{"id":55859,"date":"2015-08-07T13:54:37","date_gmt":"2015-08-07T11:54:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=55859"},"modified":"2015-11-17T18:57:50","modified_gmt":"2015-11-17T17:57:50","slug":"schroeter-sufismus-koran","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/schroeter-sufismus-koran\/","title":{"rendered":"Schroeter &#8211; Sufismus Koran"},"content":{"rendered":"<p>Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den <a title=\"Islam-Reformen\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/islam\/islam-reformen\/\">Islam<\/a> schaffen &#8211; J\u00f6rg Imran Schr\u00f6ter, <a title=\"Buch\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/dichter\/literatur\/buch\/\">Buchh\u00e4ndler<\/a>, Islamwissenschaftler, Dozent, Lehrer und Vater von vier Kindern,\u00a0wurde 1970 in Freiburg geboren und wuchs als Kind evangelischer Eltern auf. Seine Schulzeit verbrachte er am Droste-H\u00fclshoff-Gymnasium in Freiburg. Mit 19 Jahren konvertierte er zum <a title=\"Islam\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/islam\/\">Islam<\/a>. Nach dem Abitur begann er in der <a title=\"Buchhandel\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/business\/handel\/buchhandel\/\">Universit\u00e4tsBuchhandlung Walthari<\/a> in Freiburg eine Ausbildung zum Buchh\u00e4ndler <!--more-->und schloss sie 1994 ab. Danach studierte er von 1994-2002 an der Universit\u00e4t Freiburg <a title=\"Koran\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/islam\/koran\/\">Islamwissenschaften<\/a>, nach dem Magisterabschluss an der P\u00e4dagogischen Hochschule die F\u00e4cher Deutschund Geschichte f\u00fcr das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Seit 2006 war er als Lehrer an der Adolf-Reichwein-Schule und beteiligt. Im Jahr 2008 begann er an der P\u00e4dagogischen Hochschule Karlsruhe mit seiner Lehrt\u00e4tigkeit am dort von ihm mitbegr\u00fcndeten Institut f\u00fcr islamische Theologie und Religionsp\u00e4dagogik. Zus\u00e4tzlich begann er im gleichen Jahr zusammen mit seiner Frau Amina Boumaaiz den Verlag f\u00fcr islamische Bildung und Erziehung (VIBE; <a href=\"https:\/\/www.vibe-online.de\">www.vibe-online.de<\/a>) aufzubauen. Im Sommer 2014 schloss er seine Promotion an der P\u00e4dagogischen Hochschule Freiburg mit der Doktorarbeit: \u201eDie Einf\u00fchrung des islamischen Religionsunterrichts an \u00f6ffentlichen Schulen in Baden-W\u00fcrttemberg\u201c ab. Imran Schr\u00f6ter und seine Frau, eine geb\u00fcrtige Marokkanerin, die in Freiburg Germanistik studiert hat und die er im Studium an der Universit\u00e4t kennengelernt hat, leben mit ihren vier gemeinsamen Kindern in Littenweiler. Anja Lusch hat ihn befragt:<br \/>\n.<br \/>\nSeit wann leben Sie in Littenweiler? Seit 1998. Unsere \u00e4lteste Tochter hat hier schon den Kindergarten und die Grundschule besucht, die J\u00fcngste ist noch dort. Zwischendurch haben wir zwei Jahre in der Birkenhofsiedlung gewohnt, sind dann aber gerne wieder hierher zur\u00fcckgekehrt.<br \/>\nWas sind Ihre beruflichen Schwerpunkte? Das verschiebt sich gerade, ich werde in Zukunft nur noch in Karlsruhe an der PH f\u00fcr die Lehrerausbildung zust\u00e4ndig sein. Derzeit unterrichte ich noch zu 50% an der Adolf-ReichweinSchule. Wichtig ist es mir auch Vortr\u00e4ge an anderen Orten und Einrichtungen zu halten, wie z.B. hier in St. Barbara, um ein breiteres Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den Islam in der \u00d6ffentlichkeit zu schaffen. F\u00fcr den Verlag bleibt leider nur wenig Zeit.<\/p>\n<p>Was davon macht Ihnen am meisten Spa\u00df? Die Arbeit gerade auch mit den muslimischen Kindern an der Schule hat mir immer viel Spa\u00df gemacht. Aber die Arbeit mit den Studierenden ist noch viel spannender. Das ist die Generation, die es geschafft hat aus einem Migrationshintergrund heraus an eine Hochschule zu gehen.