{"id":62460,"date":"2011-06-01T13:11:06","date_gmt":"2011-06-01T11:11:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=62460"},"modified":"2016-08-29T13:18:41","modified_gmt":"2016-08-29T11:18:41","slug":"ethik-ohne-gott-humanismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/ethik-ohne-gott-humanismus\/","title":{"rendered":"Ethik ohne Gott &#8211; Humanismus"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;<a title=\"Ethik\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/ethik\/\">Ethik<\/a> ohne Gott?&#8220;\u00a0\u00a0&#8211; Bericht zum Vortrag von Dr. Josef Leifert (Dipl. Psych.), <a title=\"Humanismus\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/aufklaerung\/humanismus\/\">Humanisten<\/a> Freiburg, im InterCity Hotel Freiburg am 01.06.2011 Zu Beginn erkl\u00e4rte Josef Leifert, dass es ihm um die Frage geht: \u201eWas soll ich tun?\u201c, damit ich im Einklang mit meinen Mitmenschen ein Leben f\u00fchren kann, das f\u00fcr mich und andere ertr\u00e4glich ist. Er warf dann die grunds\u00e4tzliche Frage auf, ob denn der Mensch \u00fcberhaupt einen freien Willen habe, <!--more-->der es ihm erm\u00f6glicht, zwischen \u201egut\u201c und \u201eb\u00f6se\u201c zu unterscheiden. Sein Fazit aufgrund j\u00fcngster neurologischer Forschungsergebnisse war, dass der Mensch keineswegs so frei in seinem Denken ist, wie er sich f\u00fchlt. Er finde immer schon eine Menge vorgefertigter Urteile vor, die aus der fr\u00fchkindlichen Pr\u00e4gung, aus der Erfahrung, den Ged\u00e4chtnisinhalten und den damit verbundenen Triebanspr\u00fcchen und Gef\u00fchlen stammen. Danach stellte er einige verschiedene Ethik- Systeme vor:<\/p>\n<p><strong>Religi\u00f6s begr\u00fcndete Ethik:<\/strong> Jahrtausendelang haben uns die Priester gesagt was wir d\u00fcrfen und was wir sollen. Josef Leifert zeigte auf, wie viele Grausamkeiten, Widerspr\u00fcche und Aggressionen gegen Un- und Andersgl\u00e4ubige Bibel und Koran enthalten und zwar nicht als vereinzelte \u201eAusrutscher\u201c, sondern die Vernichtung der Andersgl\u00e4ubigen ziehe sich als g\u00e4ngiges Programm durch die gesamten heiligen Schriften. Dar\u00fcber hinaus durchziehe der Terror im Namen Gottes die gesamte Menschheitsgeschichte. Das menschliche Anpassungsverhalten sei aber so ausgerichtet, dass der Mensch sich immer das heraussucht, was ihm im Moment am g\u00fcnstigsten erscheine. Wenn die heiligen B\u00fccher die M\u00f6glichkeit zu V\u00f6lkermord, Vertreibung und \u00e4hnlichen Verbrechen als Gottes Wille zulassen, dann eignen sie sich ganz bestimmt nicht als ethische Richtschnur f\u00fcr das 21. Jahrhundert.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Vernunftgeleitete Ethik:<\/strong> \u201eDer autonome Mensch trifft seine Entscheidungen nach dem ihm innewohnenden Sittengesetz kraft seiner F\u00e4higkeit zu vern\u00fcnftigem Denken und in freiem Willen.\u201c Das ist die Idealvorstellung ethischen Handelns nach der Vorstellung der Aufkl\u00e4rung, die die Vernunft als die entscheidende Instanz anerkennt.<br \/>\nJosef Leifert erl\u00e4uterte, dass der Mensch aber durch fr\u00fchkindliche Pr\u00e4gung, Denkverbote und auch Angst daran gehindert werde, sich von der Vernunft leiten zu lassen. Eine humane Ethik sei nur m\u00f6glich, wenn sie den ganzen Menschen mit all seinen Gef\u00fchlen und Bed\u00fcrfnissen ber\u00fccksichtigt. Eine Ethik, die nur auf dem Prinzip der Vernunft, der Gerechtigkeit, der Freiheit oder Sicherheit basiert, ist unvern\u00fcnftig, weil die Werte in Konkurrenz zu einander stehen. Vernunft ist wohl das wichtigste, aber nicht das einzige Regulativ des Menschen. Das sieht man auch an dem, was der Mensch mit seinen F\u00e4higkeiten anstellt. \u201eDer