{"id":52033,"date":"2014-12-11T17:48:31","date_gmt":"2014-12-11T16:48:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=52033"},"modified":"2014-12-13T14:41:09","modified_gmt":"2014-12-13T13:41:09","slug":"american-dream-armreich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/american-dream-armreich\/","title":{"rendered":"American Dream &#8211; Arm\/Reich"},"content":{"rendered":"<p>Durch eigene Arbeit vom Tellerw\u00e4scher zum Million\u00e4r: nur noch 65% der US-B\u00fcrger glauben an &#8222;The American Dream&#8220;. Gr\u00fcnde: Immer mehr Einkommen wird vererbt, <a title=\"Soziales\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/soziales\/\">Kluft<\/a> zwischen <a title=\"Armut\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/soziales\/armut\/\">Arm<\/a> und Reich w\u00e4chst, <a title=\"Einkommen\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/einkommen\/\">Einkommen<\/a> von Kapital bzw. <a title=\"Vermoegen\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/vermoegen\/\">Verm\u00f6gen<\/a> w\u00e4chst st\u00e4rker als Einkommen von <a title=\"Arbeit\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/soziales\/arbeit\/\">Arbeit<\/a>, die <a title=\"Job\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/soziales\/arbeit\/job\/\">Entlohnung<\/a> wird als &#8222;ungerecht&#8220; empfunden.<a title=\"Arm und Reich \u2013 Kapital Arbeit\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/arm-und-reich-kapital-arbeit\/\">Thomas Piketty <\/a>fordert deshalb eine weltweite Verm\u00f6genssteuer.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Die &#8222;meritokratische Hoffnung&#8220; schwindet &#8211; nicht nur in den USA<br \/>\n<\/strong>Laut Piketty hat sich immer mehr Verm\u00f6gen an der Spitze der Gesellschaft konzentriert, wodurch immer mehr Reichtum vererbt, nicht aber erarbeitet wird. Erbschaft als leistungsloses Einkommen. Dies wird dazu f\u00fchren, dass die B\u00fcrger das zentrale Versprechen der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft verlieren &#8211; die &#8222;meritokratische Hoffnung&#8220;:<br \/>\n&#8211; &#8222;Wenn jemand mehr leistet, dann hat er mehr &#8211; wenn jemand hat, dann muss er auch mehr geleistet haben&#8220;.<br \/>\n&#8211; Durch der eigenen H\u00e4nde Arbeit reich werden.<br \/>\n&#8211; Schaffe, spare, H\u00e4usle baue.<br \/>\n&#8211; The American Dream: Vom Tellerw\u00e4scher zum Million\u00e4r<br \/>\n&#8211; Arbeiten und sparen lohnt immer und f\u00fcr jeden.<\/p>\n<p>Die &#8222;meritokratische Hoffnung&#8220; wird von den B\u00fcrgern als die zentrale Legitimation f\u00fcr materielle Ungleichheit in der Gesellschaft akzeptiert &#8211; es gibt keine andere Rechtfertigung. Die Ungleichheit von Arm und Reich wird akzeptiert, da jeder ja selbst die Chance hat, durch eigene Arbeit und Flei\u00df selbst reich zu werden. Wenn aber immer mehr vererbt wird, dann verlieren die Menschen den Glauben an dieses Prinzip und das f\u00fchrt zu Unzufriedenheit und Neid. Hiervor warnt Piketty.<br \/>\nNoch glauben die US-B\u00fcrger diesem Prinzip &#8211; obwohl immer mehr wissen, dass &#8222;The American Dream&#8220; f\u00fcr sie eigentlich nicht mehr gilt. Deswegen beginnt der Debatte um den &#8222;gerechten Lohn&#8220;, wo doch die H\u00f6he des Lohns unter erechtigkeitsgesichtspunkten nicht zu beantworten ist: Warum verdient eine Altenpflegerin weniger als ein Investmentbanker &#8211; weil Pflegeheime weniger verdienen als Investmentbanken.