<br \/>\nWie religi\u00f6s waren Ihre Eltern und Sie fr\u00fcher? Ich bin evangelisch getauft und auch konfirmiert, bin aber nicht sehr religi\u00f6s aufgewachsen. Ich habe mich damals auch konfirmieren lassen, aber wie viele andere auch, eher wegen der Stereoanlage. Einen richtigen Zugang zum Glauben habe ich dort noch nicht gefunden.<br \/>\nWas waren die Gr\u00fcnde zum Islam zu konvertieren? Es war eher eine F\u00fcgung, durch die Begegnung mit Menschen aus dem mystischen Islam, dem Sufismus. Das hat mich sehr angesprochen. Sufismus ist eine sehr \u00e4sthetische Angelegenheit, es gibt eine eigene Musik, die sehr bewegend ist, die Dichtung spielt eine gro\u00dfe Rolle, die Weisheits-Erz\u00e4hlungen. Ich bin also auch \u00fcber die Literatur und Kunst dazu gekommen, nicht durch die Theorie sondern in einer authentischen Begegnung. Dort erst habe ich entdeckt, was Religion bedeuten kann und dass der Glaube f\u00fcr mich eine Rolle spielt.<br \/>\nGibt es eine Pers\u00f6nlichkeit, die Sie besonders beeindruckt hat? Mein Ordensmeister hat mich sehr gepr\u00e4gt, weil er in jedem Augenblick ein waches und dem\u00fctiges Gottesbewusstsein aufrecht zu erhalten wusste. Mein Glaube hat sich in vielen Diskussionen und Gespr\u00e4chen mit ihm und mit anderen entwickelt.<br \/>\n.<br \/>\nWie unterscheidet sich der Sufismus von anderen Glaubensrichtungen im Islam?<br \/>\nInnerhalb der islamischen Fr\u00f6mmigkeit ist der Sufismus eine Richtung der Innerlichkeit und der spirituellen Erfahrung. Es geht mehr um eine innere Weiterentwicklung, darum an sich selbst zu arbeiten. Andere Richtungen sehen den Islam als politisches Konzept oder wollen damit etwas in der Gesellschaft ver\u00e4ndern. Der konkrete Umgang mit dem Glauben und mit dem Koran kann also sehr unterschiedlich sein, je nach Auslegung.<br \/>\nWelche Rolle spielt Gott im Sufismus? Ich begebe mich im Sufismus auf eine direkte, spirituelle Suche. Das ist ein mystisches Element der direkten Gotteserfahrung. Der Islam ist etwas, das mich in erster Linie selbst betrifft. Ich arbeite an meinem Charakter. Dabei muss ich schauen, wie ich mich in meiner Beziehung zu den Menschen und zu Gott positiv entwickeln kann.<br \/>\nWorin sehen Sie die wesentlichen Unterschiede zum Christentum? Es gibt in der Moschee niemanden, der auf einer erh\u00f6hten Ebene der Gemeinde zugewandt ist. Alle stehen auf einer Ebene in dieselbe Richtung und beten miteinander, ohne dass mir einer durch eine Weihe etwas voraus hat, ohne Hierarchie, ohne eine klerikalen Vermittlung. Das unmittelbare vor Gott stehen war mir wichtig. Es gibt im Islam keine Kirche, keine Struktur, die einem etwas aufzwingt. Es ist eine direkte, unvermittelte eigenverantwortete Gottesbeziehung. Ich m\u00f6chte das nicht zu sehr polarisieren. Ich hatte auch viele anregende Gespr\u00e4che mit Christen. Es ging f\u00fcr mich um die Entdeckung an Gott zu glauben, das hat f\u00fcr mich dann im mystischen Islam stattgefunden.<br \/>\nWelche Probleme haben Sie im Lebensalltag? Da der Ramadan dieses Jahr auf einen sehr hei\u00dfen Sommer f\u00e4llt, ist das k\u00f6rperlich nat\u00fcrlich anstrengend. Beim Essen achte ich auf das entsprechende Fleisch oder esse vegetarisch.<br \/>\nWar der Alltag fr\u00fcher schwieriger? Zu Beginn, vor 25 Jahren war es noch schwieriger entsprechendes Essen zu bekommen, aber vegetarische Gerichte gingen immer schon. Fleisch gibt es bei den Moscheen oder in t\u00fcrkischen L\u00e4den. Die N\u00e4he Freiburgs zu Frankreich hat es mir von Anfang an leichter gemacht, dort gibt es schon l\u00e4nger das islamisch gesch\u00e4chtete Fleisch und Wurst im Supermarkt. Vermutlich wird es das in Zukunft auch hier verst\u00e4rkt geben. Es ist einfacher geworden in den letzten Jahren, das hat mit einer gr\u00f6\u00dferen Nachfrage zu tun, auf die sich die L\u00e4den einstellen. Auch durch das gestiegenen Ern\u00e4hrungsbewusstsein und die Kennzeichnung bei Lebensmitteln ist es einfacher geworden entsprechende Lebensmittel zu kaufen.