{"id":52521,"date":"2015-01-07T15:23:15","date_gmt":"2015-01-07T14:23:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=52521"},"modified":"2015-01-07T16:57:03","modified_gmt":"2015-01-07T15:57:03","slug":"parallelwaehrungen-zum-euro","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/parallelwaehrungen-zum-euro\/","title":{"rendered":"Parallelwaehrungen zum Euro"},"content":{"rendered":"<p>Drei L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten gegen die <a title=\"Finanzsystem\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/finanzsystem\/\">Eurokrise<\/a>: (1) Austritt der Krisenl\u00e4nder, (2) Einheitliche <a title=\"EU\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/eu\/\">EU<\/a>-Fiskalpolitik oder (3) Parallelw\u00e4hrungen. (1) verbietet sich aufgrund zu erwartenden Turbulenzen. Eine Steuer-\/Fiskalunion (2) als Ausweg funktioniert nicht: Niemand in <a title=\"Italien\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/italien\/\">Italien<\/a>, <a title=\"France\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/france\/\">Frankreich<\/a> oder <a title=\"Spanien\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/spanien\/\">Spanien <\/a>tr\u00e4gt eine deutsche Stabilit\u00e4tspolitik mit, die historische Erfahrung und j\u00fcngsten Entwicklungen weisen dann vielmehr in Richtung\u00a0Inflations- und Schuldengemeinschaft. <!--more-->Eine Fiskalunion wird in den Probleml\u00e4ndern zudem als Erweiterung der Haftungsgemeinschaft verstanden, in der neben den Bankschulden auch die Risiken etwa der Arbeitslosenversicherung gemeinsam getragen werden. Damit w\u00e4ren weitere gigantische Transfers in die Probleml\u00e4nder verbunden. Bleibt zur L\u00f6sung der Eurokrise nur (3), also die Einf\u00fchrung wertstabiler Parallelw\u00e4hrungen (Hart-Euro) zus\u00e4tzlich zum Euro, der weiter alleiniges Barzahlungsmittel in allen L\u00e4ndern der W\u00e4hrungsunion bleibt<br \/>\n.<br \/>\n&#8222;Die Grundidee ist relativ einfach. Sie besteht darin, absolut wertstabile Parallelw\u00e4hrungen (Hart-Euro) als reine Buchw\u00e4hrung zus\u00e4tzlich zum normalen Euro zu schaffen. Das k\u00f6nnte jedes \u00dcberschussland autonom tun, indem es seine neue W\u00e4hrung an die nationale Inflationsrate koppelt. Der Umtauschkurs gegen\u00fcber dem Euro w\u00fcrde zu Beginn 1:1 betragen, im Zeitverlauf aber mit der jeweiligen Inflationsrate ansteigen. Der nationale Hart-Euro w\u00e4re also eine absolut wertstabile Indexw\u00e4hrung, die als Wertaufbewahrungsmittel und zunehmend auch als Recheneinheit f\u00fcr Tarifvertr\u00e4ge und andere langfristige Gesch\u00e4fte dienen k\u00f6nnte. Indem die Notenbanken der \u00dcberschussl\u00e4nder den jederzeitigen An- und Verkauf des Hart-Euro zu diesem Kurs garantieren, legen sie auch die Kurse ihrer Hartw\u00e4hrungen untereinander faktisch fest. Letztere w\u00fcrden so immer den Inflationsdifferenzen (in Euro berechnet) entsprechen, ohne dass es dazu weiterer Absprachen bed\u00fcrfte. &#8230;..<br \/>\nEin weiterer Vorteil besteht darin, dass niemand zum W\u00e4hrungsumtausch oder zur Verwendung der neuen W\u00e4hrung gezwungen w\u00fcrde. Daher k\u00e4me es auch nicht zu Kapitalflucht oder ungewollten Bilanzverlusten, wie es in anderen Parallelw\u00e4hrungskonzepten der Fall w\u00e4re. Da der Euro zun\u00e4chst alleiniges Barzahlungsmittel in allen L\u00e4ndern der W\u00e4hrungsunion bliebe, w\u00fcrden auch kurzfristige Liquidit\u00e4tsreserven wie etwa Girokonten weiterhin \u00fcberwiegend auf Euro lauten. L\u00e4ngerfristige Spareinlagen k\u00f6nnten und w\u00fcrden dagegen \u00fcberwiegend in nationale Hart-Euro umgetauscht werden, um sich vor Inflation und finanzieller Repression zu sch\u00fctzen. &#8230;..