{"id":5883,"date":"2012-06-28T12:46:18","date_gmt":"2012-06-28T12:46:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=5883"},"modified":"2012-07-12T17:03:30","modified_gmt":"2012-07-12T17:03:30","slug":"beschneidung-von-jungen-ist-koerperverletzung-gerichtsurteil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/beschneidung-von-jungen-ist-koerperverletzung-gerichtsurteil\/","title":{"rendered":"Beschneidung von Jungen ist Koerperverletzung &#8211; Gerichtsurteil"},"content":{"rendered":"<p>Wohl zum ersten Mal hat ein deutsches Strafgericht die Beschneidung eines Jungen als strafbare K\u00f6rperverletzung eingestuft. Gegen das Urteil des Landgerichts K\u00f6ln sind keine Rechtsmittel mehr m\u00f6glich. Die <a title=\"Beschneidung\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/kinder\/beschneidung\/\">Beschneidung<\/a>\u00a0von Jungen, wie sie im Islam oder im Judentum \u00fcblich sind,\u00a0ist nach einem Urteil des K\u00f6lner Landgerichts\u00a0eine strafbare Handlung\u00a0&#8211;\u00a0 schwerer als die Religionsfreiheit wiegt demnach das Selbstbestimmungsrecht des Kindes.\u00a0Die Baden-W\u00fcrttembergische Integrationsministerin\u00a0Bilkay\u00a0\u00d6ney stellt sich dagegen und forderte eine &#8222;konstruktive L\u00f6sung, die diesen uralten j\u00fcdischen und muslimischen Brauch legalerweise erm\u00f6glicht&#8220;. Damit\u00a0stellt sich die Ministerin auch gegen den Kinderschutzbund, der dieses Urteil vehement begr\u00fc\u00dft; Landeschefin Iris Kr\u00e4mer betonte, <a title=\"Kinder\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/kinder\/\">Kinder<\/a> h\u00e4tten das Recht auf k\u00f6rperliche Unversehrtheit und\u00a0nennt die Beschneidungen\u00a0einen Versto\u00df gegen Kinderrechte.\u00a0<!--more--><\/p>\n<p><strong>Juristisch ist jeder \u00e4rztliche Eingriff eine K\u00f6rperverletzung<\/strong><br \/>\nRechtlich gesehen stellt jeder \u00e4rztliche Eingriff eine K\u00f6rperverletzung dar, die nur straflos bleibt, weil der Patient in die Behandlung einwilligt. Im Fall der religi\u00f6sen Beschneidung kommt die Einwilligung von den Eltern. Diese allerdings, fefindet nun die Kammer des Landgerichts K\u00f6ln, sei nicht wirksam, weil sie dem Wohle des Kindes entgegenstehe. Das kindliche Recht auf k\u00f6rperliche Unversehrtheit sei h\u00f6her zu bewerten als das Sorgerecht und die Reliogionsfreiheit der Eltern.<\/p>\n<p><strong>Beschneidung bei Youtube anschauen<\/strong><br \/>\n&#8230; einfach mal eine Beschneidung z.B. bei Youtube ansehen und dazu das Lied von Bettina Wegner anh\u00f6ren (Kinder). Ich denke die Diskussion wird dann recht kurz. Diese richterliche Entscheidung war l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig und f\u00fcr die Genitalverst\u00fcmmelung von Frauen m\u00fcsste noch ein Strafma\u00df erfunden werden. Glauben entsteht im Herzen oder im Bewusstsein und nicht in der Vorhaut &#8211; wer hier den Glauben als Rechtfertigungsgrund vorschiebt muss bestraft werden.<br \/>\nMatthias Stulz, 27.6.2012<\/p>\n<p><strong>Doppelmoral<\/strong><br \/>\nDie Dame Bilkay \u00d6ney\u00a0ist eben Integrationsministerin und nicht Integrit\u00e4tsministerin. Als einer der Redakteure der Seite <a href=\"https:\/\/www.beschneidung-von-jungen.de\">www.beschneidung-von-jungen.de<\/a> kann ich mich nur wundern \u00fcber die, wider alle Vernunft und Wissen, dargestellten &#8222;Vorteile&#8220; der Beschneidung. Aber &#8211; nicht genug &#8211; jetzt muss die Religionsfreiheit erhalten, um diesen unsinnigen Brauch aufrechtzuerhalten. Welche Freiheit ist eigentlich gemeint, die der Eltern oder die des Kindes?<br \/>\nUnd warum diese Doppelmoral? Bei der weiblichen Beschneidung fallen diese &#8222;Argumente&#8220; g\u00e4nzlich flach, obwohl sie ebenso religi\u00f6ser und traditioneller Motivation entspringt. Es kommt Wind in die Diskussion und das alleine ist gut!<br \/>\nGuy Sinden, 28.6.2012<\/p>\n<p><strong>Kein Ritual &#8211; Beschneidungsindustrie<\/strong><br \/>\nDie Beschneidung wird als Ritual eindr\u00fccklich dargestellt, doch verharmlosend in der Wirkung. Es wird behauptet, es gebe keine Kontroverse \u00fcber die Beschneidung von Jungen. Dies stimmt vielleicht f\u00fcr die T\u00fcrkei. Schon f\u00fcr Israel ist das falsch, da eine zunehmende Zahl moderner Eltern sich gegen die kulturell verordnete Beschneidung ihrer S\u00f6hne ausspricht. Und in vielen westlichen Gesellschaften (USA) gibt es Initiativen dagegen, denn Beschneidungen werden von einer regelrechten Beschneidungsindustrie durchgef\u00fchrt.