{"id":5218,"date":"2007-08-19T15:44:43","date_gmt":"2007-08-19T15:44:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=5218"},"modified":"2012-06-18T15:49:44","modified_gmt":"2012-06-18T15:49:44","slug":"zwangsheirat-reise-in-die-zwangsehe-schutz-in-frauenhaeusern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/zwangsheirat-reise-in-die-zwangsehe-schutz-in-frauenhaeusern\/","title":{"rendered":"Zwangsheirat &#8211; Reise in die Zwangsehe &#8211; Schutz in Frauenhaeusern"},"content":{"rendered":"<p>Sie ist eine\u00a0Tradition zum Schutz der vermeintlichen Familienehre und ein Verbrechen gegen die W\u00fcrde der Frau: In S\u00fcdbaden suchen immer mehr M\u00e4dchen und Frauen aus Migrantenfamilien\u00a0Hilfe aus Angst vor einer Zwangsheirat. Die meisten dieser Ehen werden im Ausland geschlossen,\u00a0viele davon gerade jetzt, in den Sommerferien. Die\u00a0Mitarbeiterinnen\u00a0 von Freiburger Hilfseinrichtungen geben Betroffenen Schutz &#8211; und fordern\u00a0die Schaffung eines eigenen Straftatbestands Zwangsheirat. Auffallend viele\u00a0 Frauen haben sich vor Ferienbeginn an das <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/littenweiler\/frauen.htm#Frauen- und Kinderschutzhaus Freiburg\">Freiburger Frauenhaus<\/a> gewandt: &#8222;Einige f\u00fcrchten ihre Zwangsverheiratung, andere\u00a0erleben h\u00e4usliche Gewalt&#8220;, berichtet Ellen Breckwoldt, Vorsitzende des Freiburger Frauen- und Kinderschutzhauses. <!--more-->Es sind Frauen wie\u00a0Leila (Name ge\u00e4ndert), die\u00a0 im Freiburger Umland lebt, die deutsche Staatsb\u00fcrgerschaft hat und die Hochzeit mit ihrem unbekannten Verlobten aus dem Libanon schon zwei Mal\u00a0 aufschieben konnte,\u00a0 indem sie absichtlich durch\u00a0 die Pr\u00fcfung zur Arzthelferin fiel. Doch im Fr\u00fchsommer riss dem Vater\u00a0\u00a0die Geduld,\u00a0ein Flug wurde gebucht, das Hochzeitskleid bestellt &#8211;\u00a0da entzog sich\u00a0 die 19-J\u00e4hrige durch Flucht\u00a0 ins Frauenhaus der\u00a0 Zwangsheirat. Jetzt lebt sie ohne Kontakt zur Familie in einer anderen Stadt.\u00a0Betroffen sind aber\u00a0 auch Frauen wie die Afghanin Sima (Name ge\u00e4ndert), 36 Jahre alt und Mutter von vier Kindern. Sie will sich von ihrem\u00a0Mann trennen, der sie schl\u00e4gt und bedroht, und\u00a0 muss\u00a0 das Schlimmste f\u00fcrchten: &#8222;Wenn sie sich scheiden l\u00e4sst, kann es sein, dass sie nach Afghanistan verschleppt\u00a0 und\u00a0 gesteinigt wird&#8220;, erkl\u00e4rt Roswitha Str\u00fcber, Leiterin des Fachdienstes Migration beim Caritasverband Freiburg Stadt und Mitglied\u00a0 in der Fachkommission\u00a0Zwangsheirat\u00a0der Landesregierung Baden-W\u00fcrttemberg.<br \/>\nGenaue Zahlen\u00a0 zur Zwangsheirat gibt es nicht. Nach Angaben von Terre des Femmes hat sich die Zahl der Frauen, die <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/littenweiler\/zeitgeschehen1.htm#Die fremde Braut - Zwangsheirat in Deutschland verbreitet und m\u00f6glich\">Schutz vor einer Zwangsehe<\/a> suchten, im vergangenen Jahr gegen\u00fcber 2004\u00a0 fast verdoppelt. Insgesamt w\u00fcrden in Deutschland jedes Jahr mehr als tausend Frauen Opfer dieser modernen Form von Sklaverei. &#8222;Vor zehn Jahren hat niemand \u00fcber Zwangsheirat gesprochen, seit das Tabu gebrochen ist, nehmen die Hilfegesuche\u00a0zu&#8220;, sagt\u00a0 Str\u00fcber.<br \/>\nObwohl die Allgemeine Erkl\u00e4rung der Menschenrechte\u00a0seit 1948\u00a0beinhaltet, dass eine Ehe &#8222;nur auf Grund der freien und vollen Willenserkl\u00e4rung der zuk\u00fcnftigen Ehegatten geschlossen werden&#8220; darf, setze sich\u00a0 erst\u00a0 langsam\u00a0 die Erkenntnis durch, dass es sich bei einer Zwangsehe\u00a0 keineswegs um eine Privatsache\u00a0 handelt. &#8222;Ich wei\u00df &#8211; aber es ist eben meine Familie&#8220;, zitiert Helga Kade vom Freiburger Frauenhaus die typische Antwort junger Musliminnen auf\u00a0die Rechtslage. Zerrissen zwischen dem Wunsch nach Selbstbestimmung und der Familientradition beugen sie\u00a0 sich der Sitte. Die\u00a0 Frauen der Familie &#8222;anst\u00e4ndig&#8220; und damit die Ehre &#8222;rein&#8220; halten &#8211; das ist laut Str\u00fcber der Hintergrund der arrangierten Ehe, die\u00a0unter Zwang geschlossen wird.