<\/p>\n<p>Leistung als Ma\u00dfstab der \u00d6konomie liegt weder in der pers\u00f6nlichen Anstrengung des Arbeitenden noch im Ergebnis der Arbeit. Wenn sich jemand wahnsinnig anstrengt, aber sein Produkt nicht verkauft werden kann, dann hat er rein \u00f6konomisch \u00fcberhaupt nichts geleistet. Denn diese auch als Produktivit\u00e4t benannte Leistung honoriert nicht die Anstrengung des einzelnen Menschen, sondern nur den Erfolg des Unternehmens.<\/p>\n<p>F\u00fcr den einzelnen kann es durchaus entlastend sein, an die Leistungsgerechtigkeit zu glauben, also daran, dass mit dem Lohn die &#8222;Leistung&#8220; gerecht bezahlt wird. Denn dies gaukelt ihm Handlungsf\u00e4higkeit vor: Wenn ich mich wirklich anstrenge, dann kann ich es schaffen. Anderseits bleibt ja auch dem Erfolglosesten nichts anderes \u00fcbrig, als sich eben weiter anzustrengen.<br \/>\nDie Kehrseite hiervon zeigt sich im Sozialdarwinismus: Die bequemen Arbeitslosen, die faulen Griechen. Bemi\u00dft sich Einkommen nach Leistung und Leistung nach Anstrengung, dann hei\u00dft dies im Umkehrschlu\u00df: Ist jemand wirtschaftlich nicht erfolgreich, dann war er faul, dumm oder beides &#8211; und als \u00f6konomischer Verlierer hat er sich selbst zu hinterfragen, nicht aber das Wirtschaftssystem. Hier beginnt dann der \u00f6konomische Rassismus: Griechenland ist in der Krise, weil dort weniger gearbeitet wird.<\/p>\n<p><b>Weltweite Verm\u00f6genssteuer als Illusion<\/b><br \/>\nAls L\u00f6sung des Auseinanderdriftens von Arm und Reich fordert Piketty die Einf\u00fchrung einer progressiven Verm\u00f6genssteuer weltweit. Stephan Kaufmann (siehe unten) h\u00e4lt diese Forderung f\u00fcr illusion\u00e4r: &#8222;Aber wer soll die Steuer durchsetzen? Sie bleibt eine Hoffnung, weil sie nur international denkbar ist, mindestens die gro\u00dfen Industriestaaten m\u00fcssten sich einig sein. Jeder wei\u00df aber, dass dieser Einigkeit der globale Standortwettbewerb um Kapital im Wege steht. Jeder Standort wirbt um die Kapitaleigner der Welt, um deren Kapital f\u00fcr das Wirtschaftswachstum des eigenen Standorts zu funktionalisieren. Deswegen versuchen alle, Investoren m\u00f6glichst g\u00fcnstige Bedingungen zu bieten und damit stehen alle Staaten in der Konkurrenz. Jetzt kommt Piketty und sagt: Einigt euch doch! Das ist eine prek\u00e4re Angelegenheit, denn es w\u00e4re eine Kooperation der Konkurrenten. Der Anreiz f\u00fcr jeden Staat auszuscheren, ist viel zu gro\u00df, deswegen wird es dazu nicht kommen. Fordern kann man das nat\u00fcrlich trotzdem, da kann man auch nichts dagegen haben, finde ich. Nur: Durchsetzen l\u00e4sst sich eine solche Forderung nicht allein mit besseren Argumenten. Wer etwas gegen Ungleichheit hat, der muss eben f\u00fcr seine Interessen k\u00e4mpfen, der muss eine soziale Auseinandersetzung f\u00fchren.&#8220;<br \/>\n11.12.2014<br \/>\n.