, Kultur bzw. \u00dcberfremdung).<br \/>\nKrieg ist zwar, wie schon erw\u00e4hnt, keine Erfindung irgend einer Gesellschaftsform, die Bereitschaft zu kriegerischen Handlungen wird aber durch bestimmte gesellschaftliche Gegebenheiten bef\u00f6rdert. wie z.B. Dem\u00fctigung, Landnahme , Rechtsanspr\u00fcche, Zugang zu lebensnotwendigen Ressourcen wie z.B. Wasserquellen.<br \/>\nSo sehr die Jagd den Aufstieg der Menschheit erm\u00f6glichte, so sehr hat sie auch die Grundlagen des Krieges in die sich entfaltende Intelligenz hineingelegt. Die Gesetze des Gruppenzusammenschlusses zu einem bestimmten aggressiven T\u00f6tungszweck m\u00fcssen sich kriegsbeg\u00fcnstigend ausgewirkt haben.<br \/>\nViele Tiere in ihrer Kraft, Instinkt und Sch\u00f6nheit werden jedoch von den fr\u00fchen J\u00e4gern h\u00f6her geachtet als der Mensch. Manche Tiere genossen geradezu g\u00f6ttliche Verehrung. Es ist anzunehmen, da\u00df Schuldgef\u00fchle beim T\u00f6ten von Tieren bei den fr\u00fchen J\u00e4gern vorhanden waren, da\u00df Schuldgef\u00fchle also bereits seit Urzeiten im Menschen angelegt waren.<br \/>\nDie Notwendigkeit des T\u00f6tens, um selbst leben zu k\u00f6nnen, diese Widerspruchseinheit von Leben und Tod wurde beklagt und mu\u00dfte ausgehalten werden. Religi\u00f6se Rituale waren dabei eine Hilfe. Indem die Menschen das Fleisch des Tiergottes a\u00dfen, nahmen sie selber an dem Leben und der Auferstehung des g\u00f6ttlichen Tieres und mithin an seiner Unsterblichkeit teil. So wie der Get\u00f6tete im Akt des Essens in ein neues Leben eingeht und in gewisser Weise dadurch im Leben der Kultgemeinde unsterblich wird, so macht auch umgekehrt der unsterblich Gewordene selbst die Essenden eines ewigen Lebens teilhaftig.<br \/>\nHistorisch gesehen ist die Vorstellung von der christlichen Eucharistie von Gott, der auf die Erde kommt und sich t\u00f6ten l\u00e4\u00dft um durch sein Fleisch und sein Blut zur Speise der Menschen zu werden, jedenfalls au\u00dferordentlich alt und beginnt mit Sicherheit schon in der Zeit der fr\u00fchen J\u00e4ger.<br \/>\nDamit gibt sich die christliche Eucharistie als ein wahres Ursakrament zu erkennen. In den antiken Ackerbaukulturen des Mittelmeerraumes war ebenso das Ritual des \u00b4\u00b4Gottessens\u00b4\u00b4 seit Jahrtausenden weit verbreitet als ein archetypischer Gedanke und mu\u00dfte von der fr\u00fchen christlichen Kirche nur noch zur Deutung der eigenen Glaubenserfahrung aufgegriffen und aktualisiert werden. Auch hier, in der christlichen Eucharistie opfert der Sohn Gottes sein Fleisch in Gestalt des Brotes und sein Blut in der Gestalt des Weines, um \u00fcber den Tod hinaus seinen Gl\u00e4ubigen gegenw\u00e4rtig zu sein und ihnen an seinem Tod und an seiner Auferstehung Anteil zu geben.<br \/>\nEbenso der Korngott Osiris oder der Weingott Dionysos bildeten in ihrem Sterben nicht nur im materiellen, sondern vor allem im mystisch-religi\u00f6sen Sinne die Grundlage des menschlichen Lebens. In der Weltsicht der alten Mythen war das Leben selbst ein Sakrament. Wenn man das Korn der Felder a\u00df, nahm man das Leben des Korngottes zu sich.Wenn man das Blut der Reben trank, trat man selbst in den ekstatischen Bereich ein, in dem die Grenzen der irdischen Existenz in Raum und Zeit sich in die Ewigkeit hinein \u00f6ffneten.