{"id":52081,"date":"2014-12-15T17:06:24","date_gmt":"2014-12-15T16:06:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=52081"},"modified":"2014-12-21T08:36:59","modified_gmt":"2014-12-21T07:36:59","slug":"kartaus-ausgrabungen-kloster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kartaus-ausgrabungen-kloster\/","title":{"rendered":"Kartaus &#8211; Ausgrabungen Kloster"},"content":{"rendered":"<p>Am 18.12.2014 wird im <a title=\"Museum\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/museum\/\">Museum<\/a> f\u00fcr Stadtgeschichte am M\u00fcnsterplatz die Ausstellung &#8222;gemeinsam.einsam&#8220; er\u00f6ffnet. Sie ist den Ausgrabungen und Untersuchungen gewidmet, die Arch\u00e4ologen und Bauforscher der Landesdenkmalpflege im Vorfeld des Umbaus der <a title=\"Kartaus\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/garten\/kartaus\/\">Kartaus<\/a> f\u00fcr das <a title=\"UWC-Freiburg\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/schulen\/uwc-freiburg\/\">&#8222;United World College&#8220; (UWC<\/a>) vorgenommen haben. Nach fast 450 Jahren als Kloster und jeweils mehr als einem Jahrhundert als Adelssitz und Altenheim <!--more-->bezogen im September 2014 Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler aus der ganzen Welt die sanierten und erg\u00e4nzten Geb\u00e4ude.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcndung der &#8222;Freiburger Kartause Sankt Johannisberg&#8220; \u2013 so der volle Name der Kartaus \u2013 wurde seinerzeit durch eine Stiftung des Ritters und B\u00fcrgermeisters Johannes Snewelin erm\u00f6glicht. Seinen Beinamen &#8222;der Gresser&#8220; verdankt der 1291 als Spross einer reichen Freiburger Patrizierfamilie geborene Snewelin offenbar einer physiognomischen Eigenart, denn im altalemannischen bezeichnet man so einen &#8222;finster dreinblickenden Menschen&#8220;. Im Jahr 1346 schenkte er dem Kart\u00e4userorden das einsam, aber doch ihn Stadtn\u00e4he gelegene Gel\u00e4nde am Musbach f\u00fcr zun\u00e4chst zwei M\u00f6nchzellen, durch sein Testament, das mit Snewelins Tod 1347 Wirksamkeit erlangte, wurde die Stiftung wesentlich vergr\u00f6\u00dfert, so dass drei weitere Zellen entstehen konnten. Eine besondere Bl\u00fcte erlebte die Freiburger Kartaus in der zweiten H\u00e4lfte des 15. Jahrhunderts, als Gregor Reisch Prior (Vorsteher) des Klosters war. Als Universit\u00e4tslehrer und Autor war er hochgesch\u00e4tzt und stand als Beichtvater Maximilians I. in engem Kontakt zum kaiserlichen Hof. Zu seinen Sch\u00fclern und Freunden geh\u00f6rte die Spitze der oberrheinischen Humanisten, und auch der gro\u00dfe Erasmus von Rotterdam sch\u00e4tzte ihn sehr. Sein durch die literarische und verlegerische T\u00e4tigkeit nach und nach wachsendes Verm\u00f6gen verwendete Reisch in erster Linie f\u00fcr sein Kloster, das durch ihn unter anderem f\u00fcnf neue Zellen, eine M\u00fchle, ein neues Refektorium und eine neue Kirche erhielt. Die letzte bauliche Erneuerung der bl\u00fchenden Freiburger Kartause wurde unter Prior Benedikt Kayser im Juli 1753 begonnen und unter seinem Nachfolger Athanasius Kolb 1756 vollendet. Vor den sp\u00e4tmittelalterlichen Klausurtrakt mit dem gro\u00dfen Kreuzgang und elf H\u00e4uschen wurde der noch erhaltene dreifl\u00fcgelige Neubau errichtet. Wenige Jahre nach der Fertigstellung verf\u00fcgte Kaiser Joseph II. jedoch die Aufhebung der Kartause. Die kontemplative Lebensweise der Kart\u00e4user als Einsiedler erf\u00fcllte nach Auffassung des aufgekl\u00e4rten Monarchen und seiner Berater keinen gesellschaftlich sinnvollen Zweck. Den barocken Konventsbau zeigt die oben abgebildete Aquatinta-Radierung von Wilhelm Nilson. Sie geh\u00f6rt zu einer Serie von Freiburg-Ansichten nach Zeichnungen von Rudolf Follenweider, die von der Herderschen Kunst- und Buchhandlung in Freiburg in zwei Heften ab 1821 publiziert