{"id":56252,"date":"2015-09-03T10:12:02","date_gmt":"2015-09-03T08:12:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=56252"},"modified":"2015-09-03T10:12:02","modified_gmt":"2015-09-03T08:12:02","slug":"hinterzarten-asyl-amselhof-nein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/hinterzarten-asyl-amselhof-nein\/","title":{"rendered":"Hinterzarten Asyl Amselhof nein"},"content":{"rendered":"<p>Der <a title=\"Hinterzarten\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/orte\/hinterzarten\/\">Hinterzartener<\/a> Gemeinderat lehnt <a title=\"Migration\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/migration\/\">Unterbringung<\/a> von <a title=\"Fluechtlinge\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/integration\/fluechtlinge\/\">Fl\u00fcchtlingen<\/a> im Amselhof ab. Vor \u00fcber zwanzig Jahren wurde in Hinterzarten eine Satzung erlassen, die festlegte, dass in <a title=\"Tourismus\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/tourismus\/\">Ferienwohnungen<\/a> oder Aparthotels nur ein wechselnder Personenkreis mit Fremdversorgung zul\u00e4ssig ist. Man wollte damit verhindern, dass aus diesen Wohnungen Eigentumswohnungen oder Zweitwohnsitze entstehen, <!--more-->die \u00fcberwiegend leer stehen und zu Rollladensiedlungen verkommen. Von dieser Satzung ist der Amselhof, der vom Ehepaar K\u00f6hler lange Jahre als Aparthotel gef\u00fchrt wurde, betroffen. Die K\u00f6hlers sind jedoch beruflich anderweitig so eingespannt, dass sie sich um die Vermietung der Apartments nur w\u00e4hrend der Hauptsaison k\u00fcmmern k\u00f6nnen. Neun Monate im Jahr, so Bodo K\u00f6hler, werden die Appartements nicht genutzt. Ein Leerstand, den er angesichts der Schwierigkeit, Wohnraum f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge zu finden, f\u00fcr Wahnsinn h\u00e4lt. Er bot deshalb schon vor einem Jahr dem Landratsamt an, sein Aparthotel f\u00fcr die Unterbringung von Fl\u00fcchtlingen zur Verf\u00fcgung zu stellen. Es w\u00e4re Platz f\u00fcr zwanzig Fl\u00fcchtlinge vorhanden. Das Landratsamt w\u00fcrde diese Unterkunft liebend gerne f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge nutzen. F\u00fcr die Gemeinde h\u00e4tte das den Vorteil, dass die Fl\u00fcchtlinge \u00fcber das Landratsamt durch eine Sozialp\u00e4dagogen-Stelle mit 20 % betreut w\u00fcrden. Au\u00dferdem w\u00fcrde ein Hausmeister mit demselben Stellenumfang gestellt. Allerdings w\u00fcrde die Quote der Fl\u00fcchtlinge, die die Gemeinde zugeteilt bekommt, nicht entfallen, die Gemeinde w\u00e4re nach wie vor verpflichtet, selbst Unterk\u00fcnfte f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge zu stellen. Die Fl\u00fcchtlinge im Amselhof w\u00fcrden zu 50 % angerechnet.<\/p>\n<p>Die Mehrheit des Hinterzartener Gemeinderats machte dem Landratsamt jedoch einen Strich durch die Rechnung. Um Fl\u00fcchtlinge im Amselhof unterzubringen, h\u00e4tte oben erw\u00e4hnte Satzung n\u00e4mlich ge\u00e4ndert werden m\u00fcssen und das lehnte der Gemeinderat vergangene Woche mit acht zu f\u00fcnf Stimmen ab. Man bef\u00fcrchtete damit einen Pr\u00e4zedenzfall zu schaffen, der dazu f\u00fchren w\u00fcrde, dass andere Einrichtungen, die nicht mehr so gut laufen und viel Leerstand haben, auch diesen Weg einschlagen.<br \/>\nDas Landratsamt befindet sich derzeit im Krisenmodus und sucht h\u00e4nderingend nach Unterbringungsm\u00f6glichkeiten. Mit 800.000 Fl\u00fcchtlingen f\u00fcr Deutschland wird in diesem Jahr gerechnet, der h\u00f6chsten Zahl nach Kriegsende. Auch Hinterzarten wird weitere Fl\u00fcchtlinge aufnehmen m\u00fcssen und dieser Pflicht, so betonen alle, will die Gemeinde auch auf jeden Fall nachkommen.