<br \/>\nDiese urt\u00fcmliche sakramentale Einheit des Menschen mit dem Gott, der durch seinen Tod zur Grundlage des menschlichen Lebens wird, setzt sich von den eiszeitlichen J\u00e4gern her bei den Pflanzern ungebrochen bis ins Christentum fort.<\/p>\n<p>Lesen: Seite 301 bis 304<br \/>\nWeshalb gelingt dem Christentum die religi\u00f6se Heilung des Daseins, die Beruhigung der elementaren \u00c4ngste des Meschen nicht? Man mu\u00df die psychischen Gr\u00fcnde verstehen, die den Menschen zum Krieg bef\u00e4higen.<br \/>\nJudentum , Christentum und Islam sind patriarchalisch strukturiert. Die Unterdr\u00fcckung der weiblichen Anteile der Psyche k\u00f6nnte kriegsbeg\u00fcnstiged wirken. Mit der sozialen Rollenverteilung ging psychologisch auch eine Wertung bestimmter menschlicher Eigenschaften einher. Weibliche Eigenschaften wurden abgewertet, m\u00e4nnliche Eigenschaften wurden aufgewertet.<br \/>\nLesen: Seite 244 bis 254<br \/>\n<strong>Zur zweiten Frage: Wie k\u00f6nnte die menschliche Angst befriedet werden?<\/strong><br \/>\nWas kann (k\u00f6nnte) das Christentum tun, um seinem Anspruch zu gen\u00fcgen, dem Frieden wenigstens ein St\u00fcck weit n\u00e4her zu kommen? Wie befreit sich das Christentum von seiner seelenlosen m\u00e4nnlichkeit ?<br \/>\nDas Christentum m\u00fc\u00dfte die weibliche Seite der Seele, das Unbewu\u00dfte religi\u00f6s tiefer integrieren. Es m\u00fc\u00dfte sich l\u00f6sen von seiner Verstandeseinseitigkeit. Das hie\u00dfe Verzicht auf Machtaus\u00fcbung durch moralische Vorschriften und G\u00e4ngelung der Menschen. Dies hie\u00dfe Abkehr von der patriarchalischen m\u00e4nnlichen Ideologie der Machbarkeit und der moralischen Verk\u00fcrzung des Menschen. Es m\u00fc\u00dfte sich erinnern an die religi\u00f6sen Kr\u00e4fte des Gem\u00fcts, des Weiblichen, des Unbewu\u00dften. Es m\u00fc\u00dfte sich abkehren von der Mythenfeindlichkeit, die es vom Judentum \u00fcbernommen hat, sowie von seiner historischen Selbstverteidigung. Das Abendmahl als archetypisches Symbol, m\u00fc\u00dfte von seiner christlich abendl\u00e4ndischen Exklusivit\u00e4t befreit werden. Denn: Bestimmte religi\u00f6se Anschauungsweisen und Bilder sind offenbar im Menschen archetypisch angelegt. Das hei\u00dft, sie sind zu allen Zeiten, an allen Orten der Erde unabh\u00e4ngig voneinander hervorgebracht worden und sind den christlichen Lehrmeinungen sehr \u00e4hnlich.<br \/>\nEin besseres Zeugnis f\u00fcr die christlichen Lehren gibt es nicht als die Feststellung, da\u00df die Dogmen und Bilder des Christentums allesamt von den Konflikten und Spannungen, den Hoffnungen und W\u00fcnschen der menschlichen Psyche getragen und vorbereitet sind. Mythologie ist projizierte, unbewu\u00dfte Psychologie. Mythen werden nie nur einfach so ersonnen, sondern entstammen dem Unbewu\u00dften des Menschen. Die Seele denkt in Bildern, d.h. indem sie Symbole schafft, kann sie sich erneuern und entwickeln.