{"id":57684,"date":"2015-11-20T14:42:27","date_gmt":"2015-11-20T13:42:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=57684"},"modified":"2015-11-21T18:32:45","modified_gmt":"2015-11-21T17:32:45","slug":"willkommenskultur-ausdehnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/willkommenskultur-ausdehnen\/","title":{"rendered":"Willkommenskultur ausdehnen"},"content":{"rendered":"<p>Den <a title=\"Migration-Internet\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/migration\/migration-internet\/\">Fl\u00fcchtlingsstrom<\/a> nach <a title=\"Einwanderungsland\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/einwanderungsland\/\">Deutschland<\/a> begrenzen? Nein, im Gegenteil, noch <a title=\"Voelkerwanderung\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/voelkerwanderung\/\">mehr Fl\u00fcchtlinge<\/a> aufnehmen, denn nur unsere <a title=\"Willkommenskultur\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/integration\/willkommenskultur\/\">Willkommenskultur<\/a> l\u00f6st das Problem der <a title=\"Fluechtlinge\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/integration\/fluechtlinge\/\">Masseneinwanderung<\/a> &#8211; so die Sicht von ZEIT-Politikchef Bernd Ulrich: &#8222;Endlich werden <a title=\"Syrien\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/syrien\/\">Araber<\/a> in gro\u00dfer Zahl von Europ\u00e4ern, von <a title=\"Christen\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/christen\/\">Christen<\/a> besser behandelt als von ihresgleichen. Darin liegt der politische Kern der <a title=\"Integration\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/integration\/\">Willkommenskultur<\/a> &#8230; <!--more-->Letztlich ist die Bef\u00fcrchtung fast obskur, dass die Fl\u00fcchtlinge unsere Kultur islamisieren. Viel wahrscheinlicher ist doch, dass auf diese graswurzelhafte Art der arabische Raum humanisiert, entgiftet und auf lange Sicht politisch ver\u00e4ndert wird.&#8220;<br \/>\nDoch der Reihe nach: Bislang war die <em>Realpolitik<\/em> des Westens gegen\u00fcber der islamischen Welt geleitet durch wirtschaftliche (Erd\u00f6l, Rohstoffe) und geopolitische Interessen. Deshalb wurden stets die Regime unterst\u00fctzt, die diesen gerade nutzten.<br \/>\n1. Beispiel Afghanistan: In den 1980er Jahre r\u00fcstete USA die Mudschahedin auf zum Kampf gegen Russland, dann etablierten diese eine Gangster-Herrschaft. Als die Taliban \u00fcber al-Kaida auch Nine-Eleven unterst\u00fctzten, schmiedete der Westen ein gewaltiges Milit\u00e4rb\u00fcndnis zwecks Einmarsch in Afghanistan. Realpolitik &#8211; der Freund wird zum Feind.<br \/>\n2. Beispiel Irak: 1980 wurde Saddam Hussein als Freund der USA so aufger\u00fcstet, dass er sieben Jahre lang Krieg gegen Iran f\u00fchren konnte. Als Saddam zur Begleichtung der Kriegsschulden Kuweit annektierte, riefen die Amerikaner den ersten Irakkrieg zur Befreiung Kuweits aus. Erst 2003 marschierten di USA in Irak ein, um Saddam zu st\u00fcrzen.<br \/>\n3. Beispiel Iran: Im August st\u00fcrzten die USA die demokratische Regierung Mossadegh und brachten Reza Pahlevi als Schah auf den Thron zur Sicherung der Erd\u00f6lfelder. Nachdem die islamistische Revolution diesen 1979 st\u00fcrzte, sorgten die USA mit der Bewaffnung von Saddam Hussein f\u00fcr einen Krieg, der den Tod von 800.000 jungen Iranern forderte. Mit der sp\u00e4teren zweimaligen Invasion im Irak st\u00e4rkte der Westen den schiitischen Iran, was wiederum dessen sunnitischen Erzfeind Saudi-Arabien herausforderte.<br \/>\n4. Beispiel Saudi-Arabien: Mit den Waffenexporten nach Riad stabilisiert der Westen ein Regime , das massenhaft sunnitisch-islamistische Ideologie in die Region exportiert, wovon der religi\u00f6se Dauerkonflikt &#8218;Schiiten gegen Sunniten&#8216; wie auch indirekt der IS profitieren. Die Saudis werden demn\u00e4chst am eigenen Luxus implodieren, aber was dann?