{"id":53871,"date":"2015-03-27T14:10:26","date_gmt":"2015-03-27T13:10:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=53871"},"modified":"2015-03-27T14:13:19","modified_gmt":"2015-03-27T13:13:19","slug":"uran-vom-kongo-nach-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/uran-vom-kongo-nach-europa\/","title":{"rendered":"Uran vom Kongo nach Europa"},"content":{"rendered":"<p>Golden Misabiko, <a title=\"Menschenrechte\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/aufklaerung\/menschenrechte\/\">Menschenrechtsaktivist<\/a> und Atomkraftgegner aus der D.R. Kongo, sprach am 24.3.2015 in der Universit\u00e4t Freiburg zum Thema &#8222;Uranabbau, Atom-Konzerne und <a title=\"Afrika\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/afrika\/\">Neo-Kolonialismus<\/a>&#8222;. Eindringlich warnte er davor, da\u00df der <a title=\"AKW\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/energie\/akw\/\">Uran-Abbau<\/a> nicht nur f\u00fcr <a title=\"Afrika\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/afrika\/\">Afrika<\/a>, sondern auch f\u00fcr <a title=\"EU\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/eu\/\">Europa<\/a> eine enorme Gefahr darstelle. Am einen Ende der atomaren Kette <!--more-->stehe in Afrika und in etlichen L\u00e4ndern in anderen Erdteilen der Abbau in Uran-Minen, wo die Erde \u00fcber weite Gebiete radioaktiv verseucht wird, die\u00a0lokale Bev\u00f6lkerung nicht selten brutal vertrieben wird und wo es zur Absenkung des\u00a0Grundwasserspiegels kommt. Und am anderen Ende stehe die radioaktive Verseuchung durch Atomkraftwerke, Katastrophen wie die von Tschernobyl und Fukushima und die Bedrohung des gesamten Lebens auf dieser Erde durch die Atombombe.<\/p>\n<p>Aus der D.R. Kongo, dem Heimatland Misabikos, in dem er wegen seinen Aktivit\u00e4ten gegen Uran-Abbau und f\u00fcr Menschenrechte ins Gef\u00e4ngnis gesteckt wurde, stammte das Uran f\u00fcr die Atombombe, die am 6. August 1945 auf Hiroshima abgeworfen wurde. Die Uran-Mine Shinkolobwe in der kongolesischen Provinz Katanga wurde schon mehr als 20 Jahre zuvor von den belgischen Kolonialherren ausgebeutet und weist einen teilweise extrem hohen Urangehalt von bis zu 65 Prozent auf. Die Katastrophen von Hiroshima und Nagasaki lasteten politisch auch auf dem Kongo und als andere M\u00e4chte\u00a0 versuchten, zum Atombombenbau an das uranhaltige Erz in Katanga zu gelangen, wurde die Mine Shinkolobwe 1957 geschlossen, die beiden Hauptstollen geflutet und mit Beton-Platten versiegelt. Au\u00dferdem wurde die<br \/>\nMine von Soldaten bewacht.<\/p>\n<p>Doch unter der Regierung von Mobutu wurde die Mine kurz vor dessen Sturz im Jahr 1997 wieder ge\u00f6ffnet. Mobutu suchte nach M\u00f6glichkeiten, sich gegen die Rebellen um Laurent D\u00e9sir\u00e9 Kabila zu behaupten. Auf Anordnung Mobutus wurde radioaktives Material aus den versiegelten Stollen mit Hilfe des staatlichen Unternehmens G\u00e9camines verkauft und nach Europa transportiert, um mit dem eingenommenen Geld seine Armee aufzur\u00fcsten. Laut Recherchen Misabikos wurde in dieser Zeit fast ein Drittel der Produktion von G\u00e9camines illegal aus dem Land geschafft.<\/p>\n<p>Erneut wurde die Mine in Shinkolobwe unter Kabila im Januar 2004 offiziell geschlossen. Doch im Juli des selben Jahres gab es erste Anzeichen, da\u00df die Mine nach wie vor in Betrieb war: Ein alter Stollen war zusammengebrochen und acht Minenarbeiter verloren ihr Leben. Dreizehn weitere wurden verletzt.