<br \/>\nDie Eucharistie will dem Menschen von Gott her versichern, da\u00df ihm sein Dasein von Grund her geschenkt wird. Gott gibt also freiwillig, was der Mensch sich gewaltsam aneignen zu m\u00fcssen meint. Eucharistie ist nach Art des Psychodramas ein Versuch, im Ausagieren des an sich Zerst\u00f6renden zu heilen. Eucharistie ist ein Versuch, das Ewigschuldigmachende, das Verbotene bewu\u00dft zu machen und zu tun, um es im Tun als unschuldig zu akzeptieren. Die Kriege und die Gewalt innerhalb des Christentums zeigen, da\u00df der ethische und moralische Optimismus, wie er heute immer noch gepflegt und vertreten wird, eine Irrlehre ist. Weder Moral noch Ethik bewirken in der menschlichen Psyche eine Ver\u00e4nderung, solange ihre Tiefenschichten nicht angesprochen werden. Ethik und Moral gebieten oder verbieten. Religion mu\u00df versuchen, sakramental zu segnen und zu heilen. Zur Idee der Integration, der Heilung und der Vergebung mu\u00df allerdings eine Wandlung, d.h. die Verinnerlichung hinzukommen. Ansonsten dient das Symbol der Eucharistie zwar dem Gruppenerhalt, aber der Feind &#8222;lauert&#8220; dann immer noch von au\u00dfen. Nur so l\u00e4\u00dft sich verstehen, da\u00df Kriege von kirchlicher Seite &#8222;gesegnet&#8220; werden. Falls eine innere Wandlung, wie sie das Abendmahl eigentlich beabsichtigt, gel\u00e4nge, w\u00e4ren Kriege undenkbar.<br \/>\nMan sollte der Religion nicht vorwerfen, da\u00df sie eine Vielzahl &#8222;irrationaler&#8220; Lehren und Gebr\u00e4uche in sich birgt und aufgenommen hat, sondern da\u00df sie in Gestalt des Christentums die Verwurzelung ihrer archetypischen Bilder im Unbewu\u00dften auf eine geradezu chizophrene Weise verleugnet hat. Die objektive Unwirksamkeit ihrer Dogmen und Riten und sakramentalen Symbole ergibt sich im Christentum gerade aus der Verstandeseinseitigkeit mit der diese Religionsform daherkommt. Gerade das Sakrament der Eucharistie sollte die Einheit alles Lebens und aller Menschen darstellen und begr\u00fcnden. Statt dessen ist dieses wichtige Sakrament zum Zankapfel der verschiedenen Konfessionen geworden. Erst wenn das Christentum seine Dogmen und Riten als universale und integrale Symbole verstehen lernt, die in den Tiefenschichten der Psyche des Menschen zu allen Zeiten und an allen Orten der Erde unabh\u00e4ngig voneinander angelegt sind, wird es zur Einheit mit sich selbst gelangen. Nur wenn das Christentum selber menschlicher wird, indem es seine eigenen menschlichen Grundlagen begreift und akzeptiert, wird es im Innern mit sich selbst friedlicher leben und nach au\u00dfen hin zur Befriedung des Menschen und der Menschheit beitragen k\u00f6nnen. Aber wer von sich glaubt, im alleinigen Besitz der Wahrheit zu sein, ist nicht lernf\u00e4hig und l\u00e4\u00dft keinerlei Anerkennung f\u00fcr den Reichtum anderer Religionen zu (siehe Kolonialzeit und Missionierung).<br \/>\nEin Gottesglaube, der sich nur durch Verw\u00fcstung fremder Kulturen und durch die Eroberung und Ausbeutung fremder L\u00e4nder durchsetzen l\u00e4\u00dft, mu\u00df als eine Ideologie der Herrschaft und Entfremdung, nicht aber als ein Dokument religi\u00f6ser Wahrheit verstanden werden. Dies erweckt den Eindruck, da\u00df man eine solche Religion eines Tages ohne jeden Schaden durch ein staatliches Regiment ersetzen k\u00f6nnte, ja, so schnell wie nur m\u00f6glich ersetzen sollte.<\/p>\n<p>Lesen: Seite 364 bis 365<\/p>\n<p>Das umgreifende Verstehungsorgan psychischer Not und seelischer Heilung ist heute nicht die Theologie sondern die Tiefenpsychologie.