{"id":63055,"date":"2016-10-16T08:53:44","date_gmt":"2016-10-16T06:53:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=63055"},"modified":"2020-02-24T10:11:04","modified_gmt":"2020-02-24T09:11:04","slug":"vergangenheit-vergeht-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/vergangenheit-vergeht-nicht\/","title":{"rendered":"Vergangenheit vergeht nicht"},"content":{"rendered":"<p><a title=\"Geschichte\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/heimat\/geschichte\/\">Geschichte<\/a> l\u00e4\u00dft sich nicht ausradieren, auch nicht durch <a title=\"Stadtfreiburg\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/freiburg\/stadtfreiburg\/\">Gemeinderatsbeschlu\u00df<\/a>, auch nicht durch Psychotechniken wie <a title=\"Nazi\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/juden\/nazi\/\">Vergangenheitsbew\u00e4ltigung<\/a> oder <a title=\"Erinnerungsorte\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/heimat\/geschichte\/erinnerungsorte\/\">Erinnerungskultur<\/a>, die der &#8222;Damnatio Memoriae&#8220; dienen: Einen in Ungnade Gefallenen durch Tilgung seines <a title=\"Strassennamen\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/heimat\/geschichte\/strassennamen\/\">Namens<\/a> <a title=\"Oeffentlicher-Raum\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/oeffentlicher-raum\/\">l\u00f6schen<\/a> und verfluchen (damnieren). Was die alten R\u00f6mer praktizierten, erproben nun die <a title=\"Freiburg\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/freiburg\/\">Freiburger<\/a>. <!--more-->Aus 1300 <a title=\"Strassennamen\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/heimat\/geschichte\/strassennamen\/\">Strassennamen<\/a> sollen 12 umbenannt (der <a title=\"Philosophie\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/philosophie\/\">Philosoph<\/a> <a title=\"Heidegger \u2013 Schwarze Hefte\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/heidegger-schwarze-hefte\/\">Martin Heidegger<\/a>, der Mediziner Ludwig Aschoff) und 15 mit Infotafeln versehen werden (<a title=\"Dichter\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/dichter\/\">Dichter<\/a>\u00a0Heinrich Fichte, Naturforscher Carl von Linne).<br \/>\nAch wie <a title=\"Gutmenschen\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/gutmenschen\/\">gute Menschen<\/a> w\u00e4ren wir, ach wie <a title=\"Gesinnungsethik\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/gesinnungsethik\/\">moralisch<\/a> feine und edle Wesen w\u00e4ren wir, wenn es diese Strassen (der Kategorie A) nicht mehr g\u00e4be: Alban-Stolz-Stra\u00dfe, Eckerstra\u00dfe, Gallwitzstra\u00dfe, Hegarstra\u00dfe, Hindenburgstra\u00dfe, Julius-Brecht-Stra\u00dfe, Lexerstra\u00dfe, Ludwig-Aschoff-Platz, Ludwig-Heilmeyer-Weg, Martin-Heidegger-Weg, Rennerstra\u00dfe und Sepp-Allgeier-Stra\u00dfe.<br \/>\n.<br \/>\nFolgende Namen werden mit aufkl\u00e4renden Hinweistafeln versehen (Kategorie B):<br \/>\nArndtstra\u00dfe, Conrad-Gr\u00f6ber-Stra\u00dfe, Fichtestra\u00dfe. Freytagstra\u00dfe, Hansjakobstra\u00dfe, Hermann-Mitsch-Stra\u00dfe, Jahnstra\u00dfe, K\u00f6rnerstra\u00dfe, Linn\u00e9stra\u00dfe, Richard-Strauss-Stra\u00dfe, Richard-Wagner-Stra\u00dfe, Seitzstra\u00dfe, Staudinger-Stra\u00dfe, Weismannstra\u00dfe und Zasiusstra\u00dfe.