<br \/>\nDer Hauptvorteil solcher Parallelw\u00e4hrungen w\u00e4re, dass die Defizitl\u00e4nder im normalen Euro verbleiben und diesen weiter inflationieren k\u00f6nnten. Denn mit der Entwertung des Euro verbessert sich ihre Wettbewerbsposition, ohne dass sie den harten Weg der realen Abwertung gehen m\u00fcssten. Zugleich steigt aber der Kurs der nationalen Hart-Euro-W\u00e4hrungen entsprechend, so dass die darin angelegten Ersparnisse der B\u00fcrger wertstabil bleiben. &#8220;<br \/>\nAlles zu &#8222;Wege aus der Eurofalle&#8220; von Ulrich van Suntum (Direktor des Centrums f\u00fcr angewandte Wirtschaftsforschung der Universit\u00e4t M\u00fcnster) vom 2.1.2015 bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/parallelwaehrungen-wege-aus-der-eurofalle-12734752.html?printPagedArticle=true\"><span lang=\"\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/parallelwaehrungen-wege-aus-der-eurofalle-12734752.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2<\/span><\/a><\/p>\n<p>In den \u00dcberschussl\u00e4ndern werden \u00fcber kurz oder lang die L\u00f6hne und l\u00e4ngerfristige Vertr\u00e4ge wie Mieten in Hart-Euro festgeleg werden, da sie sonst Einbu\u00dfen im Realeinkommen erleiden. Umgekehrt d\u00fcrfen die Defizitl\u00e4nder ihre L\u00f6hne aber nicht ebenfalls auf Hart-Euro umstellen, sondern m\u00fcssen\u00a0beim Euro bleiben: Um Nutzen aus der Inflationierung des Euro ziehen k\u00f6nnen, m\u00fcssen sie den damit verbundenen Realeinkommensverlust hinnehmen.<br \/>\n7.1.2014<\/p>\n<p><strong>Geht nicht ohne Kapitalverkehrskontrollen<\/strong><br \/>\nAuch Ulrich von Suntum ist dem deutschen Fehlglauben erlegen &#8222;alle wollen so hart arbeiten, so protestantisch leben wie wir&#8220;. Das vorgeschlagene Modell funktioniert nicht ohne Kapitalverkehrskontrollen, denn keiner legt Geld an, wenn die Abwertung (des normalen Euro) vorhersehbar ist. Und es wird auch am dem Wiederstand der Eliten in Latinien &amp; Co scheitern, denn diese haben neben der Ausbeutung der eigenen Bev\u00f6lkerung nun noch den NordEZ- Steuerzahler, den sie nicht freiwillig aus den Klauen lassen. Diese S\u00fcdl\u00e4nder-Eliten sind auch der Reformverhinderer 1+. Wenn alle so wollten, wie Berlin denkt, koennte der (Parallelw\u00e4hrungs-)Vorschlag vielleicht umsetzbar sein. Der Autor verkennt jedoch leider, dass er es nicht mit konsensual bis zur Selbstaufgabe Deutschen, sondern mit Abzockern zu tun hat. Auf jeden Fall aber ein Einstieg in die laengst faellige Diskussion. Wie kommen wir aus dem Euro raus.<br \/>\n7.1.2014, Paul Hansen<\/p>\n<p><b>Nicht handelbare Parallelw\u00e4hrung ist wirkungslos<\/b><br \/>\nDie angeregte stabile W\u00e4hrung \u00e4hnelt dem ECU, den wir vor dem EURO hatten. Die Wechselkurse gegen ECU wurden auch angepasst. Der ECU hatte aber einen entscheidenden Nachteil, er war nicht handelbar, da er keinen Devisenkurs mit anderen W\u00e4hrungen ausserhalb des EWS bildete. Das ist auch der Schwachpunkt einer Parallelw\u00e4hrung zum EURO, die nicht handelbar ist. Wird sie handelbar, so ist der beschriebene Effekt gleich Null. Daraus folgt, dass sich die Ungleichgewichte, die sich im EURO System gebildet haben und zur Zeit gerade von der EZB implizit zu Lasten des aufgeteilten EURO Systems auf alle EURO Notenbanken \u00fcber Target-2 und ELA oder Eigenkapital der EZB \u00fcber akkumulierte Verluste durch wertlose Sicherheiten der Krisenl\u00e4nder verteilt werden, sich nicht sublimieren lassen ins Nirgendwo. Ein Geldsystem l\u00e4sst sich prinzipiell auch nicht \u00fcber k\u00fcnstlich geschaffene Parallelw\u00e4hrungen eliminieren. Die Ungleichgewichte werden sich mit den bereits erwarteten Folgen ausgleichen.