<br \/>\nDer Friede ergibt sich zuallererst durch die Vers\u00f6hntheit der eigenen Person, oder er ist nicht. Der Friede ist global, oder er ist nirgends.<br \/>\nWenn die Analyse zutrifft, da\u00df Aggression und Krieg im Wesentlichen der menschlichen Angst, die vom Bewu\u00dftsein selbst ausgeht, entstammen, so wird jede Religion und hier vornehmlich das Christentum daran zu messen sein, was sie zur \u00dcberwindung der Angst beitragen kann.<br \/>\nLesen: Seite 376 bis 379?<\/p>\n<p>Wann ist eine Waffe abschreckend (Seite 92 )?<br \/>\nDie heutige Annahme, da\u00df die Atomwaffen ein Vernichtungspotenzial haben, das den Krieg unm\u00f6glich macht, ist fragw\u00fcrdig. Zum einen hebt die moderne Waffentechnik die T\u00f6tungshemmung auf (vergleiche: Schwertkampf und Drohnen, die per Knopfdruck bedient werden, ohne da\u00df der Bedienende irgend einen Sichtkontakt mit dem Gegner haben mu\u00df). Zum Anderen haben moderne Waffen (Chemie-, bakterielle- und Atomwaffen) ein Vernichtungspotenzial, das sich kein Mensch vorstellen kann. Was aber unvorstellbar ist, ist auch nicht abschreckend. Was man selbst tun k\u00f6nnte, kann auch nicht verhindern, da\u00df es einem selbst angetan wird. Wenn die katastrophale Vernichtungskraft der heutigen Waffen bewu\u00dft und emotional erfa\u00dft w\u00fcrde, wie es zur Abschreckung von Krieg notwendig w\u00e4re, best\u00fcnde die Gefahr, da\u00df sich das menschliche Gef\u00fchl weltweit gegen sie richten und ihren Einsatz verhindern w\u00fcrde. Deshalb mu\u00df man sie geheim halten. Geheim gehaltene Waffen erschrecken aber niemanden. Die moderne Abschreckung basiert demnach auf Waffen, die sich dem Gef\u00fchl der Angst und dem Mitleid entziehen m\u00fcssen, um \u00fcberhaupt hervorgebracht und eingesetzt werden zu k\u00f6nnen. Kann mit diesem blutigen Kalk\u00fcl der Antrieb (Angst) und die Reaktionsweisen des Menschen (Gruppendynamik), die immer wieder in der Geschichte zum Krieg gef\u00fchrt haben, kontrolliert und verhindert werden?<\/p>\n<p>Gibt es eine Selbstaufhebung des Krieges durch praktische Vernunft (Seite 98)?<br \/>\nDa Krieg in sich selbst unvern\u00fcnftig und unlogisch ist, wurde immer wieder die Hoffnung laut, da\u00df dieselbe Vernunft und Logik, die moderne Massenvernichtungswaffen erfindet, auch dazu verhilft, den Krieg \u00fcberfl\u00fcssig zu machen. Der Krieg richtet sich gegen alles, was man mit seiner Hilfe zu sch\u00fctzen hofft. So zieht man in den Krieg, um Frauen und Kinder zu sch\u00fctzen. Frauen und Kinder sind aber die ersten und h\u00e4ufigsten Opfer des Krieges. Man zieht in den Krieg, um moralische Werte zu sch\u00fctzen. Moralische Werte gehen im Krieg immer verloren. Selbst dann, wenn der Ausgang des Krieges mit technischen Mitteln im voraus berechenbar w\u00e4re, durch Dem\u00fctigung und Unterwerfung des Gegners bzw. des Besiegten, w\u00fcrden neue Kriege heraufbeschworen. Ein geplanter und gekonnter Ausrottungskrieg zerst\u00f6rte jegliches Vertrauen und steigerte die Angst auf allen Seiten ins Uferlose. Einem Gegner, der den Krieg mit allen Mitteln zu f\u00fchren droht, ist buchst\u00e4blich alles zuzutrauen.<\/p>\n<p>Der Krieg, ein kollektiver Wahnsinn (Seite 103)<br \/>\nDie Utopie des Religi\u00f6sen und das ethische Dilemma (Seite 107).