<br \/>\nDie\u00a0Fichtestra\u00dfe\u00a0soll mit dem\u00a0Schildchen erg\u00e4nzt werden: \u201eNationalistischer Philosoph und erkl\u00e4rter Gegner Frankreichs\u201c. Dabei gibt es zu Fichte weitaus wichtigeres zu sagen, als dass er <a title=\"Nationalismus\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/nationalismus\/\">Nationalist<\/a> war. Zwar entspricht \u00a0seine Feindschaft gegen\u00fcber der franz\u00f6sischen Besatzungsmacht 1807 nicht dem Geist aktueller V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung von 2016,\u00a0aber vielleicht dem damaligen Zeitgeist? Und was entspricht unserer heutigen von verschiedenen Seiten verordneten Feindschaft zu Putin-Ru\u00dfland, Assad-Syrien, Erdogan-T\u00fcrkei, Letanjahu-Israel und Abbas-Pal\u00e4stina?<br \/>\n.<br \/>\nAuch die Freiburger sollten sich in <a title=\"Ehrlichkeit\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/ehrlichkeit\/\">Demut<\/a> \u00fcben, denn sie sind nicht <a title=\"Gesinnungsethik\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/gesinnungsethik\/\">moralisch besser<\/a> als ihre Vorfahren. Mit dem Entfernen von Strassennamen sch\u00fcrt der Freiburger Gemeinderat die gem\u00fctliche, aber gef\u00e4hrliche Illusion der eigenen <a title=\"Ethik \u2013 Ohne Gott keine Moral\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/ethik-ohne-gott-keine-moral\/\">moralischen \u00dcberlegenheit<\/a>. Der Aschoffplatz soll Aschoffplatz bleiben, denn nur in der Auseinandersetzung mit der Geschichte l\u00e4sst der eigene moralische Anspruch relativieren. Eine Stadt, die ihre Historie im Stadtbild tilgt, musealisiert sich.<br \/>\n16.10.2016<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Vergangenheitsbew\u00e4ltigung und Erinnerungskultur &#8211; Sinnlose Psychotechniken<\/strong><br \/>\n&#8230;. Vergangenheit l\u00e4sst sich nicht bew\u00e4ltigen. Allenfalls l\u00e4sst sie sich zurechtstutzen, etwa zum p\u00e4dagogischen Gebrauch. Denn um aus der Geschichte zu lernen, muss man sie moralisch beurteilen. Moralische Urteile aber sind nicht zeitlos, sondern Produkte ihrer jeweiligen Gegenwart. Ergebnis: Geschichtsbetrachtung in p\u00e4dagogischer Absicht verkommt zu Enthistorisierung \u2013 also zum genauen Gegenteil dessen, was eigentlich beabsichtigt war. Hier liegt die Krux.<br \/>\n\u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich mit der \u201eErinnerungskultur\u201c. Denn eine Erinnerung, die zur Kultur wird oder zum Kult, ist das Gegenteil von abw\u00e4gender historischer Versicherung. Es ist die Instrumentalisierung der Vergangenheit f\u00fcr die jeweilige Gegenwart. Aus diesem Grund kennt die offizielle Erinnerungskultur nicht nur Gedenktage und Mahnmale, sondern auch das gezielte Vergessen. &#8230;<br \/>\nAlles vom 16.10.2016 von Alexander Grau bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/cicero.de\/salon\/Erinnerungskultur-geschichte-kann-man-nicht-ausradieren\">https:\/\/cicero.de\/salon\/Erinnerungskultur-geschichte-kann-man-nicht-ausradieren<br \/>\n<\/a>\u00a0 .<\/p>\n<p><strong>Der heutige Zeitgeist richtet \u00fcberheblich \u00fcber den damaligen Zeitgeist<\/strong><br \/>\n&#8222;Geschichte kann man nicht ausradieren&#8220; &#8211; Stimmt! Es zeugt wirklich von gro\u00dfer Arroganz bzw. mangelnder Demut, wenn heutige Menschen ihre Urteile \u00fcber Pers\u00f6nlichkeiten der Geschichte als ma\u00dfgeblich erachten. Was gibt ihnen die Gewi\u00dfheit, ihren eigenen Standpunkt als richtig u. endg\u00fcltig anzusehen? Da\u00df sie in Wahrheit sehr beschr\u00e4nkt sind, l\u00e4\u00dft sich schon aus der Tatsache erschlie\u00dfen, da\u00df sie die