<\/p>\n<p>Als der Staats-Konzern G\u00e9camines, der zeitweilig 70 Prozent der gesamten Export-Einnahmen der D.R. Kongo erbracht hatte, aufgrund von politischen Umbr\u00fcchen und als Folge der von der Weltbank erzwungenen Privatisierungen zerschlagen wurde, \u00fcbernahmen private Bergbau-Gesellschaften das Eigentum und die Konten von G\u00e9camines &#8211; auch die von Shinkolobwe. In der Folgezeit gab es aufgrund von Kriegen und wechselnden Regierungen keinerlei Kontrolle und eine Vielzahl einzelner Sch\u00fcrfer, Gruppierungen und kleinerer bis gr\u00f6\u00dferer Unternehmen nahm den Uran-Abbau wieder auf. Insgesamt hatten in dieser Zeit rund 60.000 Menschen Zugang zu der h\u00f6chst gef\u00e4hrlichen und weitgehend<br \/>\nstrahlenverseuchten Mine. Die meisten von ihnen arbeiteten ohne Schutzvorkehrungen oder Schutzanz\u00fcge. Manche Minen-Arbeiter waren Minderj\u00e4hrige, einige von ihnen j\u00fcnger als zw\u00f6lf Jahre.Laut Misabiko hatte die \u00fcber viele Jahrzehnte fehlende Kontrolle der Mine zur Folge, da\u00df j\u00e4hrlich rund 35.000 Tonnen Uran aus dem Kongo an Interessenten in der ganzen Welt gelangten. Der Transport verlief dabei \u00fcber die Grenze von Kasumbalesa in der Provinz Katanga, durch Sambia oder Simbabwe bis zu den H\u00e4fen von Namibia, S\u00fcdafrika und Tansania. Von dort gelangte das Uran nach Nord-Korea, Iran, China oder Pakistan.<br \/>\nIm Juli 2006 ver\u00f6ffentlichte ein Komitee des UN-Sicherheitsrates einen Bericht, der 149 Sch\u00fcrfst\u00e4tten in der Region um Shinkolobwe z\u00e4hlte. Eine Untersuchung durch ExpertInnen hatte aufgedeckt, da\u00df der Schmuggel von radioaktivem Material h\u00e4ufiger vorkam als angenommen.<br \/>\nAm 26. M\u00e4rz 2009 besuchte der damalige franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Nikolas Sarkozy in einer Delegation zusammen mit der damaligen Areva-Chefin Anne Lauvergeon die D.R. Kongo. Trotz der K\u00fcrze des Aufenthalts von nur f\u00fcnf Stunden in der Hauptstadt Kinshasa wurde ein Vertrag abgeschlossen, der es Areva erlaubt, Uran im gesamten Staatsgebiet zu f\u00f6rdern. Das Abkommen wurde weder im Parlament noch in der \u00d6ffentlichkeit debattiert. Am Tage ihres Besuchs verk\u00fcndete Lauvergeon gegen\u00fcber Radio France International sowie \u00fcber Radio und TV Congo National, da\u00df es sich um das bedeutendste Abkommen in der Geschichte von Areva handele und da\u00df es die Eifersucht Vieler in der ganzen Welt hervorrufen werde.Misabiko machte am Ende seines Vortrags deutlich, da\u00df Staaten wie die D.R. Kongo trotz des Reichtums an Uran ebenso wie etwa der Niger, der als viertgr\u00f6\u00dfter Uran-Lieferant der Welt gilt, weiterhin zu den \u00e4rmsten L\u00e4ndern z\u00e4hlen. Laut einem Ranking der UN-Entwicklungsorganisation UNIDO steht der Niger an vorletzter und die D.R. Kongo an letzter Stelle.Golden Misabiko war Leiter der ASADHO, einer afrikanischen Menschenrechts-Organisation. Bereits im Jahr 2001 hatte er sich mit dem Kabila-Regime angelegt. Die ASADHO protestierte gegen Todesurteile. Im Juli 2009 ver\u00f6ffentlichte ASADHO einen Bericht \u00fcber den illegalen und \u00e4u\u00dferst gesundheitsgef\u00e4hrdenden Weiterbetrieb der Mine Shinkolobwe. Dann deckte er einen Deal auf, in den Pr\u00e4sident Kabila unter Ausschlu\u00df von \u00d6ffentlichkeit und Parlament dem franz\u00f6sischen Atom-Konzern Areva die Rechte f\u00fcr Erkundung und Abbau von Uran im gesamten Staatsgebiet \u00fcbertrug. Dies f\u00fchrte zur Verhaftung Misabikos. Er wurde der &#8222;Verletzung der Staatssicherheit&#8220; angeklagt und verurteilt. Dank des Einsatzes von Amnesty International und Frontline Defenders kam Misabiko vorzeitig frei. Seit 2010 lebt er im Exil in S\u00fcdafrika. Im vergangenen Jahr wirkte er bei dem Dokumentarfilm &#8222;Atomic Africa&#8220; mit.<\/p>\n<p>Veranstalter der Vortrags an der Universit\u00e4t waren die Anti-Atom-Gruppe Freiburg, FESA, Transition<br \/>\nTown Freiburg,<a title=\"BUND\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/umwelt\/bund\/\"> BUND Ortsgruppe Freiburg<\/a>, iz3w, ECOtrinova, Menschenrechte 3000 und das Eine Welt<br \/>\nForum Freiburg.<br \/>\n27.3.2015, Thomas Rosa,\u00a0AntiAtomGruppe Freiburg, www.<a href=\"https:\/\/www.antiatomfreiburg.de%20\">antiatomfreiburg.de <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Golden Misabiko, Menschenrechtsaktivist und Atomkraftgegner aus der D.R. 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