<br \/>\nDas ethische und religi\u00f6se Bem\u00fchen um die L\u00f6sung der Problematik des Krieges ist so alt wie der Krieg selbst. Die wichtigsten Gedaken zum Krieg sind au\u00dferhalb des vom Griechentum und der Bibel gepr\u00e4gten Abendlandes entstanden (siehe die taoistische Gewaltlosigkeit). Tschuangtse meint, da\u00df bereits der Wille, ein moralisch einwandfeier, gerechter, edelm\u00fctiger Herrscher bzw. Mensch zu sein, das Gegenteil hervorbringt. Dieselbe Einsicht wird Jahrhunderte sp\u00e4ter in der Bergpredigt verk\u00fcndet. Gerade in der Bergpredigt, der Lehre vom Geist der Vers\u00f6hnung, wollte und will man die spezifischen Merkmale des Christentums sehen. W\u00fcrde nicht sofort Frieden herrschen auf Erden, wenn Matth\u00e4us 5 bis 7 ernsthaft befolgt w\u00fcrde? Man versteht aber die Bergpredigt erst, wenn man die verkrampften asketischen Willensanstrengungen der christlichen Tugendlehre vergi\u00dft und bei den Texten Laotses und Buddhas nachschl\u00e4gt.<br \/>\nDie Lehren der Bergpredigt sind keine moralischen Anweisungen und Gebote. Sie wollen nur sagen, wie man leben und sich verhalten k\u00f6nnte, wenn die Angst des menschlichen Daseins durch ein tiefes religi\u00f6ses Vertrauen \u00fcberwunden w\u00e4re.<br \/>\nWie aber lernen wir als Menschen menschlich zu leben und zu tun, was sich alle Religionen zum Ziel gesetzt haben: Die Menschwerdung des Menschen zu erm\u00f6glichen? Welchen Beitrag dazu k\u00f6nnte die Religion des Christentums leisten? Das Christentum verf\u00fcgt n\u00e4mlich an und f\u00fcr sich \u00fcber ein sehr breites Spektrum archetypischer Riten und Symbole, die \u00fcber die Ohnmacht der religi\u00f6sen Lehre hinaus in einer Art universeller Psychotherapie Frieden stiftend wirken k\u00f6nnten, wenn sie sich in ihrem eigenen L\u00f6sungsansatz tief genug begreifen w\u00fcrden. Wenn die Analyse zutrifft,da\u00df der Krieg im Wesentlichen der menschlichen Angst entstammt und zwar einer Angst, die vom Bewu\u00dftsein selbst ausgeht, so wird jede Religion und hier vornehmlich das Christentum daran zu messen sein, was sie zur \u00dcberwindung der Angst beitragen kann.<\/p>\n<p>Die Fehler des Christentums (Seite 177)<br \/>\nDie Geschichte des Christentums ist zu blutig, als da\u00df sie nicht den Glauben an ein friedfertiges Christentum L\u00fcgen strafen m\u00fc\u00dfte. Bei einer solchen Vielzahl von unchristlichen Kriegen und einer derart hemmungslosen Ausweitung und Entwicklung der Kriegsmittel, kann es sich nicht nur um Einzelverfehlungen handeln, die mit ein wenig gutem Willen zu beseitigen w\u00e4ren. Weshalb ger\u00e4t das Christentum immer wieder in Widerspruch zur eigenen Lehre? Welche innere Pathologie l\u00e4\u00dft die eigenen Absichten ins Gegenteil verkehren?<br \/>\nZuallerest mu\u00df hier das Erbe der Bibel gesehen werden. Die Bibel, als historisch bedingtes Menschenwort, ist gepr\u00e4gt von dem kulturellen Umkreis ihrer Entstehung, und diese war kriegerisch. Der Gott der Juden war auch Kriegsgott. Das kriegerische Erbe der Semitischen St\u00e4mme, angefangen bei den &#8222;Kindern Israels&#8220; , ist auffallend. Dazu geh\u00f6rt die Ausrottung und Vertreibung ganzer V\u00f6lker als &#8222;die rechte Art&#8220; des &#8222;Heiligen Krieges&#8220; , die ein Stammesgott zur eigenen &#8222;Ehre&#8220; und zum &#8222;Nutzen seines eigenen Volkes&#8220; gebietet. Die