<br \/>\nDiese Beispiele zeigen, dass Muslime westliche <em>Realpolitik<\/em> stets als Unterst\u00fctzung willf\u00e4hriger Diktatoren, Despoten und Machthaber erlebten. Dabei interessierten W\u00fcrde, Sicherheit und Menschlichkeit des Einzelnen den Westen kaum bzw. h\u00f6chstenfalls als Dreingabe. Den Grund formuliert Ulrich so: &#8222;Weil die &#8218;Realpolitik&#8216; des Westens \u00fcber so immense Mittel verf\u00fcgt, mu\u00df sie sich um die Realit\u00e4t nicht wirklich k\u00fcmmern, sie kann sie ja jederzeit auch zusammenschie\u00dfen, wegputschen, aufkaufen oder ihr einfach den R\u00fccken kehren. &#8220;<br \/>\n.<br \/>\nDiese <em>&#8218;alte&#8216; Realpolitik<\/em> hat im historischen Jahr 2015 mit dem Einsetzen der Massenzuwanderung in die EU ihr Ende gefunden &#8211; nicht j\u00e4h, da absehbar, aber nachhaltig, da anhaltend: &#8222;Entweder wir helfen den Fl\u00fcchtlingen in bisher nie gekannter Weise bei der Verbesserung ihrer Lebensumst\u00e4nde in ihrer Heimat &#8211; oder sie kommen und bleiben. Das gro\u00dfe Teilen hat begonnen, die Flie\u00dfrichtung der Geschichte zwischen Europ\u00e4ern und Arabern hat sich umgekehrt.&#8220;<br \/>\n.<br \/>\nDie <em>&#8217;neue&#8216; Realpolitik<\/em> zum Mittleren Osten hin soll sich also nicht mehr an Regimen orientieren, sondern an den einzelnen Muslimen &#8211; auch und gerade an denen, die wir in die EU, sprich nach Deutschland, holen.<br \/>\n.<br \/>\nDas Konzept von Ulrich klingt gut: &#8222;Die Willkommenskultur ist der effektivste Feind des Terrors&#8220;, Menschenrechte f\u00fcr alle, Nach 1,1 Mio in 2015 weitere 1,5 Mio muslimische Immigranten in 2016, offene Grenzen, N\u00e4chstenliebe. Aber ist der empfohlene Dreier-Schritt von Ulrich<br \/>\n<em>(1) Wir nehmen m\u00f6glichst viele Muslime in D auf. <\/em><br \/>\n<em>(2) Diese senden die Botschaft nach Hause, dass man hier im Rechtsstaat besser lebt. <\/em><br \/>\n<em>(3) In Arabien und Afrika setzen sich Demokratie und Menschenrechte durch.<\/em><br \/>\nnicht Wunschdenken, naiv und von der j\u00fcngsten Geschichte widerlegt?<br \/>\nHaben doch die\u00a0vielen t\u00fcrkischen Gastarbeiter aus D\u00a0keinerlei Botschaft nach Hause gesandt zur St\u00e4rkung der Demokratie in der T\u00fcrkei. Im Gegenteil: Erdogan hat seine st\u00e4rksten Bastionen in D, die <a title=\"Integration\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/integration\/\">Integration<\/a> der Muslime in D ist gescheitert, junge T\u00fcrken in D gelten als radikaler und konservativer als ihre eingewanderten Gro\u00dfv\u00e4ter, gebildet-moderne T\u00fcrken verlassen zuhauf die Parallelgesellschaften in K\u00f6ln, Duisburg und Berlin in Richtung Istanbul. Abschottung in Parallelwelten &#8211; das ist die Realit\u00e4t in den meisten deutschen Ballungsgebieten.<br \/>\nUnd wie kann der Vorschlag von Ulrich, die Realpolitik solle sich nicht an die etabierten\u00a0Regime, sondern an die einzelnen Menschen bzw. Muslime richten, in Praxi umgesetzt werden? Es gibt doch kaum &#8222;gutartige Regime&#8220; in Arabien und Afrika. Nur den uniformierten Diktator in Kairo, die IS-Financiers in Riad, den Massenm\u00f6rder in Damaskus und die &#8222;Juden ins Meer&#8220;-Treiber in Teheran.<br \/>\n20.11.2015<br \/>\n.<br \/>\nBernd Ulrich: &#8222;Das Ende der Arroganz &#8211; Kolonialismus, Interventionen, Krieg gegen den Terror: Die Realpolitik des Westens ist gescheitert. Wir m\u00fcssen unser Verh\u00e4ltnis zu den Muslimen grundlegend \u00e4ndern&#8220;. DIE ZEIT vom 19.11.2015, S. 3-4. <a href=\"https:\/\/zeit.de\">www.zeit.de<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den Fl\u00fcchtlingsstrom nach Deutschland begrenzen? 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