wurden. Der ber\u00fchmte Freiburger Historiker Heinrich Schreiber verfasste begleitende Texte. Sehr anschaulich beschreibt er die Situation nach der Aufhebung: &#8222;Jetzt ist die Karthause mit ihrer Zubeh\u00f6r Eigenthum des Herrn Staatsraths Freiherrn von Baden, und von demselben in einen genu\u00dfreichen Landsitz umgewandelt. Ein weiter bl\u00fchender Garten bedeckt die St\u00e4tte der ehemaligen Zellen, und wohlangebrachte, mit Ruheb\u00e4nken versehende Fu\u00dfpfade ziehen sich den benachbarten Bergr\u00fccken hinauf, und dort zu Stellen, wo sich die genu\u00dfreichsten Aussichten auf das liebliche Thal die vor\u00fcberrauschende Dreisam, die zerstreuten D\u00f6rfer, oder endlich auf die, an den fernen Bergh\u00e4ngen ruhenden H\u00fctten, darbieten.&#8220;<br \/>\n15.12.2014, Pater Kalchthaler<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial, Arial, sans-serif;\"><b>gemeinsam.einsam\u201c &#8211;<\/b><\/span><span style=\"font-family: Arial, Arial, sans-serif;\"><b>Ausstellung zur Freiburger Kartause noch bis zum 21. Juni<br \/>\n<\/b><\/span><span style=\"font-family: Arial, Arial, sans-serif;\">Die Grabungen im ehemaligen Kart\u00e4userkloster Sankt Johannisberg im Stadtteil Waldsee haben spektakul\u00e4re Funde ans Licht gebracht. Nun sind die Ergebnisse der arch\u00e4ologischen Untersuchungen erstmals in einer Ausstellung im <\/span>Museum f\u00fcr Stadtgeschichte zu sehen.<br \/>\n\u201egemeinsam.einsam\u201c gibt Einblicke in die Geschichte des Kart\u00e4userordens und kennzeichnet die Lebensweise des Kart\u00e4userordens: Lebensweise als Einsiedler und gleichzeitig Leben in einer kl\u00f6sterlichen Gemeinschaft. Der vom Heiligen Bruno im 11. Jahrhundert gegr\u00fcndete Kart\u00e4userorden mit seinem Zentrum in Grenoble \u2013 Grand Chartreuse \u2013 ist ein sehr strenger Orden, der nie reformiert wurde.<br \/>\nAuch geborgene Fundst\u00fccke sind zu sehen, darunter ein silbernes Kreuz, Buchschlie\u00dfen und -beschl\u00e4ge, Keramik- und Glasobjekte sowie ein Rosenkranz. Letzterer ist Inhalt eines museumsp\u00e4dagogischen Begleitprogrammes f\u00fcr Sch\u00fcler als interkulturelles, \u00fcbergreifendes Element von nichtchristlichem Ursprung (Perlen-und Gebetsschn\u00fcre waren schon im Buddhismus und Orient weit verbreitet, bevor sie vom Christentum als Form zur Meditation \u00fcbernommen wurden. Im Westen wurde das Rosenkranzgebet durch die Dominikaner im Rahmen der Marienverehrung weit verbreitet).\u00a0 F\u00fcr Familien und Kinder von 8 bis 12 Jahren berichtet eine Textspur von \u201ePater Johannes\u201c in einfacher Sprache \u00fcber das Leben der M\u00f6nche und andere zentrale Themen. Die Ausstellung zeugt von der wechselvollen Geschichte der Freiburger Kartause, die auf das Jahr 1346 zur\u00fcckgeht, als der B\u00fcrgermeister und Ritter Johannes Snewlin dem Kart\u00e4userorden damals das Gel\u00e4nde zum Bau eines Klosters mit zun\u00e4chst zwei M\u00f6nchszellen stiftete. Die Gr\u00fcndungsurkunde vom 28.06.1346 ist ebenso unter den Ausstellungst\u00fccken wie die \u201eMargerita Philosophica\u201c des wohl bekanntesten Priors, Gregor Reisch, dem ein in einer Latrine gefundenes Zinngeschirr aus dem fr\u00fchen 16. Jahrhundert zugerechnet werden kann. Bei den beiden gefundenen Frauengr\u00e4bern (27 Gr\u00e4ber von etwa 200 wurden ausgegraben) handelte es sich wohl um Stifterinnen.<br \/>\nManch Kurioses ist in dieser Ausstellung ebenso zu sehen, wie die Beschreibung der Historie vom Kloster, \u00fcber Landsitz und Altersheim bis zur heutigen Schule in Form des United World College.<br \/>\n21.12.2014, Hans Homlicher<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 18.12.2014 wird im Museum f\u00fcr Stadtgeschichte am M\u00fcnsterplatz die Ausstellung &#8222;gemeinsam.einsam&#8220; er\u00f6ffnet. 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