wenigen Stellen der Bibel, wo es sich um friedliche \u00c4u\u00dferungen handelt wie z.B. in Jes. 2 Vers 4: &#8222;Schwerter zu Pflugscharen&#8220;, werden heute als Zeugnis des biblischen Pazifismus bem\u00fcht. Dagegen steht in Jes. 2 unmittelbar danach, wie man sich den &#8222;Frieden Gottes&#8220; vorzustellen hat: Als Sieg \u00fcber die sogenannten Heidenv\u00f6lker. Die Bibel liefert daf\u00fcr gen\u00fcgend andere Beispiele:<br \/>\nPsalm 144 V. 1 : Der meine H\u00e4nde den Kampf lehrt und meine F\u00e4uste den Krieg.<br \/>\nPsalm 137,V.9 : Der die S\u00e4uglinge des Feindes packen und sie mit ihren K\u00f6pfen am Fels zerschmettern wird.<br \/>\nPsalm 58, V. 11: Wo man den &#8222;Gottlosen&#8220; der Erde w\u00fcnscht, sie m\u00f6gen zerflie\u00dfen wie der Schleim der Schnecke.<br \/>\nPsalm 110 spricht davon, wie der Erw\u00e4hlte Gottes den besiegten Feinden in den Nacken tritt und Gericht unter den Heiden h\u00e4lt, da\u00df es voll wird von Leichen.<br \/>\nWeder dem Christentum, noch dem Judentum, noch dem Islam ist es bis heute gelungen, dieses k\u00e4mpferische Erbe des alten Testaments mit seinem nationalegoistischem Horizont abzustreifen.<br \/>\nZum Erbe des alten Testaments geh\u00f6rt auch die Fremdheit des biblischen Denkens gegen\u00fcber der \u00e4u\u00dferen Natur. Der biblische Mensch steht im Mittelpunkt, die Natur bleibt au\u00dfen vor und kann r\u00fccksichtslos ausgebeutet werden. &#8222;Der Mensch mache sich die Erde untertan&#8220;. Die Gewaltt\u00e4tigkeit gegen\u00fcber der Natur ist nur die Au\u00dfenseite der Gewaltt\u00e4tigkeit gegen sich selbst. Man vergleiche das Judentum, das Christentum und den Islam mit dem Buddhismus, dem Taoismus oder mit dem iranischen Zaratustra und deren Umgang mit den Tieren und der Natur. Die Art und Weise, wie eine Religion \u00fcber den Umgang des Menschen mit der Natur und den Tieren denkt und handelt, ist das beste Kriterium zur Beurteilung seiner Menschlichkeit.<br \/>\nZum oben Genannten hinzu kommt die vom Patriarchalismus gepr\u00e4gte Verstandeseinseitigkeit des biblischen Menschen und seine Fremdheit gegen\u00fcber der inneren Natur (Seite 195).<br \/>\nDie Unterdr\u00fcckung der \u00e4u\u00dferen Natur f\u00fchrt zur Unterdr\u00fcckung der inneren Natur. Die Zentrierung der Welt auf den Menschen als den vernunftbegabten Teil der Kreatur kann auch im Menschen selbst nur die rationalen Kr\u00e4fte wie Verstand und WIllen gelten lassen. Die Welt der Triebe, der Instinkte, des Unbewu\u00dften , des weiblichen wird als etwas Unvern\u00fcnftiges bek\u00e4mpft. Allen drei monotheistischen Religionen wie Judentum, Christentum und Islam ist diese Einseitigkeit eigen. Sie wird jedoch im Christentum durch den Rationalimus des griechischen Denkens und den Dogmatismus gegen\u00fcber den heidnischen Mythen versch\u00e4rft. Dies bedeutet psychologisch:<br \/>\na) Die Unterdr\u00fcckung der menschlichen Aggression<br \/>\nb) Moralismus im Denken, d.h. das ethische Mi\u00dfverst\u00e4ndnis des Religi\u00f6sen<br \/>\nc) Unterdr\u00fcckung der Sexualit\u00e4t<br \/>\nd) Patriarchalische Abwertung des Weiblichen<br \/>\ne) Unterdr\u00fcckung der archetypischen Bilder des kollektiv Unbeewu\u00dften<br \/>\nIndem es die triebhaften, unbewu\u00dften Regungen der menschlichen Psyche verdr\u00e4ngte und ignorierte, oder noch schlimmer, moralisch dirigierte, vermehrte das Christentum das Feld der Angst und der Schuldgef\u00fchle, aus denen sich dann die Aggression speist. Psychologisch mu\u00df man deshalb das Christentum an der H\u00e4ufigkeit und Furchtbarkeit der Kriege im christlichen Abendland mitschuldig sprechen.