<br \/>\n7.1.2015, Karl-Heinz Drux<\/p>\n<p><b>Zwei W\u00e4hrungen parallel wie in der T\u00fcrkei<\/b><br \/>\nWegen der hohen Inflation haben es sich die Sparen, Vermieter und Banken angew\u00f6hnt, ihre Lira in Dollar oder Euro umzutauschen, und auf entsprechenden Konten zu deponieren. Selbst Preisverhandlungen und Mietvertr\u00e4ge werden in festen W\u00e4hrungen abgeschlossen, und nur dann zur\u00fcck in TL umgerechnet oder getauscht, wenn es gesetzlich zwingend vorgeschrieben ist. Das langfristige Gesch\u00e4ft profitiert von der harten W\u00e4hrung, w\u00e4hrend der t\u00e4glich Bedarf in weicher M\u00fcnze abgewickelt werden kann. Was die T\u00fcrken k\u00f6nnen sollten wohl auch die Europ\u00e4er schaffen k\u00f6nnen.<br \/>\n7.1.2015, Wofgang Tr\u00fcbger<\/p>\n<p><strong>Euro war Lottogewinn &#8211; was kommt danach?<\/strong><br \/>\nDer Euro hat es den S\u00fcdl\u00e4ndern (und teilweise auch Frankreich ) erm\u00f6glicht, auf Pump, Pump und nochmals Pump Hunderte von Milliarden (die jetzigen Schulden) in ihren L\u00e4ndern auszusch\u00fctten. Portugal ist seit Einf\u00fchrung des Euro geradezu vergoldet worden &#8211; auf Pump: Neue Autobahnen, superbe Br\u00fccken, neue Eisenbahntrassen, der gesamte \u00f6ffentliche Busverkehr von Bruch- auf Daimler-Benz-Niveau umgestellt, die Taxifahrer fahren Mercedes und das ineffektive, kr\u00e4ftig gewachsene Heer der \u00f6ffentlich Bediensteten wuchs und schwamm in zweistelligen Lohnsteigerungen auf, die in Deutschland v\u00f6llig abwegig gewesen w\u00e4ren. Das alles war wie ein Lottogewinn, den man auf den Kopf gehauen hat. Jetzt m\u00fcssen weitere Lottogewinne her &#8211; aber die bleiben nach den Spielregeln einer Lotterie leider aus. Also geht das grosse Schimpfen los, wo das Geld bleibt und wann es endlich eintrifft. Ganz nat\u00fcrlich, ganz politisch, ganz menschlich. Nichts daran ist auch nur ansatzweise \u00fcberraschend.<br \/>\n7.1.2015, Heinz Fromm<\/p>\n<p><strong>Parallelw\u00e4hrung\u00a0hat in der Bev\u00f6lkerung\u00a0keinen R\u00fcckhalt<\/strong><br \/>\nDer Artikel beschreibt die aktuelle Lage der Eurozone absolut realistisch: aber der Autor vergisst dabei, dass die Euro-Einf\u00fchrung damals eine politische Entscheidung war, die von der damaligen Bunderegierung unter Billigung der Bundesbank durchgef\u00fchrt wurde. Man hatte geglaubt, dass auf eine monet\u00e4re Union einen st\u00e4rkere politische Union folgen m\u00fcsste. Es w\u00e4re ein Treppenwitz der Geschichte, wenn die Bundebank jetzt zur\u00fcck zu einer neuen Parallelw\u00e4hrung wollte, die in der Bev\u00f6lkerung ohnehin keinen R\u00fcckhalt h\u00e4tte. Zudem gibt es doch schon Parallelw\u00e4hrungen, wenn man dem Euro nicht vertraut, kann man doch ohne weiteres sein Geld in Gold, Silber, Schweizer Franken oder britischen Pfund anlegen.<span class=\"Apple-converted-space\"><span style=\"color: #333333; font-family: Verdana;\">\u00a0<\/span><\/span>Also die angesto\u00dfene Debatte des Professors aus M\u00fcnster\/Bochum ist mal wieder nur eine akademische Debatte, die zu nichts f\u00fchrt<br \/>\n7.1.2014, Mark Winter<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Drei L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten gegen die Eurokrise: (1) Austritt der Krisenl\u00e4nder, (2) Einheitliche EU-Fiskalpolitik oder (3) Parallelw\u00e4hrungen. (1) verbietet sich aufgrund zu erwartenden Turbulenzen. 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