Auswirkungen des Zeitgeistes, in dem die ber\u00fchmten Namenstr\u00e4ger lebten, zu wenig in ihre Betrachtungen einbeziehen. Au\u00dferdem konnten die Menschen, die vor uns lebten, nicht die Erfahrungen machen, \u00fcber welche wir Heutigen verf\u00fcgen. Die unsensible, moralisch \u00fcberhebliche deutsche Attit\u00fcde, mit der Erinnerung an Menschen umzugehen, findet man in anderen europ\u00e4ischen Staaten kaum. Dort stehen die Denkm\u00e4ler unterschiedlichster Politiker, K\u00fcnstler und Philosophen nebeneinander und zeugen von den sehr verschiedenen Zeiten u. Denkungsarten, die es im Laufe der Geschichte der L\u00e4nder gegeben hat. Niemand st\u00f6rt sich daran, und das ist gut so.<br \/>\n16.10.2016, Christa Wallau, CO<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Erinnerungs-&#8222;Kultur&#8220;?<\/strong><br \/>\nMan sollte Geschichte Geschichte sein lassen. Es war einmal. Dieses dauernde Herausarbeiten von Folgelasten aus der Geschichte hilft nur Einzelinteressen. Mit Kultur hat das nichts zu tun. Da wollen nur einige unser Gewissen spielen!<br \/>\n16.10.2016, Gerdi Franke, CO<\/p>\n<p><strong>Freiburg ist die erste deutsche Stadt &#8230;<\/strong><br \/>\n2012 gab die Stadt Freiburg die wissenschaftliche \u00dcberpr\u00fcfung der 1300 Stra\u00dfennamen in Auftrag. Damit ist Freiburg die erste deutsche Stadt, die eine derartige, vollumf\u00e4ngliche Untersuchung aller Stra\u00dfennamen initiiert hat. Die Ergebnisse wurden heute Vormittag vorgestellt. Der Kommission unter Vorsitz des emeritierten Freiburger Geschichtsprofessors Bernd Martin geh\u00f6rten sieben Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen, im Kern Historiker, sowie Archivare an. Die Kommission tagte insgesamt 18 Mal, ihr zugearbeitet und Fakten recherchiert hat der Historiker Volker Ilgen. &#8230; Alles vom 6.10.2016 bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.badische-zeitung.de\/freiburg\/zwoelf-freiburger-strassen-sollen-umbenannt-werden--128297680.html\">https:\/\/www.badische-zeitung.de\/freiburg\/zwoelf-freiburger-strassen-sollen-umbenannt-werden&#8211;128297680.html<br \/>\n<\/a>\u00a0 \u00a0.<br \/>\n<strong>Gemeinderat: Strassennamen und Wohnungsnot<\/strong><br \/>\nWie viel zus\u00e4tzliche preisg\u00fcnstige Wohnungen sind nach dieser Aktion entstanden? Keine? Ah ja, dann war das jetzt wirklich ein wichtiges Problem,\u00a0mit dem man sich 4 Jahre besch\u00e4ftigt hat.<br \/>\n6.10.2016, Martin Synowzyk<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Kriegstreiber und -baumeister Vauban<\/strong><br \/>\nDen dicksten Hund haben wir noch gar nicht ins Blickfeld ger\u00fcckt: Da wird ein ganzes Stadtviertel nach einem franz\u00f6sischen Festungsbaumeister benannt! Einer, der selbst in Freiburg (auf dem Schlo\u00dfberg) sein kriegerisches Unwesen getrieben hat und uns mit Neuf Brisach eine Festung genau vor die Nase gesetzt hat. <a title=\"Vauban\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/freiburg\/vauban\/\">Vauban<\/a> geht also gar nicht&#8230;<br \/>\n6.10.2016, Werner Ketterer, BO<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Antisemitismus in den K\u00f6pfen bek\u00e4mpfen, nicht auf Strassenschildern<\/strong><br \/>\nMan sollte in unseren Zeiten besser versuchen, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus in den K\u00f6pfen zu bek\u00e4mpfen, anstatt an Stra\u00dfenschildern. Wir sollten mit der Bilderst\u00fcrmerei aufh\u00f6ren und uns von dem Gedanken verabschieden, unsere Geschichte reinwaschen zu k\u00f6nnen. Zumal Hindenburg und Heidegger unbestritten ihre Schattenseiten hatten, aber letzterer nunmal untrennbar mit der Stadtgeschichte verbunden ist und ersterer nun wirklich eher eine tragische Figur als ein T\u00e4ter oder Hetzer war.