antiquierte Mensch ist nicht auf der H\u00f6he seiner Produkte. Er lebt gleichsam immer \u201e\u00fcber seine Verh\u00e4ltnisse\u201c. Als \u201eHomo faber\u201c macht er mehr, als er sich klarmachen, geschweige denn verantworten kann\u201c (L\u00fctkehaus, Ludger)<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Humanistische Ethik:<\/strong> Humanismus alter Art bedeutet: Der Mensch steht im Mittelpunkt, ist das Ma\u00df aller Dinge. Wenn auch Ziel dieser humanistischen Idee die Veredelung des Menschen durch h\u00f6here Bildung, die praktizierte Menschenliebe, die Anerkennung der W\u00fcrde und Autonomie des Menschen das Denken des Abendlandes gepr\u00e4gt hat, so ist zu fragen: Wie ist es m\u00f6glich, dass in diesem fortschrittlichen und aufgekl\u00e4rten Mitteleuropa , in dem zwei dem Humanismus verpflichtete Weltanschauungen \u2013 die christliche Religion und der Kommunismus &#8211; die zwei Urkatastrophen der beiden Weltkriege nicht verhindern konnten?<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Neuer Humanismus:<\/strong> Das Anliegen des neue Humanismus ist die Befreiung von Angst und die Freude am Leben im Hier und Jetzt. An die Stelle des Bildungsideals, das sich aus der Vorstellung vom Wahren, Guten und Sch\u00f6nen der antiken Gedankenwelt herleitet, tritt heute die Orientierung an der Wissenschaft. Es steht nicht mehr ein Idealbild vom edlen und gebildeten Menschen als Zielprojektion vor Augen, sondern die n\u00fcchterne Frage: Wie ist ein gedeihliches Zusammenleben der Menschen m\u00f6glich?<br \/>\nHierbei stellte sich nat\u00fcrlich die Frage, an welchem dieser (oder ganz anderer) Ethiksysteme man sich f\u00fcr sein pers\u00f6nliches Leben orientieren soll. Josef Leifert beantwortete dies sehr pragmatisch: \u201eAn ihren Fr\u00fcchten werdet ihr sie erkennen.\u201c (Math. 7;16). Was hei\u00dft das konkret? Wenn ich (oder sonst wer) in Not bin und Hilfe brauche, dann ist es mir gleichg\u00fcltig, ob jemand mir hilft aus christlicher Verantwortung um der Liebe des Herrgottes willen, aus edler humanistischer Gesinnung oder aus verstecktem Eigennutz, weil ihn seine Spiegelneuronen dazu zwingen. Die Frage, ob Altruismus, N\u00e4chstenliebe, Freundschaft, Mitgef\u00fchl usw. auf eigenn\u00fctzige Interessen zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, sei eine Frage der Hermeneutik und damit ein Scheinproblem!<br \/>\n.<br \/>\nIn der Diskussion wurde kritisiert, dass dieser pragmatische Ansatz nicht unbedingt den Leits\u00e4tzen der Evolution\u00e4ren Humanisten entspreche (sondern eben die Meinung von Dr. Josef Leifert darstelle) und dass z.B. die \u201evernunftgeleitete Ethik\u201c genauso \u201ein die Pfanne gehauen\u201c werde wie andere offensichtlich unzeitgem\u00e4\u00dfe Ethiksysteme.<br \/>\nEbenso kontrovers wurde die Frage diskutiert, wie viel ethisches Verhalten der Mensch als nat\u00fcrliche Disposition mitbekommen hat. Es wurde jedenfalls festgestellt, dass ethisches Verhalten im Regelfall von der Evolution beg\u00fcnstigt wird und die biologisch funktionellen Grundlagen f\u00fcr Empathie und Gef\u00fchle schlie\u00dflich auch von der Evolution (z.B. Spiegelneuronen) hervorgebracht wurden.<br \/>\n25.6.2011, Manfred Geiger)<\/p>\n<p>Referat von Dr. Josef Leifert<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.humanisten-freiburg.de\/sites\/default\/files\/pdf\/Ethik%20ohne%20Gott-11-06-04.pdf\">https:\/\/www.humanisten-freiburg.de\/sites\/default\/files\/pdf\/Ethik%20ohne%20Gott-11-06-04.pdf<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Ethik ohne Gott?&#8220;\u00a0\u00a0&#8211; Bericht zum Vortrag von Dr. Josef Leifert (Dipl. 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