{"id":58071,"date":"2015-12-18T17:30:41","date_gmt":"2015-12-18T16:30:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=58071"},"modified":"2015-12-18T17:38:38","modified_gmt":"2015-12-18T16:38:38","slug":"eu-agrarexporte-nach-afrika","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/eu-agrarexporte-nach-afrika\/","title":{"rendered":"EU-Agrarexporte nach Afrika"},"content":{"rendered":"<p>Die <a title=\"EU\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/eu\/\">EU<\/a> <a title=\"EU-Transferunion\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/eu\/eu-transferunion\/\">subventioniert<\/a> die Produktion von Tomatenmark in <a title=\"Italien\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/italien\/\">Apulien\/Italien<\/a>, die dann u.a. nach <a title=\"Afrika\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/afrika\/\">Ghana\/Afrika<\/a> exportiert wird. Dort zu Dumpingpreisen angeboten, zerst\u00f6rt sie den heimischen Tomatenanbau und zwingt die <a title=\"Landwirt\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/landwirt\/\">Kleinbauern<\/a>, als saisonale <a title=\"Erntehelfer\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/landwirt\/erntehelfer\/\">Erntehelfer<\/a> in S\u00fcditalien Tomaten zu pfl\u00fccken. Die Wirkungskette <em>&#8222;Industrielle <a title=\"Agrar\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/landwirt\/agrar\/\">Agrarproduktion<\/a> der EU zerst\u00f6rt <a title=\"Kleinbauern\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/landwirt\/kleinbauern\/\">kleinb\u00e4uerliche Landwirtschaft<\/a> in Afrika&#8220;<\/em> <!--more-->wurde also zum Teufelskreis <em>&#8222;Billiges Tomatenmark gegen billige Saisonarbeiter&#8220;<\/em> erweitert, wobei die arbeitslosen afrikanischen Kleinbauern gezwungen werden, als Saisonarbeiter in S\u00fcditalien die Tomaten zu ernten, die eigenen Tomatenanbau in Ghana kaputt macht. Welch perfider, menschenverachtender Teufelskreis sich die EU hier geschaffen hat.<br \/>\n.<br \/>\n(1) Das gr\u00f6\u00dfte Tomatenanbaugebiet Europas liegt in Apulien. In einer hochmodernen Agrarfabrik in Foggia werden 400.000 Tonnen Tomaten (Oro rosso, Rotes Gold) im Jahr zu Tomatenmark verarbeitet, davon 80% f\u00fcr den Export wie z.B. nach Afrika. 50 Lkw k\u00f6nnen gleichzeitig mit Konservendosen beladen werden.<br \/>\nDie kleine Tomatenmark-Fabrik in Pwalugu im Norden von Ghana hingegen machte 2014 bankrott, da sie mit den Dumpingpreisen der Importware aus Foggia nicht konkurrieren konnte. Auf der einen Seite die hochsubventionierte Agrarindustrie der EU mit ihren Hightech-Fabriken, auf der anderen Seite in Afrika verzerrte Bauernm\u00e4rkte, verrottete Fabrikhallen und winzige \u00c4cker.<br \/>\n.<br \/>\n(2) Mehrere Hunderttausend ausl\u00e4ndische Erntehelfer arbeiten saisonal in S\u00fcditalien, billige Arbeitskr\u00e4fte, die die EU-Lebensmittelkonzerne mit Gem\u00fcse und Obst versorgen. Darunter viele <a title=\"Fluechtlinge\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/integration\/fluechtlinge\/\">Fl\u00fcchtlinge<\/a>. Westlich der Stadt Cerignola nahe der Tomatenmetropole Foggia in Apulien hausen allj\u00e4hrlich zur Erntezeit ca 800 Afrikaner im &#8222;Ghetto Ghanese&#8220;, darunter ehemalige Tomatenbauern, die nun 12 Stunden am Tag f\u00fcr maximal 50 Euro hier die Tomaten ernten &#8211; eine tragische Situation. Italienische Gewerkschaftler sprechen von &#8222;moderner Form der Sklaverei&#8220;.<br \/>\n.<br \/>\n(3) &#8222;Wir k\u00f6nnen mit den hoch subventionierten Agrarprodukten aus Europa nicht mithalten. Freihandel zwischen Europa und Afrika ist wie ein Fussballspiel zwischen Real Madrid und der Schulmannschaft von Boli Bamboi&#8220; &#8211; so der ghanaische \u00d6konm Kwabena Otoo. Wobei die Spieler von Madrid noch gedopt sind: durch die Subventionen aus Br\u00fcssel.<br \/>\nWPA (f\u00fcr Wirtschaftspartnerabkommen) hei\u00dfen die geplanten Handelsvertr\u00e4ge zwischen der EU und Afrika. Doch diese kleinen, armen Geschrister von <a title=\"Freihandelsabkommen\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/eu\/freihandelsabkommen\/\">TTIP<\/a> interessieren die \u00d6ffentlichkeit in der EU kaum.<br \/>\n.<br \/>\n(4) 40% des EU-Budgets flie\u00dft in Agrarsubventionen, der Agrarhaushalt ist der mit Abstand gr\u00f6\u00dfte der EU. Allein Italien kassiert zwischen 2014 und 2020 knapp 1,5 Mrd Euro (genau10.444.380.767 Euro) j\u00e4hrlich. Mit diesen Milliardensubventionen werden Tomatenmark aus Italien, Tiefk\u00fchlhhnchen aus Deutschland, Milchpulver aus D\u00e4nemark usw. verbilligt nach Afrika verschifft, um die Tomatenbauern in den Feuchtgebieten, die Gefl\u00fcgelwirtschaft in Ghana und die Milchbauern in Westafrika in den Ruin zu treiben.<br \/>\n.<br \/>\n(5) Wie scheinheilig ist die Forderung von Bundeskanzlerin Merkel, man m\u00fcsse die Ursachen der Fl\u00fcchtlingswelle bek\u00e4mpfen. W\u00fcrde sie es ehrlich meinen, dann w\u00e4ren die EU-Agrarsubventionen der Exporte nach Afrrika sofort zu stoppen &#8211; schlie\u00dflich stammen die Gelder der EU-Agrartransferzahlungen gro\u00dfenteils aus Deutschland.<br \/>\nMehr als 170.000 Afrikaner sind 2014 nach Europa geflohen. Viele arbeiten als Erntehelfer in Italien und Spanien. Dort pfl\u00fccken sie jene Tomaten, die sp\u00e4ter in ihre alte Heimat in Afrika exportiert werden und die Existenz der heimischen Tomatenbauern vernichten. 2015, 2016, &#8230; fliehen immer mehr Afrikaner in die EU &#8211; solange die EU ihre Agrarsuvbventionen nicht abbaut.<br \/>\n18.12.015<br \/>\n.<br \/>\n<em>Mehr zum Thema auch auf &#8222;Ein Mann pfl\u00fcckt gegen Europa &#8211; Wie Tomaten aus der EU afrikanische Bauern zu Fl\u00fcchtlingen machen&#8220;, DIE ZEIT vom 17.12.2015, Seite 23-24<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die EU subventioniert die Produktion von Tomatenmark in Apulien\/Italien, die dann u.a. nach Ghana\/Afrika exportiert wird. Dort zu Dumpingpreisen angeboten, zerst\u00f6rt sie den heimischen Tomatenanbau und zwingt die Kleinbauern, als saisonale Erntehelfer in S\u00fcditalien Tomaten zu pfl\u00fccken. 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