<br \/>\nMomentan wohnen in Hinterzarten dreizehn Fl\u00fcchtlinge, f\u00fcr elf weitere wird das Kurmittelhaus, das seit Jahren schon nicht mehr als solches genutzt wird, umgebaut. Es ist jedoch absehbar, dass das nicht ausreichen wird. Deshalb \u00fcberlegen einige Gemeinder\u00e4te, ob nicht die Gemeinde den Amselhof anmieten k\u00f6nnte. Denn andere Unterbringungsm\u00f6glichkeiten existieren in Hinterzarten nicht mehr und eine Containersiedlung will keiner im heilklimatischen Kurort, der vom Tourismus lebt. Das Problem dabei ist nur, dass auch die Gemeinde an diesen Gemeinderatsbeschluss, der die Nutzungs\u00e4nderung verweigerte, gebunden ist. Bodo K\u00f6hler ist vom Abstimmungsergebnis des Gemeinderats entt\u00e4uscht. Zwar h\u00e4tten alle betont, nichts gegen Fl\u00fcchtlinge zu haben. Doch was n\u00fctze dieses Reden, wenn keine Taten folgen.<br \/>\nF\u00fcr ihn und die R\u00e4te, die die Nutzungs\u00e4nderung bef\u00fcrworteten, stehe die Notwendigkeit zu helfen im Vordergrund und es sei ein Trauerspiel, wenn sich R\u00e4te angesichts der vielfachen menschlichen Fl\u00fcchtlingsdramen hinter Satzungen verschanzen, zumal in der Vergangenheit immer wieder Ausnahmen gemacht worden seien, so Gemeinderat Bernd G\u00f6tte.<br \/>\nAuch B\u00fcrgermeister Michael Tatsch h\u00e4tte sich ein anderes Abstimmungsergebnis gew\u00fcnscht. Innerhalb der n\u00e4chsten zwei Wochen m\u00f6chte er einen runden Tisch einberufen, an dem die Unterbringungsproblematik von Fl\u00fcchtlingen beraten wird.<br \/>\n3.9.2015, Dagmar Engesser, Dreisamt\u00e4ler<br \/>\n.<\/p>\n<p><b>Der Kommentar: Tourismus und Kleingeistigkeit<br \/>\n<\/b>Dass jetzt die Unterbringung von Fl\u00fcchtlingen im Amselhof verwehrt wurde, l\u00e4sst Hinterzarten in schlechtem Licht dastehen. Verkannt wurde von den Verantwortlichen, wie gro\u00df die Fl\u00fcchtlingswelle ist und dass sie noch l\u00e4ngst nicht abgeebbt ist. Weltweit sind \u00fcber 70 Millionen Menschen auf der Flucht. Die gro\u00dfe Mehrheit irrt durch instabile angrenzende L\u00e4nder oder ist in Fl\u00fcchtlingscamps unter menschenunw\u00fcrdigen Bedingungen untergebracht. Eine Minderheit nur findet Zuflucht in sicheren L\u00e4ndern Europas oder den USA.<br \/>\nEs ist Gl\u00fcck oder Pech, Schicksal und Zufall, an welchem Ort und zu welchem Zeitpunkt auf dieser Erde jemand geboren wird. Niemand kann sich seinen Geburtsort aussuchen. Vor drei, vier Generationen noch herrschte Krieg in Europa, ein Krieg, der vom aggressiven Nazi-Deutschland ausging. Damals flohen Menschen aus Deutschland. Sie flohen nach Frankreich, nach Spanien und Nazi-Deutschland holte sie auch dort ein.<\/p>\n<p>Europa hat in den letzten 70 Jahren aus der Geschichte gelernt und mit der Europ\u00e4ischen Union Strukturen geschaffen, die ein friedliches Zusammenleben der Menschen garantieren soll. Deshalb ging der Friedensnobelpreis 2012 auch an die Staatengemeinschaft der EU. Es ist eine Gnade in solch einem Staatenverbund leben zu k\u00f6nnen und traurig, dass nicht alle das sch\u00e4tzen k\u00f6nnen!<br \/>\nIn Syrien, Afghanistan, Irak, Libyen, Somalia oder wie die Krisenherde dieser Erde alle hei\u00dfen, geboren zu sein, bedeutet heute der reinste Horror. Dort sind egozentrische, korrupte, paranoide Despoten an der Macht, denen es nur um Machterhalt geht. Es herrschen Gewalt, Unterdr\u00fcckung, Willk\u00fcr, Hunger und Not &#8211; wir alle w\u00fcrden versuchen, solchen Verh\u00e4ltnissen zu entfliehen. Es ist ein Gebot der Mitmenschlichkeit, diesen Menschen zu helfen. Sich hinter b\u00fcrokratischen Regelungen zu verschanzen, ist kurzsichtig und kleinkariert &#8211; und letztlich dem Tourismus nicht f\u00f6rderlich. Ein florierender Tourismus lebt n\u00e4mlich nicht von der Kleingeistigkeit, sondern von der Weltoffenheit der Gastgeber!<br \/>\n3.9.2015, Dagmar Engesser<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Hinterzartener Gemeinderat lehnt Unterbringung von Fl\u00fcchtlingen im Amselhof ab. Vor \u00fcber zwanzig Jahren wurde in Hinterzarten eine Satzung erlassen, die festlegte, dass in Ferienwohnungen oder Aparthotels nur ein wechselnder Personenkreis mit Fremdversorgung zul\u00e4ssig ist. 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