<br \/>\n6.10.2016, Matthias L\u00f6ffler<br \/>\n.<\/p>\n<p><strong>Freiburgs Sessel-Puritaner diskreditieren und l\u00f6schen<\/strong><br \/>\nNun sind sie also wieder t\u00e4tig, die Puritaner, die schwarze Flecken auf den Westen unserer Vorfahren suchen. Es ist ja so leicht, aus den bequemen Sesseln einer funktionierenden Demokratie heraus Positionen und Verhalten von Personen und Verantwortungstr\u00e4gern in fr\u00fcheren Zeiten oder innerhalb eines diktatorischen Systems zu diskreditieren und durch Tilgung ihres Namens aus der Erinnerung zu l\u00f6schen. Historiker haben die wissenschaftliche Pflicht, sich bei der Beurteilung von Menschen und ihrer Handlungen in deren Zeit zur\u00fcckzuversetzen und Schl\u00fcsse zu ziehen. Dieser Pflicht hat sich die Kommission entzogen. Um nur zwei der Namen aufzugreifen: Hindenburg war eine Legende f\u00fcr das deutsche Volk; er weigerte sich lange, dem &#8222;b\u00f6hmischen Gefreiten&#8220; ein Staatsamt zu \u00fcbertragen. Erst nach dem folgenschweren Erfolg der NSDAP bei der Reichstagswahl gab der senile alte Herr dem Volkswillen (?) und den Einfl\u00fcsterungen seiner Entourage nach und ernannte Hitler zum Reichskanzler.<br \/>\nHansjakobs Verh\u00e4ltnis zu den Juden war sehr differenziert. Er schildert in seinen B\u00fcchern neben seinen j\u00fcdischen Nachbarn und Freunden eben auch solche, die es in jeder Gesellschaft gibt: hier die sogenannten &#8222;Viehjuden&#8220;, die, wie mir alte Bauern schilderten, verschuldete Landwirte ausbeuteten und statt Zins eine Kuh aus dem Stall holten.<br \/>\nWann wird die Lutherkirche umbenannt? Luther, bekennender Antisemit, nahm in seinen Schriften auch kein Blatt vor den Mund. Aber: Wer ohne Fehl ist, werfe den ersten Stein! Hat die Stadt nichts Besseres zu tun, als befleckten Westen hinterherzulaufen und Hunderten von Mitb\u00fcrgern Stra\u00dfennamens\u00e4nderungen mit allen Konsequenzen von Adressen, Briefk\u00f6pfen und vielem anderen aufzuzwingen?<br \/>\n17.10.2016, Heinz-Dieter Joos, Gundelfingen<\/p>\n<p><strong>Warum wurde der Antisemit Martin Luther vergessen?<\/strong><br \/>\nWeshalb nehmen sich unsere Stra\u00dfennamenbereiniger nicht gleich Martin Luther vor? Da g\u00e4be es doch einiges an Kirchen, Stra\u00dfen und Pl\u00e4tzen umzubenennen. Denn auch bei ihm liegen, um mit Rektor Schiewer zu sprechen, &#8222;gro\u00dfe Leistungen und Verfehlungen&#8220; in einer Person. Bei aller Hochachtung und bei allem Dank, die wir Luther schulden: In puncto Antisemitismus hat er wohl mehr auf dem Kerbholz als Stolz, Staudinger und Hansjakob zusammen. Und, liebe Schilderst\u00fcrmer: &#8222;Aus den Augen, aus dem Sinn&#8220;, hei\u00dft ein altes Sprichwort. Wenn Ihr alle Siegesdenkm\u00e4ler und Hindenburg-Stra\u00dfen erledigt habt, wird dann nicht der damit verbundene, oft unselige Zeitgeist aus dem kollektiven Wissen verschwinden? Oder, um nochmal einen Gedanken Rektor Schiewers aufzugreifen: Wer setzt sich dann noch damit auseinander? Gute Texte zur Erl\u00e4uterung der Namen, wie sie ja heute schon vielfach \u00fcblich sind, k\u00f6nnte ich mir sogar als ein den Geschichtsunterricht bereicherndes Element vorstellen.