<\/p>\n<p><strong>Gutes, knappes Buch von Kaufmann\/St\u00fctzle \u00fcber Pikettys Thesen<\/strong><br \/>\nStephan Kaufmann hat gemeinsam mit Ingo St\u00fctzle eine Einf\u00fchrung in das jetzt auf Deutsch erschienene Buch geschrieben: &#8222;Kapitalismus: Die ersten 200 Jahre Thomas Pikettys &#8218;Das Kapital im 21. Jahrhundert&#8216; \u2013 Einf\u00fchrung, Debatte, Kritik&#8220;. Die beiden Autoren sehen den Erfolg des Werks in einer Verunsicherung des \u00f6konomischen Mainstreams durch die Krise begr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Stephan Kaufmann \/ Ingo St\u00fctzle<br \/>\nKapitalismus: Die ersten 200 Jahre &#8211;<br \/>\nThomas Pikettys \u00bbDas Kapital im 21. Jahrhundert\u00ab \u2013 Einf\u00fchrung, Debatte, Kritik<br \/>\n112 Seiten, 13 Abbildungen, Paperback, 10,5 x 14,8 cm<br \/>\nArtikelnummer 978-3-86505-730-3<br \/>\nErschienen am 2. Oktober 2014<\/p>\n<p>Ein Gespr\u00e4ch mit Wirtschaftsredakteur Stephan Kaufmann \u00fcber den Hype um Thomas Pikettys &#8222;Das Kapital im 21. Jahrhundert&#8220;, seine Thesen zur zunehmenden Ungleichheit und den \u00d6konomen als &#8222;Herrschaftstechniker&#8220;.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/43\/43477\/\"><span lang=\"DE\">https:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/43\/43477\/<\/span><\/a><\/p>\n<p>.<br \/>\n<strong>Pikettys zentrale These: Wachstum des Kapitals r liegt stets \u00fcber dem Wachstum des Einkommens g<br \/>\n<\/strong>Kapital r\u00a0und Verm\u00f6gen setzt Piketty gleich. Einkommen g als Arbeitseinkommen .<br \/>\nWer Kapital hat, wir immer reicher\u00a0 wer arbeitet eher nicht.<br \/>\nZweck des Arbeitseinkommens = Konsum, d.h. es wird alles verbraucht. Zweck des Kapitals = Investition, also Vermehrung des Kapitals. Die Ungleichheit im Wachstum hat also mit der Quelle des Einkommens zu tun.<br \/>\nDie Arbeit generiert demnach Kapitalrendite.<\/p>\n<p>Thomas Piketty: Das Kapital im 21. Jahrhundert, Deutsche \u00dcbersetzung Ilse Utz,<br \/>\nVerlag C.H.Beck, 3.12.2014<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>American Dream &#8211; nur noch 64% der US-B\u00fcrger glauben daran<\/strong><br \/>\nImmer weniger Amerikaner glauben einer Umfrage zufolge daran, auch pers\u00f6nlich durch harte Arbeit am wirtschaftlichen Aufschwung teilhaben zu k\u00f6nnen. &#8222;Glauben Sie, dass es in diesem Land m\u00f6glich ist, arm zu beginnen und dann durch harte Arbeit reich zu werden?&#8220;, fragt die &#8222;New York Times&#8220; immer wieder einmal in ihren regelm\u00e4\u00dfigen Umfragen &#8211; und verzeichnet normalerweise Zustimmungsraten von mindestens 70, manchmal auch \u00fcber 80 Prozent. Kein Wunder, gilt doch eben jenes Versprechen vom Aufstieg durch eigene Kraft als uramerikanisch. In der vergangenen Woche antworteten jedoch nur noch 64 Prozent der befragten US-B\u00fcrger mit &#8222;Ja&#8220; . &#8230;. Alles vom 11.12.2014 bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/american-dream-amerikaner-glauben-nicht-mehr-an-us-mythos-a-1007825.html\"><span lang=\"DE\">https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/american-dream-amerikaner-glauben-nicht-mehr-an-us-mythos-a-1007825.html<\/span><\/a><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"DE\"><br \/>\n<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Durch eigene Arbeit vom Tellerw\u00e4scher zum Million\u00e4r: nur noch 65% der US-B\u00fcrger glauben an &#8222;The American Dream&#8220;. Gr\u00fcnde: Immer mehr Einkommen wird vererbt, Kluft zwischen Arm und Reich w\u00e4chst, Einkommen von Kapital bzw. 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