<\/p>\n<p>Die Notwendigkeit der Tiefenpsychologie f\u00fcr eine theologische Lehre von S\u00fcnde und Erl\u00f6sung (Seite 209)<br \/>\nAufgabe der Religion w\u00e4re es, die fundamentale Angst des Menschen und ihre Gr\u00fcnde bewu\u00dft zu machen und sie vom Glauben her zu \u00fcberwinden. Die Religion selbst m\u00fc\u00dfte darauf vertrauen, da\u00df der Schutz des menschlichen Lebens ganz und gar in den H\u00e4nden Gottes liegt. Die Theologie bed\u00fcrfte aus diesem Grund die Einsicht der Tiefenpsychologie in die Strukturen und Mechanismen des Unbewu\u00dften in seinen Erlebnis- und Verarbeitungsweisen von Angst und Aggression.<br \/>\nSolange die Theologie aber das Unbewu\u00dfte nicht anerkennt, bleibt nur die Verdr\u00e4ngung und Verteufelung der menschlichen Triebe. Die aus dieser Angst entstehende Aggression entl\u00e4dt sich dann nach au\u00dfen in Form wie z.B. Konkurenzkampf oder Krieg, nach innen als Depression oder Drogensucht. Nicht durch Drohung oder ethisch moralische Gesetze, sondern nur durch ein tiefes Verst\u00e4ndnis seiner Not im Feld der Angst wird man dem Menschen zu einer Haltung des Vertrauens und der Angstberuhigung im Glauben f\u00fchren k\u00f6nnen.<br \/>\nIndem aber das Christentum den Menschen systematisch auf seinen Verstand und Willen verk\u00fcrzt hat, kann es gar nicht anders sein, als da\u00df es in der Diskussion um den Frieden seit Jahrtausenden rein moralisierend an seiner eigenen Lehre ebenso vorbeiredet, wie an den Menschen, die es zum Frieden f\u00fchren will.<br \/>\nWas im Augenblick \u00fcber den Frieden unter Zuhilfenahe der Bergpredigt gesagt wird, ist nichts anderes als selbstgef\u00e4lliger Zweckoptimismus. Man hat am Ende zwar immer alles richtig gesagt, man hat, bevor der Patient am Fieber starb, gesagt, er d\u00fcrfe nicht so hitzige Phantasien haben, keine Schwei\u00dfausbr\u00fcche und sein Puls m\u00fcsse ruhiger schlagen. Alles richtig und trotzdem Kurpfuscherei. Friede kann nur erwachsen aus der inneren Erfahrung der Ganzheit und der Verbundenheit mit seinem Ursprung. Macht man dem Menschen seine Friedlosigkeit mit moralischen Ge- und Verboten zum Vorwurf, so erreicht man nur, da\u00df seine innere Zerrissenheit noch weiter zunimmt. Die Bergpredigt enth\u00e4lt, wie schon erw\u00e4hnt, weder Ethik noch Moral. Sie beschreibt nur, wie Menschen sich verhalten, die ohne Angst sind.<\/p>\n<p>Glaubenskriege<br \/>\nNachdem durch die Verdr\u00e4ngung der unbewu\u00dften Kr\u00e4fte der Mensch selbst als ein Wesen mit Verstand und Willen aufgefa\u00dft wird, ist auch die Beziehung zu Gott, das Bekenntnis des Glaubens, ein Akt des Verstandes, befohlen vom Willen. Und im Dienst dieses Glaubens mu\u00df sich die verdr\u00e4ngte Aggression entladen. Die Folge sind Glaubenskriege nach au\u00dfen und Inquisition nach innen. Entzieht man einer solchen Religion die Macht, wie es seit der Aufkl\u00e4rung geschieht, mu\u00df sie um ihre Existenz bangen.