<br \/>\nUnbedingte Ausnahme: Namen und Symbole des Nationalsozialismus m\u00fcssen der Forschung, den Geschichtsb\u00fcchern und der weiteren ernsthaften Diskussion in den Medien vorbehalten bleiben.<br \/>\n17.10.2016, Karl Kopp, Freiburg<br \/>\n&#8230;<\/p>\n<p><strong>Kirchen sprechen sich gegen Umbenennung von Stra\u00dfen aus<\/strong><br \/>\nDie evangelische und katholische Kirche kritisieren die Umbenennung der Stra\u00dfennamen. Doch die Erzdi\u00f6zese sieht das anders. &#8230; &#8222;Es gibt keinen moralisch perfekten Menschen. Wenn wir \u00fcber Menschen urteilen, stellen wir uns \u00fcber sie&#8220; &#8211; so der evangelische Stadtdekan Markus Engelhardt. &#8230;. Alles vom 20.10.2016 auf <a href=\"https:\/\/www.badische-zeitung.de\/freiburg\/kirchen-sprechen-sich-gegen-umbenennung-von-strassen-aus-erzdioezese-sieht-das-anders--128784631.html\">https:\/\/www.badische-zeitung.de\/freiburg\/kirchen-sprechen-sich-gegen-umbenennung-von-strassen-aus-erzdioezese-sieht-das-anders&#8211;128784631.html<\/a><br \/>\n<strong>\u00dcber 70 Jahre kein Krieg &#8211; trotz Hindenburgstrasse<\/strong><br \/>\nVon dem Vorgehen gegen den Namen Hindenburg hat man den Eindruck, dass hier Dreck unter den Teppich gekehrt wird. F\u00fcr uns sollte der Name ein Mahnmal sein, dass sowas nicht mehr vorkommt. Seien wir doch froh, dass wir heute leben. \u00dcber 70 Jahre kein Krieg und ebenso lange die Hindenburgstra\u00dfe. Alles, was sich gestern, letztes Jahr, vor 10, 20 oder 40 Jahren ereignet hat, geh\u00f6rt doch der Vergangenheit an und ist f\u00fcr sich abgeschlossen. Es ist zwecklos, Vergangenes immer wieder aufzuw\u00e4rmen. Wer in der Vergangenheit lebt, ist f\u00fcr die Zukunft verloren. Hindenburg war, wenn wir einmal die Reihe der Reichs- und Bundespr\u00e4sidenten seit 1919 durchgehen, der einzige Pr\u00e4sident, der vom deutschen Volk in freier und geheimer Wahl gew\u00e4hlt wurde. Er war ein wirklicher Pr\u00e4sident des Volkes und unserer Vorfahren und treibt einen Keil in die Bev\u00f6lkerung. Zwischen Baden-Baden und Freiburg haben circa 20 Orte seit \u00fcber 70 Jahren eine Hindenburgstra\u00dfe. Wer hat nach so langer Zeit die Idee, eine \u00c4nderung zu fordern. Will sich jemand profilieren? Es ist gut, dass der Name bleibt, damit man nicht vergisst, wie gut es uns heute geht. In der Gemeindeordnung steht, dass die Stadtobrigkeit und die Damen und Herren im Gemeinderat zum Wohle der Stadt und deren B\u00fcrger entscheiden sollten! Deshalb beenden Sie das Theater, denn es gibt nur b\u00f6ses Blut unter den B\u00fcrgern und das ist das Schlimmste, was einer Stadt passieren kann. Der franz\u00f6sische Schriftsteller La Rochefoucauld (1618-1680): &#8222;Wir w\u00fcrden weit mehr gewinnen, wenn wir uns zeigten, wie wir sind, als bei dem Versuche, das zu scheinen, was wir nicht sind.&#8220;<br \/>\n19.10.2016, Kurt Albert Putler, Offenburg, BO<\/p>\n<p><strong>F\u00e4nawi &#8211; &#8222;F\u00e4hnchen nach dem Wind&#8220;&#8220; als Strassennamen<\/strong><br \/>\nBravo, endlich ist Freiburg nazifrei, rassistenfrei und so weiter. Als Namen f\u00fcr die betroffenen Stra\u00dfen schlage ich vor: F\u00e4hnchen nach dem Wind, abgek\u00fcrzt F\u00e4nawi, die zahlreichen Stra\u00dfen k\u00f6nnten nummeriert werden. Man w\u00fcrde sich so die Suche nach neuen Namen ersparen, zumal es v\u00f6llig &#8222;unbescholtene&#8220; Menschen nicht gibt. Dass das Ganze wissenschaftlich &#8222;abgesegnet&#8220; ist, l\u00e4sst f\u00fcr die Zukunft nichts Gutes erwarten. Welches inquisitorische Verfahren ist als n\u00e4chstes geplant?