<br \/>\n16.6.2012, Claudia Rohde, Buchheim<\/p>\n<p><strong>Juristische Diskussion seit 2008<\/strong><br \/>\nProf Holm Putzke, Uni Passau, hat in 2008 die juristische Diskussion um die Strafbarkeit ritueller Beschneidungen angesto\u00dfen: W\u00e4hrend jede Ohrfeige Gegenstand juristischer Er\u00f6fterungen ist, hat sich kein Mensch dar\u00fcber Gedanken gemacht, dass Kindern durch die Beschneidung &#8222;irreversibel K\u00f6rpersubstanz entfernt und teilweise erhebliche Schmerzen zugef\u00fcgt&#8220; werden.<\/p>\n<p><strong>Verein \u201eBen Schalem &#8211; intakter Sohn&#8220; setzt sich seit 15 Jahren in Israel gegen die Beschneidung ein<\/strong><br \/>\nF\u00fcr den israelischen Autor Meir Schalev bleibt der Ritus ein R\u00e4tsel: \u201eWarum bestehen freie, s\u00e4kulare Juden darauf, ausgerechnet dieses brutale, grausame und primitive Gebot einzuhalten?\u201c<br \/>\nEran Sadeh, Tel Aviv: \u201eMeine Freunde essen Schweinefleisch und halten den Schabbat nicht ein. Aber sie sind \u00fcberzeugt, dass sie ein St\u00fcck vom Penis ihres Sohnes abschneiden m\u00fcssen, damit ihr Sohn Jude ist.\u201c<\/p>\n<p><strong>Grundgesetz verbietet Genitalverst\u00fcmmelung<\/strong><br \/>\nDieses Urteil war \u00fcberf\u00e4llig! Warum darf der Staat per Rechtsordnung die Beschneidung von M\u00e4dchen aus nichtmedizinischen Gr\u00fcnden unter Strafe stellen und die Beschneidung von Jungen nicht? Soll es bei der Rechtsg\u00fcterabw\u00e4gung etwa auf die Schwere des Eingriffs bzw. m\u00f6glicher Komplikationen ankommen d\u00fcrfen?\u00a0<br \/>\nDabei ist Genitalverst\u00fcmmelung (auch die von Jungen, denn nichts anderes ist eine Beschneidung) &#8211; eigentlich schon immer (wenn auch \u201eversteckt\u201c) laut GG verboten:<br \/>\n\u201eDie b\u00fcrgerlichen und staatsb\u00fcrgerlichen Rechte und Pflichten werden durch die Aus\u00fcbung der Religionsfreiheit weder bedingt noch beschr\u00e4nkt.\u201c<br \/>\n\u201eNiemand darf zu einer kirchlichen Handlung oder Feierlichkeit oder zur Teilnahme an religi\u00f6sen \u00dcbungen oder zur Benutzung einer religi\u00f6sen Eidesform gezwungen werden.\u201c<br \/>\nDiese Aussagen im Grundgesetz zu entdecken ist gar nicht so einfach. Sie finden sich n\u00e4mlich in Artikel 136 der Weimarer Reichsverfassung von 11.August 1919 \u2013 und dieser Artikel ist als fortgeltendes Recht Bestandteil des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland geworden, nachzulesen in Artikel 140 GG.\u201c<br \/>\nTorsten Herwig, 29.6.2012<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>Rabbiner versch\u00e4rfen Kritik am Beschneidungsurteil<\/strong><br \/>\n&#8222;Sollte das Urteil Bestand haben, sehe ich f\u00fcr die Juden in Deutschland keine Zukunft&#8220;: Pinchas Goldschmidt, Pr\u00e4sident der europ\u00e4ischen Rabbiner, hat das Urteil zur Strafbarkeit von Beschneidungen kritisiert. Zuvor hatte er vom &#8222;vielleicht gravierendsten Angriff seit dem Holocaust&#8220; gesprochen.<\/span><br \/>\nAlles von DER SPIEGEL vom 12.7.2012 bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/forum.spiegel.de\/f22\/religionsfreiheit-rabbiner-verschaerfen-kritik-beschneidungsurteil-65775.html#post10543074\">https:\/\/forum.spiegel.de\/f22\/religionsfreiheit-rabbiner-verschaerfen-kritik-beschneidungsurteil-65775.html#post10543074<\/a><\/p>\n<p><strong>Herabw\u00fcrdigung der Opfer<\/strong><br \/>\nEs handele sich um den &#8222;vielleicht gravierendsten Angriff auf j\u00fcdisches Leben in Europa nach dem Holocaust&#8220;.&#8220;<br \/>\nDieser Ausspruch von Rabbiner Goldschmidt ist wohl die schlimmste Herabw\u00fcrdigung der Opfer und deren Leiden des Holocaust. Zudem ist das Gerichtsurteil kein Angriff auf j\u00fcdisches Leben, sondern Schutz des Lebens j\u00fcdischer Kinder.<br \/>\nBerteb, 12.7.2012<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wohl zum ersten Mal hat ein deutsches Strafgericht die Beschneidung eines Jungen als strafbare K\u00f6rperverletzung eingestuft. Gegen das Urteil des Landgerichts K\u00f6ln sind keine Rechtsmittel mehr m\u00f6glich. 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