<br \/>\nGerade die Worte der Bergpredigt, wenn sie ihres religi\u00f6sen Erfahrungshintergrundes entkleidet und gegen ihren eigentlichen Sinn in moralische Ideale verwandelt werden, f\u00fchren zum Kampf gegen eingebildete oder wirkliche Repr\u00e4sentanten des eigenen verdr\u00e4ngten Materials. Ein Beispiel daf\u00fcr ist der radikale Terror innerhalb sogenannter pazifistischer Gruppen (Antifa, Rote Armeefraktion).<br \/>\nAuf diese Weise f\u00fchrt der ethische Optimismus zu einer Polarisierung zwischen den moralisch Guten und den moralisch B\u00f6sen, d.h. zur Spaltung der Gesellschaft. Steht erst einmal fest, wer oder was als absolut b\u00f6se gelten mu\u00df, wird der moralische Pazifismus nach au\u00dfen hin so terroristisch, wie er es psychologisch von Anfang an war. Der ethische Optimismus als Glaube an das Machbare des Friedens, ist in sich selbst terroristisch.<\/p>\n<p>Der Friede des Nicht-Machens (Seite 230)<br \/>\nF\u00fcr eine Religion, die sich der Wahrhaftigkeit verpflichtet f\u00fchlt, sollte die Frage &#8222;Wer bin ich selbst?&#8220; wichtiger sein als die Frage &#8222;Was mu\u00df ich tun?&#8220;. Die innere Wahrheit des Menschen, seine Wichtigkeit als Einzelner, sollte vorrangig sein vor der Richtigkeit seines Handelns.<br \/>\nDer Religion sollte es nicht um die \u00e4u\u00dfere Korrektur, sondern um die innere Vers\u00f6hnung des Menschen, nicht um seine Erziehung, sondern um seine Erl\u00f6sung, nicht um seine Verbesserung, sondern um seine Begnadigung gehen. Das Nicht-Machen und das Verstehen k\u00f6nnte den inneren Frieden und damit auch den \u00e4u\u00dferen Frieden des Menschen erm\u00f6glichen.<br \/>\nAber wie weit ist das Christentum gegenw\u00e4rtig davon entfernt?<\/p>\n<p>4. April 2017, Anita Kaier, zu:<\/p>\n<p><em>Eugen Drewermann: <\/em><br \/>\n<em>Die Spirale der Angst<\/em><br \/>\n<em>Der Krieg und das Christenzum &#8211; Mit vier Reden gegen den Krieg am Golf<\/em><br \/>\n<em>436 S., Herder Verlag, 2. Auflage 1991<\/em><br \/>\n<em>ISBN 3-451-04003-4<\/em><br \/>\n\u00b4<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(1) Die Angst als bestimmendes Gef\u00fchl des Menschen und (2) die friedensstiftende Kraft von Religion &#8211; diesen beiden Grundfragen widmet sich der Theologe und Psychologe Eugen Drewermann in seinem Werk &#8222;Die Spirale der Angst &#8211; Der Krieg und das Christentum&#8220;. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/angst-und-religion\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18,13,64,19],"tags":[520,503,399],"class_list":["post-64703","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bildung","category-kultur","category-psyche","category-religion","tag-frieden","tag-church","tag-psychology"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64703","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64703"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64703\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":99027,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64703\/revisions\/99027"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64703"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64703"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64703"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}