<br \/>\nManche M\u00e4dchen werden bereits mit zw\u00f6lf Jahren einem Mann versprochen, bei anderen steigt die Gefahr\u00a0mit jedem\u00a0Lebensjahr: &#8222;Ziel\u00a0ist der Schutz der Tochter vor westlichem Einfluss.&#8220; Manche M\u00e4dchen wachsen schon in dem Wissen auf,\u00a0dass sie eines Tages mit einem Unbekannten verheiratet werden,\u00a0 andere werden \u00fcberrascht &#8211; pl\u00f6tzlich, etwa w\u00e4hrend einer Reise in die Heimat der Familie, kann es so weit sein. Von den M\u00fcttern ist meist wenig Hilfe zu erwarten, berichtet\u00a0 Breckwoldt: &#8222;Die leben oft selbst\u00a0 in einer Zwangsehe\u00a0und sch\u00fctzen den Ehrbegriff\u00a0 ganz besonders.&#8220;<br \/>\nObwohl der Islam\u00a0nach Auskunft der prominenten <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/multikulti.htm#Multikulti ist verantwortungslos - Seyran Ates\">Berliner Rechtsanw\u00e4ltin und Frauenrechtlerin Seyran Ates<\/a>\u00a0Zwangsehen verbietet,\u00a0 werden\u00a0 die meisten von ihnen\u00a0 zwischen Muslimen geschlossen: Eine Umfrage der\u00a0Fachkommission Zwangsheirat ergab, dass von den 213 Frauen und zwei M\u00e4nnern, die\u00a0 2005\u00a0in Baden-W\u00fcrttemberg Hilfe\u00a0gesucht haben, 95 Prozent\u00a0\u00a0 dem Islam angeh\u00f6rten. Die meisten stammten aus t\u00fcrkischen Familien,\u00a0 weitere waren Kurdinnen oder kamen aus\u00a0 dem Kosovo,\u00a0 Afghanistan, Pakistan, dem Irak, Syrien\u00a0und afrikanischen L\u00e4ndern. &#8222;Bildungsstand und Schicht spielen \u00fcberhaupt keine Rolle&#8220;, sagt Str\u00fcber, &#8222;auch der deutsche Pass sch\u00fctzt nicht.&#8220;<br \/>\nIm Gegenteil: Gerade die deutsche Staatsangeh\u00f6rigkeit mache ein M\u00e4dchen zur beliebten Braut f\u00fcr M\u00e4nner, die in der Bundesrepublik leben wollen. Neben dieser &#8222;Ehe als Einwanderungsticket&#8220; stehe die Heirat zwischen einem\u00a0 hier lebenden Mann und einer Frau aus seiner Heimat, die meist kein Deutsch spricht,\u00a0einer so genannten <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/integration.htm\">Importbraut<\/a>. Au\u00dferdem\u00a0 w\u00fcrden T\u00f6chter etwa in die T\u00fcrkei\u00a0 verheiratet, um sie vor vermeintlicher Unmoral zu sch\u00fctzen. &#8222;Mitsch\u00fcler und Lehrer bemerken erst nach den Ferien ihr Fehlen, und die\u00a0M\u00e4dchen sind ohne Pass und Handy ihrem Schicksal preisgegeben&#8220;,\u00a0 berichtet Str\u00fcber. Die Gefahr von Druck und Dem\u00fctigung, Vergewaltigung und Schl\u00e4gen sei in einer solche Ehe hoch.<br \/>\nAuch M\u00e4nner leiden laut Breckwoldt unter einer Zwangsehe, k\u00f6nnen sich aber den drohenden Folgen naturgem\u00e4\u00df leichter entziehen. F\u00fcr Frauen, die sich\u00a0 wehren, k\u00f6nne es\u00a0 dagegen lebensbedrohlich werden &#8211; immer wieder machen so genannte Ehrenmorde Schlagzeilen. Eine Waffe im Kampf gegen die Zwangsehe sehen die Frauen in einem &#8222;Gesetz zur Bek\u00e4mpfung der Zwangsheirat&#8220;, das als baden-w\u00fcrttembergische Initiative eingebracht und\u00a0 im Juli 2005 vom Bundesrat beschlossen wurde. Nun soll der Bundestag \u00fcber den Entwurf beraten, noch steht daf\u00fcr kein Termin\u00a0 fest. &#8222;Wir wollen die Zwangsehe als\u00a0 Straftatbestand&#8220;,\u00a0sagt Roswitha Str\u00fcber: Dann k\u00f6nnten sich\u00a0die Betroffenen leichter wehren, die Zwangsheirat w\u00fcrde ge\u00e4chtet und das Unrechtsbewusstsein gesch\u00e4rft.<br \/>\n24-Stunden-Hilfe:\u00a0Frauenhaus Freiburg, Telefon 0761\/31072<br \/>\nSigrun Rehm, 19.8.2007, <a href=\"https:\/\/www.der-sonntag.de\/\">www.der-sonntag.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie ist eine\u00a0Tradition zum Schutz der vermeintlichen Familienehre und ein Verbrechen gegen die W\u00fcrde der Frau: In S\u00fcdbaden suchen immer mehr M\u00e4dchen und Frauen aus Migrantenfamilien\u00a0Hilfe aus Angst vor einer Zwangsheirat. 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