<br \/>\n19.10.2016, Albert Merz, Gundelfingen<\/p>\n<p><strong>Freiburg macht sich l\u00e4cherlich<\/strong><br \/>\nGeschichte verl\u00e4uft zusammen mit Ver\u00e4nderungen in den Grundhaltungen zu Lebensfragen, getragen von Menschen in unterschiedlichen L\u00e4ndern und Zeitperioden. Wir k\u00f6nnen sie erkennen und nach den Antriebskr\u00e4ften fragen, aber es ist v\u00f6llig unangebracht, sie auf der Grundlage unseres derzeitigen Denkens zu bewerten. Kriegsf\u00fchrung, nationales Denken, eine Gesellschaftsstruktur mit einer Verteilung von Rechten und Pflichten geh\u00f6rten zum Leben unserer Eltern und Gro\u00dfeltern fest dazu und sind auch heute noch an anderen Stellen der Welt gegenw\u00e4rtig. Wir haben das gro\u00dfe Gl\u00fcck, seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Frieden und Freiheit zu leben und sollten daf\u00fcr dankbar sein. Es ist aber \u00fcberheblich, die viel schwierigeren und vielf\u00e4ltig belasteten Lebensl\u00e4ufe in fr\u00fcherer Zeit moralisch zu bewerten, und dies auch noch mit einem selektiven Blick. Alle Pers\u00f6nlichkeiten, nach denen eine Stra\u00dfe als Ehrung benannt ist, haben etwas bewirkt und hinterlassen. Durch Handlungen, welche heute als Verfehlungen angesehen werden, wird das zentrale Verdienst in den meisten F\u00e4llen nicht geschm\u00e4lert. Das gilt, in der Sicht wohl aller Chemiker, f\u00fcr Staudinger, den Begr\u00fcnder der Polymerwissenschaften, trotz seiner widerspr\u00fcchlichen Haltung in der Hitlerzeit, oder in internationaler Sicht genauso f\u00fcr Heidegger, den Begr\u00fcnder eines neuen Zugangs zu Grundfragen der Philosophie, trotz seiner anf\u00e4nglichen Begeisterung f\u00fcr das Dritte Reich. Mit dem verurteilenden Blick auf Hindenburg trifft man auch die gro\u00dfe Zahl von Deutschen, die ihn bis zu seinem Tod ehrten und vertrauten, wollen wir dies?<br \/>\nMit der Charakterisierung Fichtes als &#8222;nationalistischer Philosoph und erkl\u00e4rter Gegner Frankreichs&#8220; in der Zeit Napoleons macht sich Freiburg einfach nur l\u00e4cherlich. Ich kann dem Stadtrat also nur raten, das Vorhaben &#8222;Stra\u00dfenumbenennung&#8220; nicht weiter zu verfolgen.<br \/>\n19.10.2016, Dr. Gert Strobl, Freiburg, BO<\/p>\n<p><strong>.<\/strong><br \/>\n<strong>Mediziner Ludwig Heilmeyer nach fast 100 Jahren entschuldbar?<\/strong><br \/>\nIn der Medizin ist es heute \u00fcblich, vor jeder \u00f6ffentlichen Stellungnahme seine relevanten Interessenkonflikte offen zu legen: Ich bin Medizinprofessor im Ruhestand und habe 26 Jahre die Abteilung Rheumatologie und Klinische Immunologie am Freiburger Universit\u00e4tsklinikum geleitet. Ich rechne mich zu den wertekonservativen, christlichen Linken (Mitglied der evangelischen Kirche und der SPD).<br \/>\nPers\u00f6nlich kannte ich weder Ludwig Heilmeyer noch seine Familie. Aber als ich 1984 aus Hannover nach Freiburg kam, lernte ich viele seiner Sch\u00fcler als ausgezeichnete \u00c4rzte und zugewandte Menschen kennen. Heilmeyers Geist war noch pr\u00e4sent in der Klinik. In meinem Dienstzimmer sah ich in der Folgezeit viele Freiburger Patienten und Kollegen, die Heilmeyers Mobiliar wiedererkannten und durchweg mit positiven Erinnerungen darauf zu sprechen kamen. Ein Kollege schenkte mir ein Portr\u00e4t Heilmeyers, ein anderer einen Sammelband von Publikationen, die Heilmeyers Sch\u00fcler ihm zu seinem 60. Geburtstag gewidmet hatten.