<br \/>\nVersp\u00fcren sie mehr Toleranz gegen\u00fcber dem Islam als fr\u00fcher? Es ist mit dem Thema gleich bleibend schwierig. Die Kenntnis dar\u00fcber, was Islam ist, hat sich etwas verbessert. Aber die Vorurteile f\u00fcr die Gewalt verantwortlich zu sein, die sind geblieben. Der Koran gibt zur Gewaltfrage nicht eindeutig Auskunft. Es gibt einige friedlich-vers\u00f6hnliche Stellen, aber auch Aufrufe zu Gewalt und Krieg.<br \/>\nWie verstehen Sie diese Stellen und wie gehen Sie mit den immer wieder auftauchenden Vorw\u00fcrfen um? Nat\u00fcrlich distanziere ich mich, wie die Mehrheit der Moslems, von jeglicher Gewalt. Muslime werden immer wieder mit dem Terror identifiziert, der in den Nachrichten kommt, sie geraten somit in Sippenhaft. Es ist immer schwierig, wie heilige Schriften ausgelegt werden. Man wirft einem Christen nicht immer wieder vor, was in der Bibel steht, sondern da hat jeder Christ seinen Umgang und seine Auslegung daf\u00fcr. Aber den Moslems wird immer wieder der Koran vorgehalten. Es geht immer darum das Ganze im Kontext zu verstehen. Der Koran ist kein reines Gesetzbuch. Es gibt insgesamt \u00fcber 6000 Verse, von denen nur circa 500 rechtliche Bestimmungen enthalten. Davon sind ein Gro\u00dfteil Handelsrecht, Erbrecht und Familienrecht. Dann bleibt noch 0,1 % \u00fcbrig wo es um Strafrecht und dabei auch um K\u00f6rperstrafen geht und wo man sich \u00fcberlegen muss, wie man heute dazu steht. Im Koran sind in erster Linie Prophetengeschichten, Gebete, Jenseitsbeschreibungen und nur zu einem kleinen Teil rechtlichte Bestimmungen.<br \/>\nGibt es ein Buch aus Ihrem Verlagsprogramm, was Ihnen besonders am Herzen liegt? Besonders sch\u00f6n finde ich die zwei Kinderb\u00fccher: \u201eMuhammad und der Ruf des Himmels\u201c. \u201eDas Leben des Propheten\u201c, von Faridah Busemann und: \u201eDer Teejunge Kasim\u201c von Abu Bakr Heyn. Beide Autoren wohnen hier in Littenweiler, die B\u00fccher liegen bei der Buchhandlung Hall aus.<br \/>\nWas machen Sie gerne in Ihrer Freizeit? Mir bleibt sehr wenig davon, da ich drei Jobs habe. Lehrer, Dozent und Verleger. Ich verbringe gerne m\u00f6glichst viel Zeit mit meiner Familie und den vier Kindern.<br \/>\n7.8.2015, Anla Lusch,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.littenweiler-dorfblatt.de\">www.littenweiler-dorfblatt.de<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Friedlicher Islam?<\/strong><br \/>\nEs macht Hoffnung, dass Menschen wie J\u00f6rg Imran Schr\u00f6ter zum <a title=\"Islam\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/islam\/\">Islam<\/a> konvertieren und so versuchen, den Islam zu reformieren bzw. dessen friedliche Seiten (konkret: mystischer Islam, Sufismus) zu st\u00e4rken. Zwei Kritikpunkte zu Schr\u00f6ter: \u00a0Eine Abgrenzung von Christentum und Islam derart, dass im Gegensatz zur Kirche in der Moschee &#8222;ohne Hierarchie&#8220; agiert werde, ist ebenso fraglich wie die Behauptung &#8222;nur 0,1%&#8220; der Texte \u00a0im Korans seien unfriedlich.<br \/>\nGanz allgemein bringt es \u00fcberhaupt nichts, die gro\u00dfen Glaubensbekenntnisse bzw. Religionen gegeneinander abzuw\u00e4gen.<br \/>\nDer Islam wird in Deutschland erst dann als Religion akzeptiert werden, wenn er die von der UN ausgerufenen Kinder-, Frauen- und Menschenrechte konsequent umsetzt. Wobei die Schwierigkeit darin besteht, dass es &#8222;den Islam&#8220; \u00fcberhaupt nicht gibt, sondern nur seine vielen unterschiedlichen Str\u00f6mungen &#8211; wie Sunniten, Schiiten, Aleviten, Sufis, &#8230; Im Grunde ist es unwesentlich, welcher Religion man angeh\u00f6rt &#8211; Hauptsache, man w\u00e4hnt sich nicht im Besitz der absoluten Wahrheit (und ist somit intolerant), sondern man sieht sich als Suchender (und somit empf\u00e4nglich f\u00fcr die eigene Glaubenswahrheit).<br \/>\n7.8.2015, Ekke<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den Islam schaffen &#8211; J\u00f6rg Imran Schr\u00f6ter, Buchh\u00e4ndler, Islamwissenschaftler, Dozent, Lehrer und Vater von vier Kindern,\u00a0wurde 1970 in Freiburg geboren und wuchs als Kind evangelischer Eltern auf. Seine Schulzeit verbrachte er am Droste-H\u00fclshoff-Gymnasium in Freiburg. 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