<br \/>\nHeilmeyers Vita als Wissenschaftler, Klinikdirektor und Arzt begann mich zu interessieren. Ich wusste um seine Systemn\u00e4he w\u00e4hrend der Nazizeit, erfuhr aber von Zeitzeugen auch viel Positives \u00fcber ihn. W\u00e4hrend einer Vortragsreise 1980 nach Krakau besuchte ich zusammen mit meinem Gastgeber W. Ptak eine Ausstellung zum 40. Jahrestag der Schlie\u00dfung der Krakauer Universit\u00e4t durch die Nazis. Dabei kamen auch die deutschen Leiter der Krakauer Universit\u00e4tskliniken 1944 bis 1945 zur Sprache: Der P\u00e4diater Str\u00f6der wurde von der polnischen Bev\u00f6lkerung verehrt und erhielt 1979 die Ehrendoktorw\u00fcrde der Universit\u00e4t. Der Internist Heilmeyer wurde gesch\u00e4tzt, seine Klinik war aber wegen Partisanenanschl\u00e4gen nicht so sicher. Die Chirurgie wurde gemieden. Unsere Kinderfrau in Hannover war 1944\/45 als junge Krankenschwester in der Krakauer Kinderklinik und best\u00e4tigte mir die Einsch\u00e4tzung meiner polnischen Kollegen. Die belastenden Aussagen \u00fcber die Mitgliedschaft des 20-j\u00e4hrigen Heilmeyer, der gerade vom Ersten Weltkrieg zur\u00fcckgekehrt war und sich dem deutschnationalen Frontsoldatenbund &#8222;Stahlhelm&#8220; und dem Freikorps Epp anschloss, sind nat\u00fcrlich gravierend, aber sind sie nach fast 100 Jahren unentschuldbar? Zu seinen rassepolitischen Schulungen in der &#8222;Staatsschule f\u00fcr F\u00fchrertum&#8220; in Th\u00fcringen, die er um 1936 als Oberarzt der Universit\u00e4tsklinik Jena durchf\u00fchrte, w\u00e4re es interessant zu wissen, wie oft und mit welchem Eifer er diese Aufgabe ausf\u00fchrte. Das wissenschaftliche Oeuvre Heilmeyers enth\u00e4lt meines Wissens keine Publikationen zu Rassethemen. Seine erste Publikation nach dem Krieg trug den Titel &#8222;Hungersch\u00e4den&#8220; (Med. Klin. 1946 Jul; 41(13): 241-9) und signalisiert fraglos einen thematischen Neuanfang.<br \/>\nMir liegt es fern, Heilmeyers Systemn\u00e4he klein zu reden, aber ich sehe auch die vielen gro\u00dfartigen jungen \u00c4rzte und Wissenschaftler, die er ausgebildet hat. Stellvertretend seien hier genannt L. Weissbecker \u2013 aus dem KZ Buchenwald kommend wurde er Heilmeyers erster Assistenzarzt und sp\u00e4ter Ordinarius in Kiel \u2013 und Helmuth Schubothe, mein direkter Vorg\u00e4nger, ein international hoch angesehener Immunh\u00e4matologe und \u00fcberzeugter Antimilitarist. Angesichts der enormen Verdienste Heilmeyers um den Wiederaufbau des Freiburger Klinikums, seines Engagements f\u00fcr eine breite internistische Wissenschaft und eine gute Ausbildung einer ganzen Nachkriegsgeneration junger \u00c4rzte frage ich mich bei der jetzigen Schild(a)er-Kampagne 71 Jahre nach Kriegsende: <strong>&#8222;Cui bono?&#8220; (wem n\u00fctzt das?).<\/strong> Etwa gar der AfD? Vielleicht sollten die Mitglieder und Auftraggeber der Historiker-Kommission auch ihre Interessenkonflikte offenlegen.<br \/>\n24.10.2016, Prof. Dr. med. Hans-Hartmut Peter, Freiburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschichte l\u00e4\u00dft sich nicht ausradieren, auch nicht durch Gemeinderatsbeschlu\u00df, auch nicht durch Psychotechniken wie Vergangenheitsbew\u00e4ltigung oder Erinnerungskultur, die der &#8222;Damnatio Memoriae&#8220; dienen: Einen in Ungnade Gefallenen durch Tilgung seines Namens l\u00f6schen und verfluchen (damnieren). 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